Hne m. 1. ‘männl. Haushuhn’, slt. auch Männchen anderer Vogelarten, verbr. – dai Hin (Hähne) krien mrgngs btd’n SA-Dä; dor Hne dridd das Hn BE-Scha; Rda.: Hn in Korwe sn ‘beliebt sein’ Wb-We 46; een’n ro’en Haohn up’t Dack setten ‘jmds. Gebäude in Brand setzen’ Bewohner-Altm 1,338; d kreijet w der hunt noch hne n ‘etw. interessiert niemanden’ Wb-Nharz 68; De Hahn moakt d’ Og’n to bi’t Krei’n; he wet’t butwennig. Spr-Altm 83; Töw (warte) nochn bütschen, seggt de Hohn tumm Pierworm, dunn kreeg he imm to faten un fret imm upp. STE-Kre; Sprw.: Wenn de Hahn upp’n Meßberg steiht, hat he grot Recht. Spr-Altm 83; Twee Haohns up’n Meß, twee Furrlü’ up’n Waw’n (Wagen), twee Mudders in’t Hus: de könn’ sick nich verdraw’n (vertragen). Bewohner-Altm 1,338; Haohn un Koh decken dänn Disch to. a.a.O. 1,338; Rätsel: wie kummt de Hahn obern Tun wennt ränt?– nass, WE-Velt; in de Mitte dr rote Hahne un ringsum de weißen Hinner – Zunge und Zähne, KÖ-Ra; Kinderreim:Kucke Mudder, kucke Mudder, dat jeht jut,
wat der Hahn mit de Hinder dut,
hakt inn Kamm un kommt keen Blut,
kucke Mudder, kucke Mudder, dat jeht jut.
ZE-Ze;
Scherzreim:Kucke, kucke, kucke,
de Hahn sitt op de Klucke.
BA-GrAls;
Wenn de Hahn kraiht oppn Mess
ändert seck et Wäder oder et blifft wie et is.
WE-Re.
– Brauch, Volksgl.: Wer die letzte Garbe bindet, muss den Hahn fangen. ADVk Kt. 93 (Einzelbeleg JE2). Das Krähen der Hähne, bes. nachmittags, kündigt Regen an. Kräht der Hahn während der Geburt eines Kindes, stirbt es bald. Vk-Anhalta 29. Der Hahn bringt die Ostereier. Brauch-wAltm 37, ADVk Kt. 32 (w anhalt.). Wenn die Ostereier versteckt sind, ruft man den Suchenden zu: Kickerikik, der Hne hat bunte Eier jelt! Wb-Ak 65.  Hennig Hnertuckel Hshne; Kinderspr.: Kikerik Kikerikhne Kückelhne. – 2. ‘Garbe, die bei der Getreideernte zuletzt gebunden wird’, vgl. Hne 1., 2: ADVk Kt. 94 (Einzelbeleg WO). – 3. ‘Zapfhahn am Fass’ 2: Wb-Altm 263, 3: HA-Oh, 4: Wb-Ak 65 – n’ Hnen opdrein, ne Hne in’t Ft sln HA-Oh. – 4. ‘männl. Geschlechtsteil’ 2: Wb-Altm 263, ZE-Roß. – 5. ‘feiger, verzärtelter Mensch’, abw.,  Angsthse, 2: ZE-Roß. – 6. in der Verbdg.: Häönken Väörmeier ‘jmd., der sich stets einmischt’, abw., 2: Wb-Altm 77, Bewohner-Altm 1,338.
Lautf.: Hahne, [hn] verbr. elbostf. omd.; Ahne WO-Ol; Hoane, Haone, Hne, [hn] ZE-Nu Ro, vereinz. elbostf. anhalt.; Hohne vereinz. JE2; [han] Mda-Ze (verstr. ZE); [hane] ZE-Kö; Hahn vereinz. Altm. s JE1 ZE, verstr. elbostf.; Hoahn, Haohn, [hn] verstr. nwaltm. nbrdb., BE-Gü He; Hn, Hohn verstr. nbrdb.; [haon] SA-Dä; [hun] SA-Die; Haehn OST-Meß; Hoehn SA-Ra; [h] SA-Rist; Hoa OST-Na. – Gram.: Pl. [hnn] QUE-Hau; [hann] Mda-nwJe1b 70 (JE2-HSe, verstr. nw JE1); [hn] GA-Da; Hn STE-Wa, Höhn Mda-Ost 47 (OST-Ko); [hin] SA-Dä; [h] SA-Rist; Hahnens Hbl-Ohre 1929 Nr. 10/Wöhlbier (HA-Eim), Hanens Wb-Holzl 100, Hnens HA-Oh (veralt.); Haohns Bewohner-Altm 1,338; Höähns Mda-Ost 47 (OST-Me); Hööje a.a.O. 47 (OST-Gla). Zus.: zu 1.: Hs-, Kapp-, Kapn-, Kikerik-, Koller-, Kückel-, ster-; zu 4.: Nill-; sonstiges: Haupthahn, Kampfhahn, Kapp-, Knurrhahn, Königsbräuhahn, Krp-.
Happ(en) m., f. 1. ‘mundgerechte Menge eines (festen) Nahrungsmittels, Bissen’, auch ‘Imbiss, kleine Mahlzeit’ verbr. – n’ lüttich Heppken HA-Oh; an Happen Brot Spr-Asch 34; Lß mich doch m an Happ abbeißen, ich hawwe so’n Hunger! Wb-Ak 65; ‘n Happ tom Äten hol’n Wb-Altm* 55; immer hatse schene hepkens Mda-Weg 97; Sprw.: fette Happen sind leichte tefreten ‘Annehmlichkeiten sind leicht zu ertragen’ Sprw-Börde. – 2. ‘ein bisschen, ein wenig’,  bten – a. in der Verbdg.: ein Häppchen 2: ZE-Roß, 4: verstr. anhalt. – mache man an Heppchn trapp ‘beeile dich ein bisschen’ Wb-Be; hä humpelte je immer noch a Heppchen Alt-Cöthen 6; kumm doch m an Heppchen bei uns! Wb-Ak 69. – b. in der Verbdg.: ‘n Happen 3: BA-GrAls.
Lautf., Gram.: m.: Happ(e)n; außerdem: Happm QUE-Di, hapm ZE-Roß, Wb-Be; [hap] Id-Eilsa 66, Happ’m Wb-Ak 65; [habm] SA-Rist; Happ, [hap] Wb-Altm* 55, verstr. ö JE1, Wb-Ak 65; Happe ZE-Roß; f.: [hap] JE2-Scho, verstr. w JE1, happe OSCH-Di, Wb-Nharz 70; Häppe ZE-Roß; Dim.: Heppken HA-Oh, hepken Mda-Weg 97, Wb-Nharz 77; hepjen OSCH-Di; [hepn] ZE-Roß, Heppchen verstr. anhalt.; [hepn] Wb-Be; hapchen Mda-Sti 149. Zuss.: zu 1.: K-, Koste-, Ml-.
harken Vb. 1. ‘mit der Harke arbeiten, um etw. aufzuhäufen oder um den Boden zu glätten’ verbr. – Jarschte harreken ‘gemähte und auf Schwad liegende Gerste, wenn sie trocken ist, mit der Harke armvoll auf Seile legen und binden’ Wb-Ak 65; Was jejr’m is, muß jlei jeharkt wr’n. a.a.O. 65. – 2. ‘das auf dem Stoppelfeld liegen gebliebene Getreide zusammenharken’,  sstarwen, verstr. – d Kinna mün’n dän Ress up’m Hp’m hrkng JE2-Scho. – 3. refl. ‘sich streiten, zanken’, auch ‘sich  balgen’ 3: Wb-Holzl 101, Wb-Nharz 70, WE-Da. – 4. ‘stechen, einen Stich erzielen’, beim Skatspiel – den will ick mick mal harken 3: BA-GrAls.
Lautf.: harken; außerdem: [harkn] Mda-Ze (verstr. ZE), Wb-Be; [h(r)k] JE2-Scho; [hrgn] verstr. BE; harreken Wb-Ak 65; hrken Mda-Sti 149; herken, härken verstr. nwaltm. w Altm. Zuss.: zu 1.: in-; zu 2.: in-, n-.
Hring m. 1. TiN ‘Hering’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., JE2-Scho, 3: verbr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Rda.: dinne wie’n HeringVk-Harz 3,45; Hrink will schwim’m un Okse will saufen Rechtfertigung für reichliches Trinken nach Fischgerichten oder Braten, Wb-Ak 65; Sprw.: Wer sich für’n Hering utgift, wird daför gät’n. Spr-Altm 75; beliebte Gerichte: n’ inmangenrten (marinierten) Herich HA-Oh; grön Häring Hausfr-Altm 1925,55; Pellkartuffeln un Härig HA-Som; suern Hä- rich BA-GrAls; Hans Sasse, de vorman, ys myt rechte gekomen van Tydeke Nycleven van eyner tunne haringes wegen. 1480, StB-Neuhaldenslebenc 134. – 2. ’dünner, hagerer Mensch’,  Hämp(er)ling, 3: HA-Oh, Mda-Weg 97, 4: Wb-Ak 65 – Fritze is man  blß noch an Hrink. Wb-Ak 65; en drer hrich Mda-Weg 97. – 3. ‘klein gehacktes (Stück) Brennholz’,  Klwe(n), 2: STE-GrMö.
Lautf., Gram.: HeringSpr-Altm 75, Vk-Harz 3,45; [hri(k)] verbr. nwaltm. Altm., JE2-Scho; Hrink, [hrik] WA-Un, vereinz. anhalt.; haering BLA-Brau; Hrich, [hri], hrich SA-Ah, GA-Bo Le, CALV-Je Uth Zo, verstr. elbostf.; Herich HA-Oh; Pl.: Herije Wb-Holzl 104, herije Mda-Ohre 335 (WO-Ol).
hinden Adv. 1. ‘auf der abgewandten oder zurückliegenden Seite, im hinteren oder entfernteren Abschnitt, Teil’ 1: verstr. nwaltm., 2: verbr. Altm., vereinz. JE2, verstr. ZE, 3: vereinz. elbostf., verstr. Nharz., 4: verstr. nthür., verbr. anhalt. – Rda.: wat’e vorn opricht, stött’e hinnen wer umme HA-Oh; kannst mick mal von hinden, von vorne kann ick et allene grobe Abweisung, BA-GrAls; hinnen fix, vorne nix! Wb-We 52; nich mehr hintn hochkenn ‘nahezu bankrott sein’ ZE-Roß; Sprw.: ‘n Hinn’sten bt’n d’ Hunn’. Wb-Altm* 72; … eyne kamer(e) hinden im seluen huse … 1430, SchB-Zerbst Nr. 55. – 2. ‘im Heck’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 163 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 163 (CA-Ak), Wb-Ak 70.
Lautf.: hinden BA-GrAls; hindne Wb-Nharz 79; hinten JE2-HGö; [hintn] WO-Zi, ZE-Roß; [hint] SA-Ku Ma, GA-Schw; hinnen vereinz. elbostf.; hinn’n Wb-We* 214, hinn’, [hi] verstr. nwaltm., verbr. Altm., JE2-Scho, Elbschifferspr. 163 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa, CA-Ak), WO-HWa, HA-Bee, QUE-Di, [hi] Id-Eilsa 68; hinnene OSCH-Di; hin’ne, [hie] Mda-Ze (ZE-Reu Roß Stre), Wb-Holzl 105, CA-Ak, Wb-Be, verstr. sö BE (vorw. von junger Generation gebraucht); hingen Firmenich 1854,139 (BA-Ba); hingene Wb-Nharz 79 (Nharz.), Mda-Ro, verstr. nthür., [hin] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre), verbr. anhalt.; [hin] verstr. sw DE (vorw. von junger Generation gebraucht); [hi] verstr. DE.
Hocke(n) m., f. 1. ‘Hügel’,  Barg, 3: HA-Ro. – 2. ‘Maulwurfshügel’,  Mollbarg, 3: HA-Ma. – 3. ‘hü- gelartig Angehäuftes’ 1: SA-Ah Hen, 2: verbr. nbrdb., verstr. w JE1, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 152 – ne hukke wet Wb-Nharz 82; … anne dichdije Hucke Holz … Spr-Asch 39; dett Krut wärt in kleine Hukkens tosammesmetten HA-Neu; Nu wies mick doch mal den groten Hucken Geld, den du dick mit diene nieen Moden vorrdeint hast. Rauch 1929,112; Rda.: ne Hucke drupp ‘randvoll, übervoll’, von einem Tragekorb voll Gras, JE2-Par. – 4. ‘(kleiner) Heuhaufen auf der Wiese’,  Heuhocke(n), 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., vereinz. JE2, verbr. w JE1, JE1-Wo, 3: WO-HWa, vereinz. w JE1, verstr. HA, OSCH-Osch, WA-Dom KlWa, WE-La Wa, BE-Gü, 4: vereinz. BE – d müt dät Höi wen’n un in Huckng mkng JE2-Scho; Heu in Hucken bringen HA-Oh;Denn kann se sick upt Heun
So gor to leidig freun,
Wo wuppt ör da de Rock!
Un Huckn baut se flidig
Vö Ownd ümmer tidig,
Oft mehr noch as fif Schock
. Kredel 1929,19.
– 5a. ‘Stand von 6 bis 10 Getreidegarben’ 3: OSCH-De, WE-He Wa. – 5b. ‘Stand von 15 Getreidegarben’ 3: BA-GrAls. – 5c. ‘ein Arm voll Getreide’ 2: GA-Sche. – 6. ’10 Bündel bearbeiteten Flachses’ 3: Flachsbearb-Osch 236, OSCH-Schl.
Lautf., Gram.: Hocke f. HA-Oh; [hog] f. BE-Sa; [hok] SA-Dä Ku Pü, Hock Wb-Altm 83, Wb-Altm* 56; Hocken m. OST-Poll; HockenSA-Han Hen Le, vereinz. n Altm., GA-Vo; [hok] m. SA-Rist; [hok] verstr. nwaltm., vereinz. nw Altm.; [hok] Pl. verstr. n nwaltm. n SA, OST-Bi; Hucke, [huk] f. JE2-Be De Scho, JE1-Mö Wo, WO-HWa, OSCH-Wu, Wb-Nharz 82, Spr-Asch 39, Mda-Sti 152; Hucke, [huk] WO-Co Gli San, verstr. s JE2 w JE1, JE1-Grü, WE-Da, Wb-We 54, Wb-We* 216; [hug] f. vereinz. BE; Huck Wb-Altm* 56; Hucken, [hukn] m. STE-Ho, vereinz. n elbostf., Wb-Nharz 82, QUE-Di; Hucken, [hukn] SA-Ah, verstr. w Altm., verbr. ö Altm., verstr. JE2 JE1, verbr. n elbostf., vereinz. WE QUE, CA-Atz El Salz, BE-GrMü; Hucken Pl. JE2-De, JE1-Ca, HA-Oh; Huckn Pl. Kredel 1929,19; [huk] SA-Kal Vie, verstr. s OST, GA-Fau Le Schw, verstr. STE, WO-Col Zi Zie, HA-NHa; [huk] Pl. GA-Bo, JE2-Scho; Huckens, [hukns] Pl. WO-HWa, HA-Neu Ro. Zuss.: zu 2.: Moll-, Mollworms-, Molt-, Mlworms-, Mlworps-; zu 4.: Heu-, Lde-; sonstiges: Kompost-, Migmten-.
Hoffjunge m. ‘ Kleinknecht’ 2: WO-We, 3: HA-Oh, vereinz. OSCH, WE-Asp, QUE-Di, BA-GrAls.
hollig Adj. dass. wie  holl 1., 1: SA-Dä Rist, 3: verstr. n/w elbostf. – dai Wand is hollich SA-Dä; dat holt lt hollich Wb-Nharz 80; Rda.: dat geit in kein holigen Boom ‘das geht über die Kräfte’ BA-GrAls; dats wat opn hollijen Ten ‘das ist sehr wenig, davon isst man sich nicht satt’ Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: hollig Wb-We 53, WE-Dee; [holi] SA-Dä Rist, Beiträge-Nd 63 (WO-HWa), hollich Wb-Holzl 105 (HA-Alt Wef), OSCH-Di, Wb-Nharz 80; holijen sw. m. Akk. Sg. Sprw-Börde; hlich HA-Oh Ost, holich Wb-Holzl 105; holigen sw. m. Akk. Sg. BA-GrAls; [heli] Id-Eilsa 68.
Holltgel m., f. dass., 3: HA-Bee, Wb-Nharz 81, BA-GrAls, 4: verstr. BE.
Lautf., Gram.: [holdsjl] f. vereinz. BE, m. BE-Il; [-dsl] BE-Gier; [-dsl] m. BE-Nie; [-dsl] f. BE-Me Ra; Hohlteijel HA-Bee; -teile BA-GrAls, hl- f. Wb-Nharz 81; [hldsjl] f. BE-Dro Sa Scha.
1Holster m. 1a. ‘Spantasche oder lederne Umhängetasche, in der das Essen mit auf das Feld genommen wird’, meist seitlich getragen, auch am Pferdegeschirr befestigt,  Twelkpe, 3: verstr. s HA OSCH n WE, BLA-Ben Ti, BA-GrAls. – 1b. ‘große Jagdtasche’ 2: Wb-Altm 84, 3: BLA-Brau – Rda.: dat is j en Ding w ‘n len Rusleben sn Holster BLA-Brau. – 1c. ‘Ranzen, Ledertornister’ 3: HA-Oh, Hbl-Nharz 1929 Nr. 5/ohne Verf. (WE-Rho), Wb-Nharz 81. – 1d. ‘Reisetasche’ 2: Wb-Altm 84, 4: Mda-Sti 152. – 2a. ‘Geschlechtsteil des Hengstes’,  Psel, auch ‘Hodensack’ 2: WO-Sa, 3: GA-Ge, vereinz. HA. – 2b. ‘Vorhaut des Hengstes’ 3: Wb-Holzl 105 (HA-Sie).
Lautf.: Holster; außerdem: Nbf.: Heuster HA-Scha.