Bärme f., auch m. 1. ‘Gärungs- und Treibmittel, das zur Herstellung bestimmter alkoholischer Getränke und zum Treiben von Teig verwendet wird, Hefe’, bes. im Süden z.T. veralt., 1: allg. nwaltm., 2: allg. brdb. (außer ö ZE), 3: verbr. n/ö elbostf., verstr. w elbostf. (außer nw), 4: verbr. s CA w BE, vereinz. s KÖ – hle m Brme von’n Bäcker ZE-Roß; aon Brm kann kain Boddakaukng backng SA-Dä; Rda.: deiht, als wenne in’n Barm schieten will ‘er ist ängstlich, zaghaft’ Sprw-Börde.  Gre Gre Gest 4Hwe(n), s. Kt. – 2. ‘Bodensatz bei obergärigem (Braun-)Bier’ 2: Wb-Altm 11, Id-Altm, Bauernwelt-Ze, 3: vereinz. elbostf., 4: BE-Me Wa – Volksmed.: Zur Förderung des Stuhlgangs hilft erwärmte B. mit Zucker oder Honig vermengt. Bauernwelt-Ze. – 3. ‘Sauerteig’ 2: SA-Rie, 3: BLA-Brau.
Lautf.: aufgrund der Laienschreibung ist eine sichere Zuordnung der Belege in Bezug auf die Vokalquantität nicht immer möglich: Bärme verstr. n JE2, verbr. mittleres/s JE2, verstr. JE1, ZE-Ra, HA-NHa, vereinz. s elbostf.; Bärm, Baerm verstr. n JE2, Wb-We 13; Bä(h)rme, [brm], [brm] SA-Bee Bre, vereinz. w Altm., verstr. sö Altm., JE2-Scho, CA-Löb, KÖ-Ra; Bä(h)(r)m, Bähm, [brm] verstr. nwaltm., verbr. Altm.; [baem] (-ae- ist überoffenes ) Mda-Ar 25; Pärme ZE-HLe; Berme vereinz. w Altm. STE n/w JE2; Be(r)m vereinz. n nwaltm., verstr. w Altm., vereinz. ö Altm., JE2-Ku, GA-Bö; Bäe(r)m vereinz. n nwaltm.; Bäam SA-Gü; Beä(r)m SA-Ra, GA-Trü; Beam SA-Kun; Barme verbr. JE1 ZE, vereinz. elbostf.; Barm verstr. elbostf.; [parme] Wb-Be; barreme, [barm] ZE-Ste Steu, Spr-Mab 388 (JE1-Gü), vereinz. CA; barrem Spr-Maa 388 (WO-Ol); Ba(h)rme, [brm] STE-Bir, vereinz. n WO, verbr. s CA w BE, Mda-Fuhne 198 (KÖ-KlPa Wo); Ba(h)(r)m, [brm] vereinz. SA, verstr. sw Altm., STE-Je, verstr. n elbostf.; [brm] SA-Dä; [brm] ZE-Roß; Baä(r)m SA-HDo We, GA-Kö; Nbf.: Bammel WA-Hak. – Gram.: m. belegt SA-Sta, GA-Je, WO-Fa, verstr. n elbostf. WA, vereinz. s elbostf. (auf -e auslautende Formen sind f.; e-lose Formen m., in der Altm. sind diese aufgrund des e-Abfalls vorw. f.); n. belegt SA-Schm. – Etym.: mnd. berm, barm zu westgerm. *berma-/n m. ‘Hefe’, wohl als ‘Mittel zum Heben’ zu germ. *ber-a-, idg. *bher- ‘tragen, heben’ zu stellen, vgl. Kluge 242002,92.
1batzen Vb. 1. ‘ein kurzes, heftiges Geräusch hören lassen’, vgl. bauzen 1., 2: Id-Altm, SA-Rie, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – dat batze man sau Spr-Mab 389 (WO-Ol); das patzt ja richtig Wb-Be. – 2a. ‘mit Geräusch zu Boden fallen’, vgl. bauzen 2a., 2: MdanwJe1b 65 (vereinz. nw JE1). – 2b. ‘einen Gegenstand heftig absetzen’, auch ‘heftig auftreten’ 4: Wb-Be. – 2c. ‘heftig zuschlagen’, von Türen, 3: Wb-Holzl 59. – 3. ‘schlagen, ohrfeigen’,  verhauen, vgl. bauzen 3., 3: vereinz. elbostf. – sall ick dick erst wedder batzen? HA-Bee.
Lautf.: batz(e)n, ba(t)ts(e)n, [batsn]; außerdem: [patsn] Wb-Be.
Bft m. PflN ‘Beifuß’, vgl. Bbt, 2: SA-Rie, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Volksmed.: Die Wurzel des B. wirkt gegen Krämpfe. Vk-Anhalta 289. – Volksgl.: Wer B. in seinen Schuh legt, kann mühelos umherlaufen. Böse Geister werden gebannt, indem B. ins Herdfeuer geworfen wird. a.a.O. 331.
Lautf.: Bifaut SA-Rie, Vk-Ask 382; Bai- Wb-Holzl 60 (HA-Eil, WA-KlWa); Beifuß, [baifs] WA-Schw, vereinz. anhalt. – Etym.:  Bbt.
2Binde ON, in dem Neckreim:In Binn’ is nist to finn’n
As ein’n drögen Tacken
Wo alle Binnsch Wieber
Ehr Bodderkoken van backen.
2: SA-Rie.
Badel, Kraatz.
blaffen Vb. 1. ‘bellen, kläffen’, vom Hund, 1: vereinz. nwaltm., 2: verbr. brdb., 3: verbr. elbostf., 4: vereinz. omd. – de olle Tüffe blafft sich wat terechte WA-We; ... de Hunne blafften in ganzen Dörpe de heile Nacht. Rauch 1929,181; Rda. (mit scherzh. Übertragung): d is s klaok, d kann Palaukng (Regenwürmer) blaff’n han JE2-Scho; Sprw.: ’n ollen Hund blaff’n lern’, hölt swaor. Spr-Altm 82.  bellen blken gauzen 1gibbeln habbern haffen jacksen jaffen jiffjaffen kläffen knäffen zabbern. – 2. ‘(trocken) husten’ 3: verstr. elbostf. – na, du blaffst ja hüte wedder in eins wech HA-Bee. – 3. ‘unüberlegt, heftig sprechen’ 2: SA-Rie, 3: HA-Oh. – 4. ‘rauchen und dabei den Qualm stoßweise herausblasen’ 4: vereinz. anhalt. – “Hm!” – sase Wewer, plaffte derbei mitte Pfeife un junk fort inne Schenke. Wäschke 61920,49.
Lautf., Gram.: blaff(e)n, [blaf()n], [blaf]; außerdem: blaw(we)n Mda-Ost 47 (OST-Gla), GA-Hem; plaff(e)n Mda-Sti 128, Wb-Be; plaffte 3. Sg. Prät. Wäschke 61920,49; bläffen (2.) WE-Dee.
Bleckstock m. ‘gespaltener Weidenstock zur Herstellung von Körben’ 2: SA-Rie.
Etym.: zu  blecken.
brennen Vb. 1. verbr. – a. ‘in Flammen stehen’, auch dabei einen hellen Schein verbreiten, verbr. – dat Fa will nich bren’n SA-Dä; bain Nabbor hads jebrennd DE-Ca; Füer, Füer, bei uns brännt et! Heimatkalender-Ma 1932,44 (JE2-Vie); ... wenn de Lichter an’n Bome (Weihnachtsbaum) brennt. Wedde 1938,11; Rda.: ’s brennt Ausruf, wenn sich ein Suchender dem Versteck nähert, Wb-Ak 40; da brent et ‘dort wird gezankt’ Wb-Nharz 33; Sprw.: de Männer hebbet alle den Brand, un brennet (sind erregbar) se nich, sau glimmet se doch Wb-We 22; Rätsel:Ik weet män wat, wat brennt
Un’ brennt nich lichterloh.
– Brennnessel, Bewohner-Altm
2,170.
– b. ‘eingeschaltet, angezündet sein’. – 2. ‘Haare mit der Brennschere kräuseln’ 3: HA-Oh, 4: Wb-Be. – 3. ‘Kaffee rösten’ 3: HA-Oh. – 4a. ‘jmdn. verbrennen, durch Feuer verletzen’, auch refl. ‘sich verbrennen, durch Feuer verletzen, einen brennenden Schmerz zuziehen’ 1: SA-Rie, 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf. – aua, ick hawwe mich awwer an’n Finger jebrennt ZE-Roß; Rda.: sek reine brennen ‘die Schuld von sich abwälzen’ Wb-We 22; Sprw.: wat mick nich brennt, dat puste ick nich ‘was mich nicht persönlich betrifft, ist mir egal’ Sprw-Börde; Rätsel:Hinner uns Hus steiht een Männeken.
Wenn mer’n anfoat, denn brennt he.
– Brennnessel, SA-Rie.
– 4b. ‘einen brennenden Schmerz verspüren’, auch ‘von Juckreiz befallen sein, Juckreiz verspüren’, bes. in der Nase,  kribbeln, 2: Pohlmann 1905,33, 3: OSCH-Crot, 4: Heese 21919,94 – et brennt in de Näse OSCH-Crot. – 5. ‘auf ungültige Weise aufkommen, im Lauf gestört werden’, beim Spiel, bes. ‘verkantet liegen’, vom Würfel, 2: Wb-Altm 24, 3: Wb-We 22.
Lautf., Gram.: Inf.: brenn(e)n; außerdem: pren’, [pre] Mda-Sti 46, Wb-Be; [brä] JE2-Scho; 3. Sg. Präs.: [brent]; außerdem: [bränt] SA-Ch, vereinz. w Altm., verbr. mittlere/ö Altm. (außer s Rand), JE2-Scho, Heimatkalender-Ma 1932,44 (JE2-Vie); [brant] vereinz. nwaltm. nö Altm.; 3. Sg. Prät. und Part. Prät. Formen mit -e- oder -ä- (ohne Rückumlaut); außerdem: prnte Mda-Sti 2.
Dacklecke f. dass. wie  Dackdrüppe, 2: SA-Rie, verstr. n OST.
Lautf.: Dackleck OST-GrBeu; -leek, -leeg OST-Gen Pol; -lä(ä)k SA-Rie, vereinz. n OST.
dl Adv. 1. ‘herab, hinab, abwärts, zu Boden’, häufig in Verbzuss., 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. nbrdb., ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 168 – von baob’n daol Wb-Altm 32; ... he tangelt no de Äppel, un stickt’s in’t Tasch un fällt van bowen dool. Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber); den Barch daal Wb-Holzl 73; d Blauwippschtrt (Bachstelze) flt hch un dl JE2-Scho; Rda.: fonn bo’m daal spreken ‘geziert, hochdeutsch sprechen’ Wb-Holzl 73; Rätsel: Geiht in Stuv up un doal un mütt denn wär’r in dunkle Eck. – Besen, SA-Rie. – 2. ‘von geringer Höhe, sich in geringer Höhe befindend, niedrig’,  nedderig, 1: SA-Bee, 2: SA-Gü, verstr. GA, vereinz. ö Altm., JE2-Schar, 3: verbr. n elbostf., verstr. mittleres elbostf., WE-Dee Rok – de Swaleken fleijet sau dal – ’t jifft Räjen! HA-Bee.
Lautf.: daal, dahl, [dl] JE2-Scho, verbr. n elbostf., verstr. mittleres/s elbostf.; da(o)l, doal, [dl] vereinz. nwaltm., verstr. nbrdb. w JE1, ZE-Roß, Mda-Ma 77 (vereinz. nö CA); tl Wb-Ak 168; [dao] SA-Dä.
dlkrgen Vb. 1. ‘bezwingen, überwältigen’ 2: Bewohner-Altm 2,171, SA-Rie, 3: HA-Oh – sick doal krieg’n loaten ‘sich unterkriegen lassen’ SA-Rie. – 2. refl. ‘sich  balgen’ 2: vereinz. Altm.
Lautf., Gram.: dlkrn HA-Oh; daolkrieg(e)n, doal- vereinz. Altm.; kreeg doal 3. Sg. Prät. Bewohner-Altm 2,171.