hart Adj. 1. ‘fest, widerstandsfähig, nicht weich oder elastisch’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., verstr. JE2 JE1 ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – das Brd is awwor harde DE-Ca; der Kauken is harke (knusprig) QUE-West; hartes holt Wb-Nharz 71; dae le Aerdsbodden (Erdboden) is wer sau hart w drjes (trockenes) Brd BLA-Brau; ne harte schprche ‘grobe, breite Sprechweise’ Wb-Nharz 71; Rda.: hart w schtein Wb-Nharz 71. – 2. ‘sehr, überaus, stark’,  bannig, 2: Elbschifferspr. 439 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), Schwerin 1859,50, 3: verstr. elbostf., 4: Elbschifferspr. 439 (CA-Ak) – der wind is hard Elbschifferspr. 439; n’ harten Winter HA-Oh; harre schunkeln ‘heftig schaukeln’ HA-Um; hei leppt harte ‘er läuft schnell’ QUE-West; hart raupen, schrn, singen ‘laut rufen usw.’ Wb-Nharz 71; Doa kann de Nachtwächter non nich moal all d’ Lü recht tüten; dänn een’n tüt’t’r to hart (laut) un dänn annern to liesen. Schwerin 1859,50; datt mott rst hart komen Wb-We 47; w fle wit du heben for dne Wsche? sess hundert Daler? dat is tau hart. BLA-Brau; Rda.: hei liggt (lügt) sau harte wie en Pert leppt QUE-West; sien harrste dauen ‘sein Möglichstes tun’ Wb-Holzl 101; nu awer harre! ‘nun aber los!’ a.a.O. 101. – 3. ‘schwer, mühevoll, schwierig’ 3: vereinz. elbostf. – hart rbein Wb-Nharz 71; et höllt harre ‘es ist schwierig, fällt schwer’ HA-Oh; hart hren ‘schwer hören’ Wb-Nharz 71.
Lautf.: hart; außerdem: hrt Mda-Sti 1 und 2; [hard] Elbschifferspr. 439 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa, CA-Ak); [ht] SA-Dä; harte QUE-West; [hard] DE-Ca; harre, [har] verstr. w elbostf.; harke QUE-West; harreke Wb-Nharz 71. – Gram.: Kompar.: harter Wb-Nharz 71; Superl.: hartste a.a.O. 71; harrste Wb-Holzl 101. Zuss.: zu 1.: knken-, knüppel-, knutter-.
hensmten Vb. 1. ‘zu Boden werfen, achtlos hinwerfen’, auch ‘ausstreuen’ 1: SA-Dä, 2: JE2-Scho, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 76, CA-Fö, 4: CA-Ak, Wb-Be – schmt man dai Huina an Göbsch (eine Hand voll) Waid’n hen SA-Dä; schmais de Dasse nich hin CA-Ak. – 2. ‘vergeuden, wegwerfen’ – Rda.: d schmit et jelt man sau hen 3: Wb-Nharz 76. – 3. in der Verbdg.: sik hen un hr smten ‘sich schlaflos hin und her wälzen’ 2: OST-Bi Wal, STE-Ho Wi, 3: GA-Wa, HA-Va, QUE-West.
Lautf.: hensmten OST-Bi, STE-Ho, GA-Wa, HA-Oh; -schmten, [henmitn] SA-Dä, OST-Wal, STE-Wi, JE2-Scho, HA-Va, Wb-Nharz 76, QUE-West, CA-Fö; [hinmaisn] CA-Ak; [-maisn] Wb-Be.
1Hn n. 1. TiN ‘Haushuhn’, bes. das weibl. Tier, vgl. Henne, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., 3: verbr. elbostf., 4: vereinz. nthür., verbr. BE – hättn Hoh n Ei läggt SA-Rist; dei Huiner rupn (mausern sich) SA-Hö; … wat de Häünder gackerten un de Aanten snatterten. Rauch 1929,11f.; Rda.: mid de Hoinern tau Bedde gn ‘zeitig schlafen gehen’ Wb-We 48; Mit d’ Hön’r to Wm gaon dass., Wb-Altm 84; d kratzet kein Haun darn ‘das interessiert niemanden’ HA-Oh; Wi hämm’ noch ‘n Hönk’n to plück’n ‘wir haben noch eine Angelegenheit zu klären’ Wb-Altm 84; wi het noch en Hineken mit’n ander te ruppm dass., Wb-We* 215; hei is immer furt wie en schwart Hauhn QUE-West; vorbistert wie de Häunder ‘verstört, verwirrt’ Sprw-Börde; Häuneken, wutte fräten, sau kleie WE-Oster; Krank as ‘n Hauhn, mag gern äten un nist dauhn. SA-Die; Sprw.: Höner bringen Fndschopp (weil sie im Garten des Nachbarn Schaden anrichten) Wb-Altm 278; Oll Kö’ gew’n Melk, jung Hünner gew’n Eier. Bewohner-Altm 1,345; et kratzt kein Hauhn ummsiss ‘wer eine Anstrengung unternimmt, denkt auch an den eigenen Vorteil’ Sprw-Börde; Op’n krank Haun hacket se alle rum Sprw-Harzvorld 374; en klauk Haun leggt ook mal in’n Brennettel ‘jeder macht einmal Fehler, irrt einmal’ HA-No; klg Hner läng k in Neddel un verbren’n sik n sch dass., GA-Da; de klauken Häuner verlegget de Eier k dass., Wb-We 48; en blind Haun findt k ein Krn a.a.O. 48; en Haun leggt dörch ‘n Kropp un ‘en Kauh melkt dörch de Stroote HA-No; Wenn väöl Hön’r in n Nest legg’n, helpt ‘t sick bald. ‘Wenn man aus mehreren Erwerbsmöglichkeiten Einkünfte bezieht, wird man reich.’ Wb-Altm 263; In nei’ Nester leg’n de Hünner gärn. ‘Neue Geschäfte und Einrichtungen werden zunächst stark besucht.’ Bewohner-Altm 1,340; Rätsel: En Hauhn kann eher en Scheppel Haber fräten as en Perd. Glöbest du dat? – ein Huhn frisst kein Pferd, Chr-Em 439; Neckvers: In Emerslä (Eimersleben) un Wormesdörp (Wormsdorf) tret se öre Häunder alleene. (dort lässt man keine Mädchen nach auswärts heiraten) HA-Ost; Abzählreim:Et saat en Heuniken ob de Kriwwe,
Tellte siene sieben Ringe.
Dit Spann, dat Spann,
Wu man oppe gahn kann,
Mit Löppeln un mit Kellen.
Brave Junggesellen.
Tif, taf, af
. Lieder-Ma Nr. 632 (BA-Ali);
Kinderlied:Putt, putt, putt, mn häuneken,
Wat deist’ up unsen hoff?
Du plükkst mek alle bläumeken,
Du mkst et gar tau groff.
Id-Quea 157;
Kinderreim:En Haun un en Hahn,
de Preddigt geiht an.
Enne Kauh un en Kalf,
de Preddigt is half.
Ne Katte un ne Mus,
de Preddigt is ut.
Chr-Em 437;
Scherzreim:Mkens, d fleutjet, un Heunder, d kreit –
am besten, wenn man se’n Kopp ummedreit
. HA-Oh;
Wetterregel: wenn sick de Häuner lusen, giwt et ander WäderBA-GrAls. – Volksgl.: Ein krähendes H. gilt als Ankündigung eines Todesfalls (Vk-Altm 266). Au- ßerdem kündigt es schlechtes Wetter (DE-GrKü), das Verenden eines Stücks Vieh auf dem Gehöft (ZE-Mühl) oder allg. Unglück an (ZE-Kö). Vk-Anhalta 29. Um das Unheil verkündende Krähen zu vermeiden, hackt man dem H. den Kopf ab. Vk-Anhalta 172 (CA-Zu). Das H. bringt die Ostereier. ADVk Kt. 32 (Einzelbelege Altm. JE1 ZE WE BLA). – 2. Dim. TiN ‘Marienkäfer’,  Marenkwer – a. in der Verbdg.: Heinecken-Steinecken 3: HA-Wed. – b. in der Verbdg.: liebe Gott sien Häuneken 3: GA-Nie. – 3. Dim. ‘ Kind’, Kosename, 3: Id-Quea 157.
Lautf.: Sg.: Hohn, Hn, [hn] verbr. Altm., JE1-Ca; [hn] OST-GrRo; [h] SA-Rist; hun Mda-Sti 33; Haun, Hauhn, [haun] verbr. nwaltm. elbostf. (außer w JE1); [haon] WO-HWa, HA-Hi NHa; [haun] SA-Pü; Häuneken Dim. GA-Nie; Heinecken Dim. HA-Wed; Huhn, [hn] vereinz. nthür., verbr. BE. – Gram.: Pl. (vgl. auch die formal zugehörigen Formen unter Henne): Hö(h)ner, [hnr] vereinz. ö nwaltm., verbr. Altm.; [hn] verstr. Altm. (außer sw); [hn] SA-Rist, vereinz. s Altm.; Höhne SA-Ben, STE-Da, [hn] Mda-Ar 37; Häöner OST-Werb; [hin] SA-Pü; [höin] SA-Zie; Höiner SA-Mel; Hehner OST-Pe, WO-Je Sa, QUE-Su, BA-Ba; Hehnder BA-Bad Rie; Honder WA-Schl; Huiner SA-Hö Ho Ty; [huin] verbr. n nwaltm.; [huin] SA-Dä; Huihnaer SA-Lag; Häuner, Heuner, Hoiner SA-Han, verstr. ö nwaltm., SA-GrGe, verbr. elbostf.; [hoen] WO-HWa, HA-Hi NHa; [hoin] SA-Ah Jü; Häunere OSCH-Ott, BLA-Be, Heunere WE-Rho; Häunder, Heunder, Hoinder verstr. elbostf.; Hoindere verstr. w WE; HainerHA-Va, HeinerCALV-Calv, WO-Me, verstr. n CA; [hainr] WA-Bey So; Heinder WO-Da, HA-Hi Neu; [haunr] WA-Be KlGe; Haunder WA-See, WE-Alt Da, QUE-Nei PrBör Schn; Haner BA-Rie; Hinner BA-Ha, KÖ-Ra; [hinr] verbr. BE; [hir] verbr. ö BE (mittlere Generation); Hinder vereinz. nthür.; Hünner Bewohner-Altm 1,340, STE-KlSchwa Osth Tan, BA-Neu; Hühner SA-Win, vereinz. OST, BA-Ra, BE-Neu We; Hihner QUE-GrSchie, CA-GrRo Sta, BE-Grö; Hien’der CA-Ca. Zuss.: zu 1.: Klwitt-, Kluck-, Klt-, Krp-, Legge-, Lk-, Noll-.
1huddern Vb. 1. ‘frösteln, vor Kälte schaudern’ 2: Wb-Altm 86, 3: Wb-Holzl 107, HA-Bee Oh, vereinz. sw elbostf., Vk-Ask 376, 4: Mda-Sti 108. – 2. ‘die Küken unter die Flügel nehmen, um sie zu wärmen’, von der Glucke,  1hurkeln, 3: QUE-West. – 3. refl. ‘sich zusammendrängen, um sich zu wärmen’ – dai klain Kükng huddan sik 1: SA-Dä. – 4. ‘sich im Staub baden’, von Hühnern, 4: Mda-Sti 108. – 5. ‘vor Schrecken oder Ekel schaudern’,  schuddern, 3: verstr. elbostf. (außer sö) – mik hat höllsche huddert vor Anges HA-Alv; mancher huddert sek dafor BLA-Be.
Lautf., Gram.: huddern; außerdem: huddrnVk-Ask 376; [hudn] SA-Dä; hundert 3. Sg. Präs. OSCH-Dee. Zus.: sonstiges: in-.
Jungensfuchtel f. dass. wie  Jungensfster 1., 3: ADVk Nr. 211 (QUE-West), 4: Spr-Anhalt 170.
Klinkhken m. 1. ‘Haken, in den die Klinke einschnappt’ 3: Wb-Holzl 120, Id-Eilsa 72. – 2a. ‘eiserner Haken, an dem ein Schinken oder eine Speckseite hängt’ 3: Wb-Holzl 120, Wb-Nharz 100 (QUE-West). – 2b. ‘Rest eines Stücks Schinken oder einer Speckseite, der am Haken zurückbleibt’ 3: Beiträge-Nd 64 (WO-HWa), Wb-Holzl 120, Id-Eilsa 72, Wb-Nharz 100 (QUE-West). – 2c. ‘Ende einer  Brtworst in Form einer 6, eine dreiviertel Wurst’, scherzh., 3: Wb-Holzl 120 (HA-Um). – 3. dass. wie  Klinke 3a., 4: CA-Ak.
Lautf.: Klinkhaken Wb-Holzl 120, Id-Eilsa 72; [klinkhkn] Beiträge-Nd 64 (WO-HWa); [kli-] CA-Ak; klinkhke Wb-Nharz 100 (QUE-West).
Kken m. 1. ‘Kuchen’ verbr. – Du reurst ja! Wutte Kauken backen? HA-Bee; der Kauken is harke (knusprig) QUE-West; ha is ne olle Wespe an Kkng JE2-Scho; … hadde ‘n Freitak jlei beis Brotbacken Kuchen mitjebacken … Wäschke 31909,75; Rda.: die sin een Ei und een Kuchen ‘sie sind unzertrennlich’ Vk-Anhalta 69; Kinderreim:backe, backe Kchen,
der Becker had jerfen,
had jerfen de janze Nachd,
Fridzchen had kn’n Dch jebrachd,
krd  kn’n Kchen.
CA-Ak;
kaukn rt,
ss schlaome de brt taun fenestr rt!
, rufen die Kinder
nach dem Poltern den Brautleuten zu, wenn sie nicht gleich
belohnt werden, Vk-Ask 130 (QUE-Na).
– Brauch: Kuchen wurde nur zu hohen kirchlichen Festtagen, zu Familienfeiern und zur Erntezeit, manchmal auch zum Sonntag, wenn ohnehin ein Backtag angesetzt war, gebacken (Essen-nwAltm 19, Vk-Anhalta 46). – 2. in der Verbdg.: gereuhrter Kauken ‘Topfkuchen’,  Pottkken, 3: HA-Som. – 3a. in der Verbdg.: natter Kken ‘meist mit Obst belegter Kuchen’ 3: Wb-Nharz 133, 4: Wb-Ak 99, Vk-Anhalta 47, DE-Ca – ich will lwor nassen Gchen a.a.O. – 3b. in der Verbdg.: drger (trockener) Kken ‘Kuchen ohne (Obst-)Decke’, auch ‘Kuchen, der in den Kaffee getunkt wird’ 3: Wb-Nharz 133, Vk-Harz 3,66, 4: Wb-Ak 99, Vk-Anhalta 47 – Rätsel:Schtief schteck ek ene rin
un schlapp teiken’e ruht
(herausziehen). – Kuchen im Kaffee,
Vk-Harz 3,66.
Lautf., Gram.: Ko(o)ken, [kkn] verstr. mittlere Altm., OST-Alt, vereinz. s Altm., JE2-Schön, verstr. w JE1, HA-Hu, Dialekt-Ma 8 (CA-El); Kokn, Ko(o)k’n, Kk’n Wb-Altm 112, Matthies 1903,3, SA-Altm Bre, OST-Kru; [kk] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., JE2-Scho; Kook Albrecht 21822 1,87; kuchen Mda-Sti 33; Kauken, [kaukn], [kaokn] SA-Ro, verstr. elbostf., [khaukhn] Mda-War 26; Kaukn, Kauk’n SA-Lag, HA-Bee, Vk-Ask 130 (QUE-Na) und 373; [kauk], kaukng verstr. nwaltm., SA-GrGe, Mda-Ro; Kauke OSCH-Di, Wb-Nharz 94, [khaukh] Mda-War 26 (veralt.); Kuke, [kk] Mda-Ma 66 (ZE-Dor), ZE-KlLei; Kuke f. JE1-Bü, ZE-Ra; Kueke, [kk] JE1-Pa, ZE-Göd, [kuk] Mda-Ze (vereinz. ZE); Kueke, [kk] f. verstr. JE1; [kok] Mda-Ma 66 (JE1-Dan); [kuok] ZE-Kö; Kuchen QUE-GrSchie, vereinz. anhalt.; [kn] ZE-Roß, Wb-Be; [gn] Mda-Fuhne 30 (DE-Ca); Kuche JE1-Stei. Zuss.: zu 1.: Haller-, Hrd-, Hwe-, Hochtts-, Honnig-, ser-, Kartuffel-, Kse-, Kirschkuchen, Klatsch-, Klemm-, Knackenkuchen, Kranz-, Krmel-, Losekuchen, Mn-, Matzkuchen, Mren-, Mrrwen-, Napp-, ft-; sonstiges: Kartuffel-, Klump-, Klunz-, Ln-, l-.
Krnschne f. ‘Raum der Scheune, in dem die Garben verpackt werden’,  Banse, 3: QUE-West.
Lautf.: Kohrnschiene.
krmen Vb. dass., 2: WO-Sa, JE1-Ziep, 3: verstr. w elbostf., Id-Queb 7, QUE-West, BA-Rie, 4: Wb-Ak 98 – … un dei Mareik (Meerrettich) datau, dat einen de Ogen da na trahnen oder sau schön in de Näse kriemt … Rauch 1925,5.
Lautf.: kri(e)men; außerdem: kr’m, [kr] HA-KlBa, Id-Eilsa 74, OSCH-Wu, Wb-Ak 98; kräimen WE-Ost.
kulpig Adj. 1a. ‘starr blickend’, von den Augen, 3: Wb-Nharz 110. – 1b. ‘schläfrig, verschlafen’ 3: Wb-We* 223, Wb-Nharz 110, Id-Queb 8 – noch kulpich tsein Wb-Nharz 110. – 2. ‘dicklich’ 3: Wb-Holzl 129, Wb-Nharz 110 (QUE-West).
Lautf.: kulpig, -ich; außerdem: Nbf.: kulpsch Wb-Nharz 110 (QUE-West).