Gift 1. n. ‘Stoff mit schädlicher oder tödlicher Wirkung’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. omd. – Straut Jift un smeert de Löcker (der Mäuse) tau ... Gorges 1938,64; Rda.: dat is Jift for mik ‘das ist schädlich für mich’ HA-Oh; jift un galle sn ‘zornig, ärgerlich sein’ Wb-Nharz 61; Nimm dich mit das Messer in acht, das schnitt w Jift. Wb-Ak 78. – 2. m. ‘Ärger, Wut, Zorn’ 3: Wb-We* 210, Wb-Nharz 61, 4: Mda-Sti 145 – jift op einen hebben Wb-Nharz 61. – 3. m.(?) ‘feiner Regen’ 1: SA-Dre, 3: OSCH-Krop, Mda-Weg 94, WE-Ro – dats kein rn, dats jift! Mda-Weg 94. – 4. f. ‘Geschenk, Gabe’, spez. auch ‘Mitgift’ 2: Wb-Altm 64. – 5. wohl vorw. f., in der Verbdg.: Gift(en) und Gwen ‘Steuern, Abgaben’ 2: Wb-Altm* 53, 3: vereinz. sw elbostf.
Lautf.: Gift, J-.
gzig Adj. ‘geizig, übertrieben sparsam’ 2: vereinz. Altm., Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be – hei is tau jtzich HA-Oh; Wer süß et Jahr ok jiezig war, Is’t nich an sönnen Dag (beim Schlachtefest). Gorges 1938,85.  TZ: filzig gefrlich genau 1gr gnabbig gnatzig gniepig gntjerig gntschig gnitterig gnittig gnittschwig hartlwig hrbnig hungrig klamm knauserig knickerig knipperig knkerig knuckerig mrig nrig.
Lautf.: gie(t)zig, g(t)zich, j-, [jtsi]; außerdem: geizig, [jaitsi] Mda-Ze (ZE-Roß), WO-GrAm, Wb-Be; jazig Spr-Asch 38.
Gzkopp m. dass. wie  Gzhals, 3: Gorges 1938,30.
Lautf.: Jiezkopp.
Glt f. 1. ‘glühende Masse’ 2: Matthies 1903,52, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be, Wäschke 61915,9 – Wer in de Smee (Schmiede) kramt mit Glaut ... Gorges 1938,81; hle ml glaut, de gre ( Grde 3.) is dete Mda-Weg 94. – 2. ‘sehr starke (unangenehm empfundene) Wärme, sehr hohe Lufttemperatur’ 3: vereinz. elbostf. – dat is hte ne Glaut! HA-Oh.
Lautf.: Glot Matthies 1903,52; Glaut, -d verstr. elbostf.; glt OSCH-Di, Wb-Nharz 62; Jlut, [jlt] Wb-Be, Wäschke 61915,9.
gt Adj. verbr. 1a. ‘den Zwecken genügend, zufrieden stellend, einwandfrei’ – w hem’m k jjen Acka JE2-Scho; dat is’n g Pert HA-Oh; ... Kohlzupp ... un de wör gaud naug för ehr Knechtens un ehr Deerns. EssennwAltm 91 (SA-Han); De Geschichte ... hät ville Lüede guet gefalln ... Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie); Verbdg.: maket gut Abschiedsgruß, Sprw-Börde; schn gt abwehrend, wenn sich jmd. bedanken will, Wb-Nharz 66; Rda.: gd tau Wege ‘gesund, rüstig’ Wb-We 44; lat man gut sien ‘lass es dabei bewenden’ HA-Bee; Sprw.: Wer goot schmeert, de goot föhrt. Firmenich 1854,132 (STE-Ste). – 1b. ‘tüchtig, den Aufgaben gewachsen’ – ... un weilse anne jude Hausfrau war, da dachte se schon in’n Sommer dran, was in’n Winter wern solle ... Wäschke 41919,28; Sprw.: Wat’n goden Vaogel is, de but’n god Nest. Spr-Altm 83. – 1c. ‘wirksam, nützlich, hilfreich’ – dat is gt fr’n hausten Wb-Nharz 66; Rda.: Awwer wer weeß wofor’s jut is. Heimatkalender-Be 1936,155; Sprw.: Wat een god don kann, dät werd twee ook nich to vöäl. Bewohner-Altm 1,330. – 1d. ‘passend, geeignet, günstig’ – jder Wind ‘günstiger Wind zum Segeln’ Elbschifferspr. 437 (JE2-Mi). – 1e. ‘nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt, bes. Anlässen vorbehalten’ –Wer et man ichtens maaken kann,
Schafft sick ne “Gue Stube” an.
Gorges 1938,51.
– 2a. ‘angenehm, erfreulich, positiv wirkend’ – he hat goe Doch (Tage) GA-Si; enes guin Dages JE2-Gü; jumorjen Gruß, Wb-Ak 82; guen Dag Gruß, HA-Ack; wenn et Wäder guut is HA-Neu; düsse Tüffel schmeckt jt JE2-Scho; ... Stund mei sön witten Schlips ok good ... Francke 1904,8; hei hat’t ganz gt HA-Oh; Warsch bis dahin jut jejangn ... Krause 1964,22; Is doch gaud, Mudder, wenn’ öfter ünner de Lüd’ kümmt. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); Rda: Seck’n jutn Dach maken ‘angenehme Tage verleben’ Spr-Asch 19. – 2b. ‘gesund, wohl’ – hei süht nich gut ut ‘er sieht kränklich aus’ HA-Bel; ne (ihm) is nich gt Wb-Nharz 66; dat wart balle wer gt ‘es heilt bald’ HA-Oh; ... sau lange wie miene Mutter na nich wedder jut iss ... Firmenich o.J. 161 (WA-Ost). – 3. ‘mühelos, einfach, bequem’ – Rda.: de hat gt köären (reden) HA-Oh; dat kannste woll nich gut behaupten CA-Fö. – 4a. ‘viel, reichlich, umfangreich’, auch ‘ertragreich’ – en gt deil ‘eine gehörige Menge’ Wb-Nharz 66; die Ärn (Ernte) diss Joar iss jut CA-Lö; got wat antrecken ‘sich warm einhüllen, anziehen’ STE-Döl; Det jaab daa for die imm’r ’n jutes Drinkjeld ab. Heimatkalender-Ze 1962,93 (ZE-Ze). – 4b. ‘mindestens, bestimmt so viel’ – dat is ne g Stunne wt henne HA-Oh; ... un die so breet war, dät guet fünf Wane näenen änder ... führn künnten ... Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie); Verbdg.: Das is jt un jarne zn Mark wrt. Wb-Ak 82. – 4c. ‘sehr, überaus, stark’,  bannigen gden hausten hebben Wb-Nharz 66. – 5. ‘anständig, charakterlich und moralisch einwandfrei, tadellos’, auch ‘gütig’ – ’n gun Minschen Id-Eilsa 66; hei is’n guen Jungen OSCH-Har; dor had ne jle Frau DE-Ca; wist k gd dn? ‘willst du nun folgsam sein?’ Wb-Altm 67; Rda.: got en gden man sn lten ‘sich keine Sorgen um etw. machen’ Wb-Nharz 66; Sprw.: All tu juut is liederlich JE1-Dan; alder gden dinge sint’er dreie Wb-Nharz 66. – 6a. ‘freundlich, wohlmeinend’ – n’ gt Wert jbn HA-Oh; Rda.: Dat is jans un jar juder Wille. ‘Das ist sein freier Entschluss.’ Spr-Asch 19; hei hat woll en guden Willen datau, kann et awer nich schaffen Sprw-Börde. – 6b. ‘freundschaftlich gesinnt, zugetan, gewogen’ – en’n gd sn Wb-We 44; sek nich gt sn ‘verfeindet sein’ Wb-Nharz 66; Wedder met’n ander jut sin ‘sich wieder vertragen’ Spr-Asch 19; ... sek mit unsen Harregott gut de stellen wett ... Wedde 1938,8; Rda.: in’n Gen utkemen HA-Oh.
Lautf., Gram.: go(o)t, -d, j-, [gt], [jt] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. nbrdb., vereinz. w JE1; gout Matthies 1912,25 (SA-Fa), vereinz. nw WE; jut Mda-Sti 33; gaut, -d, [gaut] verbr. nwaltm.; gu(u)t, -d, j-, [gt], [jt] vereinz. s SA s OST ö GA, verstr. STE n WO, vereinz. mittleres JE2, verbr. mbrdb. elbostf. omd.; guet verstr. mbrdb.; in flekt. Formen: m. Akk. Sg.: goden Id-Altm, Spr-Altm 83; goon, gn vereinz. Altm.; [jjn] JE2-Scho; [jijn] Elbschifferspr. 437 (STE-Bit, JE2-Pa); [jn] Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); [gau] SA-Dä; guden, gden Sprw-Börde, Wb-Nharz 66; guhen HA-Bo; gu’en, gen verstr. elbostf.; guun, ju’n QUE-Di, Krause 1964,15; [jijn] Elbschifferspr. 437 (WO-Ro); guin (Gen. Sg.) JE2-Gü; juten Spr-Asch 19; f. Nom./Akk. Sg. und st. Nom./Akk. Pl.: goot, joot, [gt], [jt] vereinz. ö/s nwaltm., verstr. w/mittlere Altm. (außer s Rand); gode, jode Spr-Altm 14, STE-Ost, WO-Ucht; goe, joe, [j] vereinz. OST, STE-GrSchwa Po, vereinz. sw Altm.; [j] MdanwJe1a 48 (JE1-HWa Lo); go’ Sprw-Altma 22; [jj] OST-Dü Hi, vereinz. nö STE, JE2-Scho; [gi], [ji] SA-Vie, verstr. nö Altm., STE-Ber, WO-Mahl; gaut verstr. nwaltm.; [gau] SA-Da; gaue SA-Net; gude, jude vereinz. s elbostf., Wäschke 41919,28; guhe STE-Ba; gue, jue, [g], [j] OST-Ein, CALV-Uth, vereinz. elbostf.; gu, ju HA-Oh, Id-Eilsa 66; [gt], [jt] GA-Bo, vereinz. n WO; [jj] Mda-nwJe1a 48 (JE1-Rie); juije Dialekt-Nd 12 (WO-An); [j] Mda-nwJe1a 48 (JE2-HSe, vereinz. n JE1); [jl] DE-Ca; [jud] Mda-Ze (ZE-Roß); [jur] a.a.O. (ZE-Reu Stre); [jul] a.a.O. (ZE-Gro); Kürze bes. in Grußformeln: [judn] m. Akk. Sg. DE-Ca; gun(n), jun(n) m. Akk. Sg. vereinz. elbostf., Wb-Ak 82; judde f. Akk. Sg. Wäschke71913,61; Kompar.  2bet, bter; Superl.  best.
grnen Vb. 1. ‘das Gesicht zum Lachen verziehen, lachen’, bes. ‘heimlich, schadenfroh, hämisch lächeln, lachen’, auch ‘verschmitzt lächeln’ verstr. – der grient öwer JE1-We; Kke blß m, w dr jrnt! Wb-Ak 80; De Leutnant sau vorrstohlen grient. Gorges 1938,30; na, watt haste wär te grien’n? HA-Bee; Rda.: h grnte wat jantse Jesicht JE2-Scho; hei grnt w’n Honnichkaukenperd HA-Oh; ... hei griene wie en Ilk. Lindauc o.J. 23; jrienen wie anne Saatbolle CA-Ca; jrint wie’n Primelpott ‘macht ein lächerliches Gesicht’ Sprw-Börde.  ‘heimlich, schadenfroh, hämisch lächeln, lachen’: feixen fsten fzen flennen gimmeln gleimeken gkeln gransen grenneken grifflachen grilleken grnefsten grnefzen grneken grnlachen grnpzen grinsen grfgrnen grflachen hmkenfängern hgen hnacken hneckeln 2ketteln 1lästern. – 2a. ‘vor Schmerzen stöhnen und weinen’,  stnen, 2: JE2-Gü. – 2b. ‘in weinerlichem Ton sprechen’,  jammern, 2: vereinz. n Altm. – 2c. ‘ärgerlich, zornig aussehen’ 2: Wb-Altm 263. – 3. ‘durchscheinen’ – Rda.: ... un ut de Jacke griene de blote Ell’nbogen wie de Voß uten Bu. 3: Lindauc o.J. 20.
Lautf., Gram.: grien(e)n, gri(e)’n, j-, [gr], [jr] Inf., grient, grnt, j- 3. Sg. Präs.; außerdem: grein(e)n, j- (2b.) vereinz. n Altm.; jränen (2a.) JE2-Gü.
grn Adj. 1. ‘grün’, Farbbezeichnung, verbr. – ... die jriene Wand ... Heimatkalender-Börde 1925,62 (CA-Sa); n’ greun Klet HA-Oh; ... greune Bohnen un Hamelfleisch ... Wedde 1938,14; An dei war ok en roes, blaues oder greunes Band e bunn’n ... Rauch 1929,15; ... unn de Wiese jrien ward ... Richter o.J. 10; ... brengt de Soot in’t Land un de geiht up un wärd grön ... Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi);Schön is’t mit anteseihn
Wenn’t allderwarts wärd greun ...
Gorges 1938,15;
Verbdg.: grön un gäl Bewohner-Altm 1,316; greun un blau sln HA-Oh; Rda.: n’m se jrn, jrn hwet Wb-Be; Sprw.: Wer sek greun makt, den fräten de Zicken. Vk-Harz 3,58; Wetterregel: Grn Winacht’n witt Ostern Wb-Altm 247. – 2. subst. – a. PflN ‘Moos’,  Moss, 2: GA-Klö. – b. ‘zweithöchste Farbe im deutschen Kartenspiel’ 2: ZE-Ze, 3: HA-Bee, WE-Ha, 4: DE-Ra Vo. – 3a. ‘unreif, noch nicht ausgereift und deshalb von grüner Farbe’ verstr. – De Eppel sin noch jans jrn ... Wb-Ak 80. – Volksgl.: greunes wet jift patkop (von Ausschlag, Schorf, Entzündung befallener Kopf) Wb-Nharz 65. – 3b. ‘jung, unerfahren’ verstr. – dats en gräunder Junge Sprw-Börde. – 4. ‘frisch, saftreich, noch nicht getrocknet’, auch ‘noch nicht konserviert’, von Lebensmitteln, verstr. – gräune Tackens OSCH-Har; jrner Korb ‘halbhoher Korb aus ungeschälten Weiden mit zwei Henkeln’ Wb-Ak 80; ... grön Häring’ ... Hausfr-Altm 1925,55 (Kredel); greun’n Käse HA-Bee. – 5. in der Rda.: sick/nen nicht grn sn ‘einander/jmdn. nicht leiden können, nicht miteinander/mit jmdm. auskommen’ 2: Wb-Altm 70, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 80 – hei is mek nich groin ewst Wb-We 42.
Lautf.: grö(ö)n, j-, [grn], [jrn] SA-Rist, verbr. nbrdb., MdanwJe1a 38 (vereinz. w JE1); [rn] vereinz. mittleres SA, GA-Fau; jreen, [jrn] WO-Sa, Mda-nwJe1a 38/Dialekt-Ma 9 (vereinz. w JE1); jrne Mda-Sti 13; greun, gräun, j-, [groin], [groen] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. elbostf. (außer sö); [jrain], [jraen] WO-Mei, verstr. sö elbostf.; [grin] Wb-We* 212; [gruin] verbr. n/w nwaltm.; grün JE2-Gü; gri(e)n, grn, j- JE1-Flö, ZE-Gö Ze, CA-Ba, verbr. anhalt.; grüen, [jrn] Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie), Mda-nwJe1a 38 (JE2-HSe, verstr. n JE1); [jrn] verstr. mittleres/s mbrdb.
grt Adj. verbr. 1. ‘von vergleichsweise beträchtlicher Ausdehnung, beträchtlichem Umfang’ – En Pott vull Futter, grot un swaar ... Gorges 1938,12; ... en groot Stück Speck ... Brauch-wAltm 70 (GA-Ber); ... ’s war viel jreeßer ... Richter o.J. 5; d hest wa ne jrte Fratte (Warze) anne Hand JE2-Scho; ... de een dat was’n hell’schen groten Kerl ... Pohlmann 1905 ff.,124 (OST-GrRo); schwaere Per ... trecken dann grauten Woagen SA-Bee; ... un schmeet’nt up’n groten Hup. Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie); Verbdg.: sich grot maken ‘sich auf Zehenspitzen stellen, um größer zu werden’ WA-See; Rda.: ... jroß wie de Kuchnteller ... Krause 1964,17; hält grote Schticken op ne ‘hält sehr viel von ihm’ Sprw-Börde; grte grosnen in’n sakke hebben ‘große, illusorische Pläne hegen’ Wb-Nharz 65; Sprw.: Een grod Minsch is’n klein Ledder in’t Hus. Bewohner-Altm 1,350; der dümmste Buer het de grötsten Tüffeln JE2-Bö; jrte Wunne jefft jrte Nrwen JE2-Scho. – 2a. ‘eine höhere Anzahl an Lebensjahren aufweisend, älter’ – de merschten harrn jröttere Kinder to hus JE2-Gü. – 2b. ‘für die älteren Schüler zuständig’ – de grte schaule Wb-Nharz 65; de grete Kanter HA-Oh. – 2c. ‘(fast) erwachsen’ – Un wenn Kinner grot wän ... Hausfr-Altm 1928,94 (Kredel); Sei sülben wören alle to hope bi Kohlzupp grot worren ... Essen-nwAltm 91 (SA-Han); dat is’n greten Bengel HA-Oh; ... de janzen Paschlewwer Leite, jroß un kleen ... Wäschke 61915,5. – 3. ‘erheblich, beträchtlich, von hoher Intensität’, auch ‘eine beträchtliche Menge darstellend’ – jrßes Wasser ‘Hochwasser’ Wb-Ak 81; b dui greot Hitt döst ’n bannich SA-Dä; ... de grötste Prahlenbarg in ganz Sleddenstidde. Wedde 1938,23; ... hadden se immer jroßen Arfolch bei de Zarbstor. Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); ... umme dat de Not nich gar te groot sien solle ... Wille 1927,XV (BLA-Be); Sprw.: Je grötter (zu 1.) et Stücke, je grötter et Glücke. Sprw-Harzvorld 399. – 4. ‘sehr, überaus, stark, viel’,  bannig, in Verbdg. mit einer Negation: ‘nicht viel, wenig, kaum’ – groot nödich hem’m Wb-Holzl 98; D is nich jrß was zu arre’m (erben). Wb-Ak 81. – 5. ‘sehr aufwändig, großartig, wirkungsvoll, auf große Wirkung zielend’ – dai Kinndoip wd greot fat (gefeiert) SA-Dä; Rda.: ’s jrße Wort fr’n ‘tonangebend sein’ Wb-Ak 81; Sprw.: in de Br (Börde) hemm’se grete Wr (Worte) HA-Oh. – 6a. ‘bedeutend, gewichtig’ – ... weile in Große Paschlemn die jretzte Sähnswurrigkeet harre, nämlich anne Inschrift. Wäschke 61915,13; Rda.: dat is keine grete Sache nich ‘das ist leicht zu bewerkstelligen’ HA-Oh. – 6b. ‘sozial höher gestellt, angesehen, vornehm, wohlhabend, mächtig’ – grte lde Wb-Nharz 65; grote Buern Sprw-Börde; ... un behannele öhm als’n groten Harrn. Rauch 1929,87. – 7. ‘wesentlich, hauptsächlich’ – Verbdg.: in greten Ganzen HA-Oh.
Lautf., Gram.: gro(o)t, j-, [grt], [jrt] verstr. ö/s nwaltm., SA-Kal, vereinz. s GA (n der Ohre), verbr. mittlere/ö Altm. n/mittleres JE2 mbrdb. elbostf.; groß, j-, [grs], [jrs] vereinz. s ZE, BE-Gü, verbr. omd.; gret, grt HA-Oh, WE-Wa; groat SA-Kun, vereinz. nw OST ö GA (n der Ohre); grout, [grout] OST-Meß Schön, vereinz. sw GA (n der Ohre), STE-Ho, Matthies 1912,30 (STE-Que), CALV-Uth Zo; groaut SA-Ra, vereinz. mittleres/s GA (n der Ohre); graut, j-, [graut], [jraut] verbr. w Altm. (nach S hin abnehmend); [raut] vereinz. mittleres SA; gruot OSCH-Di; gruet, j- WE-Rok, Mda-Ro; [jrs] Mda-Fuhne 20 und 79 (vereinz. sw KÖ, KÖ-Me, DE-Ca Que – ältere Generation); [greot] verbr. nwaltm.; Kompar.:gröter Matthies 1912,29 und 30 (SA-NFe, OST-GrRo); jreeßer, [jrsr] Mda-Ze (ZE-Roß), Richter o.J. 5; grötter-, j- Bewohner-Altm 1,332, JE2-Gü, verstr. n/w elbostf.; gretter, j-, [jretr] verstr. ZE mittleres/ö/s elbostf.; jresser, jreszer, [jresr] ZE-Roß, Mda-Sti 37, Wb-Ak 81; Superl.: jreeßt-, [jrst-] Mda-Ze (ZE-Roß), Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze); gröt(t)st-, j-, [grötst-] SA-Dä, vereinz. nbrdb., verstr. n/w elbostf.; gröttest- vereinz. mittleres/sw elbostf.; gret(t)st-, gretzt-, j-, [jretst-] verstr. ZE, Sprw-Börde, Wb-Nharz 65, Mda-Sti 37, Wb-Ak 81, Wäschke 61915,13; jrest- Wb-Ak 81.
grlen Vb. unpers., refl. ‘Grauen, Widerwillen, Abscheu empfinden, schaudern ( schuddern), sich fürchten’ verstr. – ich jraule mich schonn dorfor DE-Ca; Dee vorr nist sick grulen deit ... Gorges 1938,20; ...weil em vö de düster Ecken’s graul’n dä. Hagen 1957,327 f.; De Nachtwächter hat sick ... halw dod e grult ... Rauch 1929,70; m grlt väör de Arbeit Wb-Altm 71; mik grlt for’t Opstn HA-Oh.
Lautf., Gram.: grul(e)n, j-, [jrl()n] Inf., gru(u)lt, j- 3. Sg. Präs. Wb-Altm 71, SA-Pa, vereinz. s Altm., JE2-Pap, Dialekt-Ma 8 und 12/Mda-sJe1 8 (verstr. mittleres/s JE1, ZE-Göd), verstr. elbostf.; e grult Part. Prät. Rauch 1929,70; [gr], [jr], [jrll] Mda-nwJe1a 41 (verstr. n/w JE1), Mda-Ze (ZE-Gro), Nd-Börde § 34 (WO-Schn); graul(e)n, j- Inf., grault, j- 3. Sg. Präs. verstr. Altm., ZE-Steu, BE-Dro Gü, DE-Lin; jrau’l, [jrau], [jraull] Mda-nwJe1a 41 (JE1-HZi), Mda-Ze (ZE-Roß), Wb-Ak 80, DE-Ca; [grauln], [jrauln] Inf., grauelt, j- 3. Sg. Präs. vereinz. w OST, GA-Wer, Wb-Be; graoult, j- 3. Sg. Präs. GA-Al Mie; jrohlt 3. Sg. Präs. OST-Na; grühlt 3. Sg. Präs. HA-Eim; [jrln] Dialekt-Ma 12 (JE1-Güt Schor); [jr] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); greult 3. Sg. Präs. OST-Lin; gräuelt, j- 3. Sg. Präs. OST-NiGö Werb; [jroill] Mda-nwJe1a 41 (JE1-Re); jröelt 3. Sg. Präs. JE2-Tu; [jrull] Mda-nwJe1a 41 (JE2-HSe, vereinz. n JE1).
Gurke f. 1. PflN wie Standardspr., auch die Frucht, verbr. – Da wassn Kol un Gurk in d’ Wett. Kredel 1927,76; Ich hawwe anne Man’l Jurreken injelt. Wb-Ak 82; Ne sure Jurke wörr nich slecht. Gorges 1938,62; Rätsel: Watt vör’n Unnerschd iss zwischen zwei mal zwei iss vier, un ingemaokten Gurken? – ausgemacht und eingemacht, Wb-Altm 273. – Fast in jedem Haushalt wurden G. sauer eingelegt und in Steingutbehältern bis zum Frühjahr aufbewahrt. Gegessen wurden sie zu jeder Mahlzeit, bes. zu Stippe, Bratkartoffeln oder Grützwurst. Essen-nwAltm 20. – Volksgl.: Wänn d Jrkng blind blin, mütt Fraue, dan Krm (Regel) hett, dachjn, dänn jefft föäl Jrkng. JE2-Scho. Stellt man einen alten Schuh in den Garten, hat man ebenfalls eine gute Gurkenernte zu erwarten. Wb-Ak 82.  Jütschke; scherzh.: Bettlerwurst Gärtnerslacke Gärtnerworst Kakau Kalbe; Gurkenart: Klettergurke. – 2. ‘(große) Nase’, abw., 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Serimunt 1930 Nr. 82, Wb-Be – hei het ne re Gurke HA-Oh.
Lautf., Gram.: Gurke, J-, [jurk] (s. Altm., JE2: [grk], [jrk], [jrk], anhalt.: [jurg] neben [jrg]) verbr. s Altm. n/mittleres JE2, verstr. mbrdb., verbr. n elbostf. WA, verstr. OSCH s elbostf., BA-Gü, verbr. anhalt.; Gurk, Jurk (nwaltm., nw OST, nö GA: [gk], [jk], mittlere/ö Altm.: [jrk]) verbr. nwaltm. Altm. (außer s Rand), JE2-Kam; Gurgen, J- Pl. SA-Ra, OST-Schö Spä; Guik SA-Ah KlGe Sta; [guik] SA-Rist; Gurreke, J- OSCH-Har, WE-Elb Wa, Wb-Ak 82; Gorke, J-, [jork] JE1-Bü Pre, ZE-Roß Ze, vereinz. w elbostf. n CA omd.; Kurke vereinz. s elbostf. (außer n CA), Mda-Sti 52, QUE-Frie, DE-Que; Kurreke BLA-Ha, QUE-Di; Korke BA-Neu Sip; Hurke HA-Oh, Wb-Holzl 114 (HA-Wa), vereinz. n/w OSCH, WE-Wa; Horke OSCH-Ham; Jürke JE1-Stei Zi, WA-Sche; [jrk] GA-Le; Jürken Pl. JE2-KlWul; Jörke JE2-HSe; Järken Pl. JE2-Mö. – Etym.: die mnd. Formen augurke, agurke (vgl. HWb-Mnd 1,129) sind aus dem Slaw. entlehnt, zu altpoln. ogurek, russ. ogrok, tsch. okurka, die auf mgriech. ágovros ‘unreif’ zurückgehen, vgl. Kluge 242002,378, ausf. s. Eichler 1965,43, Bellmann 1971,97 ff.