Knwel m. 1. ‘Querholz, mit dem etw. gehalten, verspannt oder festgezogen wird’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: vereinz. s elbostf., 4: Mda-Sti 161. – a. ‘pflockähnliches Holzgerät zum Garbenbinden’,  Bindeplock, 2: SA-Max, STE-Bir Sta, JE1-Wer, vereinz. s JE1, verstr. ZE, 3: JE1-Ca, WA-Eg, QUE-GrSchie We, verstr. CA, BE-Gü KlMü, 4: verstr. omd. – gugge m hor was de d weddor jebunn hasd, d hasde weddor gn Gnewwel jehad BE-Il. – Der K., den die Frauen bei der Erntearbeit am Gürtel tragen, ist etwa 25 cm lang. Mit ihm wird das Strohseil, welches um die Garben geschlungen ist, zusammengedreht. Das geknebelte Ende wird dann untergeschoben und der K. wieder herausgezogen. Wb-Be. – b. ‘drehbarer Riegel, mit dem Türen und Fenster verschlossen werden’ 2: Wb-Altm 266, SA-Rie, Mda-sJe1 18 (vereinz. s JE1), 3: a.a.O. 18 (vereinz. w JE1), Wb-Holzl 122, 4: Wb-Ak 92f. – c. ‘bewegliches Quereisen am Ende einer Kette, das zum Befestigen durch einen Ring geschoben wird’ 2: Wb-Altm* 60, 3: Wb-Holzl 122, HA-Oh, 4: Wb-Ak 92f. – 2. ‘Klöppel der Kuhglokke’ 3: Wb-We* 220.
Lautf.: Knwel ZE-Wei, CA-Brei KlRo Ra; Knebel ZE-Eich Göd Ke, WA-Eg, QUE-We, BA-Ha, Vk-Anhalta 20 (BE-GrMü); Knäwel SA-Max; Knäbel STE-Sta; Knepel Wb-We* 220, CA-Schw; Knöwel SA-Rie, STE-Bir; Knäöw’l Wb-Altm* 60, CA-Me; Knäöb’l Wb-Altm 266; Knew(w)el, [knewl] MdasJe1 18 (vereinz. w/s JE1), vereinz. ZE elbostf., Mda-Sti 161, Wb-Ak 92f., Wb-Be, BE-Schie; [knewl] Mda-Ze (verstr. ZE); [gnewl] verstr. BE, Mda-Fuhne 14 (DE-Ca); Knebbel JE1-Flö Schor Walt, vereinz. ZE, OSCH-Di, Wb-We* 220, QUE-GrSchie, verstr. CA, KÖ-Kö, DE-Lau; Knäwwel, -bb- CA-Ma; Knöwwel JE1-Da, ZE-Ser, CA-Atz; Knöbbel ZE-Ra, Wb-We 70, CA-Bru; Kneäbbel CA-Mi; Nbff.: Knl JE1-Ist Wer, ZE-Bo Nu Ro Stra; [knal] Mda-sJe1 18 (vereinz. s JE1).
Knurzel m. 1a. ‘verwachsener Holzklotz, der schwer zu spalten ist’,  Knorren, 2: STE-Bir. – 1b. ‘maseriges Stück Holz’ 3: Wb-We 71. – 2a. ‘kleiner, verwachsener Apfel’ 3: QUE-Di, 4: verstr. anhalt. – 2b. ‘kleine, verwachsene Kartoffel’ 4: Wb-Be. – 3a. dass. wie  Knurz 2., 3: Spr-Asch 24, QUE-Di, Id-Queb 5, 4: Mda-Sti 162, Wb-Be. – 3b. ‘ein im Wachstum zurückgebliebenes Lebewesen’, bes. von Schweinen oder Rindern, slt. auch von Kindern, 3: Wb-Nharz 103.
Lautf.: Knur(t)zel, [knurtsl], außerdem: [gnurdsl] Mda-Fuhne 61 (verstr. anhalt.); knurzelchen Dim. Mda-Sti 162.
K f. 1a. TiN ‘weibl. Rind’ verbr. – hei mott Keue ob de Wische (Wiese) heu’n (hüten) GA-Lock; … denn hammer so vill Jeld, dassemer uns Kiehe un Färe koofen kenn’n. Wäschke 41920,41; Rda. mit Bezug auf Viehhaltung und wirtschaftliche Bedeutung: De gaude Koh melkt man dörchs Mul. ‘Bei guter Fütterung gibt die Kuh viel Milch.’ Spr-Altm 82; Een Koh deckt’n Disch. a.a.O. 82; Oll Kö’ gew’n Melk, jung Hünner gew’n Eier. Bewohner-Altm 1,345; hat de Deuwel de Kauh ehalt, kann hei dat Kalw ok noch halen HA-Eil; Rda. mit Bezug auf den Menschen und sein Verhalten: Wem de Kauh jehört, fate se bin Schwanz ‘wen eine Sache etw. angeht, der kümmere sich darum’ Sprw-Börde; Watt helpt n’n K, wenn s ‘n Emmer vull melkt un sleit’n in’n Dreck ‘Hab und Gut nützen nichts, wenn es vergeudet wird’ Wb-Altm 205; man wart sau olt wie ne Kau un lehrt ümmer noch dertau Sprw-Eils 39; et jift mr bunte keu w eine Zurückweisung einer unberechtigten Forderung gegenüber jmdm., der glaubt, eine verlorene Sache wieder zu erkennen, Wb-Nharz 94; wenn eine Kauh schitt, böert dä andere den Swanz hoch OSCH-Ba; hei kukkt et an w de Kau de ne Dr ‘er ist verwundert’ Wb-We 64; sau old wrd keine Kau WE-Be; Rätsel: et jing in’n Wald un leiht Tellderken fall’n, wat is dat? – de Kauh WO-Schn;Eine Kauh un’n Kalf
Un’n half Kalf half
Un’n Hirsch un’n Reh,
Wuur vell Beine harr’n dee?
Lieder-Ma Nr. 474 (HA-Um);
Kinderreim:Muh, muh, muh!
Raupt uns unse Kuh.
Wai jeeb’m eer det Futter,
Sai jeeft uns Melk un Bodder
Un raupt man immer: Muh!
a.a.O. Nr. 78 (WA-Eg);
Abzählreim:Ich un d, Mil’lersch K,
Mil’lersch sel, das bis d.
Wb-Ak 99.
Wiegenlied:Slap, Kinneken, slap.
Vorn Holte geiht en Schap,
Vorn Holte geiht ne bunte Kauh,
Kummet usen Kinneken tau.
Vk-Harz 3,87 (WE-Schau).
Brauch: In vielen Altmarkdörfern war es üblich, beim ersten Austrieb zu Pfingsten das Vieh zu bekränzen. Dies war häufig mit einem Wettstreit der Hütejungen und Kuhmägde verbunden. Der besten K. der Herde, die zuerst ausgetrieben war, wurde ein von einem Mädchen gebundener Kranz umgehängt. Brauch-wAltm 72f. (SA-Zier, vereinz. GA). Hatte eine Kuhmagd ihre Herde als letzte ausgetrieben, hatte sie allerlei Witze und Neckereien über sich ergehen zu lassen. Gegen Abend suchten die Burschen aus der Herde dieses Mädchens eine K. heraus, die sie schmückten, indem u.a. eine aus Stroh und anderen Materialien gefertigte Puppe auf das Tier gesetzt und befestigt wurde. Diese bunte K. wurde losgelassen und lief unter dem Jubel der Bewohner so lange durch das Dorf, bis die Puppe heruntergefallen oder zerstört war. Erst dann wurde das Tier wieder auf den Hof gelassen. SA-Ch. – 1b. TiN in der Verbdg.: bunte/blinde Kuh ‘Marienkäfer’,  Marenkwer, 2: JE2-Pap, JE1-Bü – blinne Kue JE2-Pap. – 2. ‘alte oder dicke Frau’, Schimpfwort,  Pummel, 2: ZE-Roß. – 3. in der Verbdg.: sitt wie dot up de Koh ‘bittet unablässig um etw.’,  beddeln, 2: STE-Bir.
Lautf., Gram.: K, Koh, Koo SA-Ku Rist Zie, verbr. Altm., JE2-HGö Schö Zo, JE1-Grä Gü Ra Ran; Kouh OST-Thie, ku Mda-Sti 40; Kau(h), [kau], [kao] verbr. nwaltm. elbostf.; Keuseken Dim. Mda-Weg 101; K, Kuh WO-Zi, JE1-Bü Kü, ZE-Roß, HA-Alv, Lieder-Ma Nr. 78 (WA-Eg), a.a.O. Nr. 613 (WO-Ol), a.a.O. Nr. 615 (GA-Se), Vk-Harz 3,94 (QUE-Que), Wb-Be, BLA-All, Vk-Anhalta 32; [g] DE-Ca; Kue, [ku] JE2-Pap, JE1-HLo Stei, verstr. ZE; Kua ZE-Mü; Pl.: [k] JE2-Scho, JE1-Gra HZi Wö; [kö]GA-Bo, CALV-Je Uth Zo; Köh, K, Kö’, [k] SA-Rist Zie, Bewohner-Altm 1,345, verstr. n/mittlere Altm., GA-Da Le Schw, JE2-Gü, Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie), verstr. nw/mittleres JE1; Ke, [k] Dialekt-Ma 12 (verstr. JE1, ZE-Dor), QUE-Su, Kehe BA-Op; Keh, K Dialekt-Ma 12 (JE1-Güt Schor Walt), verstr. ZE; [kj] Dialekt-Ma 7 (verstr. w JE1, CA-El); kwe Mda-Sti 40; [kje] WO-Col Zi Zie; [ki] SA-Ku, [ki] STE-Bö Je Steg; [köi] SA-Pü Zie, GA-Da Ku, [köi] STE-Bad; [kui] verstr. nwaltm.; Kuü SA-Die; Küehe Heimatkalender-Je 1929,XII (JE2-Vie); Koie, [koi], Käu(h)e, Keu(h)e, [koe] verstr. n/w elbostf.; [koi] SA-Ah GrGe Jü, Keu HA-Oh, Id-Eilsa 70, Wb-Nharz 94; Keuj QUE-Di; Kei(h)e, keie, [kae], [kaie], [kai] WO-Eb Mei, HA-Neu Va, Wb-Nharz 94 (WE-De), vereinz. n CA; Kiehe Wäschke 41920,41, Richter o.J. 7; [g] DE-Ca. Zuss.: zu 1a.: Harz-, Hirsch-, Kalwe-, Kerken-, Lnigen-, Melke-, Melk-, Mtsche-, M-, Ossen-; zu 1b.: Himmelskühchen, Mtsche-, M-; sonstiges: Maikken.
Kopp-von-Bülow/Külau TiN ‘Pirol’,  Pingstvgel, 2: STE-Bir, 3: JE1-Nie, HA-Ro.
Lautf.: Kop von Bülow HA-Ro; Kopp von Kühlau JE1-Nie; – Külo STE-Bir.
Krück(e) m., f. 1a. ‘Stock für Gehbehinderte mit gebogenen Querhölzern zum Stützen des Körpers unter der Achselhöhle oder an den Unterarmen’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. omd. – hei geit an Krücken HA-Oh. – 1b. dass. wie  Krückstock, 2: GA-Ga, 3: WE-Schie, 4: BA-Ha. – 1c. ‘grober, beschädigter Stock’ 3: Mda-War 15. – 2a. ‘Querholz an der  Krück(e) 1a. zum Stützen des Körpers unter der Achselhöhle oder an den Unterarmen’, auch ‘Griff am Spazierstock’ 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – hei hat’n Stock mit’n silbern Kruck HA-Bee. – 2b. ‘das Querholz der Harke, an dem die Zinken sitzen’,  Harkenhft, 1: SA-Die. – 3a. ‘Griff an der Haspel’ 3: Wb-Holzl 127. – 3b. ‘Griff in der Mitte des Stiels der Getreidesense’ 1: SA-Die, 4: DE-Ra. – 3c. ‘Griff am oberen Ende des Stiels der Grassense’ 4: BE-Grö La. – 4a. ‘Gerät zum Herauskratzen der Asche aus dem Backofen’, besteht aus einer schmalen Schaufel, die an einer langen Stange angebracht ist, 2: Bewohner-Altm 1,347, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 97, Wb-Be – Rda.: Krick un ’mstl ‘viele verschiedene Leute’ Wb-Ak 97; Krück un Ow’nstaoken dass., Bewohner-Altm 1,347. – 4b. ‘Gerät zum Zusammenkratzen des (Straßen-)Schmutzes’, ähnelt einer Hacke, 3: vereinz. elbostf. – 4c. ‘hölzernes Gerät zum Rühren des kochenden Pflaumenmuses’,  Mskelle, 3: vereinz. sw elbostf. – 5a. ‘Krümmung’ 3: Wb-Nharz 107. – 5b. ‘gekrümmtes Ackerstück’, auch in FlN, 3: vereinz. mittleres/s elbostf. – 6a. ‘alter, gebrechlicher Mann’ 3: HA-Oh. – 6b. ‘Krüppel’ 4: Wb-Be. – 7a. ‘altes, schlechtes Pferd’,  Gaul, 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. mittleres OST, STE-Bir Gra, verstr. mittleres/s JE2 JE1, ZE-Bur Kö We, 3: vereinz. w JE1, 4: BE-Ad Al Gier. – 7b. ‘alte, auch abgemagerte Kuh’ 2: GA-Da, JE2-Scho.
Lautf., Gram.: Krücke, [krük] f. GA-Ga, STE-Gra, verstr. mittleres/s JE2 n JE1, HA-Oh, BE-Grö, DE-Ra; Krück, [krük] f. vereinz. nwaltm., OST-Me, GA-Da, Krück m. WE-Schie, Krück Bewohner-Altm 1,347, OST-Ca De Po; Kricke, [krik] f. STE-Bir, verstr. mittleres/s JE1 ZE, Wb-Nharz 107, Id-Queb 6, vereinz. omd.; Krick Wb-Ak 97; [grig] f. BE-Ad Al Gier, Mda-Fuhne 18 (DE-Ca); Krucke, [kruk] f. vereinz. n JE1 elbostf., Mda-Sti 165 (slt.); Kruck m. verstr. elbostf.; [kru] f. Mda-sJe1 30 (JE1-Ho). Zus.: zu 4c.: Ms-.
Kuckucksfleute f. ‘aus einem Weidenzweig gefertigte Flöte’,  Fpe, 2: STE-Bir.
Lauseköter m. ‘Hund’, Schimpfwort,  Tle, 2: STE-Bir.
1Lne f. 1. ‘dünnes Seil’, auch ‘Seil mittlerer Stärke’, meist aus Hanf, 2: verstr. brdb., 3: vereinz. n CA, 4: verstr. anhalt. – de Wäsche hangt all up de Ln JE2-Scho. – Brauch: Liene trecken ‘das Brautpaar mit einer Schnur aufhalten, um eine Geldspende zu erwirken’ Vk-Anhaltb 41 (ZE-Eich). – 2. ‘Schiffstau’, je nach Verwendungszweck aus Hanf oder Draht, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 253 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 253 (CA-Ak), Wb-Ak 105 – der Knich (der vorderste Leinenzieher beim Treideln,  Knig 3.) wr der erschte ne Leine. Wb-Ak 105; Rda.: Se wurre janz schtumm un zok Leine (ging fort, verschwand). Alt-Cöthen 81. – 3a. ‘Lenkseil für Zugtiere’ 2: GA-Da, ZE-Roß, 4: Wb-Be. – 3b. ‘ Strang zum Anschirren von Zugtieren’ 2: STE-Bir, 3: CA-Sta, 4: BE-La. – 3c. ‘am Halsband befestigter Lederriemen zum Führen von Hunden oder Pferden’ 4: Wb-Ak 105. – 4. in FlN, 2: STE-Bit Grie West, JE2-Re, verstr. mittleres/s JE1, ZE-Steu.
Lautf.: Line, [ln] Elbschifferspr. 253 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi Pa), STE-Bir, WO-Zi, verstr. mbrdb., vereinz. n CA; Lin, [ln] verstr. Altm., JE2-Scho; [ln] OST-Ga; Leine, [lain] GA-Da, ZE-Roß, CA-Sta, verstr. anhalt. – Etym.: (4.) zu mndl. line ‘Landmaß von 100 Ruten’, Belege des Wortes im Brdb. sind wichtiges Indiz für ndl. Besiedlung, vgl. Siedler-Je § 319, Teuchert 21972,194. Zuss.: zu 2.: Meerleine; zu 3.: Kreuzleine.
Messpütte f. 1. dass. wie  Messjauchenpütte, 2: STE-Bir De Sche, JE2-Ro, verstr. mbrdb., 3: vereinz. n/ö elbostf. – 2. ‘ Jauche’ 2: JE1-HZi Try.
Lautf.: Messpütte STE-Bir, verstr. s JE2 JE1, ZE-Ned Stra, HA-NHa Va, CA-Atz; -pütt STE-Sche; -pitte, [mespit] JE2-Go, vereinz. mittleres/s JE1 ZE ö elbostf.; Mässpütt STE-De; Mistpitte ZE-Ser, [mistpit] Mda-Ze (ZE-Gro).
ntrecken Vb. dass. wie  ntn, 1: verbr. nwaltm., 2: SA-GrGe Jah Kun, STE-Bir, vereinz. n WO, JE2-Gü HGö Par, verstr. JE1, 3: verstr. w JE1 s GA, HA-Bee.
Lautf.: na(h)trecken verstr. nwaltm., vereinz. n WO JE1, verstr. s GA, HA-Bee; -treggn SA-Pü; -träcken JE1-Me; -träken SA-Hen; -drecken JE1-Scha; nao(h)treck(e)n vereinz. nwaltm., SA-Jah Kun, GA-Kli, STE-Bir, WO-Col, JE2-Par, verstr. JE1; -treckng, [ntrek] vereinz. nw SA, WO-Zi; -träkken JE1-Dan; [ntrk] SA-Jü; [naotrek] vereinz. n nwaltm.; [naotreg] SA-Dä; no(h)trecken SA-Han, JE2-Gü HGö, JE1-Gü Ih; noe- JE1-Pa.