Hecken n. 1. ‘Zaun, Umfriedung’,  Tn, 1: SA-Dä Lag, 2: verstr. Altm., JE2-Bu, 3: WA-KlGe. – 2. ‘Schlagbaum’ 2: Wb-Altm 78. – 3. ‘Einlasspforte der umfriedeten Weide’, auch ‘Zauntor, Gartentür’ 1: SA-Pü, 2: Wb-Altm 78, Id-Altm, STE-Wa, Mda-nwJe1a 44 (JE1-GrLüb), verstr. JE1, ZE-Dü. – 4. ‘untere Hälfte der zweigeteilten Haustür’ 2: Wb-Altm 78. – 5. ‘Schütz, herausnehmbares Gitter am hinteren Ende des Leiterwagens’,  Schütt, 3: GA-Ge.
Lautf.: Heck(e)n, [hek()n]; außerdem: [hek] SA-Dä.
jammern Vb. 1. ‘klagen’, auch ‘vor Schmerzen stöhnen oder wimmern’,  stnen, verstr. – 2. ‘in weinerlichem Ton sprechen’ 1: SA-Pü, 2: vereinz. nbrdb., 3: OSCH-Pa, BLA-Bö, CA-Ca, 4: BA-Neu.  barmen bl ken blarren brammen brasseln ddeln flmen flennen gnarren gnatzen gnauen gnaulen gnseln gnsen gnren grnen grlen günseln jaulen klgen klnen 1köddern lamentren lauen 1mren mauen mibbeken mimmeken mlen nseln nasseln ningeln nlen 1nusseln pauen p mseken pladdern plinsen quken quarken queilen quengeln qusen rren rden rumqusen sabbeln schren snacken snucken sprken vertellen vorgrlen weimern wnen wimmern winseln wundern zimpern. – 3. ‘Mitleid erregen’ – Rda.: tas kann je an len Hunt jammern ‘das ist empörend, ärgerlich’ 4: Wb-Be.
Kse m. 1. Nahrungsmittel, wie Standardspr., allg. – Zur Käseherstellung wurde saure Milch in eine Schüssel gegossen und up’n Torm (auf den Ofen) gestellt, damit sich bei mäßiger Wärme eine Käseschicht bilden konnte. Zum Abgießen der Molke schüttete man die geronnene Milch in ein Leinentuch ( Ksebdel, -dk) oder in ein mit Löchern versehenes Tongefäß ( Ksekorf, -napp, -pott), wo die restliche Masse verblieb, bis sie utjestehn harre (lange genug gestanden hatte). Nach der Zugabe von Gewürzen (Salz, Kümmel) wurde der entstandene Quark (vgl. 2.) noch einmal durchgeknetet und stand nun zu allen Mahlzeiten des Tages zur Verfügung. Bes. die Knechte mussten sich meist damit begnügen. Bauernwelt-Ze. Käs un Brod das mak ich nich, Meester gib mich Speck! Lieder-Ma Nr. 842 (DE). Mit der Hand wurden aus dem Quark Klumpen geformt, die man zum Trocknen auf eine Lage Stroh legte. Hatte der Käse die notwendige Reife erreicht, wurde er in Tontöpfe gepackt und mehrfach in Bier getaucht. Er blieb so lange liegen, bis er ällerte (alt zu werden begann). Bauernwelt-Ze. Kese in’n Steinpott lejjen; de Kese hat’n Blessen (ist innen noch weiß) HA-Oh; d Ksen löppt JE2-Scho; Rda.: er ist durch und durch wie ahler Käse ‘er ist leicht erregt’ Spr-Anhalt 167; hei st t w Kese an’ner Wand ‘er sieht blass und krank aus’ Wb-We 64; d hasd w Gse uff de Bne? DE-Ca; De denken, Kees’ und Brod regn’t van’n Himmel. wird von jungen Leuten gesagt, die ohne finanzielle Absicherung heiraten, Bewohner-Altm 1,343; steht ein Junge untätig herum, wird ihm gesagt: ga man na Hus un pisse diene Mutter op de Kese, dat se olt wern CA-Bie; Sprw.: Kees’ un Brod mockt de Backen rod. Bewohner-Altm 1,343; man kann tau’n halben Keese sau veel Brot äten, wie tau’n ganzen WE-Oster; Wer ens bn Ksen geit, geit ok öfter b. ‘Wer einmal Gefallen an einer Sache gefunden hat, wird wieder darauf zurückkommen.’, sagt z.B. ein Mädchen von einem Mann, der abstreitet, sich mehr als einmal mit ihr eingelassen zu haben, Wb-Altm* 73; Rätsel: Worumme schroaft man’n Käse aff ?Wenn he Feddern harre, kün’n afrupp’n. Lieder-Ma Nr. 484 (GA-Grau); Neckreim:Biste beese, kruup in de Keese.
Biste wedder gut, kruup wedder rut!
Vk-Harz 3,78.
– 2. ‘ Quark’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. SA, OST-Bre. – a. in der Verbdg.: witt(en)/witter Kse dass., 1: vereinz. nwaltm., 2: verbr. Altm., JE2-Sy, verbr. n mbrdb., 3: verbr. elbostf. – b. in der Verbdg.: wken Kse dass., 2: SA-Pü, OST-Poll, vereinz. n mbrdb., 3: vereinz. n elbostf. – 3a. Übertragung auf andere käseartigen Substanzen, die Ekel erregen können, 4: Wb-Be. – 3b. ‘Smegma’ 2: ZE-Roß. – 4a. ‘Frucht der Malve’ 1: SA-Dä, 2: JE2-Scho, 4: Wb-Ak 85 – d Kinna t’n ümma Kse fan dät Krt d JE2-Scho. – 4b. ‘Frucht des Hirtentäschels’ 2: ZE-Roß. – 5. ‘Taschenuhr’, scherzh., 3: Id-Queb 2. – 6. ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo.
Lautf.: Käse, [kz] GA-Rö, vereinz. mittleres JE2, verstr. mbrdb., GA-Grau, vereinz. ö. elbostf., verstr. anhalt.; [gz] Mda-Fuhne 72 (verstr. anhalt.); Ks, Kß SA-Bo Ko, OST-Deu, STE-Hü; Kese, [kz] STE-Arne, verstr. s Altm. JE2 mbrdb., verbr. elbostf.; Ks, Kß, [ks] verbr. w SA nö Altm.; Kese HA-Oh, WE-Wa, [kes] Id-Eilsa 71; Kase BLA-Sti; [kiez], Kiëse OSCH-Di, WE-Rok; Keis, Kais, Keiß verstr. mittleres SA, GA-Jem; [käiz]CALV-Zo; [käis] verstr. mittleres SA, OST-Bi, GA-Ku; [kis] SA-Die Ev; Käsen OST-Da Polk; Kesen, [kzn] verstr. ö Altm., Siedler-Je § 87 (JE2), JE2-Scho; Keisen SA-Gü Siep, OST-Klä, verstr. n GA; [käizn] vereinz. nw GA, STE-Ber; Keeisen Mda-Ost 47 (OST-Gla). – Gram.: n. belegt SA-Dä, HA-Bee, f. belegt vereinz. elbostf. Zuss.: zu 1.: Hand-, Harz-, Klapp-, K-, Napp-; zu 2.: Hackups-, Jkobs-, Matz-; zu 4a.: Katten-; sonstiges: Krümel-.
Kijack m. 1a. ‘Luftröhre der Gans’,  Görgel, auch ‘Kehlkopf der Gans’ 1: verstr. nwaltm., 2: Wb-Altm 98, vereinz. s Altm., 3: verbr. elbostf. – Der K. wurde nach dem Ausnehmen der Gans in ca. 10 cm lange Stücke geschnitten, die ringförmig gebogen und an den Enden zusammengesteckt wurden. Nach dem Trocknen wurden diese Ringe als Garnwickel benutzt (HA-Bee Oh). Hatte man zuvor noch eine Erbse hineingesteckt, so konnte man den Ring als Rassel für Kleinkinder verwenden (Sprw-Harzvorlf 22). – 1b. ‘Hals der Gans’ 3: WE-Oster. – 2. ‘Kehle, Kehlkopf’ 1: SA-Pü, 3: vereinz. w elbostf., WA-KlWa. – 3. ‘Zäpfchen im Hals’,  1Tappen, 3: WA-Dom, 4: BE-Sa. – 4. Pl. ‘auffällig verwachsene Kartoffeln’ – dat sind lauter Kijaker 3: Sprw-Börde.
Lautf.: Kjack, Ki(e)jak; außerdem: Gijack OSCH-Be; [gjag] BE-Sa; KejackSA-Pü, Wb-Altm 98, GA-Le, CALV-Zo; Kä- jack SA-Me, WA-ABra, Wb-Holzl 118 (WA-KlWa); Kaiak SA-Ah; Keigak SA-Han; Käijack WE-Ost; Kiäjak WE-Sta. – Gram.: Kijaker Pl. Sprw-Börde.
Kittchen n. ‘Gefängnis’ 1: SA-Pü, 2: ZE-Roß, 3: HA-Oh, Lindauc o.J. 23, CA-Ca, 4: vereinz. anhalt. – hei kummet in’t Kittchen HA-Oh.
Lautf.: Kittchen, [kit()n] außerdem: [gidn] Mda-Fuhne 30 (DE-Ca). – Etym.: Entwicklung aus rotw. Kitt(e) ‘Haus, Herberge, Gefängnis’ und frnhd. keiche, keuche ‘Gefängnis, Kerker’, vgl. Wb-Rotw. [2640], Kluge 231995,444.
1Klter m., f., vorw. im Pl. 1. trockener, auch eitriger Schleim in den Augenwinkeln’,  Klter, 1: SA-Pü, 2: Wb-Altm 104, SA-Sa, GA-Wer, WO-Loi, vereinz. ZE, 3: vereinz. elbostf. – 2. ‘Schmutzsaum oder Schmutzklümpchen an Frauenkleidern, auch an Wolle oder Haar von Tieren’,  Klter, 2: Wb-Altm 103, SA-Rie, STE-KlMö, 3: Wb-Holzl 121, Wb-We 68, Wb-Nharz 99 – de hätt jo Kltern ant Kleed STE-KlMö. – 3. ‘abgetragene, zerschlissene, herabhängende Kleidung’, bes. bei einer liederlichen, unsauberen Frau,  Lumpe(n)Kk maol, wu er de Kläötern rummhangen. 2: Wb-Altm 104. – 4. dass. wie  Klt, 2: JE2-Schar.
Lautf., Gram.: Klöter Sg. JE2-Schar; Kltern STE-KlMö, GA-Wer, CALV-Calv, WO-Loi, HA-GrSa KlSa, WA-Schl; Klötere f. Wb-We 68; Kläöter Sg. Wb-Altm 104; Kläötern a.a.O. 103; Kloitere f. Wb-Holzl 121; [klr] Sg. SA-Pü Sa; Kleetern WA-We; Kletern (dat n. Sg.?) CA-We; Kletere, kltere f. Wb-Holzl 121 (WA-KlWa), Wb-Nharz 99; Klätern, [kltrn] JE1-Wa, ZE-Dor Roß Ze; Klädern SA-Rie, WA-Do. Zus.: zu 2.: K-.
Kfent m., n. 1. ‘dünnes (Braun-)Bier’ 1: SA-Pü, 2: Bewohner-Altm 2,97, Wb-Altm 112, Mda-Ar 29, Bauernwelt-Ze, 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 54 (DE-To). – Der K. wurde vielfach täglich getrunken, seine Herstellung erfolgte innerhalb der einzelnen Bauernwirtschaften. Dazu schüttete man mehrere im Backofen getrocknete Kugeln aus Roggenkleie in einen hölzernen Bottich, goss Wasser darüber und setzte Hefe zur Gä- rung hinzu. Nach etwa einer Woche war der K. fertig. Kost-Ma 79. – 2. ‘dünner Kaffee’,  Plurre, 2: STE-Grä.
Lautf.: Kofent Bewohner-Altm 2,97, Wb-Altm 112, Kost-Ma 79, Vk-Anhalta48 (BA-Ra), Vk-Anhaltb 54 (DE-To); Koffent HA-Oh, Id-Eilsa 73, Id-Queb 5; [kfnt] Mda-Ar 29; [kfnt] a.a.O. 29, Kufent Vk-Anhalta 48 (BA-Ra); Kuffent WE-Oster; Kafent SA-Pü, Wb-Altm 112; Kawent Wb-Holzl 116; Kaffent STE-Grä, Bauernwelt-Ze.
Kksche f. ‘ Köchin’, auch ‘Frau, die für andere kocht, ohne die Stellung einer Köchin inne zu haben’ 1: SA-Pü, 2: vereinz. Altm., JE2-Scho, 3: WE-Dee – d olle Kksche nm ik nich JE2-Scho; Weck’r Käöksch hämm’s fäör Koch? Frage danach, wer bei einer Feier die Küche besorgt, Wb-Altm* 59. – Brauch: Wenn sich das Hochzeitsmahl seinem Ende zuneigt, erscheinen an der Tafel die den Gästen dienenden Personen, um Trinkgelder zu erbitten. Auf einem Teller mit Salz und Löffel sammelt die K. Bauernhochz-Altm 364.
Lautf.: Köksche Hochzeit-Altm 41 und 43, WE-Dee; Kö(ö)ksch SA-Pü, Hochzeitsbrauch-Altm 352, Bauernhochz-Altm 364, STE-Wa; [kk] JE2-Scho; Käök’sch, Käöksch, Köäksch Wb-Altm 97, Wb-Altm* 59, Vk-Altm 262.
Körste f. 1. ‘Brotrinde’ 1: SA-Zie, 2: CALV-Uth, vereinz. n JE1, verstr. s JE1, 3: verstr. w JE1. – 2. ‘harte Erdkruste’,  Borke, 1: SA-Pü, 2: verstr. Altm., vereinz. mittleres JE2, JE1-Scha Zie, 3: JE1-Plö, HA-Erx Ma, vereinz. s elbostf., 4: BA-Gü, CA-Ak, vereinz. BE, DE-Ca – de Erd hätt en hard Krust OST-Na. – 3. ‘ Schorf’ 2: JE1-Stei, 3: HA-Wo.
Lautf.: Körschte JE2-Bö, JE1-Zi; Kurschte, [kurt] JE1-Zie, Mda-nwJe1a 43 (vereinz. w JE1), Mda-sJe1 9 (verstr. s JE1); Kerschte JE1-Grä; Kirschte JE2-Alt; Kruste vereinz. s Altm., JE2-Bu, JE1-Stei, vereinz. w JE1, HA-Erx Ma Wo, vereinz. s elbostf., BA-Gü, CA-Ak; Krust SA-Pü Zie, vereinz. n/mittlere Altm.; [grusd] vereinz. BE, DE-Ca; Krüste JE2-Schön. – Etym.: Formen mit r-Metathese zu mnd. korste ‘Kruste, Brotkruste’, vgl. HWb-Mnd 2,646.
Krsekrn n. ‘aus den reifen Getreideähren fallendes Korn’,  tfallen, 1: SA-Pü, 2: verstr. Altm., vereinz. s JE2, JE1-Ge, Mda-sJe1 33 (JE1-Zep), ZE-Hu Ra, 3: WO-Gu Schn, CA-Pö.
Lautf.: Krösekoorn JE2-Za, WO-Gu, CA-Pö; -karn JE2-Red Schar; Krösko(o)rn GA-Pe Sta, JE2-Zo; -koarn vereinz. OST, GA-Be; Kräösekorn HA-Sa; Kräöskoarn Wb-Altm* 61; Kräase-, [krazkorn] JE1-Ge, Mda-sJe1 33 (JE1-Zep); Kräschekorne ZE-Hu Ra; Klesekorn WO-Schn; Gröskoarn SA-Bre; Gröäs- OST-Neu; Kros- GA-Le; Groskorn SA-Pü.