Huck-auf-die-Magd PflN ‘Flieder’,  Fledder, 2: Brauch-Anhalt 106 (ZE-Bor), 4: Vk-Anhalta 78 (KÖ-Kö), verstr. DE.
Lautf.: KufdemahdVk-Anhalta 78 (KÖ-Kö); Kuftemaht DE-Vo; Kuftemad Brauch-Anhalt 106 (ZE-Bor); [gufdmd] Mda-Fuhne 169 (vereinz. DE).
serkken m. waffelartiges Gebäck, 2: verstr. ZE, 3: Wb-Holzl 110 (HA-No) – I. wurde für versch. Festtage wie den Dreikönigstag (ZE-Bra), Fastnacht, Silvester, Neujahr (ZE-Nee) gebacken und verschenkt. Brauch-Anhalt 55. Er war auch eine übliche Gabe beim Umsingen zu Weihnachten. Wb-Holzl 110 (HA-No). Verwendet wurden die besten Zutaten, ein mit Roggenmehl gebackener I. galt deshalb als Ausdruck größter Armut:Ach du liewer Jott,
un noch zweemoa liewer Jott,
un dreimoa rien
(mit Roggenmehl gebackener) Iserkueken!
Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Iserkauken Wb-Holzl 110 (HA-No); -kueken Bauernwelt-Ze; Eiserkuken ZE-We.
Johanniskrne f. ‘zum Johannistag gefertigter Kranz, der mit bestimmten Blumen, Ähren und grünen Zweigen geschmückt sein kann’ 2: Brauch-Ma 274 (STE-Bo), Brauch-Anhalt 137 (ZE-Bor), Brauch-Rie 748, 3: a.a.O. 273 (WO-Ol), Vk-Harz 8,65 (Harzv., Nharz.), 4: verstr. anhalt. – Brauch: Die J. wird vorw. mit Feldblumen wie z.B. Klatschmohn, Kornblume, Kamille und Rittersporn geschmückt, außerdem werden meist grüne Zweige und auch Ähren in den Kranz gewunden. Bes. im Harzv. und Nharz. wird Arnika verwendet. Vk-Harz 8,65. In Köthen wird auch eine Zitrone am Kranz befestigt. Vk-Anhalta 259. Nicht verwendet werden darf die Kornrade, da sie den Blitz anzieht. Wirth 1928,33, Vk-Anhalta 258. Außerdem kann der Kranz mit bunten Bändern geschmückt sein. Brauch-Rie 748, Vk-Harz 8,65 (BA-Re), Vk-Anhalta 259. Er kann auch zwei sich kreuzende Reifen enthalten. Brauch-Rie 748, Vk-Harz 8,64, Vk-Anhalta 258f. In Borstendorf war er mit einem Hahn aus Knittergold versehen. Brauch-Ma 274. Die J. konnte an einem zentralen Platz ausgestellt sein. (dazu ausf.  Johann.) Häufig wurden aber in der Johannisnacht an allen Häusern am Fenster oder über der Haustür J. aufgehängt. Sie sollten den Segen bringenden Tau dieser Nacht auffangen. Vk-Harz 8,65 (Harzv.), Vk-Anhalta 258. Man ließ sie teilweise bis zum Herbst dort hängen oder nahm sie noch in derselben Nacht bzw. einige Tage später ab, um sie im Stall oder unter dem Dach aufzuhängen. Wo keine J. ausgehängt wurde, verschmutzen Kinder am folgenden Tag die Haustür. Vk-Anhalta 259 (DE-Que Ro). – Volksgl.: Die J. hält Wind und Unwetter vom Giebel ab. Brauch-Anhalt 137 (DE-Ca). Sie schützt vor Blitzschlägen. Vk-Harz 8,65 (Harzv.), Vk-Anhalta 259, Wirth 1928,33f. Sie kann Mäuseplagen fernhalten. Vk-Harz 8,65 (Harzv.), Vk-Anhalta 259 (KÖ-GrBad Thu Wü). Gegen Krankheit werden dem Vieh einige Blätter der J. ans Futter gegeben (KÖ-Dro). Tee aus Blättern der J. lindert Rheuma (KÖ-Wö). Das Bad in Wasser, in dem ein Stück der J. gekocht wurde, hilft gegen Reißen, die Dämpfe des Wassers erleichtern das Gebären. Vk-Anhalta 259.
Johannislauch m. PflN ‘dem Schnittlauch ähnliche, aber größere Pflanze, Kohllauch(?)’ 4: Brauch-Anhalt 133.
Johannisstamm m. PflN Birnensorte, 4: Brauch-Anhalt 133.
Jde m. 1. ‘Angehöriger des über die Welt verstreuten jüdischen Volkes bzw. der jüdischen Religionsgemeinschaft’ vereinz. – eine negative Einstellung von Teilen der Bevölkerung gegenüber den Juden manifestierte sich auch sprachlich in abw. Rda., Sprw. u.ä. – b’n Jden kepen HA-Oh; Rda.: dat is’n jde ‘er betrügt, übervorteilt gern’ Wb-Nharz 91; Sprw.: de Jude bliwt en Jude, un wenn he sek k döpen lätt Wb-We 60. – Volksgl.: J. können zaubern. Sie dürfen die Ferkel nicht sehen, da diese sonst nicht gedeihen. Brauch-Anhalt 133 (HA-Hi). – 2. ‘Halswirbel des Schweins’ 2: Brauch-Anhalt 183 (ZE-Bor), 3: Wb-Holzl 114, Mda-Weg 99, Wb-Nharz 91. – 3. ‘letzter Wirbel der menschlichen Wirbelsäule’ 3: Wb-Nharz 91.
Zus.: zu 1.: Korn-.
2kren Vb. ‘fegen’ 2: vereinz. s Altm., verstr. JE2 JE1 ZE, 3: verbr. elbostf., 4: Mda-Sti 21, verbr. anhalt. – d musd noch en Hoff gorn DE-Ca; Rda.: de Tre kr’n ‘die Straße (vor der Haustür) fegen’ Wb-Ak 86 – Volksgl.: Beim Auskehren der Stube darf die Frau nicht über jmds. Füße kehren oder ihn mit dem Besen schlagen, sonst gibt es Streit und Feindschaft. Brauch-Anhalt 176 (ZE-Na).
Lautf.: kehr(e)n, kr(e)n; außerdem: kr Siedler-Je § 120 (s JE2 JE1); kern HA-Oh, [kern] QUE-Di; ker Id-Eilsa 71; [grn] Mda-Fuhne 49 (verbr. BE, vereinz. w KÖ, verbr. ö DE); [krn] vereinz. ZE, Mda-Ro; kieren OSCH-Di; [grn] Mda-Fuhne 49 (verbr. KÖ w DE, vorw. ältere Generation); kän, kr Siedler-Je § 120 (n/mittleres JE2).
Kerkenvder m. 1. ‘Mitglied des Kirchenrates, Gemeindeältester’ 3: HA-Oh, Lindauc o.J. 111, Wb-We 64. – 2. ‘Kirchendiener’ 4: Brauch-Anhalt 153, Wb-Be, Wäschke 71913,12 – … der Kirchenvater kamp aus seinen Schtuhl mit’n Klingepeitel. Wäschke 71913,12; K. wurde ein Bauer jeweils für ein Jahr, in dieser Zeit musste er mit dem Klingelbeutel die Kollekte einsammeln, brauchte aber selbst nichts einzuzahlen. Brauch-Anhalt 153.
Lautf.: Kerchenvader Lindauc o.J. 111, Wb-We 64; Kirchenfder HA-Oh; -vater Wäschke 71913,12; [kórnftr] Wb-Be.
Kibbeke(n) f., n. 1. ‘Auschlag, Entzündung am Mund’, bes. in den Mundwinkeln, 2: vereinz. WO JE1, 3: allg. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – dor had Giwwegen BE-Sa; hei hat Kiwweken bet an beide ern HA-Oh; Rda.: lacht, dat de Kiwwecken blaumen ‘er lacht laut, mit weit aufgerissenem Mund’ Sprw-Börde – Wenn die Kinder am Schulbrunnen tranken, breiteten die Mädchen ihre Schürze, die Jungen ein Tuch über das Trinkgefäß, um sich vor K. zu schützen. Brauch-Anhalt 327 (WA).  Ecke Grwe Mlsr Mlske Mundsr Patt Speckhappen Speckkrappe Sperlingsecke Sperlingswinkel tslag Winkel Zilk. – 2. Pl. ‘Mundwinkel’ 3: Id-Queb 3. – 3. ‘die gelbe Haut in den Schnabelwinkeln junger Vögel’ 3: Wb-Holzl 119, Id-Eilsa 71.
Lautf.: Kiwwe(c)ke Sg., Kiwwe(c)ken Pl.; außerdem: -bb- , Kiwwicke vereinz. elbostf.; [giwgn] Pl. vereinz. anhalt. – Gram.: f.; außerdem: vereinz. nur im Pl.; Kiwwecken n. WO-He, HA-Eil. – Etym.: zu  Kibben?
Klickup n.(?) ‘Kuchenguss’,  Guss, 2: Vk-Anhalta 47 (ZE), Brauch-Anhalt 185 (ZE-Bor).