d Personalpron. 2. Pers. Sg. allg. – d, d! drohend, Wb-Nharz 47; tu, sech maal! Wb-Holzl 197; au wei! du häst’n Pott tweismäten STE-Wa; du kannst mal Teldern affdröjen HA-Bee; Wat häst du Lieschen? Pohlmann 1905,32; Dau, Krischaan! wo wut’n mitte Päre henn? Firmenich 1854,133 (HA-NHa); Nee, wenn De den abber sähn willst, mußt De uffen kleenen Marcht jehn ... Richter o.J. 54; Wu hastes denne? Wäschke 61915,90; muckst du di, so kriggst du ns Wb-Altm 140; ... dät heb ick di joa ... all vätellt ... Firmenich 1854,125 (OST-Hav); d hest d woll än Schplitta innert’n? JE2-Scho; Öwer dat seg ick däi ... Hausfr-Altm 1929,24 (STE-KlMö); ... ick bin doch bi dick. Rauch 1929,18; det jeht dich jarnischt an! ZE-Roß; ls tich toch nich lumpm Wb-Be; Me krt dich j jr nich mär ze sne. Mda-Harz 18 (BLA-Sti); ... hier bring’ ek dek ne recht rare Katte ... Wedde 1938,90; dat kan dek noch scheif gn Wb-Nharz 47; Rda.: da kannste Du tau seggen ‘das ist gut, wertvoll’ Sprw-Börde; ek will dek beine maken zum Antreiben von jmdm., Id-Quea 143; dick hat woll lange nich de Näse blaut (geblutet) Drohung, BA-GrAls.
Lautf.: du; außerdem: [t] Wb-Be; dou SA-Bee; dau Dialekt-Ma 12 (JE1-Schor), ZE-Nu; [diu] verbr. nwaltm.; in Aus- oder Anrufen: tu vereinz. w elbostf.; dau vereinz. elbostf.; in unbetonter Position: de, -e (auch enklitisch am Vb.); Dat./Akk.: di(e), [d] vereinz. ö nwaltm., verbr. w Altm. nw OST, vereinz. nö GA ö Altm. (außer s STE n WO), verbr. JE2 n/mittleres JE1, vereinz. s JE1; dei, dai, [dai] SA-Le, vereinz. nö SA, GA-Hem Si, vereinz. OST STE, WO-Ucht, verstr. s JE1 ZE; däi, [di] vereinz. ö SA nö GA, verbr. OST STE, vereinz. n WO, Mda-Ze (ZE-Gro); [d] SA-Kal, OST-GrRo, STE-Bad; di(c)k, [dik] verbr. nwaltm., verstr. sö GA (n der Ohre) CALV n WO, verbr. n/mittleres/sö elbostf.; dich, [di] verstr. s ZE, CA-Ca, verbr. omd.; [ti] Wb-Be; diche ZE-Roß; de(c)k verbr. OSCH sw elbostf. w/s QUE s BA; dk Id-Eilsa 56, verstr. BLA.
dumm Adj. 1. verbr. – a. ‘einfältig, unverständig, geistig beschränkt’, von Personen,  dusselig“Was, meine Änne soll dumm sin?” Krause 1964,88; Du bist noch to dumm ... Heimatkalender-Ma 1931,86 (Altm.); übertr.: dat Pert is dumm ‘... hat eine Gehirnkrankheit’ HA-Oh; subst.: dat is keinen Dummen WE-Dee; Verbdg.: dumm un albern Id-Quea 149; dumm un dmlich HA-Oh; Rda.: des Faier brennt w dumm (sehr stark) CA-Ak; dor machd sonn dummes Jesichde ‘er sieht finster, unfreundlich aus’ BE-KlSchie; hai hat sien dumme Schuur ‘er hat seine starrköpfige, trotzige Phase’ Wb-Holzl 80; dumm wie’n Puter Spr-Asch 37; dumm wie ne Gans Vk-Harz 3,45; dumm w an schwarzes Schwein Wb-Ak 48; dumm w Jrütte Mda-nwJe1a 46 (JE1-The); dumm wie Schifferschiete Vk-Anhaltc 85 (ZE-Hu); dumm wie Bohnenstroh Spr-Anhalt 175; der ist so dumm wie’n olt Krummbund Stro Bauernwelt-Ze; dumm wie Aukerwater ( kerwter) Wb-Holzl 58; dumm wie ein Teekessel Vk-Anhaltc 85 (DE-Re); is dummer wie’t de Polezei erlauwet Sprw-Börde; h is dumm un frett fl JE2-Scho; dumm, daß ihn Schweine beißen Vk-Anhaltc 85; hei is sau dum, datte en minschen drt Wb-Nharz 48; dumm jeborn un nischt taueleert Sprw-Börde; ... un wist uns nu vor dumm vorkoofen. ‘... willst uns täuschen, anlügen.’ Wäschke 61915,40; wiste en dummen Minschen sein, kucke int Water BA-GrAls; wenn hei sau lang wörre wie dumm, könn’e ut’r Dakrenne supen WE-Be; dr is sau dum we lank is Mda-Weg 92; Sprw.: je grötter, je dümmer Sprw-Eils 39; je älder, je dummer Sprw-Börde; wr dum is, mot eprjelt wren Wb-Nharz 48; Wer dumm is, is Winter un Sommer dumm. Chr-Em 429; wenne dumm worst, worste in’n Kopp teerscht dumm Sprw-Börde; De Minsch kann so dumm sind, as’r will, häi mütt sick äöwer to helpen weeten. Bewohner-Altm 1,350; de dummsten Bern hett de dicksten Kartuffeln HA-Oh; subst.: Wenn de Dummen to Marcht kaom’ krg’n de Klok’n Geld. Wb-Altm 278; De Dumm’n ward’n nich all; jedes Joahr wärd’n Schäpel utseit (ausgesät). Spr-Altm 45. – b. ‘unsinnig, töricht’ – nölt nich sön dumm Tüg OST-Sto; Watt forr ne dumme Fra! Klaus 1936,1. – 2. subst.: ‘ Schellenober’, Spielkarte, 3: WA-Re, 4: DE-Ra. – 3. ‘unangenehm, übel’ vereinz. – dat is en dum dink Wb-Nharz 41; Se jähn mich immer sonne dumme (unverschämten) Antworten ... Richter o.J. 89; Verbdg.: ’n dumm kom’m ‘unpassend, unverschämt antworten’ Wb-Ak 48. – 4. ‘unfruchtbar, ohne Frucht oder Inhalt’ – Rda.: umme de dummen nte (Nüsse) deut’ et nich ‘für wenig oder umsonst tue ich das nicht’ 3: Wb-Nharz 48.
Lautf., Gram.: dumm, [dum]; außerdem: [tum] Mda-Sti 39, Wb-Be; dumme OSCH-Di, Id-Eilsa 59, QUE-Di; dummp Vk-Ask 379; Kompar.: dümmer HA-Oh, Sprw-Eils 39; dimmer Vk-Anhaltc 103; timer Mda-Sti 39; dummer Sprw-Börde, Wb-Nharz 48; Superl.: dümmst- Ehlies 1960b 298, JE2-Bö; tim(e)st- Mda-Sti 39; dummst- vereinz. w elbostf.
Dwenstter m. TiN 1. ‘Hühnerhabicht’,  Hwek, 4: Vk-Anhalta 80. – 2. ‘Sperber’ 3: BA-GrAls.
Lautf.: Dubensteter BA-GrAls; Taubenstoßer Vk-Anhalta 80.
Ernerp n. ‘Seil, mit dem die Heufuhre auf dem Wagen festgezurrt wird’ 3: BA-GrAls, CA-Ca.
Lautf.: Erenreib BA-GrAls; Erntereif CA-Ca.
tekelle f. ‘Gefäß zum Einfüllen von Flüssigkeiten’ – Rda.: de hett de Schluheit mit de Ätekelle egetten ‘er ist überklug’ 3: BA-GrAls.
Etternettel f. PflN ‘Kleine Brennnessel’ 3: BA-GrAls, 4: Mda-Sti 124, BA-Ha.
Lautf.: Itternessel BA-GrAls; aiterneszel Mda-Sti 124, BA-Ha.
Farkens f. ‘weibl., zur Zucht bestimmtes Schwein’,  S, 2: ZE-Stra, 3: BA-GrAls.
Lautf.: Farkensue BA-GrAls; -sau ZE-Stra.
Fastelbrzel f. ‘Brezel, die zu Fastnacht gebacken und gegessen wird’, vgl. Fastenbrzel, Fastnachtsbrzeln, 3: Vk-Anhalta 217 (BA-GrAls).
Lautf.: Fasselbrezel.
Fer n. 1. verbr. – a. ‘Feuer’, ohne weitere Spezifizierung – Rda. (bei einem Teil der Rda. und Sprw. wäre auch eine Zuordnung zu 1b. oder 1c. möglich): Fir fengen ‘sich in jmdn. verlieben’ Sprw-Börde; Füer un Flamme ‘begeistert (sein)’ Wb-We 160; Er hat dat lopende Füer. ‘Er ist trunksüchtig.’ Bewohner-Altm 2,128; Eel int Fier geiten ‘die Situation verschlimmern’ BA-GrAls; Dät Für brännt äm up de Näwel (Fingernägeln). ‘Die Situation ist ernst, deshalb ist keine Zeit mehr zu verlieren.’ Bewohner-Altm 1,334; Datt iss ass wenn’n Fr haolt. von jmdm., der es eilig hat, wieder fortzukommen, Wb-Altm 205; hast wol fer in hindersten? ‘du hast wohl keine Ruhe?’ Mda-Weg 125; alles t’n fre rten ‘in Hast arbeiten’ Wb-Nharz 209; Datt iss jo’n Fr, datt’n Ossen braod’n kunn von einem großen Feuer, Wb-Altm 150; Dät is jo’n Für, as wenn de Köster backt un de Bur gewt Holt daoto. von einem kleinen Feuer, Bewohner-Altm 1,346; For de Arwt hat d Feier jefressen. ‘Sie arbeitet ungern.’ Wb-Ak 55; lt se fon mek se-in (sagen) wat se wiln, pot der leppel, wenn se mek man fon fre lten ‘soll nur über mich geredet werden, solange ich mich schuldlos weiß’ Wb-Nharz 209; Sprw.: wär’t Füer nödig hat, de söcht et in de Asche HA-No; Een klein Für känn ’n grod Holt (Wald) anstäken. Bewohner-Altm 1,334. – b. ‘vom Menschen kontrolliertes Feuer im Ofen, Herd oder im Freien’ – Fer in’n ben HA-Oh; Mache m Feier Wb-Ak 55; dat Fa will nich bren’n SA-Dä; Weil ’t lang’n nog all upp ‘t Füer stunn. Matthies 1903,42; Drumme rum um datt Füer staht dee Kinder ... Hbl-Ohre 1928 Nr. 18/Wöhlbier (HA-Eim); Sprw.: Wenn dät Für up’n Herd geiht ut, flüwt de Liew’ ut’n Schosteen rut. Bewohner-Altm 1,334. – c. ‘vernichtendes Feuer, Schadenfeuer, Brand’ – et is Fer t’e’brken HA-Oh; Wo is denn Feier? ZE-Roß; “Water is slimmer wie Füer, dat Füer kann ’en ut’n Wäe gahn, dat Water awer nich!” Wedde 1938,74; Leider warsch Feier ’n bißchn zu schpäte ausjebrochn ... Krause 1964,58; Äwer dät Füer harre sinen Kopp för sich un brännde nedder, wat et man krien künne. Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie). – Volksgl.: Damit sich ein ausgebrochenes F. nicht weiter verbreiten kann, wird es besprochen. Dies geschieht durch ein dreimaliges (Bewohner-Altm 2,304, Vk-Anhalta 322) oder siebenmaliges (Brauch-Anhalt 75, HA-Hi) Umgehen oder Umreiten des F. unter Aufsagen der Besprechungsformeln. Danach muss sich der Besprechende schnell (mit einem Pferd) entfernen und über Wasser gelangen, sonst würde er verbrennen. Bewohner-Altm 2,304, Zauber-Ma 96 (WO-Ol), Brauch-Anhalt 75 (HA-Hi), Vk-Anhalta 322. – 2. auch in der Verbdg.: dat hillige Fer ‘Wundrose’ 3: Wb-We 160, BLA-Brau.
Lautf.: Füer, [fr] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., verbr. JE2, JE1-Bie Pa, verbr. n/w elbostf.; Fü(ü)r (nwaltm., n/mittlere Altm.: [f], SA-Dä Rist, s Altm.: [f]) verbr. nwaltm. Altm., JE2-Go Ste, vereinz. n/mittleres JE1, verstr. w elbostf. (außer sw Rand); Fieer, [fr] Dialektgeogr-Elbe/Saale Kt. 11 (verbr. s JE1 n ZE), Mda-Ze (ZE-Reu Stre), Mda-Weg 125, verstr. s elbostf.; Fiir, [fr] ZE-Gri, vereinz. ö elbostf., Wb-Nharz 209, Mda-Sti 34; Fier (anhand der Laienschreibung nicht erkennbar, ob [--] oder [--] vorliegt, aber wohl Dominanz der diphthongischen Form) WO-Sa, verstr. ö elbostf., WE-La; [fr] BE-He; [fir] Mda-Ze (ZE-Gro); Feuer ZE-Ze; Feier, [fair], [fair] Dialektgeogr-Elbe/Saale Kt. 11 (verbr. s ZE), ZE-Roß, Spr-Asch 39, BA-Ba, verbr. anhalt.
ganz verbr. 1. Adj. – a. ‘alle(s), vollständig, restlos’, auch ‘ungeteilt’ – dätt gaze Derp SA-Rist; De ganze Gesangverein is blamiert. Lindauc o.J. 40; de janze Nacht wach län KÖ-Bre; De janzen Pausen simmer uffn Howe. Spr-Asch 25; ... denn’t wurre ville jemaust, sojaar janze Fähre (Pferde). Heimatkalender-Ze 1962,92 (ZE-Ze); Rda.: subst.: hei geit op’t Ganze HA-Oh. – b. ‘heil, unversehrt, unbeschädigt’ – dat is noch ganz HA-Oh; De Strimpe sin wedder jans, ich hawwe se jestoppt. Wb-Ak 75. – c. ‘beträchtlich, erheblich’ – en ganz deil Wb-Nharz 56; anne janze Weile Wb-Ak 75; et is all ne janze Tiet her Sprw-Börde; En ganzen Barj wärd wegesmetten ... Gorges 1938,74. – 2. Adv. – a. ‘vollkommen, gänzlich’ – ... gans gewiß. Kredel 1929,60; de Ft sünd mi ganz df Wb-Altm 258; ik bin heute janz kreizlahm ZE-Roß; dat is ganz wat nes Wb-Nharz 56; ... saohk’s dazumaolen janz annerscht aus. Heimatkalender-Börde 1925,62 (CA-Sa); ... da warschs noch janz finster inne Schtowwe. Wäschke61915,46; Verbdg.: t tengkst woll jantsnjr t kannts Wb-Be; hai gait ganzenhail dropp ut Wb-Holzl 94 (HA-No); Rda.: hei is nich ganz dichte ‘er ist dumm, einfältig’ BA-GrAls. – b. ‘sehr, überaus’,  bannigJanz klan (klein) ... Spr-Asch 24; Man mußte schon ganz genau hennkieken, ... Rauch 1929,77; dat is’n ganz infmen bengel Wb-Nharz 56. – c. einschränkend ‘ziemlich, einigermaßen’ – dat geit ’ne ganz gt HA-Oh; unse Sau het jans schne Frkng hat JE2-Scho.
Lautf.: ganz, gans, j-, [gans], [jan(t)s]; außerdem: [gans], [jans] vereinz. s nwaltm. nw Altm.; gs SA-Rist; [gas] SA-Ku Pü; jnz Mda-Sti 2.