anstellen Vb. 1a. ‘etw. an etw. stellen, anlehnen’ 3: vereinz. elbostf. (außer sö), 4: Wb-Ak 24, Heimathefte-Be 1956,139 (BE-GrWi) – Hei hake sick nu de Leire (Leiter) af, stelle se an, un steig hoch. Rauch 1929,19. – 1b. ‘einen Topf aufs Feuer stellen’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 16 – en pot nschteln a.a.O. 16. – 2. ‘einschalten, in Betrieb setzen’ 1: Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), 3: HA-Oh, 4: Wb-Ak 24, Wb-Be – ... dreit hei sin Möll na’ d’n Wind, stellt sei an, ... Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die). – 3. ‘jmdn. einstellen’ 3: vereinz. n/mittleres elbostf. – Et mußten ümmer mehr Lüe annestellt wern, um dei Arbeit te schaffen, ... Rauch 1929,10; hei is b de Bne anestellt HA-Oh. – 4a. in Verbdg. mit Subst. ‘vornehmen, ausführen’ – “... Die Pollezei hat nach dem Diebe Reecherchen angeschtellt.” 4: Wäschke 61915,106. – 4b. ‘Schaden, Übles verursachen, anrichten’ – w hast’e dat man anestellt? 3: HA-Oh. – 4c. ‘etw. in bestimmter Weise anfangen, bewerkstelligen’ 3: Wb-Nharz 16, 4: Wb-Ak 24 – Eich jlickt  alles, w stelltersch denn man n? a.a.O. 24. – 5. refl. ‘sich in bestimmter Weise aufführen, benehmen, gebaren’ 2: Wb-Altm 6, OST-Drü, 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Ak 24, Wb-Be – stelle dik nich sau an! ‘sei nicht so wehleidig!’ HA-Oh; sick anstelln ‘wegen einer Kleinigkeit viel Aufhebens machen’ Wb-Altm 6; hei schtelt sek bls sau n ‘er verstellt sich nur’ Wb-Nharz 16; Dr stellt sich n, als ob’e von jestern wre ‘... als ob er keinen Verstand hätte’ Wb-Ak 24. – 6. ‘empfehlen’ – mi sünd väöl Mäkens anstellt ‘mir sind viele Mädchen zur Heirat empfohlen worden’ 2: Wb-Altm 254.
Lautf., Gram.: anstell(e)n, -stell’n, -schtellen Wb-Altm 6 und 254, vereinz. elbostf.; stelle an 3. Sg. Prät. Rauch 1929,19; stellt - 3. Sg. Präs. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), OST-Drü; annestellt Part. Prät. Rauch 1929,10; -geschtellt Part. Prät. Wäschke 61915,106; nschteln Wb-Nharz 16; [nteln] Wb-Be; nstel’l Wb-Ak 24; aonjestellt Part. Prät. Heimathefte-Be 1956,139 (BE-GrWi).
April m. Monatsname, verstr. – Dei Hochtid was in’n April, ... Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); For Schawwernacksleite is dor erschte April immer ’n freedijes Ereichnis. Krause 1964,55; Rda.: in’n april schikken ‘jmdn. necken, foppen, zum Narren halten’ Wb-Nharz 17; Reim: ’n irsten April kann’n Narren schicken wo’n (wohin) will. Bewohner-Altm 1,319; April, April, d kammor nfr’n wmor will Zuruf als Entschuldigung an jmdn., den man in den A. geschickt hat, Wb-Ak 25; Wetterregel: April deit, wat hei will WE-Be; ’n drng April is nich dn Bans Will SA-Rist; De April mag sien wie e will, aber Loof un Gras bringet e doch. Chr-Em 427. – Brauch: Bes. am ersten Tag des Monats suchten Kinder und jüngere Erwachsene einander zum Narren zu halten. Es wurde versucht, dem anderen eine unwahrscheinliche Geschichte als wahr darzustellen oder ihn zum Herbeiholen fiktiver Gegenstände (z. B.  Müggenfett,  Msefeddern) zu veranlassen. Vk-Anhalta 226, Wb-We 9. Der 1. A. war in den Kreisen BE, KÖ und DE der Tag, an dem die Mägde ihren Dienst antraten. Vk-Anhaltb 64.
Arbeit f. 1. ‘(beruflich ausgeübte) körperliche oder geistige Tätigkeit’ 1/2/3: verbr. nd. (außer ö der Elbe, dort verstr.), 4: vereinz. omd. – nr rbeit gn Wb-Nharz 17; ... un na’t Kaffeedrinken güng’t an de Arbeit. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); In mnd machten de Karls un de Mächens de Arweet, ... ZE-KlLei; Rda.: dor had de rwd nich arfungng DE-Ca; Dee will wat daun, wenn de Arbeit fertich is. Wb-Holzl 36; Er scheiet sich vor de Arbeet wie der Bettelmann vorsch Achtjroschenstikke Spr-Anhalt 176; Sprw.: Wer keen Arbeit hät, de möckt sick weck. Bewohner-Altm 1,319; n gedaner Arbeid is gd rauen Wb-We 9; An d’ Erd is de meist’ Arbeit. Spr-Altm 76; Arbeid is keen Hs, se löppt nich furt. Firmenich 1854,122 (OST-See); Vonne Arwt is noch kner fett jewor’n. Wb-Ak 26; Arbeit makt et Leben säute, Fulheit noch veel säuter. Sprw-Börde; Ne Stunne richtich Biisinnen bringt meer Sääjen wii ’ne Woche suure Arbeit! Bode 1908,62. – 2. ‘Mühe, Plage’ 3: CA-Fö, 4: Wb-Ak 26 – da haste dine Arbeit, et wedder in Gang tau bringen CA-Fö.
Lautf.: Arbeit, -ai-,-d, [arbait], [arbeit], [arbaet] Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), verstr. Altm., vereinz. mittleres/s JE2, verstr. JE1, Mda-Ma 66 (ZE-Dor), verbr. elbostf.; rbeit, [rbait], [-baet] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm., CALV-Uth, Wb-Nharz 17; [rbit] OST-Ko; arweit, [arwaet] OST-Kru, CALV-Zo, Siedler-Je § 142, Mda-Ro; [rwait], [-waet] SA-Ku Rie, verstr. ö Altm., JE2-Scho, WO-HWa; rwait Mda-Sti 2; [arwät] Siedler-Je § 142; Arbeet Heimatkalender-Je 1937,78 (JE2-Fi), Vk-Anhaltc 85 und 110, Spr-Anhalt 176; -weet, -wt, [arwt] JE2-Gü, verstr. ZE, vereinz. ö anhalt.; [rwd] DE-Ca; [rwt] ZE-Roß; Arrewt Wb-Ak26; Arwat Spr-Asch 28; rbt QUE-Di.
Arger m. ‘Unwille, Verdrossenheit’, auch ‘ärgerliche(s) Erlebnis(se), Unannehmlichkeit(en)’ 1: Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die), 2: Pohlmann 1905,68, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – ... an’n jroßen Arjer ... Wäschke 31919,81; arjer inschlukken Wb-Nharz 87; hei hat en Arjer up mek BLA-Brau; mache mich man kn’n Arjer Wb-Be; Reim: Arrejer, Arrejer tull, tull, tull, arrejert sich de Nse vull! rufen Kinder jmdm. zu, der sich ärgert, Wb-Ak 25. – Volksgl.: Hänne bekikken jift Arjer Sprw-Börde.
Lautf.: Arger, Arjer, a-, [arj()r] verstr. elbostf. ZE, vereinz. omd.; Arrejer Wb-Ak 25; [rjr] ZE-Roß; Ärger, Ärjer Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die), Pohlmann 1905,68, Klaus 1936,50, Id-Eilsa 49; Erjer Wb-Holzl 56 (HA-Eil); Erreger OSCH-Di.
argern Vb. 1: SA-Dä, Hausfr-Altm 1930,4 (SA-Die), 2: vereinz. Altm., JE2-Zo, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. 1. refl. ‘sich ärgern’ – dor rjord sich awwor DE-Ca; Ole Wöbbecke argere sek, wie sek de andern öwer’ne lustig maket ... Wedde 1938,78; Rda.: sich krank, sich tt arrejern Wb-Ak 25; t arjert mer siche te Schwintsucht n’n Hals Wb-Be. – 2. ‘jmdn. ärgern, ärgerlich machen’ – et wr en meschanten kerl, stf konne einen arjern Mda-Weg 107; arjere den Teeben (Hund) nich, hai is hinderlistig un bitt WE-Wa; Rda.: einen bis op et blaut arjern Wb-Nharz 29; ’ne Arme kann man ebenso argern as ’ne Rieke sagte de Bur, as he nach Geld freiete. Spr-Altm 87.
Lautf., Gram.: argern, arjern, [arj()rn] Spr-Altm 87, verstr. ZE elbostf., Wb-Be, KÖ-GrPa; argert, arjert 3. Sg. Präs. HA-Oh, WE-Strö; arjere Imp. Sg. WE-Wa; arjerscht 2. Sg. Präs. Heese 21919,56; arjerte 3. Sg. Prät. Wäschke 61920,153, Richter o.J. 23; argere 3. Sg. Prät. Wedde 1938,78; argert Part. Prät. Rauch 1929,94; [rgt] Part. Prät. SA-Dä; arrejern Wb-Ak 25; [rjrn] ZE-Roß; [rjrn] vereinz. DE; ärgern, ärjern Id-Eilsa 49, OSCH-Rö; ärgert 3. Sg. Präs. Wb-Altm 277, Klaus 1936,50, WE-Zi; Part. Prät.: Francke 1904,37; -e 3. Sg. Prät. Hausfr-Altm 1930,4 (SA-Die); ärien JE2-Zo; ärr’it 3. Sg. Präs. Bewohner-Altm 1,332; ergert, erjert 3. Sg. Präs. verstr. w elbostf.; erregern OSCH-Di.
Arschpauker m. ‘Lehrer’, scherzh.,  Kantor, 1: SA-Die, 2: SA-Pla, GA-Trü, verstr. ö Altm. s JE2 n JE1, 3: verstr. elbostf. (außer äußerstes sw), 4: CA-Ak, DE-Mö.
Lautf.: Arschpauker; außerdem: [rbaukr] CA-Ak.
Assschenkel m. ‘aus dem Achsfutter herausragender Teil der Achse, auf dem das Rad läuft’ 1: SA-Die Roh, 3: Wb-Nharz 18, 4: Wb-Be.
Lautf.: Aßschenkel, as- SA-Roh, Wb-Nharz 18; [aek] SA-Dä; [akekl] Wb-Be.
Austledder f. 1. ‘Seitenteil des Leiterwagens’ 2: Wb-Altm* 69. – 2. ‘längs auf die Heufuhre gelegte Leiter zur Befestigung der Ladung’, wurde vorn und hinten mit Seilen festgezurrt,  Wsebm, 1: SA-Die.
Lautf.: Austledd’r Wb-Altm* 69; [ausdlerr] SA-Die.
Back(e)trog m. ‘längliches Holzgefäß, in dem der Teig zubereitet wird’ 1: SA-Die, 2: vereinz. brdb., 3: vereinz. n/w elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Rätsel: Hänget in’t Huus, wie ne dohije Kauh. – der B., Lieder-Ma Nr. 508 (WO-Ol). – Brauch, Volksgl.: Hatte eine Kuh zum zweiten Mal gekalbt, ließ man sie in einem B. lecken, der dazu in den Stall gebracht wurde. Damit sollte der Segen des Brotes auf das Tier übertragen werden, um dessen Fruchtbarkeit zu erhalten. Vk-Anhalta 24 f. Am Tag der Trauung zogen sich die Braut im B. und der Bräutigam in der Pferdekrippe an. Man erhoffte sich so eine glückliche Ehe und für die Frau eine leichte Entbindung. Abergl-Altm 21, Brauch-Anhalt 23.
Lautf., Gram.: Backetrog, bakketroch Heimatkalender-Je 1937,77 (JE2-Fi), Wb-Nharz 19; -trch WE-We; Backtroch, back-, [baktro] vereinz. n/w elbostf., Wb-Ak 30; -droch ZE-Roß; -trock DE-Ra; [bagtro] SA-Die; Backtrog, -trch vereinz. anhalt.; -trög Pl. OST-Ziem; -trö’e Pl. Alt-Cöthen 65; backtraech Spr-Mab 382 (WO-An).
balbren Vb. 1. ‘rasieren’ 1: Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die), SA-Rist, 2: Wb-Altm 10, Francke 1904,31, Mda-Ma 65/Mda-nwJe1a 43/Mda-sJe1 11 (JE2-HSe, verstr. JE1), vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – ... ehr Mann was Muskant west, ... un barbierte süs de Lü för fif Pennig. Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die); Neckreim: Kumm mit n Kr’n (ON Kühren), de Oksen balwr’n. Wb-Ak 88. – 2. vorw. in Rda. ‘betrügen, täuschen, übervorteilen’,  bedrgen, 2: Wb-Altm 10, 3: verstr. w elbostf., vereinz. ö elbostf. – Rda.: öhne hett se schöne balbiert HA-Bee; iwwer de lawwe balwret Vk-Ask 146; einen ewern leppel balbren Wb-Nharz 20.
Lautf., Gram.: balbier(e)n, balbr(e)n, [balbrn] SA-Rist, Mda-Ma 65/Mda-nwJe1a 43/Mda-sJe1 11 (JE2-HSe, verstr. JE1, ZE-Dor Göd), verstr. elbostf.; balbirt Part. Prät. Francke 1904,31; balberen HA-Oh; balwiern, balwr’n ZE-Roß, Wb-Ak 31 und 88; balwret Part. Prät. Vk-Ask 146; palwieren KÖ-GrPa; [palwrn] Wb-Be; balber(e)n, balbr(e)n Wb-Altm 10, vereinz. sw elbostf.; plwrn Mda-Sti 44; [barbrn] Mda-nwJe1a 43 (JE1-Scha); barbierte 3. Sg. Prät. Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die).