Orgel f. 1. wie Standardspr., 1: SA-Dä, 2: Matthies 1903,18, ZE-Roß, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 142, QUE-Di, 4: Mda-Sti 14 – Orjel speln HA-Oh. – 2. ‘Drehorgel’ 3: HA-Oh.
Lautf.: Orjel; außerdem: orjele Wb-Nharz 142 (BLA-Neu); [orjl] QUE-Di; [rjl] ZE-Roß; [rg] SA-Dä; Eärgel Matthies 1903,18. Zus.: zu 2.: Hand-.
Osse m. 1. ‘kastriertes junges männl. Rind’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. nbrdb. n mbrdb., verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – d Osse het tw Höäna JE2-Scho; dai Oss wrd anschpannt tum Treckng SA-Dä; Rda.: dumm w’n Osse HA-Oh; stiert wie so’n Osse Vk-Harz 3,46; brüllt as’n Os ‘weint laut und heftig’ SA-Ben; sau grde, w de Osse pisset Bemerkung, wenn jmd. in Schlängellinie geht, HA-Oh; de hat sau veel Gefühl als wenn’n Ossen in’t Höörn knippt HA-No; da steit de Osse an Brge ‘jmd. ist völlig ratlos’ WE-Be; dor schdd d, w dor Ogse forsch naie Dor dass., DE-Ca; witt woll’n Ochsen brot’n Bemerkung, wenn jmd. ein zu großes Feuer unterhält, BA-Ha; Hü’! Ossen, dremmelt ju nich, sä de Köster to dänn een’n Ossen, dänn’r vör’t Plog har. Bewohner-Altm 1,354; Sprw.: en Ossen un’n Feuer (Fuhre) Mess sall’n ut’n Wä gn WE-Be; Ful Ossen leg’n sick nich gärn henn, de gröwwelt (graut) vör’t Upstaohn. Bewohner-Altm 1,354; wat kann man von’n Ossen völangen as en Stück Rindfleesch von einem groben, ungehobelten Menschen, OST-Möl; wär kann’n Ossen dat Bölken vorwehr’n HA-No; Wat weet de Os van’t Jöck, wenn’r nich treckt hät. Bewohner-Altm 1,354; wer keinen Ossen hat, dne kann kein det gn HA-Oh; wat de Osse innen Buke hat, hilpet mittrecken WA-Hak; In’n Oss hört (gehört) Str in’n Brn hörn Röwen (Rüben). Wb-Altm 269; ‘s word mannijer Okse jeschlacht, w mor kn Vart’l von krt ‘von vielen Dingen hört man nichts, bekommt man nichts ab’ Wb-Ak 123; Rätsel: wievöl Ossen werden im Jahr geborn? – garkein! SA-Gü; wo hat de Oss d’ meist Flesch? – twüschen Kopp un Swanz. STE-Wa; Reim:Dän Ochsen jifft dat Woat’r Kraft,
Dän Jüngling Bair un Räb’nsaft;
Drum, Freundchen, drinke Bair un Wien,
De Deuw’l wollt’e Ochse sien.
Lieder-Ma Nr. 695 (WA-Eg).
Btling Bulle Jungosse Landosse Ossenkalf Str. – 2. ‘Zuchtstier’,  Bulle, 2: SA-Jeg, OST-Ren, GA-Jä, JE1-Scha Stei, ZE-Wö, 3: HA-Uhr, vereinz. s elbostf., 4: BLA-Sti. – 3. ‘dummer, begriffsstutziger Mensch’, Schimpfwort,  Dussel, 2: ZE-Roß, 3: HA-Bee Oh, 4: Wb-Ak 123, Wb-Be, DE-Ca – bass uff d Ogse, w de hinlfsd DE-Ca.
Lautf.: Osse, [os] verstr. s Altm., vereinz. n JE2, verbr. mittleres/s JE2 JE1, verstr. n ZE, ZE-Stre, verbr. elbostf. (außer CA), Mda-Sti 14; Oss, [os] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm., JE2-Neu Reh, Wb-We 96; Osso OST-Pe; [s] GA-Da, JE2-Par; [s] SA-Rist, Mda-Ar 29; Ochse, [oks] OST-Ar Ren, vereinz. n GA, JE2-Jer, vereinz. w JE1, JE1-Zie, verstr. s ZE, BA-Rie, verbr. n CA, verstr. omd.; Ochsen Dat. Sg. Lieder-Ma Nr. 695 (WO-Ol); [ogs] verstr. BE, Mda-Fuhne 35 (DE-Ca). Zuss.: zu 1.: Hand-, Jung-, Land-, Lnigen-, Ln-, Mast-; zu 3.: Heu-, Hrn-, Meisterochse.
sterei n. ‘gefärbtes und gekochtes Hühnerei, das zu Ostern verschenkt wird’ verstr. – dat Eostai is gruin fft SA-Dä. – Brauch: Die O. wurden vornehmlich mit Zwiebelschalen (verstr.), Zichorie (Vk-Altm 226, Brauch-wAltm 35) oder grüner Saat (Wb-Ak 123) gefärbt, z.T. wurden Abziehbilder auf die Eier geklebt. Vk-Anhaltb 28 (verstr. ZE, vereinz. BA). Die versteckten O. mussten von den Kindern gesucht werden. verstr. Sowohl Kinder als auch Erwachsene tauschten die bemalten oder verzierten Eier untereinander. Brauch-wAltm 35. Die Kinder erhielten von ihren Paten O. verstr. In den Orten des Kalbeschen Werders zogen zu Ostern die Kinder durch den Ort, um Eier zu erheischen. BrauchwAltm 36. Die Bewohner eines Ortes hatten an Pfarrer, Kantor oder Lehrer eine festgelegte Anzahl von O. zu zahlen. Brauch-wAltm 37f., Vk-Anhalta 224. O. standen auch im Mittelpunkt versch. Spiele zu Ostern: Die Kinder ließen sie von einem Abhang herunterrollen. Dessen Ei unversehrt blieb, wurde Sieger und bekam die Eier der anderen Mitspieler. verstr. ( Eierkullern, Eiertrdeln). Statt des Herunterrollens wurden auch die Eier zweier Kinder aneinander geschlagen. Bewohner-Altm 2,250, Brauch-Ma 262 (HA-Sü), Vk-Anhaltb 28 (vereinz. ZE, BA-Ali Ba, vereinz. BE). In Klein Paschleben wurde zu Ostern ein Eierlaufen veranstaltet. Vk-Anhalta 29. – Volksgl.: Die Vorstellung, dass der Osterhase die Eier bringt (verstr.), hat sich erst allmählich im 19. Jh. durchgesetzt. Daneben sind es Kuckuck (verstr. nwaltm. w Altm.), Wiedehopf (Brauch-wAltm 37 – SA-Has), Hahn (Brauch-wAltm 37 – SA-Böd, verstr. ZE, HA-Oh, verstr. w anhalt.), Huhn (ADVk Kt. 32 – Einzelbelege Altm. JE1 ZE WE BLA, Vk-Anhaltb28), Auerhahn (ADVk Kt. 32 – 2 Belege WE) und Fuchs (ADVk Kt. 32 – verstr. ö Altm. JE1, Vk-Anhalta 225 – BE-GrMü). Durch das Hochwerfen von O. auf einer Wiese soll deren Fruchtbarkeit gefördert werden. Vk-Anhaltb 29 (BA-Schie Sip, vereinz. anhalt.).
Lautf.: Osterei; außerdem: ester- HA-Oh, Mda-Weg 101; [eosti] SA-Dä.
te Adj. ‘geziert, affektiert’ 1: SA-Dä, 2: Beiträge-Altm 1,142, Wb-Altm 150, Land/Leute-Je 1923 Nr. 2/ Busch (JE2-Schö), 3: Rauch 1925,37 – Na, dauh man nich sau öte … Rauch 1925,37.
Lautf.: öte, oete; außerdem: t Wb-Altm 150; [oit] SA-Dä.
wer 1. Präp. verbr. – 1a. räumlich – a. zur Bezeichnung einer Lage oberhalb von jmdm., etw. ‘oberhalb, darüber liegend’ – de wn’t wa uns JE2-Scho; Rda.: de Lieke steit öwwer de Ere ‘der Tote ist noch nicht beerdigt’ Id-Eilsa 82. – b. zur Bezeichnung einer Lage auf einer anderen Seite ‘jenseits’ – Ewwer Ellewe stt an Jewitter. Wb-Ak 53. – c. zur Bezeichnung einer Richtung ‘nach oben, darüber hinweg’ – he springt äwer de Baek (Bach) SA-Ho; un trekke wt wech ewwer Land Mda-Harz 13 (OSCH-Har); Lat … dat Water wedder öwwer dä ganze Strate fleiten … Klaus 1936,8; Rda.: ewer’n barch sn ‘außer Gefahr sein’ Wb-Nharz 53; ower alle Berje sien ‘entkommen sein’ Wb-Holzl 150; öwwer einen Kamm scheren ‘ungerechtfertigt gleich behandeln’ Wb-We 61; de Junge wasset mik wern Kopp HA-Oh. – 1b. zeitlich – a. zur Bezeichnung eines Zeitraums ‘während’ – ewwer Pingesten Sprw-Börde; innekuhlt wärn de Kartuffel ower Winter fast alle HA-Neu. – b. zur Bezeichnung der Gleichzeitigkeit zweier Ereignisse ‘während’ – ewer’t lsen forjitte de rbeit Wb-Nharz 53. – c. zur Bezeichnung einer über eine bestimmte zeitliche Grenze hinausweisende Dauer ‘dar- über hinaus’ – Mr w’n all ewwer’n Jr hr. Wb-Ak 53; … die gewiß all ahr dausend Joahre olt is. Heimatkalender-Je 1927,117 (JE2-Vie). – d. zur Bezeichnung eines Zeitraums in der Zukunft ‘in’ – ewer’t jr Wb-Nharz 53. – 1c. zur Bezeichnung des Überschreitens eines bestimmten Ausmaßes – dat geit wer mne Kraft HA-Oh; Rda.: hätt öäwern Döst drunken ‘ist betrunken’ OST-Schön. – 1d. zur Bezeichnung einer Reihen- oder Rangfolge – Rda.: ewer alle eppele Ausruf des Staunens, Wb-Nharz 53. – 1e. zur Bezeichnung eines Grundes ‘wegen’ – ewwer dek BLA-Brau. – 1f. zur Bezeichnung des Inhaltes oder Themas einer Äußerung – D han ewwer unse Mart’n jehechelt. Wb-Ak 67. – 2. Adv. verstr. – 2a. ‘mehr als’ – ewer noch mal sau fl ‘über das Doppelte’ Wb-Nharz 53. – 2b. mit vorangehendem Akk. zur Bezeichnung einer zeitlichen Erstreckung – de ganze nacht ewer Wb-Nharz 53; dat Veh war den Dach öwwer uppe Weih JE2-Gü. – 2c. in der Verbdg.: wer und wer – a. ‘völlig, über die Maßen’ – de Gskük’n sünd äöwer un däöwer gl Wb-Altm 254; t hast je tich ewwerntewwer mit Ms puschmrt Wb-Be. – b. ‘durcheinander’ – to lest ging in dai Versammlung alls aewa un daewa SA-Dä. – 3. Adj. verbr. – 3a. ‘übrig, als Rest verbleibend’, vgl. werig, werleig(ig) 1.en betten Äten is noch öbber WE-Sta; Rda.: du bist jo äwwer abw. Bemerkung, WA-We. – 3b. ‘Sympathie empfindend’ – ik heff ferr dik noch wat aiwa SA-Dä. – 3c. ‘überlegen’ – h iss ämm äöwer Wb-Altm 8. – 3d. ‘überdrüssig’ – dat het wi ower Wb-Holzl 150; mi is dat äwwer Id-Quea 142.
Lautf.: öwer verstr. nwaltm., verbr. Altm., vereinz. JE2, JE1-Mo Scha Zi, vereinz. mittleres/sw elbostf.; öwe STE-Da; öwa STE-KlMö, JE2-KlWu; öwä STE-Schi; öber SA-Pü, verstr. n Altm., vereinz. sö Altm. JE2 sw elbostf.; öäwer, öawer vereinz. s nwaltm., verstr. sw/ö Altm., JE2-Scha Schö, GA-Wa; öäber, öaber vereinz. Altm., JE2-Wa; äwer vereinz. n/mittleres nwaltm., Spr-Altm 83, vereinz. STE n JE2, HA-Va; [wa] JE2-Scho; äber vereinz. mittleres JE2; äher JE2-KlWul; äär JE2-Red Schl; eaber JE2-HGö; über vereinz. Altm., JE1-Stei, vereinz. elbostf., DE-Or; üwer STE-Grä, JE1-We; [wr] BE-Gü; ower vereinz. nö/sw Altm., verbr. nw elbostf., vereinz. nö elbostf., WA-Un, vereinz. WE; owe SA-Ben; ober STE-Ri, CALV-Uth, JE2-Bö, JE1-Nie, vereinz. nö elbostf., verstr. w elbostf. (außer BLA); oawer OST-Kre; oaber OST-Sta, CALV-Lö Zo; oar JE2-Fie; awer SA-Bar, GA-Schw, JE1-Ho, ZE-Wei, WE-Oster; aber STE-Grie, HA-Sa; a(a)r verbr. s JE2 n JE1; uwer WE-Ost; euwer, euwe, euwä vereinz. nwaltm., GA-Al; öiwer SA-Hen; aiwer, [aiw] vereinz. n nwaltm.; aiwaer SA-Lag; äiwer SA-Wa; öwwer SA-Pa We, OST-Na, GE-Le, JE2-Gü Tu, vereinz. JE1, ZE-Bur Ze, vereinz. nö elbostf., verstr. mittleres elbostf., vereinz. s elbostf.; öbber GA-Klö Ziep, vereinz. sö Altm. s JE2 JE1, verstr. n/mittleres elbostf., vereinz. sw elbostf. n CA; öpper WO-Li; eww(e)r, [ewr] WO-Sa, vereinz. s JE1, verbr. ZE, HA-Ost, verbr. ö/s elbostf. omd.; ewwor, [ewr] verstr. anhalt.; ebber vereinz. s JE1 ZE n elbostf., verstr. ö/s elbostf., vereinz. omd.; äww(e)r JE2-Kam, vereinz. sw JE1, ZE-Buk, HA-Mo, vereinz. ö elbostf.; äwwa JE1-Plö; [wr] ZE-Kö; äbber JE1-Dan, BLA-Ta, vereinz. sö elbostf.; übber vereinz. JE1, ZE-Göd Na, OSCH-KlQue, CA-Ba, BE-Neu; üebber DE-Ho; iwwer, [iwr], [iwr] ZE-Steu, Vk-Ask 168, CA-Sta, BE-Gü, vereinz. anhalt.; ibber JE1-Mö, CA-Ca, KÖ-Kö, DE-De; owwer STE-Ta, WO-Gu, vereinz. n HA; obber vereinz. WO, JE1-Lei, HA-Bel. – In einigen Fällen bei Zuss. mit wer als Grundwort semantischer Bezug zu hd. ober-, vgl. u.a. werdr, werdorp. Zuss.: zu 1a.: hen-, kopp-.
werdm Adv. 1. ‘deshalb’ – dat konnte owerdeem nich gaan 3: Wb-Holzl 150 (HA-Wef). – 2. ‘übrigens, außerdem’ 1: SA-Dä.
Lautf.: owerdeem Wb-Holzl 150 (HA-Wef); [aiwdaim] SA-Dä.
werdrwen Vb. 1. ‘im Übermaß tun’, auch ‘auf übertriebene Weise darstellen’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 9, 3: HA-Oh – Part. Prät.: dat is ja aiwatrai’m SA-Dä. – 2. ‘Vieh übermäßig schnell treiben’ 3: Wb-Nharz 53. – 3. in der Verbdg.: t’m werdrwen (vull) ‘randvoll’, vom Eimer Wasser,  schrvull, 2: JE2-Fi Zo.
Lautf., Gram.: ä-uerdri-un JE2-Fi; är- JE2-Zo; werdrben HA-Oh; ewer- Wb-Nharz 53; Part. Prät.: äöw’rdräb’n Wb-Altm 9; [iwtrai] SA-Dä.
wergten Vb. ‘Flüssigkeit über etw., jmdn. gießen’ 1: SA-Dä, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 53.
Lautf.: werjeiten HA-Oh; [aiwgaid] SA-Dä; ewerjeiten Wb-Nharz 53.
wergwen Vb. 1. ‘überreichen, aushändigen, übereignen’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 61, 3: Wb-Nharz 53, QUE-Di, 4: Richter o.J. 109 – ik heff mn Schtai (Bauerngut) aewagae’m SA-Dä. – 2. refl. ‘sich erbrechen’,  kotzen, 2: Id-Altm, Wb-Altm 61, JE2-Scho, 3: vereinz. elbostf. – d hett sik mün’n wajun JE2-Scho. – 3. refl. ‘sich ergeben’ 4: Wb-Be. – 4. ‘aufgebracht, zornig sein’, auch als Part. Prät. in adj. Verwendung, 2: Id-Altm, Wb-Altm 61 – dat iss’n äöwergäw’n Bengel Wb-Altm 61. – 5. Part. Prät. ‘sehr, überaus’,  bannig, 2: Wb-Altm 61.
Lautf., Gram.: oevergewen Id-Altm; äöwergäw’n Wb-Altm 61; [wajun] JE2-Scho; werjem’n HA-Oh; [aewgae] SA-Dä; ewerjben Wb-Nharz 53; ewwerjehbm QUE-Di; [iwrj] Wb-Be; ibberjäbe 1. Sg. Präs. Richter o.J. 109.
werkmen Vb. 1. ‘hinüberkommen’ 3: Wb-We 98. – 2. ‘vergehen, vorübergehen’ – dai Sk will ga nich east aewakao’m 1: SA-Dä. – 3. ‘mit großer Intensität erfassen, ergreifen’, bes. von Empfindungen – t iwwerkmps mich toch s sre 4: Wb-Be.
Lautf.: [aewkao] SA-Dä; öwwerkommen Wb-We 98; [iwrko] Wb-Be.