Jeebel ON – Neckreim:Mit ein’n Schoh un Räbel
So goahn wei hin noah Jäbel
2: SA-Rie.
Kamm m. 1. ‘Gerät zum Glätten, Ordnen und Feststecken des Haars’ verbr. – Rda.: wer einen Kamm schern ‘unberechtigt gleich behandeln’ HA-Oh; da lät der Kamm uff de Butter ‘da herrscht große Unordnung, liederliche Wirtschaft’ ZE-Roß; Rätsel: H hurtget mi, h purtget mi, h maoket mi so blank. Wb-Altm 272;T’ wer eml n Mann,
de harre einen Kamm,
den smeit’e in de Elwe,
da warent ganze twölwe. – 11+1
HA-Oh;
Das Rätsel basiert auf dem Sprachspiel mit der Klanggleichheit von Elbe und elf im Nd. – Männer trugen noch im 19. Jh. einen halbrunden Hornkamm am Hinterkopf, der das glatt nach hinten gekämmte Haar straff hielt. Tracht-ProvSachs 193 (STE). – Volksgl.: Bis in die Mitte des 19. Jh. (z.T. noch bis zur Jh.-wende) wurde der K., mit dem der Tote gekämmt wurde, mit ins Grab gegeben. – 2. ‘roter, gezackter, fleischiger Auswuchs auf dem Kopf von Hühnervögeln’ 2: SA-Rie, ZE-Ze, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – Rda.: tich schwillt woll ter Kamm ‘du wirst wohl übermütig’ Wb-Be; dat möchtek mal in’n Kamm biten derb, von Männern gebraucht, wenn sie ein Mädchen begehrenswert finden, Sprw-Börde; einen op’n kam bten/schpukken ‘sich heftig wehren, jmdm. arg zusetzen’ Wb-Nharz 92; ik keme dik gliks op’n Kamm! Drohung, HA-Oh. – 3. ‘Mähnenpartie des Pferdes (und des Rindes)’, z.T. einschließlich des Widerristes, auch ‘Mähne’ 1: SA-Se, 2: Wb-Altm* 59, OST-Kre, 3: JE1-Me, verbr. w elbostf., BA-Ge, 4: BLA-Sti, BE-Al, DE-Que.
Lautf.: Kamm; außerdem: kammp Vk-Ask 379. Zuss.: zu 1.: Hrn-, Lse-, Nt-; zu 2.: Hnen-; sonstiges: Knirr-, Knr-, Knurr-, K-.
Kaulitz ON, in dem Neckreim:Kaulitz is’n Stadt
Mechau geiht noch wat
Aber Riebau liederlich
Graut Chüd’n dat all bädert sick
Aber Ritze, die um dei
Dat lieht dicht bei Soltwedel bei.
2: SA-Rie.  Binde.
2ketteln Vb. 1a. ‘kitzeln’ verbr. – … dersch Kitscheln nich vertra’n kunne … Wäschke 31919,9; Rda.: Dat kiddelt m maol. ‘Darüber empfindet er große Schadenfreude.’ Wb-Altm 101; hei is sau groot, dat hei nen lieben Gott binah undern Fäuten kisselt OSCH-Ba; Spss mott sn, s lnspei, da kissele hei sne Gresmutter mit de Messgrepe HA-Oh; Rätsel vom Ziehbrunnen: uns Grootknecht kitzelt uns klein Dickmoagd SA-Rie. – 1b. ‘von Juckreiz befallen sein, Juckreiz verspüren’, bes. in der Nase,  kribbeln, verstr. – de olle Meerettich hat mik in de Näse kisselt HA-Neu. – 1c. ‘brennen’, Empfindung der Hautreizung durch Brennnesseln, 3: OSCH-Di, WE-Elb. – 2. ‘reizen, zanken’ 3: Id-Eilsa 71. – 3. ‘heimlich und schadenfroh lächeln’,  grnen, 2: STE-Ost, 3: BLA-Be.
Lautf.: ketteln OSCH-Di; [ketn] Id-Eilsa 71; käddeln Wb-Altm 94; [kddln]Volksspr-Altm 90 (SA-Pre); [kssonn] a.a.O. 90 (SA-Böd); köseln JE1-Stei; [kes] WE-Elb; kitteln Spr-Altm 87, STE-Do Ho; kiddeln Wb-Altm 99, STE-Wa; kisseln SA-Pü, GA-Est, verbr. elbostf.; kissa’n SA-Han; kitzeln verstr. Altm., vereinz. JE2 JE1, verstr. elbostf., KÖ-Wu; [kits] verbr. ZE, Mda-Ro; [gids] BE-Ad, Mda-Fuhne 29 (DE-Ca); Kitscheln, [kítln] CA-Zu, Wb-Be, Wäschke 31919,9.
Kker m. 1. ‘Fernglas’ 2: Wb-Altm 100, 3: Wb-We* 219, Id-Queb 2. – 2. ‘Auge’ 2: Wb-Altm 100, Bewohner-Altm 2,228, SA-Rie – H hat’n gd’n Kk’r. Wb-Altm 100; Rätsel:Achter uns groot Dör
Stoahn twei Pöhl.
Up de Pöhl steiht ein Drangbalg.
Up den Drangbalg steiht ein Schnapper.
Up den Schnapper is ein Schnüber.
Up den Schnüber stoahn twei Kiekers.
Up de Kiekers steiht ein Busch.
– Mensch, SA-Rie.
– 3. in der Rda.: nen up’n Kker hebben ‘jmdm. übel wollen’, auch ‘gegenüber jmdm. misstrauisch sein’ verbr. – … se harr’n den nie’en Pannemann balle hölsch oppen Kieker … Lindauc o.J. 89; ick hewwe dick schon lange op’n Kieker CA-Fö.
2kleien Vb. 1a. ‘verschmutzen, beschmieren’ 1: SA-Ah Pü, 2: vereinz. OST, Mda-Ze (Reu Stre), 3: HA-Oh, Id-Eilsa 72, Wb-We 67, Wb-Nharz 99. – 1b. ‘(mit den Händen) im Schmutz wühlen’,  moddern, 2: Wb-Altm 104, SA-Rie, 3: Wb-We* 219, 4: Wb-Be – in’n Dreck klei’n Wb-Altm 104. – 2a. ‘schwer und angestrengt arbeiten’,  marachen, auch ‘Kleinarbeit verrichten’ 2: ZE-Roß, 4: Spr-Anhalt 165. – 2b. ‘ trdeln, zögerlich sein, langsam handeln’, bes. bei der Arbeit, 3: Sprw-Börde, Wb-We* 219, Wb-Nharz 99, QUE-Di, 4: vereinz. BE, Mda-Fuhne 30 (DE-Ca) – kleijet un kleijet un word nich fartig Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: klein, klei’n Wb-Altm 104, HA-Oh, Id-Eilsa 72, Wb-We* 219; kleijen Sprw-Börde, Wb-Nharz 99; ekleit Part. Prät. Id-Eilsa 72; [kljn] ZE-Roß; [kl()n] Mda-Ze (ZE-Reu Stre), Wb-Be; [klt] Part. Prät. OST-Bi Har Meß; [gln] verstr. BE, Mda-Fuhne 30 (DE-Ca); kln SA-Rie, Spr-Anhalt 165; kln QUE-Di; [klet] Part. Prät. SA-Ah Pü. – Etym.: zu mnd. kleyen ‘aus schwerem, lehmigem Boden ausgraben, auswerfen, ausheben’, vgl. HWb-Mnd 2,573, daraus entwickelte sich Bed. ‘schwer, mühevoll arbeiten’, bes. in Gaunerspr. von Halle/Saale aus verbr., vgl. Wb-Rotw [2650], im Sprachbewusstsein z.T. mit 1kleien vermischt, auch mit semantischen Übergängen, z.B. ‘mit den Händen im Schmutz wühlen’, ‘Kartoffeln ernten’, vgl. DWB 5,1086. Zus.: zu 2a.: 2herum-.
Klickerms n. 1. ‘Mehlsuppe’, auch ‘Biersuppe’, Mehl wurde in kleinen Portionen in das siedende Wasser gegeben und gekocht, 2: Wb-Altm 105, Bewohner-Altm 2,100. – 2. ‘Honig’, im Rätsel –Twüschen uns un Noawers Hus
Doa steiht’n Pott mit Klickermus.
Doa schiet’n ‘s in, doa seig’n ‘s in,
Doa stipp’n de Bur’n ehr Brautkantens in.
2: SA-Rie.
Lautf.: Klickerms, -mos Wb-Altm 105, Bewohner-Altm 2,100; -mus SA-Rie.
1Klter m., f., vorw. im Pl. 1. trockener, auch eitriger Schleim in den Augenwinkeln’,  Klter, 1: SA-Pü, 2: Wb-Altm 104, SA-Sa, GA-Wer, WO-Loi, vereinz. ZE, 3: vereinz. elbostf. – 2. ‘Schmutzsaum oder Schmutzklümpchen an Frauenkleidern, auch an Wolle oder Haar von Tieren’,  Klter, 2: Wb-Altm 103, SA-Rie, STE-KlMö, 3: Wb-Holzl 121, Wb-We 68, Wb-Nharz 99 – de hätt jo Kltern ant Kleed STE-KlMö. – 3. ‘abgetragene, zerschlissene, herabhängende Kleidung’, bes. bei einer liederlichen, unsauberen Frau,  Lumpe(n)Kk maol, wu er de Kläötern rummhangen. 2: Wb-Altm 104. – 4. dass. wie  Klt, 2: JE2-Schar.
Lautf., Gram.: Klöter Sg. JE2-Schar; Kltern STE-KlMö, GA-Wer, CALV-Calv, WO-Loi, HA-GrSa KlSa, WA-Schl; Klötere f. Wb-We 68; Kläöter Sg. Wb-Altm 104; Kläötern a.a.O. 103; Kloitere f. Wb-Holzl 121; [klr] Sg. SA-Pü Sa; Kleetern WA-We; Kletern (dat n. Sg.?) CA-We; Kletere, kltere f. Wb-Holzl 121 (WA-KlWa), Wb-Nharz 99; Klätern, [kltrn] JE1-Wa, ZE-Dor Roß Ze; Klädern SA-Rie, WA-Do. Zus.: zu 2.: K-.
Klucke f. 1a. ‘brütende oder Küken führende Henne’ verstr. – Mir han anne Klucke jesetzt ‘wir haben eine Glucke auf ein Nest mit Bruteiern gesetzt’ Wb-Ak 91; Rda.: dik is woll de Glucke von de Eier elopen? zu jmdm., der ein verdrießliches Gesicht macht, CA-Fö; Den het de Klucke hackt. ‘Er ist nicht recht gescheit.’ Vk-Harz 3,46; Rätsel: kröppt dörch’n Tun und schläpt Därm noh. – Glucke und Küken (SA-Rie). – Brauch: Um zeitig viele Glucken zu haben, wurde vom ersten Samenweizen (Samengerste, KÖ-Wu) den Hühnern eine Hand voll gegeben (CA-Zu). Man setzte die Glucken gern an Fleischtagen, d.h. dienstags und donnerstags zum Brüten, bes. günstig soll der Himmelfahrtstag sein (CA-Zu). Wenn Hühner brüten, soll auf dem Hof kein Holz gehackt werden. Vk-Anhalta 28. – 1b. ‘alte Henne’ 2: JE1-Dre Re Rie. – 2a. in der Verbdg.: le Klucke Schimpfwort, 3: HA-Oh. – 2b. ‘ein aus Trägheit längere Zeit herumsitzender Mensch, Faulpelz’, Schimpfwort, vgl. klucken 3b.Oll’ Kluck 2: Wb-Altm 106. – 3. in der Verbdg.: Glucken und Küken PflN ‘Schwanenblume’, die Blüten stellen die Glucken dar, die Knospen werden als Küken angesehen, 2: OST-Dü, 3: Flora-Gerwisch.
Lautf., Gram.: Klucke, Kluk(k)e, [kluk]; außerdem: Kluck, kluk verstr. nwaltm. Altm.; [klk] Mda-Ar 30; Glukke Wb-We 40, Glucke CA-Fö; Glucken Pl. Flora-Gerwisch; [glug] Mda-Fuhne 17 (DE-Ca). Zus.: zu 2b.: Hs-.
Knwel m. 1. ‘Querholz, mit dem etw. gehalten, verspannt oder festgezogen wird’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: vereinz. s elbostf., 4: Mda-Sti 161. – a. ‘pflockähnliches Holzgerät zum Garbenbinden’,  Bindeplock, 2: SA-Max, STE-Bir Sta, JE1-Wer, vereinz. s JE1, verstr. ZE, 3: JE1-Ca, WA-Eg, QUE-GrSchie We, verstr. CA, BE-Gü KlMü, 4: verstr. omd. – gugge m hor was de d weddor jebunn hasd, d hasde weddor gn Gnewwel jehad BE-Il. – Der K., den die Frauen bei der Erntearbeit am Gürtel tragen, ist etwa 25 cm lang. Mit ihm wird das Strohseil, welches um die Garben geschlungen ist, zusammengedreht. Das geknebelte Ende wird dann untergeschoben und der K. wieder herausgezogen. Wb-Be. – b. ‘drehbarer Riegel, mit dem Türen und Fenster verschlossen werden’ 2: Wb-Altm 266, SA-Rie, Mda-sJe1 18 (vereinz. s JE1), 3: a.a.O. 18 (vereinz. w JE1), Wb-Holzl 122, 4: Wb-Ak 92f. – c. ‘bewegliches Quereisen am Ende einer Kette, das zum Befestigen durch einen Ring geschoben wird’ 2: Wb-Altm* 60, 3: Wb-Holzl 122, HA-Oh, 4: Wb-Ak 92f. – 2. ‘Klöppel der Kuhglokke’ 3: Wb-We* 220.
Lautf.: Knwel ZE-Wei, CA-Brei KlRo Ra; Knebel ZE-Eich Göd Ke, WA-Eg, QUE-We, BA-Ha, Vk-Anhalta 20 (BE-GrMü); Knäwel SA-Max; Knäbel STE-Sta; Knepel Wb-We* 220, CA-Schw; Knöwel SA-Rie, STE-Bir; Knäöw’l Wb-Altm* 60, CA-Me; Knäöb’l Wb-Altm 266; Knew(w)el, [knewl] MdasJe1 18 (vereinz. w/s JE1), vereinz. ZE elbostf., Mda-Sti 161, Wb-Ak 92f., Wb-Be, BE-Schie; [knewl] Mda-Ze (verstr. ZE); [gnewl] verstr. BE, Mda-Fuhne 14 (DE-Ca); Knebbel JE1-Flö Schor Walt, vereinz. ZE, OSCH-Di, Wb-We* 220, QUE-GrSchie, verstr. CA, KÖ-Kö, DE-Lau; Knäwwel, -bb- CA-Ma; Knöwwel JE1-Da, ZE-Ser, CA-Atz; Knöbbel ZE-Ra, Wb-We 70, CA-Bru; Kneäbbel CA-Mi; Nbff.: Knl JE1-Ist Wer, ZE-Bo Nu Ro Stra; [knal] Mda-sJe1 18 (vereinz. s JE1).