1Brt n. 1. ‘aus Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig durch Backen hergestelltes Grundnahrungsmittel’, auch der Brotlaib, allg. – bemehltes Brot SA-Sa; runnes Brot WA-Dom; wittet Brot ‘Weißbrot’ JE1-Bü; dröh (trockenes) Brot äten JE2-Red; hammer tennoch Prt tse Hause? Wb-Be; d Plötz frett jan Brt anne Angel JE2-Scho; Deatt Mehl was schöeun; deatt Brout woard got. Matthies 1903,17; ... und schnitt sich mits Messer an Happ Brot na’n annern ... ab. Wäschke 61915,52; Den andern Morjen brochte Winnemann öhne en Pott vull heiten Kaffee un en Stücke Brot. Wedde 1938,54;Un männichenns was d’ Not so grot,
Dat s’ nich ‘maol Tüffeln ha’ un Brot.
Pohlmann 1905,14;
Rda.: dat leiwe Bret HA-Oh; hei verlrt dat Brt t der Kipe von jmdm., der einen Verlust erleidet, Wb-We 65; der kann mehr wie Brot eten von einem klugen Menschen, Sprw-Börde; fon denne nimmet keinder ’n Stücke Bret von einem von der Gesellschaft verachteten Menschen, HA-Oh; ach, dr is nt bret ewnt, der blift nich te! ‘jmd. kommt immer wieder dorthin zurück, wo er Vorteile genießen kann’ Mda-Weg 89; Wer söcht Brot in Hunnestalle? ‘von armen Leuten kann man nichts verlangen’ WE-Be; der ett ken Brod mihr ‘er ist tot’ JE2-Brie; et geiht ’ne w lenspei’, ml harre keine Wost un ml harre kein Bret HA-Oh; Danzen ahn Musik, dat is aber grad, as wenn’n drög Brot ett. Bewohner-Altm 2,135; Jenn’ Frau woll Brod spar’n, har Koken backt. a.a.O. 1,323; Sprw.: Breot wt allawaigngs (überall) backt ‘auch in der Fremde findet man sein Auskommen’, bes. zu jmdm. gesagt, der die Heimat nicht verlassen will, SA-Dä; Lang töw’n iss kn Brot spaorn. ‘Langes Zögern ist oft nicht förderlich.’ Wb-Altm 275; Vöärgäten Brot (Brot, das bereits vor dem Bezahlen aufgegessen ist) is Sorgenbrot. Spr-Altm 52; Beddelbrot is ’n bitter Brot HA-No; ile (ohne Belag) Brd mkt de Wangen rd Wb-We 22; in där aldergrötsten Not, smecket Wost ok one Brot WE-Be; Weck’r schimmlig Brt itt, de find’ Geld. ‘Sparsamkeit führt zu Wohlstand.’, vgl. aber auch Volksgl., Wb-Altm** 46; Denn sn Brot ick t, denn sn Ld ick sing. Wb-Altm 275. – B. gehört(e) zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, was sich in der Wendung dat lwe Brt widerspiegelt. verbr. Bei jeder Mahlzeit lag B. zur beliebigen Benutzung auf dem Tisch. Kost-Ma 75. Bis ins 20. Jh. hinein wurde der Teig noch zu Hause bereitet und nur zum Backen dem Bäcker des Ortes gebracht. verstr. Verschiedentlich wurde es auch im eigenen Backofen, der sich häufig im Garten befand, gebacken. EssennwAltm 19, Kost-Ma 75. Zu den Zutaten gehörten u.a. zu 65 % ausgemahlenes Roggenmehl (Vk-Anhalta 44), an das man Gerstenschrot mengte, um es kräftiger werden zu lassen (Kost-Ma 75) und Sauerteig als Treibmittel. Der angesäuerte Brotteig befand sich im Backtrog und stand über Nacht auf dem Ofen. Am folgenden Morgen wurde der Teig geknetet und geformt. verstr. Zu der früher verbreiteten runden Form des B. (wie z.T. noch im Kreis ZE), trat zunehmend die längliche. Vk-Anhalta 44. Die B. wogen teilweise vier bis sechs Pfund, die zu backende Anzahl hing von der Größe des Haushalts ab, pro Tag und Person rechnete man fünf große dicke Scheiben. Essen-nwAltm 19. Aufbewahrt wurde es im Keller oder in der Speisekammer, das B. für den täglichen Gebrauch befand sich im Brotschrank. verstr. – Volksgl.: Auf den angesäuerten Teig werden drei Kreuze gemacht, ebenso auf den fertigen Teig, damit soll ein Missraten vermieden werden. verstr. Dies wiederholt sich vor dem Backofen nach dem Hineinschieben des B., dabei wird folgender Vers gesprochen:Dat Brot is in’n Oawen,
de Herrgott ist doa boawen.
Wenn’t nu kein Brot werd’n will,
müt’t luter Semmel un Bodderkok’n werde’n.
Spr-Altm 52.
Der Strohwisch, mit dem der Ofen gesäubert wurde, wird anschließend verbrannt. Bewohner-Altm 2,289, Vk-Anhalta 45. Reißt im Backofen ein Brot auf, gibt es ein Unglück (Vk-Anhalta 45) oder es stirbt jmd. in der Familie. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (JE1-Ran). Auch ein im Backofen vergessenes B. kündigt den Tod eines Mitbewohners an. Vk-Altm 266. Das B. darf nicht angeschnitten werden, solange es noch warm ist. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (GA-Mie). Vor dem Anschneiden eines frischen B. werden mit dem Messer ein oder drei Kreuze auf die mehlige Unterseite des Brotes gemacht. verbr. Angeschnittenes B. soll mit der Schnittfläche zur Tischmitte zeigen, sonst geht der Segen aus dem Haus. Ähnlich verhält es sich, wenn das B. auf der runden Seite liegt. verstr. Schneidet jmd. das B. schief an, so hat er an diesem Tag gelogen (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhaltb 58), ist es ein junges Mädchen, wird sie sich nicht verheiraten (Abergl-Altm 18). Wer schimmliges B. isst, findet Geld (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhalta 46) oder verfügt danach über die Gabe des Hellsehens (a.a.O. 46). Das Wegwerfen von B. ist eine Sünde. Vk-Anhaltb 58. Wer B. auf die Straße wirft, muss es später mit blutigen Augen wieder aufsuchen (Bewohner-Altm 2,290), wer es tritt, wird einmal Hunger leiden. a.a.O. 2,290, Brauch-Anhalt 17. Weiteres  Hochtt, Kant(en), Knst. – 2. ‘Brotscheibe’,  Stulle, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – Rda.: sich nich de Butter vons Brt n’m lßen ‘sich nicht alles gefallen lassen’ Wb-Ak 118; er jinnt an annern nich de Butter uff’s Brot von einem neidischen Menschen, Spr-Anhalt 167. – 3. ‘Nahrung, Lebensunterhalt’ verstr. – Rda. (z.T. noch semantische Nähe zu 1.): b einen in ln un br schtn Wb-Nharz 33; dat leiwe Bret fordeinen HA-Oh; De mütt sick sin Brod met’t Mul verdeenen. von Menschen, in deren Beruf das Sprechen eine große Rolle spielt, Bewohner-Altm 1,323; vor andere Lüe Dör sin Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Börde.
Lautf.: Brot, Brod, [brt], [brd]; außerdem: prt Mda-Sti 23, Wb-Be; Bret, Broed HA-Oh, vereinz. OSCH, WE-Wa; Broat OST-Flee; Braout GA-Mie, vereinz. mittlere Altm.; Brout, [brout] SA-Ben, verstr. sw Altm.; Braut, Braud, [braut] SA-Ku Zie, verbr. w Altm.; bruot OSCH-Di Schl; Bruet, bret, [brd] Mda-Gö/Is 142, Mda-Ro, Wäschke41910,9, Mda-Fuhne 79 (vereinz. sw KÖ, KÖ-Me, DE-Ca Que, veralt.); [breot, -d] verbr. nwaltm.
Brsche f. ‘schmerzhafte Beule, die man sich durch Stoß oder Schlag zugezogen hat’ 2: Wb-Altm 26, SA-Sa, vereinz. OST, STE-Arne, verstr. s Altm., vereinz. mittleres/sw JE2 JE1, verstr. ZE, 3: verbr. n/mittleres/sö elbostf., vereinz. sw elbostf., 4: verstr. omd. – de Brusche is ganz vull Blaut un Water, da moste gliks mal mit’m Messer feste drücken, denn verdeilt et sich CA-Fö; Rda.: et rönnt sick Bruschen von einem fleißigen, umtriebigen Mädchen, Wb-Holzl 71.  Bramme Bratsch(e) Brummsche Brummse 2Brse Ble Hrn Klt(en) Knubbel Kndel.
Lautf.: Bru(u)sche, Brsche verstr. s Altm., JE2-Sy, vereinz. sw JE2, ZE-Li, verbr. n/mittleres/sö elbostf., vereinz. sw elbostf. nthür., Wb-Ak 40 (veralt.); prsche Mda-Sti 131; Bru(u)sch, Brsch, [br] Wb-Altm 26, SA-Sa, vereinz. OST, STE-Arne; Brausche vereinz. w/mittleres ZE, BE-Gü, verstr. anhalt.; Prausche, [praue] Serimunt 1930 Nr. 82, Wb-Be; Brüsche WO-Ke Uetz, JE2-Ba Schön, vereinz. n/mittleres JE1; Briesche JE1-Lob Wol; Breesche vereinz. ö ZE; in einigen Fällen – bes. im s Gebiet – ist das -sch- auch sth.
1Butte f. 1. ‘Seitenflügel des großen Fischnetzes (Zugnetz)’ 2: JE2-Scho. – 2. ‘Harnblase’ 3: Id-Eilsa 55. – 3. ‘Schweinemagen’ 2: Mda-Ar 30. – 4. ‘in einen Schweinemagen gefüllte Wurst’ 1: SA-Die Ku, 2: OST-Ko, 3: WO-Mei. – 5. ‘(Dick-)Darm (einschl. des Mast- und Blinddarms)’, bes. bei Schafen, Ziegen, Rindern, Schweinen, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be. – 6. ‘in Teile des Dickdarms (einschl. des Mast- und Blinddarms) gefüllte Wurst’– a. ‘Wurst aus rohem gehacktem Schweine- und Rindfleisch, die in einen lang gezogenen Mastdarm vom Schwein gefüllt wird’ 2: OST-See, GA-Wet. – b. ‘Blutwurst’ 1: verstr. ö/s nwaltm., 2: SA-Sa, GA-Ku, vereinz. ö Altm., JE2-Scho, 3: WO-HWa. – c. ‘Sülzwurst’ 2: SA-GrGe.
Lautf.: Butte, [but] GA-Wet, JE2-Scho, verstr. elbostf.; [pute] Wb-Be; Butt, [but] verstr. ö/s nwaltm., SA-Sa, GA-Ku, vereinz. ö Altm.; [bt] Mda-Ar 30; Budde verstr. elbostf. – Gram.: das Genus der endungslosen Butt-Belege ist nicht überliefert, so dass auch Belege mit m. Genus nicht auszuschließen sind. – Etym.: B. bezeichnet urspr. kurze, dicke Gegenstände, Enden, vgl. Wb-Meckl 2,167, Wb-BrdbBerl 1,856, Wb-Obersächs 1,356, zum Adj. nd. butt, mndl. bot(te) ‘stumpf, plump’, vgl. Kluge 242002,164 (unter Butt), bei (2.) bis (6.) daneben auch Einfluss von mnd. butte ‘Eingeweide, Knochen’ möglich, vgl. HWb-Mnd 1,383.
Donnerbalken m. ‘Toilette’, scherzh.,  Aftritt, 2: SA-Sa, STE-Ste.
Lautf.: Dunnerbalk(e)n.
Drgbörge f. dass., 2: SA-Sa, GA-Ack.
Lautf.: Dragbörg, [drb].
drnen Vb. 1. ‘durchdringend, laut und dumpf tönen’, davon auch ‘erschüttert werden, erzittern, beben’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. nbrdb., Mda-nwJe1a 50 (JE2-HSe, verstr. n JE1), 3: a.a.O. 50 (verstr. w JE1), verstr. w elbostf. – mick dröhnt de Kopp HA-Bee; dat dunnert, dat de Finstern dräön’ Wb-Altm 39; Rda.: Dät sall äm noch lang in’n Kopp dräöhnen. ‘Daran soll er noch lange denken.’ Bewohner-Altm 1,346; dat sol dek in de kneken drenen dass., Mda-Weg 91. – 2a. ‘langweilig und monoton reden’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm. – 2b. ‘schwatzen, Nichtiges reden’,  nlen, 1: vereinz. nwaltm., 2: SA-Sa, verstr. ö Altm. n/mittleres JE2 – d schtun’n tosam’m un drnd’n JE2-Scho; H dräönt dao watt henn. Wb-Altm 39.
Lautf.: dröhnen, drnen vereinz. w elbostf. (außer sw); [dre] Id-Eilsa 58; dr(ä)ö(h)nen, dräön’, [drn] SA-Ah, Wb-Altm 39, Bewohner-Altm 1,346, SA-Sa, verstr. ö Altm. n/mittleres JE2; [dr(e)nn] Mda-nwJe1a 50 (JE2-HSe, verstr. n JE1); [drn] Mda-Ar 32; drnen Wb-Nharz 46; [drnn] Mda-nwJe1a 50 (verstr. mittleres/w JE1); drenen Mda-Weg 91; dräuh’n SA-Wa; [dri] SA-Dä.
drst Adj. ‘finster, unfreundlich, ernst’, vom Aussehen,  brummig, 1: vereinz. nwaltm., 2: Wb-Altm 41, SA-Sa, GA-Klö, vereinz. mittlere/ö Altm., JE2-Fi Schö, JE1-Bü, 3: CALV-Calv, vereinz. HA – H st so drst t. Wb-Altm 41.
Lautf.: drust, drst Wb-Altm 41, GA-Klö, vereinz. ö Altm.; druste STE-Bir, JE2-Fi Schö, CALV-Calv, vereinz. HA; drus, druß, [drs] SA-Ku, vereinz. Altm.; [driust] SA-Ch Da; [drius] SA-KlGe; drüst JE1-Bü.
Flgenplster n., auch in der Verbdg.: spnisch Flgenplster ‘Pflaster mit der Drüsenabsonderung der spanischen Fliege, Kantharidinpflaster’, wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend, 1: SA-Dä Pü, 2: SA-Sa.
Lautf.: [pni flplst] SA-Sa; [fläi-] SA-Pü; [pnsk flaigplaost] SA-Dä.
Garstelbrt n. ‘Brot, das durch  Garsteln hergestellt wird’, vgl. Garsterbrt, 2: SA-Sa.
Lautf.: Gasselbrot.
Gatter n. 1. ‘gitterartiger Holzzaun’, bes. als Weidezaun oder Umzäunung von Wildgehegen,  Tn, 2: STE-Da, Francke 1904,110, ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – 2. ‘Schütz, herausnehmbares Gitter am hinteren Ende des Leiterwagens’,  Schütt, 2: SA-Sa. – 3. ‘Gattersäge zum Zersägen von Baumstämmen’ 3: HA-Oh.
Lautf.: Gatter, J-.