Kwer m. 1a. ‘Käfer’ verbr. – ne Blme sidsd a Gword DE-Ca; Abzählreim:Fritze Wwer hat’n Kwer
an de Tunge, an de Lunge,
an de Lwer.
HA-Oh;
Kinderreim:Fleg, Keefer, Fleg,
min Vadder is int Krieg,
min Modder is in Pommerland,
Pommerland is afbrannt.
Fleg, Keefer, Fleg!
OST-Sa.
– 1b. TiN ‘Maikäfer’,  Maikwer, 1: SA-Bar Die, 2: Wb-Altm 180. – 1c. ‘ Engerling’ 1: SA-Ho. – 2. ‘kleiner Junge’,  2Junge, 3: OSCH-Di. – 3. ‘Apfelrest, Kerngehäuse des Apfels’,  Appelknst, 3: GA-Wed.
Lautf.: Kwer, [kwr]; außerdem: Kewer, Kwer verstr.; Käfer verbr. s elbostf. w anhalt., sonst vereinz.; Keefer OST-Sa; Käber verstr. n/w Altm., verbr. STE w JE2, verstr. mbrdb., verbr. w elbostf., verstr. s/ö elbostf.; kwer Mda-Sti 28; [kawr] Mda-Ze (verstr. ZE); [kr] Mda-nwJe1a 45 (JE2-HSe, JE1-Ih Pa); Käwert verbr. sw ZE w QUE CA anhalt.; [kwort] ZE-Roß; [gwrd] Mda-Fuhne 111 (verbr. anhalt.); Zewerk (1b.) SA-Bar Die; Swwäk (1b.) Wb-Altm 180; [s-vk] SA-Rist; Zaiwerk (1c.) SA-Ho. – Etym.: die mit s oder z anlautenden Formen gehen auf den Lautwandel k > z vor folgendem i oder e (Zetazismus) zurück, vgl. Studien-Elbostf 61, Spr-Elbe/Saale 46f. Zuss.: zu 1.: Heilands-, Heil-, Heiwitz-, Herrgotts-, Himmels-, Hirsch-, Holt-, Hornkäfer, Johannis-, Jn-, Kartuffel-, Knp-, K-, Krn-, Kschten-, Krabbelkäfer, Leuchtkäfer, Lwe-Gotts-, Lohkäfer, Lse-, Mai-, Maren-, Ml-, Mess-, Milchkäfer, Mtsche-, l-, r-; sonstiges: Mai-.
Klocke f. 1a. ‘Glocke’, bes. die Kirchenglocke, verbr. – Der Klang der K. ist in zahlreichen Reimsprüchen nachempfunden: Bim, bam, bohler, Kost nen halben Daoler GA-Ga; Kümmt all to Kerk! Kümmt all to Kerk! OST-Sa; bimm baum, bälaumWE-Ve; Rätsel: Gät un schlät int Holt, Dag in, Dag ut: Un kümmt doch nich rut! Volksspr-Altm 93 (SA-Vi); Rda.: an de grte Klocke schlahn ‘etw. überall herumerzählen, aufbauschen’ CA-Fö; De hät de Klock lü’n hürt, weet äöwer nich wo’s’ hangen. ‘Er weiß nicht genau Bescheid.’ Bewohner-Altm 1,344; Nu weet ick, wo de Klocken hangen. a.a.O. 344; nu wettste, wat de Klocke eschlahn hat CA-Fö. – Brauch: Die K. wurde nicht nur zum Kirchgang geläutet, u.a. erinnerte das Läuten an bestimmten Tagen die Dorfbewohner an deren Ablieferungspflicht: Eier für den Pastor, Schütten (Abliefern) des Zehntgetreides, die Schüttenden bekamen Schnaps und Tabak. Brauch-Anhalt 92ff. (KÖ-Wa, DE-Ro). Am Michaelstag (29. September) läuten die Glocken Zinsen, Pachte, Swinegeld (OSCH-Krop). – Volksgl.: Die K. gilt vielfach als Vorzeichen des Todes: Vom Klang der Kirchenglocken heißt es, wenn sie singen, stirbt bald jmd. (GA-Ro). Klingt bei einer Beerdigung eine Glocke nach oder haben beim Leichenzug die Glocken einen traurigen Klang, so folgt bald ein weiterer Todesfall. Vk-Anhalta 174 (BE-Pei, KÖ-Kö Ost). Schlägt beim Trauergeläut die große Glocke zuerst an, ist das nächste Todesopfer ein Mann, bei der mittleren Glocke eine Frau, bei der kleinen ein Kind. a.a.O. 174 (BE-Pei). – 1b. ‘ Klingel an der Haustür’ 1: SA-Ah, 2: verstr. n/mittlere Altm., CALV-Calv, verstr. JE2, JE1-Mö, ZE-Wö Ze, 3: JE1-Pre, Wb-Nharz 100, BA-Rie, BE-He, 4: QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie Wö. – 1c. ‘kleine Glocke’, bes. für weidende Kühe und Schafe, auch am Schlitten, 2: SA-Sta, 3: Wb-Nharz 100. – 2a. ‘Uhr’, bes. die Turmuhr, 1: SA-Dä, 3: WO-Gu, Wb-Holzl 121, CA-Fö, 4: Wb-Ak 91 – uns Klock gaet to l aot ‘die Uhr geht nach’ SA-Dä. – Volksgl.: Das Schlagen der Uhren kann den nahenden Tod ankündigen: Schlägt die Turmuhr (Glocke) dem Geistlichen ins Vaterunser oder ins Amen, stirbt ein Kirchgänger. Vk-Anhalta 174 (KÖ-Ar, DE-Go). Gleiches tritt ein, wenn die Uhren vom Rathaus und vom Kirchturm gleichzeitig schlagen. a.a.O. 174 (DE-Je). Steht eine Wanduhr plötzlich still, stirbt am anderen Tag zur gleichen Stunde ein Verwandter. a.a.O. 174 (KÖ-Thu). – 2b. ‘Uhrzeit’ 2: Wb-Altm 106, Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), JE2-Scho Schön, verstr. ZE, 3: Rauch 1929,13, vereinz. HA OSCH, Wb-Nharz 100, Wb-We 67, 4: Wb-Ak 91, Wäschke 41920,8 – W hk is denn de Klocke? ‘Wie spät ist es?’ Wb-Ak 91; so umme half Klocke veiere rum OSCH-Wu; Ik ha äin Morr’n van Klock dree bet Klock nä’n Gras mäht … Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Klocke fünwe is et doch all düster HA-Bo; … von Klockener viere bes Klockener achte …’ungefähr von 4 bis 8 Uhr’ Wäschke 41920,8. – 3a. ‘glockenförmiges, unten geschliffenes Gerät aus Metall zum Enthaaren gebrühter Schweine’ 1: SA-Roh, 3: HA-Oh, Wb-Holzl 121 (HA-Wo), QUE-Hau, 4: Wb-Ak 91. – 3b. ‘Glasglocke’, zum Abdecken von Nahrungsmitteln, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Klocke, [klok] Sg.; Klock(e)n, [klok] Pl.; außerdem: Klock SA-Ah Dä, verbr. Altm., JE2-Kam; Klöcke JE2-Schön; Glocke Sg., Glocken Pl., [glok] Pl. SA-Roh, STE-Grie, CALV-Calv, JE2-Scho, ZE-Wö, OSCH-Eils, QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie; Glock OST-Bre Na, GA-Jä; Jlocke, [jlok] JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö), CA-Ak, Wb-Be; Klockener Wäschke 41920,8: zur Angabe der ungefähren Zeit, Bildg. mit -er: ist ein abgeschwächtes der, ausf. vgl. der 5. Zuss.: zu 1b.: Hs-, Klinge(l)-, Klinger-; zu 3.: Kse-, Lampenglocke; sonstiges: ster-.
Mndag m. 1. ‘Montag’ verstr. – Det Sönndaas gift’t bei’n Richter Klunz, Det Maandaas Klunz un Möhren Firmenich 1854,139 (BA-Ba); Sprw.: Na’n ruhen (rauhen) Mandag kümmt ne gladde Woche. Chr-Em 429. – Volksgl.: Der M. galt als Unglückstag. verbr. Größere Vorhaben oder wichtige Arbeiten sollten deshalb nicht montags begonnen werden: Mndag waerd nich wochenld BLA-Brau; Mandach hat keine Wochen Sprw-Börde. Das betraf bes. den Antritt einer neuen Dienststellung. ADVk Kt. 8 (verbr. Altm., sonst vereinz.). Aber auch auf den ersten Schulbesuch (SA-Pre), auf Trauungen und Taufen (OST-Sa) sowie auf die Aussaat von Pflanzgut, bes. von Lupinen sollte verzichtet werden. Brauch-Rie 749, Ackerbau-Anhalt 249 (ZE-Ke Li, BE-Scha, DE-Que), Vk-Anhalta 325. Eine Glucke sollte nicht am M. gesetzt werden, da sie nicht brüten würde. Brauch-Rie 749, Vk-Anhalta 325. In einigen altm. und elbostf. Orten war der M. ein Glückstag. ADVk Kt. 1. Bes. günstig war der M. als Termin für den Einzug in eine neue Wohnung. Vk-Anhalta 325 (ZE-Mühl). – 2. in der Verbdg.: blauer Mndag ‘Montag vor Ostern’ 3: HA-Erx, WE-Oster.
Lautf.: Ma(a)ndag, mndag verbr. elbostf.; Mandach Sprw-Börde; Maandaach Wb-Holzl 138, Mahndahch QUE-Di, Mndch HA-Oh; Maondag Wb-Altm 134; [mnda] Mda-nwJe1a 46 (JE2-HSe, verbr. n JE1); Moandch OSCH-Har, [manda] Mda-sJe1 13 (vereinz. sw JE1); [manda] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre); [-ta] a.a.O. (ZE-Roß); [mnda] JE2-Scho, Mda-sJe1 13 (verstr. s JE1), Moondach BA-GrAls, Lieder-Ma Nr. 831 (CA-Schö); mntch Mda-Sti 24; Montahk Heese 21919,26, Montak Wäschke 31909,75. – Gram.: Gen. Sg.: Ma(a)nda(a)s, mnds vereinz. elbostf. Zus.: zu 1.: ster-.
matschig Adj. 1a. ‘schmutzig, schlammig, durch Feuchtigkeit aufgeweicht’ 2: Wb-Altm 133, ZE-Roß, 3: Wb-Nharz 124, 4: Wb-Ak 111, Wb-Be, DE-Ca – dsig annere Schg n, es is madschich draußen DE-Ca. – 1b. ‘regnerisch, feucht, so dass die Wege aufweichen und die Straßen voller Schmutz sind’ – matschich wder 3: Wb-Nharz 124. – 2a. ‘weich, breiig’ 4: Wb-Ak 111, DE-Ca. – 2b. ‘überreif, weich, von innen faulend’, von Obst, bes. von Birnen,  mulsch (Kt.), 2: OST-Sa, GA-Est, JE1-Lob Schor, 3: HA-Bee Oh, BE-Gü, 4: CA-Ak. – 2c. ‘zerdrückt, zerquetscht’, von saftigem Obst, 3: Wb-Nharz 124.
Lautf.: matschig, -ich; außerdem: [madi] CA-Ak, DE-Ca.
Melkschöttel f. 1. dass. wie  Melksatte, 1: SA-Brie, 2: OST-Sa. – 2. ‘Gefäß, in das die Milch gemolken wird’ 3: Vk-Ask 72.
Lautf.: Melkschöttel OST-Sa; mellekschettl Vk-Ask 72; Mälkschött’l SA-Brie.
Mügge f. 1. TiN ‘Mücke’, in versch. Arten vorkommend, verbr. – anne Migge had mich jeschdochen DE-Ca; Um mick rum summt Fleigen un Müggen. Hbl-Ohre 1928 Nr. 1/Wöhlbier (HA-Eim); Rda.: diu maokst ja fan’n Mück an Elefant ‘du übertreibst maßlos’ SA-Dä; de Minschen kamen wie Müggen un Men (Maden) ‘die Menschen erschienen sehr zahlreich’ Wb-We 90; Bauernregel/Wetterregel: de Müjjen danzet, ‘t jifft gt Wer HA-Oh; wenn de mikken danzen, jift et ble rn Wb-Nharz 127; spöäln im Winder d Müggng, mütt d Br Noadfurrer krgng ‘Mücken im Winter deuten auf einen schlechten Ertrag bei Futterpflanzen’ GA-Da. – 2. in der Rda.: de Müggen pissen/seichen ‘fein regnen’,  musseln, 1: SA-Fa Ty, 2: OST-Sa, JE2-Kam, 3: verstr. HA, BLA-Ta, BE-Gü, 4: BE-Grö.
Lautf., Gram.: Mügge, [müg] SA-Ah Roh, vereinz. s Altm., JE2-Fe Schön Zo, vereinz. w elbostf., CA-Bie; Mügg SA-Die, vereinz. Altm.; Mügg(e)n Pl. SA-HDo, vereinz. Altm., GA-Brei, Hbl-Ohre 1928 Nr. 1/Wöhlbier (HA-Eim), verstr. WE; [müg] Pl. GA-Da; [mü] JE2-Scho; Müjje, [müj] JE2-Ro Scho, verstr. w elbostf.; Müjjen Pl. HA-Oh Schw; Müche OST-Sa, STE-Döl, JE2-Mö; Müch, [mü] verbr. nwaltm. w Altm. (außer sw); Müch(e)n Pl. vereinz. SA, OST-Thie; [mü] MdanwJe1a 42 (JE1-Dre GrLüb The); Mücke, [mük] OST-Katt, vereinz. s Altm., Mda-nwJe1a 42 (verstr. nw JE1), vereinz. elbostf. omd.; Mück, [mük] vereinz. nwaltm., verbr. n/mittlere Altm.; Mücken Pl. SA-Ty, OST-Gen Sa, JE2-Kam, ZE-Nu, HA-Uep War, vereinz. s elbostf. BE; [mj] Siedler-Je § 76a (JE2, n JE1); [mk] a.a.O. § 76a (JE2, n JE1); Migge, [mig] WE-Is Ri, QUE-Di, verstr. anhalt.; Miggen Pl. Wb-We 88, [mign] Pl. BE-Gü; [mj] Siedler-Je § 76a (mittleres/s JE1); Micke, [mik] verstr. mittleres/s JE1, Mda-Ze (verstr. ZE), WO-Gli Zie, verstr. s/ö elbostf., BLA-Sti, verstr. w anhalt.; Micken, [mikn] Pl. Mda-sJe1 9 (verstr. s JE1), WO-Mei, HA-Alv, verstr. s/ö elbostf., BLA-Sti; [mk] WA-Neu; [m] Dialekt-Ma 10 (vereinz. sw JE1, CA-El). Zus.: sonstiges: Müllermücke.
Njr n. 1. ‘erster Tag des neuen Jahres’ verbr. – in’t Njer hüppen HA-Oh; Prost Nijaar, schitt opp’t ool Jaar! Glückwunsch zum neuen Jahr, Wb-Holzl 146 (HA-Eil); Neujahrswünsche:‘nen ganzen Stall vull Rinner,
‘ne ganze Stuuw vull Kinner,
‘ne ganze Taß
(Banse) vull Müüs,
‘nen ganzen Kopp vull Lüüs.
Vk-Altm 219 (SA-Be);
Ich wünsche fröhliches, neues Jahr!/
Bei jedwedes Schaf ein Lämmchen,/
Bei jedwede Kuh ein Kälbchen,/
Eine brave Scheune voll Korn!
Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie);
Wetterregel: Moangrout (Morgenrot) an Naijoasdach bringkt Unvra (Unwetter) un mannich Ploach. SA-Rist. – Brauch: Das neue Jahr wurde durch das Läuten der Kirchenglocken am Nachmittag des Silvestertages (Vk-Harz 8,21) oder unmittelbar nach dem Jahreswechsel (Gesch-Ro 107) begrüßt. Im Harz stellten sich die Knechte auf einen freien Platz und ließen durch taktmä- ßiges Knallen der Peitschen ein Lied ertönen. Vk-Harz 8,22f., Pröhle 1858,260 (WE-Rok). In Quedlinburg wurde das Neujahr “abgeholt”, d.h. die Herren des Stifts zogen mit einem Monstranzkasten zur Äbtissin, Pröbstin und Dechantin, um Gaben einzusammeln. Vk-Harz 8,22. Im gesamten Gebiet gingen am Silvesterabend oder am Neujahrstag Knechte, Hirten oder die Burschen des Ortes singend und meist mit versch. Lärminstrumenten ( Tte,  Rumpelpott) von Haus zu Haus, um Gaben wie Eier, Wurst, Früchte, Brot oder um Geld zu erheischen ( umsingen). Heischevers:Nüsse ‘raus, Äpfel raus!
Sonst schmeiß ich’n großes Loch ins Haus.
Sing ich wenig,
Krieg’ ich ‘nen Pfennig;
Sing ich mehr,
Krieg’ ich ‘nen Zweer.
Ackerbau-Anhalt 275 (BA-Neu).
Das erhaltene Geld wurde in einen mit Häcksel gefüllten Zweischeffelsack gelegt. Brauch-Ma 251 (WO-HWa). Am Neujahrssingen beteiligten sich z.T. Pfarrer und Kantor, die zusammen mit ihren Schülern durch den Ort zogen, um das Geld einzutreiben, das ihnen von allen Einwohnern gezahlt werden musste und zu ihrem Gehalt gehörte (verstr. elbostf., verbr. anhalt.); statt Geld erhielten sie auch Eier (verstr. Nharz.) oder Würste, die beim Schlachten extra für diesen Zweck hergestellt wurden. Vk-Anhalta 203 (KÖ-KlPa). In Aken unternahmen die mit einer weißen Schürze bekleideten Fährleute einen Heischegang. Wb-Ak 120. N. war ein Termin für den Gesindewechsel (verbr.). – Volksgl.: Zu N. sollte man etw. Quellendes wie Reis oder Hirse essen, damit das Geld nicht schwindet. Brauch-Rie 746, CA-Lö, Vk-Anhalta 202 (verstr. anhalt.). Bereitet man Hering, muss es Rogener sein. Vk-Altm 219. Aus versch. Handlungen oder Beobachtungen konnten Aussagen über das kommende Jahr gewonnen werden: Üblich waren z. B. Bleigießen (Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255) oder das Aufschlagen des Gesangbuchs, bei dem aus dem zufällig gefundenen Lied auf die Zukunft geschlossen wurde. Brauch-Ma 255 (WO-HWa). Blickt man um Mitternacht durch das Schlüsselloch der Kirche, sieht man die Menschen, die im kommenden Jahr sterben werden. Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255 (HA-Sü). Geht man zwischen 23 und 24 Uhr in ein halbdunkles Zimmer und sieht einen Schatten ohne Kopf, muss man im neuen Jahr sterben. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Die Mädchen konnten den zukünftigen Ehemann erblicken, indem sie in der Stunde vor Mitternacht entweder durch die Beine hindurch in den Ofen blickten (Vk-Altm 220) oder sich unbekleidet auf den Ofen setzten. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Weist ein über die rechte Schulter geworfener linker Pantoffel mit der Spitze hausauswärts, wird das Mädchen aus dem Haus gehen, also heiraten. Vk-Altm 220. Damit die Hühner im neuen Jahr gut Eier legen, wird am Neujahrstag im Hof eine Kette kreisförmig ausgebreitet und das Futter hineingestreut. Brauch-Rie 746. Sonnenschein zu N. verspricht eine gute Ernte im Jahr. SA-Net. Scheint die Sonne auf den Altar, gerät der Flachs gut. Vk-Altm 219. Durch Gewehrschüsse in der Neujahrsnacht wird die Fruchtbarkeit der Obstbäume gefördert (OST-Sa, STE-Scha); aus dem gleichen Grund wird um jeden Baum eine Hand voll Stroh gebunden (STE-Scha Scher, Sagen-Havel 324). – 2.Großneujahr.
Lautf.: Niejahr, -jaar; außerdem: Njer HA-Oh; Niejaohr Brauch-Ma 255 (WO-Ol); [naij] SA-Rist; Neijr Wb-Ak 120, [naijr] Wb-Be; Nijahr Bewohner-Altm 1,351; Neujahr verstr. anhalt.; Ntjr QUE-Di.
Nikolaus 1. männl. RN – Bastlösereim:Niclos, Niclos,
Mache mir mein Pfeifchen los!
4: Vk-Anhaltb 76 (KÖ-Kö).
– 2. m. ‘(vermummte) Gestalt, die in der Vorweihnachtszeit (bes. am 6. Dezember) oder am Weihnachtsabend umhergeht und die Kinder beschenkt’, in Anlehnung an den heiligen N. von Myra,  Wnachtsmann, verstr. (außer nwaltm., n/w Altm., dort vereinz.). – Brauch: Der N. geht in der Nacht zum 6. Dezember um (ADVk Kt. 57 – verstr. sö elbostf. anhalt.) und füllt die in den Fenstern oder Hausfluren stehenden Schuhe oder Pantoffeln der artigen Kinder mit kleinen Geschenken (Nüsse, Äpfel, Lebkuchen). Vk-Anhalta 196. Direkt erscheint er den Kindern als verkleidete Gestalt in der Vorweihnachtszeit (ADVk Kt. 57 – vereinz. brdb.) oder zu Weihnachten (vereinz. Altm., ADVk Kt. 37 (Einzelbeleg ZE), verstr. w elbostf.). – 3a. m., n. ‘widerspenstiger, streitsüchtiger Mensch’, bes. von Frauen,  Stänker, auch ‘ungezogenes, garstiges Kind’, Schimpfwort,  Lümmel, 2: OST-Sa, 3: Beiträge-Nd 66 (WO-HWa), HA-Bee Oh, CA-Fö. – 3b. ‘unordentliche, liederliche Frau’,  Slampe, 2: Wb-Altm 146. – 3c. ‘hochmütiges Mädchen’,  Lickrs, 4: Wb-Be.
Lautf.: Nikolaus; außerdem: [niklaos] CALV-Uth Zo; nikkelwes Wb-Nharz 135 (BLA-Tr); [niklaos] vereinz. ö Altm.; Niklas Bewohner-Altm 2,236; Niclos Vk-Anhaltb 76 (KÖ-Kö); Nick(e)l (3.) Wb-Altm 146, OST-Sa, Beiträge-Nd 66 (WO-HWa), HA-Bee Oh, CA-Fö; [niklt] (3.) Wb-Be.