dlwärts Adv. 1. ‘abwärts, nach unten’, auch ‘stromabwärts’, Schifferspr., 2: SA-Rie, Elbschifferspr. 350 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), ZE-Roß, 3: HA-Oh, 4: Elbschifferspr. 350 (CA-Ak), Wb-Ak 168 – dlwards fr’n ‘mit dem Strom fahren’ Elbschifferspr. 350. – 2. ‘vom Unterlauf des Flusses stammend’, von Schiffern, 2: a.a.O. 322 (STE-Tan).
Lautf.: dalwarts, dl- ZE-Roß, HA-Oh; daolwärts SA-Rie; [dlwards] Elbschifferspr. 350 (alle angegebenen Orte); tlwarts(ch) Wb-Ak 168.
Dk m. 1. ‘Teich, Wasserloch, kleines stehendes Gewässer’, bes. ‘Dorfteich’, auch in FlN, 1/2/3: verbr. nd., 4: verstr. omd. – ... leip ahn ’n Diek un kieke tau ... Lindaua o.J. 27; Sacht könn’n ook naoh’n Diek hen de Küken män gaohn ... Pohlmann 1905,58; Von die villn kleen’n Seen, Teiche un Timpels jarnich zu redn. Krause 1964,29. – Volksgl.: Die kleinen Kinder kommen aus dem D. ADVk Kt. 74 (verstr.): där Kneppenstorch bringt dia Kinger ut den Diek ZE-Mü.  auch für kleine, schlammige Wasserlöcher, die bes. durch Überschwemmung entstehen; Teiche, die einem bestimmten Zweck dienen, wurden nicht aufgenommen: 2Brack Delle Dümpe 1Kolk Kple 1Kle Kte 2Lke Lock Modderkle Modderlock Mörtel Pl 2Pump Pütte Sl Sumplock Tümpel Wasserlache Wterkle Wterlock Wterpl Wterpütte Wl. – 2a. ‘Damm, künstlich errichteter Wall gegen Überflutung an Gewässern’,  Damm, 1: SA-Bre Le, 2: SA-Rie, verstr. OST ö STE, Elbschifferspr. 422 (WO-Ro), verstr. JE2 n JE1 (bes. an den Flussläufen von Jeetze, Biese, Elbe und Havel). – 2b. ‘Deichverband’ – r is bei’n Deich. ‘Er ist beim Deichverband beschäftigt.’ 4: Wb-Ak 45.
Lautf.: Diek, [dk] verbr. nd.; tch Mda-Sti 17; De-ik verstr. nw WE; Teich, [tai] verstr. anhalt.; [dai] Mda-Ze (ZE-Roß). – Etym.: mnd. dk ‘Teich’ und auch ‘Damm’ dringt im 15. Jh. ins Hd. in der Form dch ein, wo es auf mhd. tch ‘Teich’ trifft, erst im 18. Jh. kommt es zur heutigen Bed.-differenzierung von Deich und Teich; das Wort geht auf ags. dcian ‘graben, den Boden ausheben’ zurück; zu der Bed. ‘Fischteich, Graben’ tritt an den fries. Küstenregionen die sich aus der Beachtung der ausgeworfenen Erde entwickelnde Bed. ‘Damm’, die dann ins Ndl. übernommen wird; an die Elbe gelangt das Wort durch ndl. Siedler, wo es erstmals 1159 in einer Urkunde über den Verkauf eines Waldes bei Schartau (JE1) überliefert ist, vgl. Pfeifer 1989,263 f. und 1793 f., Teuchert 21972,45 und 94, Spr-Elbe/Saale 129.
drst Adj. 1. ‘beherzt, furchtlos, unverzagt’, dann auch ‘übermütig, frech, unverschämt, garstig’,  unrtig, 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. brdb., 3: verstr. elbostf., 4: verbr. anhalt. – man drste ‘nur zu’ Wb-Nharz 46; Sik doch man an bißchen drste! Wb-Ak 48; dai Dean is bannich drst SA-Dä; hei is tau drste HA-Oh; Rda.: He is gottesfürchtig un drist. Spr-Altm 78; Rätsel: Wecker is am driesten in’t Kirch? – die Fliege, sie setzt sich dem Pfarrer auf die Nase, Bewohner-Altm 2,170. – 2. ‘getrost, ruhig’ 2: Firmenich 1854,133 (GA-Miest), 3: vereinz. elbostf., 4: Wäschke 61915,93 – kannst et mick driste globen Sprw-Börde; ... hä solle man drieste was vorschlan. Wäschke 61915,93. – 3. ‘laut’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm. (auße s WO) – drst juchen ‘laut lachen’ OST-Ost; Sei lachen so driest, dat deit wackeln dat Fatt. Pohlmann 1905,17; driest roaren ‘laut weinen’ SA-Rie; ma mütt drsd schraien SA-Die. – 4. ‘schnell,  rasch’ 2: vereinz. Altm. – gao driest to ‘beeile dich’ STE-Wa. – 5. ‘viel’ – drst Jält 2: Mda-Ar 33.
Lautf.: driest, [drst] verbr. nwaltm. Altm., JE2-Scho, HA-Bee; [drsd] SA-Die; drieste, [drst] CALV-Zo, verstr. mbrdb. elbostf. anhalt.; [drsd] Mda-Fuhne 78 (verbr. anhalt.); trieste, [trste] Wb-Be, Wäschke31919,52; driste (Kurzvokal) Wb-Holzl 79.
dull Adj. 1. 1/2/3: verbr. nd., 4: vereinz. omd. – a. ‘närrisch, verrückt, geistesgestört’,  dusselig“Sünd Se doll?” Matthies 1903,23; Rda.: et is tan doll weren Id-Eilsa 57; Väör dull un blind lopen ‘wie unsinnig laufen’ Wb-Altm 42; hei is dull un vull ‘er ist betrunken’,  dn, Bewohner-Altm 2,129. – b. ‘tollwütig’, bes. vom Hund – en dullen Hund Wb-Nharz 47. – c. ‘wild, unbändig, ausgelassen, übermütig’ – d geit et dulle hr a.a.O. 48; Sprw.: je dulder, je wulder ‘je lebhafter, um so besser’ Sprw-Börde. – 2. ‘ärgerlich, zornig, wütend’,  1fuchtig, 1: SA-Dä Ku, 2: vereinz. n Altm., 3: vereinz. w elbostf. – ek bin sau dull Id-Eilsa 59; he moakt ’n dull Gesicht SA-Jee. – 3. ‘gierig, voller Verlangen nach etw.’,  gperig, 1/2/3: vereinz. nd. – Er is wie doll hinter de Mächens her. Spr-Asch 29; subst: eine Dolle ‘eine Frau, die Männern nachläuft’ ADVk Nr. 211 (STE-La). – 4. 1/2/3: verbr. nd., 4: vereinz. omd. – a. ‘arg, übel, schlimm’ – gift dull Wer (Wetter) OST-Sa; mk’ et man nich sau dulle Wb-Nharz 47; Dät is to dull! Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie). – b. ‘von beachtlicher Größe, Menge, Qualität, Intensität’, auch ‘sehr, überaus, stark’,  bannigne dulle Külle HA-Oh; nich so dulle GA-Bo; Dao hr ’n duller Hoppas (Fehler) t wrn kunnt. Wb-Altm 85; He löppt as Wind, so dull ... Kredel 1927,53; Dat düllst was, dat’r ook Nachtens keen Ruh häw’n dä. Pohlmann 1905 ff.,124 (OST-Gra); dull lachen SA-Rie; et rähnt dulle BLA-Ti; ek schwte dulder w d Wb-Nharz 48; ... du hast mick jo tau dulle vorfehrt (erschreckt). Rauch 1929,26; Rda.: hei lücht (lügt) dulder w’n Pert lepen kann HA-Oh; Sprw.: je ölla, je dülla JE2-Scho; je doller as de Kreih sick wascht, je swarter ward se Bewohner-Altm 2,22. – c. Superl. subst. ‘der/das Höchste, Oberste in einer Rangfolge’ – där macht dao n Dollsten CA-Sta; Jeder well dä dullste sien ... Klaus 1936,4. – 5. ‘schlecht schmeckend, verdorben’, von Lebensmitteln, 3: Beiträge-Nd 61 (WO-HWa). Die Zuordnung der Belege ist in einigen Fällen problematisch, da bes. bei 1c., 4a. und 4b. semantische Überschneidungen – je nach Schwerpunktsetzung – vorkommen, z.B. im Sprw. je ölla, je dülla könnte dull als ‘wild, ausgelassen’, ‘arg’ oder allg. als Kennzeichen einer hohen Intensität gedeutet werden.
Lautf., Gram.: dull, [dul]; außerdem: dulle GA-Bo, verstr. elbostf.; tull vereinz. omd.; -o-Formen z.T. neben u-Formen: doll Matthies 1903,23, JE2-Schö, Mda-Ze (ZE-Roß), vereinz. elbostf.; dolle, [dol] JE2-Scho, vereinz. OSCH; Dolle subst. f. ADVK Nr. 211 (STE-Sa); toll, [tol] JE2-Mü, Wb-Be; -e Formen präd./adv.; Kompar.: ohne Umlaut: tul’ler Wb-Ak 174; dul(l)der JE2-HSe, verstr. elbostf.; tuldr Mda-Sti 45; doller Bewohner-Altm 2,22; [tor] Wb-Be; mit Umlaut: düller SA-HTr, vereinz. nbrdb.; [düla] JE2-Scho; dülder Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie); tilder Mda-Sti 141; döller WO-Zie; dölder HA-Oh.
dunkel Adj. ‘finster, ohne Licht’,  dster, 1: SA-Ku Pü, 2: SA-Rie, Mda-Ze (ZE-Roß), 3: vereinz. elbostf. (nur in Rda., Reimen), 4: verbr. anhalt. – et wurt dunkel CA-Me; subst.: Rda.: in Dunkeln is gt munkeln HA-Oh.
Lautf.: dunk(e)l, [dukl]; außerdem: [duko] SA-Ku; [dugl] Mda-Fuhne 129 (verbr. anhalt.); [tukl] Wb-Be.
1gel m. 1. TiN ‘Igel’ 2: SA-Rie, 3: vereinz. elbostf., 4: BLA-All, Wb-Be, Heimatkalender-Be 1936,155 – .... mich war nämlich ungerwäks an Ijel ewwern Wäk jekullert. a.a.O. 155; Rda.: dat paßt dertau wie der Igel taun Arschwischen ‘das ist völlig ungeeignet’ BA-Re. – 2. ‘kleiner Pflug zum Anhäufeln der Kartoffelpflanzen’ 3: WA-Bo, BE-KlMü, 4: vereinz. anhalt.
Lautf.: Egel Wb-We* 207; [jl] SA-Rie; Igel, Ijel, [jl] vereinz. elbostf. omd.; Ejjel vereinz. w elbostf.
Etterknp m. dass. wie  Etterpickel, 1: SA-Böd, 2: SA-Rie.
Lautf., Gram.: Eiderknopp SA-Böd; Eiterknööp Pl. SA-Rie.
Fattinbinder m. dass. wie  Fattbinder, 2: SA-Rie.
Lautf.: Faddenbinner.
Flschblme f. PflN ‘Wiesenschaumkraut’,  Wischenschmkrt, 2: SA-Rie, OST-Flee.
Lautf., Gram.: Fleischblom OST-Flee; -blömer Pl. SA-Rie.
fuddeln Vb. 1. ‘unüberlegt handeln’ 2: SA-Rie. – 2. dass. wie  fuchtelnfudd’l mi nich mit dn Pd üm de Ns’. 2: Wb-Altm 261.