Dubbelbrt m. dass. wie  Dubbelkinn(e), 2: SA-Jee, STE-Ber Po, 3: vereinz. w elbostf.
Lautf.: als Kompositum: Dubbelbart HA-Bar; -baort STE-Po; Duwwel- BLA-Hü; [duplbt] STE-Ber; als Attributivgruppe: dubbelten Boart SA-Jee; duwwelden Bart WE-Sta.
Frstück n. ‘Mahlzeit am Morgen, Frühstück’, auch ‘das zweite Frühstück’ verstr. (aus JE1 keine Belege) – Fristick torechte maken Spr-Asch 19; Un dewiel drog Kallin tum Fröhstück Schinken un Wost up ... Hausfr-Altm 1940,112 (STE-Ber); ... aße zus Friehstick seine ... drei Bemmen ... Heese 21919,88; ... da sitt Schulze mit en paar Bikannte un Nahwers grade bi’n Frühstück. Wedde 1938,15; Rda.: der hätt et Frühstück verschloapen ‘er ist gestorben’ JE2-Ma; du liewer Gott laot Aowend wer’n, wenn meuglich gliek naon Fruistück SA-Fa; Sprw.: God Fröhstück is bätter as’n ganzen Dag garnist. Bewohner-Altm 1,334; ’n gt Frühstücke is besser w’n slecht Middsebret HA-Oh. – In der Erntezeit gab es in den Bauernwirtschaften um 5.30 Uhr das erste und um 9.00 Uhr auf dem Feld das zweite F. EssennwAltm 14 (SA-Im).
Lautf.: Frö(h)stück verstr. Altm.; Freu(h)-, Fräu(h)- Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), Rauch 1929,36; -stücke WE-Oster; -sticke BLA-Brau; [fruütük] SA-Dä; Fruistück SA-Fa; Frü(h)-, [frtük] vereinz. JE2 mittleres elbostf.; -stücke Lindauc o.J. 11, HA-Oh; Frie(h)s(ch)tick, [frtik] vereinz. ZE, Vk-Unterharza 88, Spr-Asch 19, verstr. anhalt.
gn Vb. allg. (abweichende Verbreitung oder Häufigkeit wird bei den jeweiligen Bed. extra aufgeführt). – 1a. ‘sich zu Fuß fortbewegen’ – jocht mal uten Weg JE2-Hü; Un wie se nu so alle dreie jehn, fangt de Neering’n widder von de Schpukjeschichte ... an. Heimatkalender-Ze 1961,90 (ZE-Ze); goat up de Teien (Zehen) ZE-Mü; hai get doch tau diuknackich (gebückt) SA-Dä; ... un können nich mehr jrade jahen. Gesch-Un 44; Verbdg.: dat larnt jehn ‘es wird gelingen’ ZE-Roß; Rda.: w me geit un schteit ‘so, wie man gerade ist’ Wb-Nharz 55; He geit as d’ Flg in d’ Bottermelk. ‘Er hat einen schwerfälligen Gang.’ Wb-Altm* 72; Sprw.: dei langsam geit, kummt k Wb-We 37. – 1b. ‘sich (zu einem bestimmten Zweck, mit einer bestimmten Absicht) an einen bestimmten Ort, irgendwohin begeben’ – na Hs gn SA-Mol; ... un gung no de Kirchhofsecke ... Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); amol war de Mutter ins Holz jejehn BA-Ha; jg m bain Flschor DE-Ca; danzen gn HA-Oh; Uff ’n Schwoof jehen ‘zum Tanz gehen’ Vk-Anhaltc 11 (BA-Ha); Ens woll Nanu moal jagt’n goah’n ... Matthies 1903,9; Rda.: ower’n Jordan gaan ‘verschwinden’ Wb-Holzl 94; t de Welt gn ‘sterben’ HA-Oh; ins Wasser jn ‘sich ertränken’ Wb-Ak 77; der jeit vor de Hunne ‘er stirbt’ JE2-Schm. – 1c. ‘regelmäßig besuchen’, auch ‘in einem bestimmten Bereich beruflich tä- tig werden’ – n’n mren gn Wb-Nharz 55; uf Arwt jn Wb-Ak 77; er “jeht bei de Ochsen” ‘er wird Ochsenknecht’ Serimunt 1932 Nr. 65; ik wett noch ganz genau, wie ick datt erste Joahr nah Schaule junk HA-Eim; die Dierns gingen früher alle Ahnde spinnen JE2-Bu. – 2. bes. in Verbdg. mit Vb. wie liggen, sitten, stn eine Bewegung auf einen anderen Zustand hin bezeichnend, 2: vereinz. Altm. – gao sitt’n! ‘setz dich hin!’ Wb-Altm 62; In’n Anfang dänn ging d’ Spök still an d’ Dör staohn ... Pohlmann 1905 ff.,125 (OST-GrRo). – 3a. ‘einen Ort verlassen, weggehen’ – wiste schont jehen? DE-Ho; denne kann’k ja wer gn HA-Oh; Rda.: einen gn lten ‘einen Darmwind entweichen lassen’ a.a.O.; d gans wil ek gn lten ‘die Gans soll zur Zucht gehen’ Wb-Nharz 55. – 3b. ‘ein Dienstverhältnis beenden, aufgeben’ – uten Deinst gohn GA-Beh. – 4. ‘sich lösen, abfallen’ – Rda.: aus en Leim jn Wb-Ak 77. – 5. ‘sich an etw. zu schaffen machen’, bes. um unerlaubt etw. zu entwenden – an wat nich jehn ZE-Roß. – 6. ‘in einer bestimmten Weise gekleidet sein’ – nietmodisch soll se gahn wie ne Eddelfrue HA-Bo. – 7. ‘mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben’ – mit eene jehn ZE-Roß; hast du denn diene Öldern schon e seggt, dat du mit mick geihst? HA-Bo. – 8. ‘trächtig sein’, von Tieren, 3: vereinz. w elbostf. – de Kau geit noch feier Wochen ‘in vier Wochen wird die Kuh kalben’ HA-Oh. – 9a. ‘sich durch etw. hindurch bewegen’ – Rda.: dorch de lappen gn ‘sich entgehen lassen’ Mda-Weg 105; De Kunne von Greitchens Dod war wie’n Loopfüer dorch’t lütge Dörp e gahn; ... Rauch 1929,66; dat mott’k mik mal dorch’n Kopp gn lten HA-Oh. – 9b. ‘in Bewegung sein, sich bewegen’ – de Wint geit wer de Hwersteppel a.a.O.; in’n Wind jn ld’n ‘das Steuer so drehen, dass das Segel mehr Wind fasst’, Schifferspr., Elbschifferspr. 356 (JE2-Mi). – 9c. ‘in Betrieb sein, funktionieren’ – Rda.: geiht et denn, oder knipt de Hose? (auch Bezug zu 10a. möglich) Sprw-Börde; Rätsel (auch mit Bezug zu 1a.): wat geit un geit un kümmp nich wer? – die Uhr, STE-Wa. – 9d. ‘aufgehen, treiben’, vom Hefeteig,  upgnmn Dch jait all JE2-Scho; der Deich is scheen ejehn CA-Gli. – 10a. ‘(in bestimmter Weise) vonstatten gehen, ablaufen’, auch ‘gelingen’ – dat geit swer HA-Oh; ..., düttmal hat’t noch gut ’egahn ... Lindauc o.J. 17; t wier doch janz hibsch jejehn ZE-Hu; ... kann doch nischt schief jehn. Krause 1964,18; Rda.: Et gait wi an’n Bimmfa’mt etreckt. ‘Es geht sehr gut, ohne Probleme.’ Wb-Holzl 36; dat jeht wie’s Brezelbacken dass., Vk-Anhalta 69; Sprw.: Wat nich will gahn, Lat schtahn! Vk-Harz 3,60. – 10b. ‘sich in bestimmter Weise entwickeln’, bes. von Geschäften – Wie jeht denn eier Laden? ZE-Roß. – 11. unpers. ‘ergehen’ – Mäi is dät ok so gohn. Hausfr-Altm 1927,41 (STE-Ber); Die jehts wo wie’n Harr Kanter seine? Wäschke 61915,103. – 12a. ‘sich machen lassen, möglich sein’ – Dat geiht doch nich, Vaoder ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); Rda.: ’t geiht woll, äöwert’ geiht nich. ‘Es ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht durchführbar.’ Bewohner-Altm 1,334. – 12b. ‘einigermaßen akzeptabel, erträglich sein’ – ’s Himne jt noch ‘das Hemd kann noch getragen werden’ Wb-Ak 77. – 13. ‘sich erstrecken, reichen’ – de rok geit bis op de kn Wb-Nharz 55. – 14. ‘in etw. passen, Platz, Raum finden’ – dr Korb jt nich mr in dn Sack Wb-Ak 77; Sprw.: gedüllich Schaop gaon fae (viele) in ’n Schtall SA-Dä. – 15. ‘eine bestimmte Richtung haben, in einer bestimmten Richtung verlaufen’ – d geit kein Wch HA-Oh; Von da jeht de Schossee linksch raus nah Tornau ... Heese 21919,33. – 16. ‘sich einem bestimmten Zeitpunkt nä- hern’ – et geit op achte Wb-Nharz 55; Dat is nu Nacht, geiht stark op Oelwe ... Klaus 1936,28. – 17. ‘sich in einem bestimmten Zustand befinden’ – w (wie) geit et? Wb-Nharz 55. – 18. ‘den Vorrang haben’ – Rda.: Geit doch nicks äöw’r de Rännlichkeit! seggt jenn’ Fru, un kert all Sündag Morgen är Hemm’ ümm. Wb-Altm 172; Sprw.: Nahwerschaft geiht vör Vadderschaft. Bewohner-Altm 2,20. – 19. ‘sich nach jmdm., etw. richten’ – dn geit et nich HA-Oh.
Lautf., Gram.: Inf.: gahn, gaan, j-, [gn], [jn] vereinz. w mbrdb., verbr. elbostf. (außer sö, dort verstr.), CA-Lö; gaen, gen, j- WA-Ste, WE-Oster, BLA-Brau; gahen, j- JE1-Walt, HA-Ro, vereinz. mittleres elbostf., WE-Velt, vereinz. n CA; g(a)ohn, goahn, j-, [gn], [jn], [--] verbr. nwaltm. nbrdb., verstr. JE1, ZE-Gri, verstr. elbostf., QUE-Frie; [gn] SA-Ah Rist; gaohen CALV-Uth, STE-Sto; [gon] verstr. n nwaltm.; goa(h)n, j-, [jan], [jan] verbr. n/mittleres mbrdb., vereinz. n/mittleres ZE; gehen, j- JE1-Schor Wö, vereinz. ZE, QUE-We, BE-KlMü, vereinz. omd.; gehn, j- JE1-Pa Wö, verbr. ZE, WE-Schau, verstr. sö elbostf., verbr. omd.; jaen Mda-Sti 26; [jn] veralt. Mda-Fuhne 75 (vereinz. s KÖ); 3. Sg. Präs.: gei(h)t, -ai-, j- [gait], [jait] vereinz. nwaltm., verstr. w Altm., verbr. ö Altm. JE2 JE1 elbostf. (außer sö, dort vereinz.); [gäit], [jäit] OST-Bi, vereinz. mittlere Altm.; [get] verstr. n nwaltm.; gaht, gaat, j- ZE-Li, vereinz. w elbostf., QUE-Di; g(a)oht, j- vereinz. w SA, WO-El; goat, [jat] vereinz. ZE; [jast] 2. Sg. Präs. Dialekt-Ma 12 (vereinz. sw JE1, ZE-Göd); geht, j-, [jt] verstr. ZE, vereinz. sö elbostf., verbr. omd.; gäht, j-, [gt], [jt] SA-Fa Jah Jü, vereinz. ö SA, OST-Ar, GA-Fau Ku; [jit] Nd-KlWu 24; Imp. Sg.: ga(h), j- verstr. elbostf.; gao(h), j- vereinz. Altm. elbostf.; gaach, gch vereinz. w elbostf.; gaoch OSCH-Har, QUE-Di; joch JE2-Jer Ni Za, verstr. JE1, QUE-Wa; [j] Dialekt-Ma 8 (verstr. w JE1, vereinz. nö CA), BE-Gü; jk, [jk], [jg] ZE-Roß, verbr. omd.; [jg] veralt. vereinz. s KÖ; 1./3. Sg. Prät./1./3. Pl. Prät.: ging, -nk, j-, [gik], [jik]/gingen, j-, [gin], [jin] (nwaltm., Altm.: [gi], [ji]) verstr. nwaltm., verbr. Altm. JE2 JE1, verstr. ZE, verbr. elbostf. omd. (bes. ZE elbostf. omd. neben älteren u-Formen); ging, [gi], [ji]/ verstr. nwaltm.; güng 1./3. Sg. Prät. Wb-Altm 61; gung, -k, j-, [guk], [juk]/gungen, j-, [gun], [jun] Wb-Altm 61, vereinz. n SA, STE-GrMö, Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi), verstr. ZE, verbr. elbostf., verstr. omd. (bes. ZE elbostf. anhalt. neben jüngeren i-Formen); 3. Pl. Prät.: junken BLA-Be; gangen DE-Lin; junkten Vk-Harz 3,24 (BLA-Be), BLA-Hü; jinkt 3. Sg. Prät. GA-Wern; Part. Prät.: egahn, -gaan, -j- verstr. elbostf.; egen BLA-Brau; g(a)ohn, j- verstr. nwaltm. Altm.; e-, [jn] JE2-Scho, OSCH-Har, QUE-Di; degn WA-HDo; [gaon] SA-Dä; ejoahn, [jan] JE2-GrWu, ZE-Göd; [j-] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); ejehn CA-Gli Pö; je- verstr. ö ZE, vereinz. n CA, verstr. nthür.; -jangen, [jjan] Mda-Ze (ZE-Roß), verstr. anhalt.
Hde f. 1. ‘größere Anzahl zusammengehöriger Tiere, Viehherde’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 83, OST-GrBeu, Hausfr-Altm 1927,44 (STE-Ber), STE-GrMö Ste, JE2-Scho, ZE-Kö Mü – d het wa ne jrte Hi Schpe JE2-Scho. – 2. ‘Schar, größere Anzahl von Kindern oder Gänsen’,  Korps, 1: SA-Dä Le, 2: SA-GrGe Rie, OST-Klei Wal, vereinz. JE2 JE1, 3: JE1-Ca, 4: Wb-Ak 72 – an Hau Kinna SA-Dä; d Junge brengt ne jants Hi met JE2-Scho; ne Hoje Jäns JE2-Wa. – 3a. ‘Hut, Bewachung’, auch ‘Weide’ 3: HA-Oh. – 3b. in der Rda.: op snder ht sn ‘wachsam sein’ 3: Wb-Nharz 84.
Lautf.: Hoode JE1-Ca; Hd Wb-Altm 83, STE-Ste; Hoe OST-Klei Wal, Hausfr-Altm 1927,44 (STE-Ber), STE-GrMö; Hoje JE2-Schl Wa; Houje JE2-Mi; Hoj OST-GrBeu; [hi] JE2-Scho; [h] SA-Rist; Hoa SA-Rie; Hau SA-GrGe Le, [hau] SA-Dä; Hude JE1-Gra, Hde Wb-Ak 72; [huede] ZE-Kö; Huada ZE-Mü; Hule JE1-Gö Ma; HujeJE2-Ve; Huije JE1-Rie; Hu’i JE2-Gü; Ht HA-Oh, ht Wb-Nharz 84.
Hoppentt f. ‘Zeit der Hopfenernte’ 2: Hausfr-Altm 1940,112 (STE-Ber).
humpeln Vb. 1. ‘hinken’ 2: Wb-Altm 86, Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber), JE2-Jer Scho, ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 95, vereinz. anhalt. – Du humpelst jo, wat hast denn an de Ft? Wb-Altm 86. Denn humpele se na de Dör, se harre en betchen veel mit Remetismus te daune. Rauch 1929,166.  TZ: hinken hunkeln hunken kaduksen lmen 2lumpen lunzen. – 2. ‘hüpfen’,  hopsen, 2: OST-Dü, GA-Vo, STE-Ga, JE2-Kl, JE1-Re Try Wö, 4: Wb-Ak 72.
Lautf.: humpeln, [humpln]; außerdem: [hump] ZE-Roß, humpel’l Wb-Ak 72; [humb] DE-Ca.
Hundenapp m. ‘Fressnapf für den Hund’ 2: STE-Ber Steg, JE2-Scho, 3: WO-HWa, HA-Oh.
Lautf.: Hunnenapp HA-Oh, [hunnap] JE2-Scho, WO-HWa; [huap] STE-Ber Steg.
Klocke f. 1a. ‘Glocke’, bes. die Kirchenglocke, verbr. – Der Klang der K. ist in zahlreichen Reimsprüchen nachempfunden: Bim, bam, bohler, Kost nen halben Daoler GA-Ga; Kümmt all to Kerk! Kümmt all to Kerk! OST-Sa; bimm baum, bälaumWE-Ve; Rätsel: Gät un schlät int Holt, Dag in, Dag ut: Un kümmt doch nich rut! Volksspr-Altm 93 (SA-Vi); Rda.: an de grte Klocke schlahn ‘etw. überall herumerzählen, aufbauschen’ CA-Fö; De hät de Klock lü’n hürt, weet äöwer nich wo’s’ hangen. ‘Er weiß nicht genau Bescheid.’ Bewohner-Altm 1,344; Nu weet ick, wo de Klocken hangen. a.a.O. 344; nu wettste, wat de Klocke eschlahn hat CA-Fö. – Brauch: Die K. wurde nicht nur zum Kirchgang geläutet, u.a. erinnerte das Läuten an bestimmten Tagen die Dorfbewohner an deren Ablieferungspflicht: Eier für den Pastor, Schütten (Abliefern) des Zehntgetreides, die Schüttenden bekamen Schnaps und Tabak. Brauch-Anhalt 92ff. (KÖ-Wa, DE-Ro). Am Michaelstag (29. September) läuten die Glocken Zinsen, Pachte, Swinegeld (OSCH-Krop). – Volksgl.: Die K. gilt vielfach als Vorzeichen des Todes: Vom Klang der Kirchenglocken heißt es, wenn sie singen, stirbt bald jmd. (GA-Ro). Klingt bei einer Beerdigung eine Glocke nach oder haben beim Leichenzug die Glocken einen traurigen Klang, so folgt bald ein weiterer Todesfall. Vk-Anhalta 174 (BE-Pei, KÖ-Kö Ost). Schlägt beim Trauergeläut die große Glocke zuerst an, ist das nächste Todesopfer ein Mann, bei der mittleren Glocke eine Frau, bei der kleinen ein Kind. a.a.O. 174 (BE-Pei). – 1b. ‘ Klingel an der Haustür’ 1: SA-Ah, 2: verstr. n/mittlere Altm., CALV-Calv, verstr. JE2, JE1-Mö, ZE-Wö Ze, 3: JE1-Pre, Wb-Nharz 100, BA-Rie, BE-He, 4: QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie Wö. – 1c. ‘kleine Glocke’, bes. für weidende Kühe und Schafe, auch am Schlitten, 2: SA-Sta, 3: Wb-Nharz 100. – 2a. ‘Uhr’, bes. die Turmuhr, 1: SA-Dä, 3: WO-Gu, Wb-Holzl 121, CA-Fö, 4: Wb-Ak 91 – uns Klock gaet to l aot ‘die Uhr geht nach’ SA-Dä. – Volksgl.: Das Schlagen der Uhren kann den nahenden Tod ankündigen: Schlägt die Turmuhr (Glocke) dem Geistlichen ins Vaterunser oder ins Amen, stirbt ein Kirchgänger. Vk-Anhalta 174 (KÖ-Ar, DE-Go). Gleiches tritt ein, wenn die Uhren vom Rathaus und vom Kirchturm gleichzeitig schlagen. a.a.O. 174 (DE-Je). Steht eine Wanduhr plötzlich still, stirbt am anderen Tag zur gleichen Stunde ein Verwandter. a.a.O. 174 (KÖ-Thu). – 2b. ‘Uhrzeit’ 2: Wb-Altm 106, Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), JE2-Scho Schön, verstr. ZE, 3: Rauch 1929,13, vereinz. HA OSCH, Wb-Nharz 100, Wb-We 67, 4: Wb-Ak 91, Wäschke 41920,8 – W hk is denn de Klocke? ‘Wie spät ist es?’ Wb-Ak 91; so umme half Klocke veiere rum OSCH-Wu; Ik ha äin Morr’n van Klock dree bet Klock nä’n Gras mäht … Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Klocke fünwe is et doch all düster HA-Bo; … von Klockener viere bes Klockener achte …’ungefähr von 4 bis 8 Uhr’ Wäschke 41920,8. – 3a. ‘glockenförmiges, unten geschliffenes Gerät aus Metall zum Enthaaren gebrühter Schweine’ 1: SA-Roh, 3: HA-Oh, Wb-Holzl 121 (HA-Wo), QUE-Hau, 4: Wb-Ak 91. – 3b. ‘Glasglocke’, zum Abdecken von Nahrungsmitteln, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Klocke, [klok] Sg.; Klock(e)n, [klok] Pl.; außerdem: Klock SA-Ah Dä, verbr. Altm., JE2-Kam; Klöcke JE2-Schön; Glocke Sg., Glocken Pl., [glok] Pl. SA-Roh, STE-Grie, CALV-Calv, JE2-Scho, ZE-Wö, OSCH-Eils, QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie; Glock OST-Bre Na, GA-Jä; Jlocke, [jlok] JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö), CA-Ak, Wb-Be; Klockener Wäschke 41920,8: zur Angabe der ungefähren Zeit, Bildg. mit -er: ist ein abgeschwächtes der, ausf. vgl. der 5. Zuss.: zu 1b.: Hs-, Klinge(l)-, Klinger-; zu 3.: Kse-, Lampenglocke; sonstiges: ster-.
kken Vb. 1. ‘kochen’ verstr. – … in’t Asch wodd’n Tüffeln (Kartoffeln) kokt … Hausfr-Altm 1927,44 (STE-Ber); jo, Mudda, diu kaok man ast an Tass Kawwe SA-Dä; … kochte Mus dervon … Wäschke 31919,152; Sprw.: Wenn et kaakt, kaakt et in alle Pötte Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo); et wart nich sau heit e’jetten, wi’t ekket wart HA-Oh. – 2. ‘zornig, wütend sein’ – Ich hawwe jekocht, we mich das sre (sagte). 4: Wb-Ak 94.
Lautf., Gram.: kken, koken SA-Sta, verstr. w/sw elbostf.; kok’n HA-Bee; [kk] SA-Rist; [kkn] CALV-Je Uth Zo, koaken JE2-Schön, Wb-Holzl 124 (HA-Wo); kaok’n Wb-Altm 97; [kk] verstr. nwaltm. Altm.; [kekn] Id-Eilsa 73; [kaok] verstr. nw nwaltm., [kaok] SA-Gie; kokt Part. Prät. Hausfr-Altm 1927,44 (STE-Ber), JE2-Scho; [kaokt] 3. Sg. Präs. SA-Dä; kochen, [kon] Mda-nwJe1a 49 (JE2-HSe, verstr. w/mittleres JE1), Beiträge-Nd 75 (WO-HWa), Wb-Ak 94, [kon] WO-Col Zie, Mda-Ze (verstr. ZE), Wb-Be; kocht Imp. Pl. ZE-Nu; kochte 3. Sg. Prät. Wäschke 31919,152; [k] Brugge 1944,51 (HA-AHa); kuoken OSCH-Di; kaakt 3. Sg. Präs. Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo); [kk] Brugge 1944,51 (GA-Miest). Zuss.: zu 1.: in-, wer-.
kort Adj. verbr. 1. räumlich ‘von vergleichsweise geringer räumlicher Ausdehnung in einer Richtung’ – … un nahm sine korte Pipe uten Mule … Lindaua o.J. 2; ‘n kl. Kn kort anbin’n ‘den Beikahn in kurzem Abstand hinter dem Kahn schwimmen lassen’ Elbschifferspr. 392 (STE-Tan); Rda.: kort annebun’n sien ‘barsch, abweisend sein’ Wb-Holzl 125 (vgl. 3a.); einen kort hlen ‘jmdn. streng halten’ Wb-Nharz 105; kort riten ‘zerrei- ßen’ Wb-We 73; das is je gurdsch un glain ‘das ist völlig entzwei’ BE-KlSchie; Ick slao di’ n Puck’l kort un klein. Wb-Altm 113; ek bin kort un klein ‘ich bin völlig ermattet’ Id-Queb 6; lanke hre un korte jedanken Wb-Nharz 105; Sprw.: Kort un dick hät bi Deerns keen Schick, lang un grot, datt lett got. Spr-Altm 14. – 2. zeitlich – a. ‘von vergleichsweise geringer zeitlicher Dauer’ – ne korte Tt HA-Oh; … wenn de Ta’e kortsch un de Nächte lank wer’n … Wäschke 71913,120; Rda.: ewer kort der lank ‘früher oder später’ Wb-Nharz 105; dä geit kort ‘er stirbt’ WE-Dan; kortsch un lank ausschimpen ‘jmdn. ausgiebig ausschimpfen’ Spr-Anhalt 169; ne korte finewe mken ‘nicht viel Aufhebens machen’ Wb-Nharz 105. – b. ‘mit geringem zeitlichem Abstand von etw.’ – kort for sesse HA-Oh; korts nhr Wb-Nharz 105; … ick bin irst vör korten in’n Buernhus ‘ewest … Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie). – 3a. ‘nicht ausführlich, knapp’ – Da säggt de Bur, de ja immer höllsch kort was: “Mutter drag af, he will nich!” Hausfr-Altm 1940,112 (STE-Ber); Rda.: kort wech sn ‘nicht viele Worte machen’ Wb-Nharz 105; Drum koart un bündig rutgeseaggt … Matthies 1903,12. – 3b. ‘schnell,  rasch’ – … denn se kam korz enschloten op meek tau …Vk-Harz 3,23 (BLA-Be).
Lautf.: kort, [kort] Wb-Altm 113, Bewohner-Altm 1,346, Spr-Altm 14, CALV-Uth Zo, vereinz. sö Altm., verstr. JE2 JE1, Mda-Ze (ZE-Reu Stre), verbr. elbostf.; [ko(r)t], kott SA-Die, verbr. Altm., JE2-NeuWe Scho; koart, [krt] Matthies 1903,12, SA-Sta, GA-Pe, Siedler-Je § 116 (JE2 JE1), JE1-Mö; [kot] SA-Dä, GA-Mie; korz, korts vereinz. s elbostf., Mda-Sti 41, BA-Schie; kortsch Dialekt-Ma 5 (JE1-Walt), verstr. ZE sö elbostf. anhalt.; [gord] Mda-Fuhne 66 (verbr. anhalt., vorw. ältere Generation), a.a.O. 18 (DE-Ca); kurt JE2-HBe; [kurts] Dialekt-Ma 5 (CA-Gli); [gurd] Mda-Fuhne 66 (verbr. anhalt., vorw. jüngere Generation), BE-KlSchie; [krt] SA-Ah Ku, JE2-Mü Pa; [krt] SA-Pü; [kt] verbr. nwaltm., SA-Sa, GA-Ku Schw; kuot OST-Ker.