balbren Vb. 1. ‘rasieren’ 1: Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die), SA-Rist, 2: Wb-Altm 10, Francke 1904,31, Mda-Ma 65/Mda-nwJe1a 43/Mda-sJe1 11 (JE2-HSe, verstr. JE1), vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – ... ehr Mann was Muskant west, ... un barbierte süs de Lü för fif Pennig. Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die); Neckreim: Kumm mit n Kr’n (ON Kühren), de Oksen balwr’n. Wb-Ak 88. – 2. vorw. in Rda. ‘betrügen, täuschen, übervorteilen’,  bedrgen, 2: Wb-Altm 10, 3: verstr. w elbostf., vereinz. ö elbostf. – Rda.: öhne hett se schöne balbiert HA-Bee; iwwer de lawwe balwret Vk-Ask 146; einen ewern leppel balbren Wb-Nharz 20.
Lautf., Gram.: balbier(e)n, balbr(e)n, [balbrn] SA-Rist, Mda-Ma 65/Mda-nwJe1a 43/Mda-sJe1 11 (JE2-HSe, verstr. JE1, ZE-Dor Göd), verstr. elbostf.; balbirt Part. Prät. Francke 1904,31; balberen HA-Oh; balwiern, balwr’n ZE-Roß, Wb-Ak 31 und 88; balwret Part. Prät. Vk-Ask 146; palwieren KÖ-GrPa; [palwrn] Wb-Be; balber(e)n, balbr(e)n Wb-Altm 10, vereinz. sw elbostf.; plwrn Mda-Sti 44; [barbrn] Mda-nwJe1a 43 (JE1-Scha); barbierte 3. Sg. Prät. Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die).
Bartholomäus 1. männl. RN – Rda.: H wt, wo Bartel ’n Most haolt ‘er ist sehr gewandt, kennt alle Schliche’ 2: Wb-Altm 11; Hei kümmt der hinder wie Bartelt hinder de Zicke. dass., 3: Chr-Em 430; den will ick leern, wu Bartels en Most her halt ‘ich werde ihm gehörig die Meinung sagen, ihn heftig zurechtweisen’ 3: Sprw-Börde. – 2. Name des heiligen Bartholomäus, einer der 12 Apostel Christi, und bes. des Kalendertages (24. August), 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 254, Bewohner-Altm 1,321, 3: vereinz. sw elbostf., 4: Mda-Sti 127 – Rda.: da hätt Barthel rinschetten vom Befall der Futterpflanzen um B. gesagt, BA-Re; Wetterregel: Wenn’t Barthelmäi regn’t, dänn gewt’n go’n Härwst. Bewohner-Altm 1,321. – 3. ‘eigensinniger, trotziger Junge’, Schimpfwort,  Dickkopp, 4: Mda-Sti 177. – 4. ‘Kopf’, scherzh., 4: Wb-Ak 171.
Lautf., Gram.: Langformen (2.): Barthelmäi Gen. Sg. Bewohner-Altm 1,321; Bartelm, b- Gen. Sg.(?) Wb-Altm 254, Wb-Nharz 21; [blmais] SA-Rist; Prtlmai Gen. Sg. Mda-Sti 127; Kurzformen (1.): Bartels Bewohner-Altm 1,321, Sprw-Börde; Bartelt, -d Id-Altm, Chr-Em 430; Bart(h)el Wb-Altm 11, Spr-Altm 76, vereinz. sw elbostf.; Nbff.: Torremes (4.) Wb-Ak 171; mwest (3.) Mda-Sti 177. – Etym.: (1.) in den Rda. wohl Umdeutung von hebr. barsel ‘Eisen’ zum PN B. und von hebr. mo’th ‘kleine Münze’ zu Moos, daher eigentlich ‘wissen, wo man mit dem Brecheisen an Geld kommt’, neben weiteren Erklärungen wird auch ein Zusammenhang zu Most hergestellt, da der 24. August (2.) für den Ausgang der Weinlese ausschlaggebend sein soll, vgl. Röhrich 1991,155 ff.
Bast m., auch n. 1a. ‘Rinde eines Zweiges’, auch ‘Baumrinde’, bes. ‘pflanzliche Faser zum Binden und Flechten’ 2: vereinz. Altm., JE2-Gü, ZE-Sta, 3: verstr. elbostf. (außer sö), 4: vereinz. w BE, Krause 1964,51 – den Bast afteen Id-Altm; es Basd runnor machen BE-Wa; mit Bast anbinnen HA-Oh; ... die mit Bast vorjitterte Pulle ... Krause 1964,51; Bastlösereim:bieh, bieh Bastjan,
laten Bast affgahn ...
HA-All.
– 1b. ‘Rinde der Flachsstängel’ 1: SA-Rist. – 2a. ‘Haut’, auch ‘Fell’ 2: Wb-Altm 11, Spr-Altm 79, 3: vereinz. elbostf. – Rda.: sek den Bast von den Hännen rwen ‘die Hände ringen’ Wb-We 13; nist up’m Baste hebben ‘nur abgetragene, unordentliche Kleidung tragen’, WE-Oster; upp’n Bast kaom’ ‘schlagen, bestrafen’ Wb-Altm 11; Upp’n Bast sitt’n. ‘Zur Arbeit antreiben.’ Spr-Altm 79; einen te baste rn ‘jmdm. tüchtig die Meinung sagen’ Wb-Nharz 21. – 2b. ‘behaarte, filzige Haut auf einem neu gebildeten Geweih’ 3: Wb-We* 201. – 3. ‘Haarschopf’ – ek hewwe ne bn Baste ekrejjen 3: Wb-We* 201. – 4. ‘Geld’,  Zaster, 3: WE-Ro.
Lautf., Gram.: Bast, bast, Baßt; außerdem: [basd] BE-Wa; [past] Wb-Be.
Bedde n. 1. ‘Möbelstück zum Schlafen, Ausruhen usw., Bett’ verstr. – des Bette machen Wb-Ak 35; Wi sprung’n nu ut dät Bedde ... Heimatkalender-Ma 1932,44 (JE2-Vie); Dei Kinner hadd sei all to Bed gohn lotn. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); ... in das eene eenzichste Bette da schlufen Vater un Mutter un mennejesma oo noch an paar Kinner zusammn. Wäschke 41920,63; Wat dust’n noch in Bedde? Spr-Asch 18; Rda.: te bedde ln ‘bettlä- gerig sein’ Wb-Nharz 22; mid de Heuner tau Bedde gahn ‘früh schlafen gehen’ BA-GrAls; du sst hüte Abend barwed de Bedde gahn Drohung an kleine Kinder, WE-Be; de Kräte verhungert noch in’n Bedde von einem Mädchen gesagt, das gewöhnlich lange schläft, BA-Re; Meddel (PflN ‘Windhalm’) jöcht en Buren ut’n Beddel. Chr-Em 427; Dat is wi bi Meiers, zwölf Kinder un ain Bedde, un kain will an de Wand slapen. Wb-Holzl 36; Sprw.: man sall sik nich ttrecken, er n ’n Bedde geit HA-Oh; det oab’ms fröh to bett, det morjn’s fröh hert, det bringt saegn in det hs Spr-Mab 392 (WO-An). – Brauch, Volksgl.: Das B. soll von Nord nach Süd gestellt sein, damit man nicht ebenso liegt wie ein Toter im Grab. Brauch-Anhalt 230 (CA-Egg). Auch soll es nicht mit dem Fußende zur Tür stehen, der Schläfer soll also nicht die Lage eines Toten einnehmen, der mit den Füßen nach vorn durch die Tür getragen wird, sonst geschieht ein Unglück. Vk-Anhalta 11. In das B. schlägt kein Blitz ein. Brauch-Anhalt 20.  TZ: vorwiegend saloppe oder scherzh. Benennungen: Bucht Falle Fl(en)falle Fl(en)kiste Fortmolde Furzklappe Heia (Kinderspr.) 1Kn Kaschuber Klappe 1Kle Lger Molde Nest. – 2. ‘Federbett’ 2: Wb-Altm 107, 3: vereinz. elbostf. – ... man süht dat grote Himmelbedde mit hohge Bedden inne ... Rauch 1925,23; In’t Bett sünd väöl Klt’n ‘die Federn haben sich zusammengeballt und bilden Klumpen’ Wb-Altm 107; Rda.: hat keinen Ewwertoch ewwert Bedde ‘ist arm’ Sprw-Börde; de pre wren alle w de beden ‘... wohlgenährt und glatthaarig’ Wb-Nharz 22. – 3. ‘auf der Tenne zum Dreschen ausgebreitete Getreidegarben’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 255, Wb-Altm* 49. – 4. ‘Raum in der Mühle, in dem sich Einlauftrichter und Mühlstein befinden’ 3: Wb-We 14.
Lautf., Gram.: Bedde, [bed]; außerdem: Bedden Dat./Akk. Pl. Rauch 1925,23; Bette, [bet] ZE-Roß, vereinz. anhalt.; Pette, [pete] vereinz. w omd.; Bett, Bed(d) verstr. nwaltm. Altm., Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); [ber] JE2-Scho, Mda-Ze (ZE-Reu Stre); Belle, [bel] vereinz. ö ZE; Bädde, [bd] Siedler-Je § 62 und § 148b (JE2 -außer nw- JE1), Id-Eilsa 50; [bt, -d] SA-Rist, Siedler-Je § 148b (nw JE2); Beddel im Reim Chr-Em 427.
bedden Vb. 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. Altm., Heimatkalender-Je 1923,96 und 100 (JE2-Fi Vie), Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘einen bestimmten Sinn, eine bestimmte Bedeutung haben’, spez. auch ‘auf etw. Zukünftiges hinweisen’ – wat soll dat bedien? ‘was soll das heißen?’ Sprw-Börde; dat hat nist’e bedn ‘damit hat es nichts auf sich’ HA-Oh; Nu irst markte Hinrich, wat de Wirtschaft up’n Karstenberg tau bedüden harre. Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); ... un mänch ener woll segg’n würd, dät bedü’t wat, do kömmt noch wat no, ... Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); Rda.: t’ bedütt wattet bedüün soll Spr-Maa 393 (WO-Ol); Wetterregel: Gewidda in Säptemba bedt Schni in Dsemba SA-Rist. – 2a. ‘jmdn. auf etw. hinweisen’, dabei auch ‘jmdn. belehren, zu überzeugen versuchen’ – Ick bedut öhm, dat dat nich gahn dehe, ... Rauch 1929,47; laat dick bedü’en Wb-Holzl 60; bedütt ne dat mal Mda-War 61; Neckreim: in Klüden (ON) laoten sik de Lü nich bedün ‘... sind die Leute eigensinnig’ GA-Wan. – 2b. ‘jmdn. beruhigen, beschwichtigen’.
Lautf., Gram.: bedüd(e)n Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die), Wb-Altm 42; -dü(ü)en, -dü’en, -den vereinz. n/w elbostf.; -düün, -dü’n, [bdn] vereinz. Altm. HA, Id-Eilsa 51, Wedde 1938,80; bidün OSCH-Di; beddn Mda-Ro; [bd] Mda-Ze (vereinz. ZE); bedien, -dn OSCH-Har, Sprw-Börde, Wb-Nharz 23; -deitn, [bdaitn] Mda-Ze (ZE-Roß), CA-Ak, Krause 1964,25; budeiten Wäschke61915,14 und 108; [putaitn] Wb-Be; bedaten Spr-Asch 50; 3. Sg. Präs.: bedt SA-Rist, -düt, -dü’t Bewohner-Altm 1,349, Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi), Lindauc o.J. 23; -dütt Matthies 1903,7, vereinz. n elbostf.; -ditt, [bdit] Mda-Ze (vereinz. ZE), vereinz. mittleres/s elbostf.; bi- QUE-Di; bu- Serimunt 1929 Nr. 46; [putit] Wb-Be; [bdut] SA-Dä; [-daitt] Mda-Ze (ZE-Roß); 1./3. Sg. Prät.: bedut Rauch 1929,47; bedidde, -dudde Wb-Nharz 23; buditte Wäschke 61915,59; 3. Pl. Prät.: bedü’ten Heimatkalender-Je 1923,96 (JE2-Vie).
bekmen Vb. 1. ‘etw. bekommen, erhalten’ 1: SA-Rist, 4: Wb-Be – n Knecht bekohm bätt hunnertfäfftig Dohler SA-Rist. – 2. ‘jmdm. nicht zuträglich sein’ 2: Francke 1904,59, 3: HA-Oh, 4: Richter o.J. 128 – ... denn bekimmt mich de Kur ooch nich. a.a.O. 128.
Lautf., Gram.: bekemen HA-Oh; bekoahm Francke 1904,59; -kohm 3. Sg. Prät. SA-Rist; [puko] Wb-Be; bekimmt 3. Sg. Präs. Richter o.J. 128.
2Bse f. 1. ‘kleine, rundliche Frucht mit saftigem Fleisch, das Samenkerne enthält, Beere’, vorw. in Zuss., 1: SA-Rist, 2: STE-GrMö Schi. – 2. PflN ‘Stachelbeere’, auch die Frucht,  Stickebre, 1: vereinz. nwaltm., 2: SA-GrAp Jee, vereinz. nw STE, Vk-Anhalta 77 (ZE). – 3. PflN ‘Heidelbeere’, auch die Frucht,  Heidelbre, 2: GA-Le, JE1-Wer, ZE-Do Ned.
Lautf., Gram.: Be(e)sen Pl. STE-Do Gra; Bäs(e)n Pl. SA-GrAp Jee, GA-Le, vereinz. mittleres STE; Dim.: Beseken Vk-Anhalta 77 (ZE), ZE-Ned; Beesecke ZE-Do; Bäsike JE1-Wer; Bässo, [bäzo], [bäz] vereinz. nwaltm.; Basso SA-Roh. – Etym.: Gegensatz zu  1Bre beruht auf gramm. Wechsel r-s, vgl. goth. basi ‘Beere’, Formen mit erhaltenem -s- zeigen sich in einem westdt.-ndl. Raum (ndl. bese, besie) und wurden durch ndl. Siedler in das brdb. Gebiet getragen, Wort tritt in versch. Formvarianten (u.a. -bse, -besse, -bessel, -bassel) bes. als Bestandteil von Zuss. auf (u.a.  Brm-, Heidel-, Johannis-, Stickelbse), vgl. Spr-Elbe/Saale 175 ff., Teuchert21972,216 ff., Wienesen 1952,27 f.
bestrauen Vb. ‘bestreuen’ 1: SA-Rist, 3: vereinz. elbostf. – mit witten Sand bestrait SA-Rist.
Lautf., Gram.: beschtraun Wb-Nharz 22; -straut Part. Prät. vereinz. n elbostf.; -strait Part. Prät. SA-Rist; bistraun QUE-Di.
bbringen Vb. 1a. ‘lehren, vermitteln’ 2: Bewohner-Altm 1,340, Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi), 3: vereinz. elbostf., 4: Heese 21919,11 – Sprw.: n’elen Hunt is nist mer btebringen HA-Oh. – 1b. ‘eine schlechte Nachricht schonend übermitteln’ – Mer hadden denn meine Schwäjern ooch de Sache beijebracht ... 4: Richter o.J. 41. – 2a. ‘herbeiholen’ – lte mal en zeugen bbringen 3: Wb-Nharz 27. – 2b. ‘ein männl. Tier zum Begatten heranschaffen’ 1: SA-Rist, 2: GA-Da.
Lautf., Gram.: bbringen, [bbri]; außerdem: bibrengen Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi); beijebracht Part. Prät. Richtero.J. 41; -brängen Heese 21919,11; bëibreng’n Bewohner-Altm 1,340.
bicken Vb. 1. ‘mit etw. hacken, hauen’ 3: vereinz. elbostf. – feste bicken ‘eine fest gewordene Erdschicht lockern’ Wb-Holzl 64. – 2. ‘einen schlagenden, klopfenden Laut hervorbringen’ – de r pickt 2: Wb-Altm 154. – 3. ‘mit dem Schnabel hacken’, bes. ‘die Eierschale von innen aufhacken’, von schlüpfenden Küken, 1/2/3: vereinz. nd., 4: Wb-Be – de Küken hätt all ebicket HA-Bee; de Specht pickt an den Bm Wb-Altm 154. – 4. ‘zerspringen, aufgehackt werden’, bes. von Eiern, aus denen Küken schlüpfen, 1/2/3: verstr. nd. – dai Aia hem’m all bickt SA-Dä. – 5. ‘dünn, abgenutzt, fadenscheinig werden’, von Kleidung, 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 17, 3: Id-Quea 144, 4: Wb-Be – de Rok bikkt Id-Quea 144. – 6. ‘hervorkommen’, in Bezug auf Pflanzen: ‘keimen, sprie- ßen’ 2: STE-Schi, 3: WE-Dee, Wb-We* 202 – Rda.: de Hn (Hörner) bicken all wird zu einem bockigen Kind gesagt, STE-Schi.
Lautf.: bick(e)n, [bik]; außerdem: [big] GA-Da, JE2-Scho; pick(e)n, [pikn] Wb-Altm 154 (2., 3.), verstr. JE1, Mda-sJe1 12 (ZE-Göd), Wb-Holzl 154, Wb-Nharz 145, Wb-Be.