Nachtheininge f. ‘ Nachtweide, gehegte Weide, in die das Vieh während der Nacht getrieben wurde’ 2: Vk-Anhalta 228 (ZE-Li), bes. als FlN, 2: verstr. s JE2 JE1 ZE, 3: Brauch-Anhalt 33 (sö elbostf.), 4: Wb-Ak 118, DE-Ca, vgl. Spr-Elbe/Saale 153f. – Ein kleiner werder sampt der Nachtheinigen … Stadt Coswig 1566, Landreg-Anhalt 3,33.
Lautf.: Nachtheinichte Vk-Anhalta 228 (ZE-Li).
ngenterlei Adj. indekl. ‘neunerlei, von neunfach verschiedener Art’ 3: vereinz. n elbostf., Wb-Nharz 134, 4: Vk-Anhalta328, Brauch-Anhalt 215 – Volksgl.: Da die Neun, das Produkt aus drei mal drei, Zauberkraft besitzt, spielen insbesondere neunerlei versch. Bestandteile für die Entfaltung magischer Kräfte eine große Rolle. Vk-Anhalta 328. N. Kraut (aus 9 Kräutern bestehend) wird als Salat am Gründonnerstag gegessen. HA-Bee. Schutz vor Behexung bietet der Rauch aus diesen Kräutern jungen Gänsen und kleinen Kindern. Eine ähnliche Wirkung entfaltet der Rauch aus n. Holz oder n. Lappen. Vk-Anhalta 328.
Lautf.: nejjenterlei vereinz. n elbostf.; neunter- Wb-Nharz 134; neuner- Vk-Anhalta 328, Brauch-Anhalt 215.
ge n. 1. ‘paarig vorhandenes Sehorgan’, bes. des Menschen, allg. – swache en HA-Oh; schbarre daine en uf! DE-Ca; dät e st schlecht t JE2-Scho; … un’n paar lustige glue (glänzende) Ogen saten öhr in Koppe. Rauch 1929,6; Rda.: gen w sau’n Luks ‘sehr gut sehen können’ BLA-Brau; en w ne Katte dass., HA-Oh; de gen opkneppen ‘genau hinsehen’ Wb-Nharz 136; in dat ge fallen ‘auffallen’ BLA-Brau; Die Og’n in de Hand nehmen. ‘Seine Aufmerksamkeit auf etw. Wichtiges richten.’ Bewohner-Altm 1,353; keine Hand for Oen sein können ‘sehr dunkel sein’ Sprw-Eils 39; de O’en taudaun ‘einschlafen’ Sprw-Harzvorld 374; Ich hawwe de janze Nacht kn e zjemacht. ‘Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.’ Wb-Ak 123; der word Ogen maken ‘er wird erstaunt sein’ Sprw-Börde; ‘n e taudrücken ‘nachsichtig sein’ HA-Oh; met’n blaun ge derfon kommen ‘glimpflich davonkommen’ Wb-Nharz 136; einen in de Oo’n ewischt ‘betrunken sein’,  dn, OSCH-KloGrö; w aus de en jeschnitt’n ‘sehr ähnlich’ Wb-Ak 123; de kinder wassen einen t’n ge ‘die Kinder wachsen schnell heran’ Wb-Nharz 136; Sick met de Og’n klütern ‘sich verliebte Blicke zuwerfen’ Bewohner-Altm 1,353; sik de en t’n Koppe schrn ‘heftig weinen’ HA-Oh; Dat stickt mi leidig in de g’n. ‘Das wünsche ich mir sehr.’ Wb-Altm 126; de en sünd grötter w de Munt ‘sich mehr auf den Teller tun, als man essen kann’ HA-Oh; H günnt n dat Witt in d’ g nich. ‘Er ist neidisch.’ Wb-Altm 149; make de Ogen tau – un watte denn siehst, dat is dins Bemerkung zu einem Großsprecher, Sprw-Börde; Wemmor’n was st, hat morsch Kalleb inne en jeschln. ‘Wenn man ihn kritisiert, ist er beleidigt.’ Wb-Ak 123; Met n Og in’t Gesicht, met’t änner in d’Fick. von einem schielenden Menschen, Wb-Altm* 72; met’n rechten ge in de linke westenfikke kukken dass., Wb-Nharz 136; De kucket mit ein’n O’e na’n Brotschappe mit’n andern na’r Käsehord. dass., Sprw-Harzvorlf 22; Sprw.: Een Og’ arbeit’ mihr as twee Hänn! ‘Durch ein geübtes Auge kann eine Arbeit schneller vonstatten gehen.’ Bewohner-Altm 1,353; wer de gen nich upknöpt, mütt den Geldbüdel upknöpen ‘wer bei einem Handel unachtsam ist, erleidet Schaden’ STE-Wi; Rätsel: Wuh süht he uut? – Uute Oogen. Lieder-Ma Nr. 917 (HA-Gro). – Volksgl.: Gegen Augenkrankheiten hilft Wasser aus geschmolzenem Märzschnee. Brauch-Anhalt 10; w jn nn Schpringk un hln uns Ostawta, dät is jt f schlimme en JE2-Scho. – 2. ‘Ansatz des Keims oder der Knospe einer Pflanze’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 136, 4: Wb-Ak 123. – 3. ‘Fetttropfen auf einer Brühe, Suppe’ 3: Sprw-Börde, 4: Brauch-Anhalt 10 – Rda.: et kieken mehr Ogen rin wie rut ‘die Suppe ist sehr fettarm’ Sprw-Börde. – 4. ‘Masche beim Stricken’ 1: SA-Dä, 3: vereinz. elbostf. – en ge fallen lten Wb-Nharz 136. – 5. ‘Nadelöhr’ 3: Wb-Holzl 147, HA-Bee Oh. – 6. ‘Schlinge in einem Tau’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 258 (STE-Bit, WO-Ro), 4: a.a.O. 258 (CA-Ak).
Lautf., Gram.: Oge, [g] GA-Bo, verstr. n/ö elbostf., vereinz. sw elbostf.; Oog, g vereinz. Altm.; [j] CALV-Calv; Ore, [] verstr. s Altm. nö elbostf., Elbschifferspr. 258 (CA-Ak), Wb-Be, verbr. ö anhalt.; Och, [] vereinz. ö nwaltm., vereinz. w Altm.; Oe, [] WO-Zi Zie, JE2-Scho, verbr. mittleres/s JE1, ZE-Kö Roß, verstr. w elbostf., vereinz. sö elbostf., verbr. w anhalt.; O, [] verbr. nö Altm., vereinz. JE2, verbr. n JE1, vereinz. s JE1 ZE, WE-Be; Ouge, [oug] STE-Bad, CALV-Je Uth Zo; Oug Matthies 1903,19; Oure QUE-GrSchie; [u] vereinz. sw Altm.; [u] vereinz. ö STE; [u] Mda-Ze (ZE-Gro); e Mda-Ro; uo OSCH-Di; augge Mda-Sti 53; Aug GA-Kak Wern; Auch, [au] vereinz. ö nwaltm., verstr. SA w OST n GA; [u] STE-Ber, OST-Meß; [e] verbr. nwaltm.; Pl.: Og(e)n, [g()n] vereinz. s nwaltm., verstr. mittlere/ö Altm. JE2, JE1-Lü, verstr. WO HA s elbostf., DE-Que; [g] OST-Dü Kru; [] vereinz. ö nwaltm., SA-Kal, GA-Da Le; Ojen OST-Pol; jn Vk-Ask 373 (QUE-Asch); Owen OST-Pe; Oren, [n] vereinz. ö Altm., WO-HWa, WA-We, Wb-Be; O’en, [n] verstr. ö Altm. JE2 ZE, verbr. w elbostf., vereinz. ö elbostf. anhalt.; O(o)n OST-Hei, verstr. JE2 JE1 ZE, OSCH-KloGrö Nie, WE-Schau; [ougn] CALV-Je Uth Zo; [un] SA-Ra, vereinz. ö STE; [un] Mda-Ze (ZE-Gro); Augen GA-Schw; Aogen GA-Klö; [au] SA-Lüg Zie; [un] STE-Ber, OST-Meß; [eg] SA-Dä; [e] verstr. nwaltm. Zuss.: zu 1.: Heister-, Hner-, Kalfsgen, Katten-, Klter-, Knpgen, Kreien-, Kuck-, Kulperauge, Kulp-, Kulpschauge, Luchs-, Ngen-, Ossen-; zu 3.: Mnls-; zu 5.: Ntel-.
Olde 1. m. – a. ‘älterer Mann’ verstr. – d Olle wät ümma ölla JE2-Scho. – b. ‘Vater’ verstr. – c. ‘Großvater’,  Grtvder, 3: HA-Bee, WE-Kö. – d. ‘Ehemann’ 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf. – mn ler BLA-Brau. – e. ‘Hausherr’, auch ‘Dienstherr, Vorgesetzter’ verstr. – ter le is je haite sre humne Wb-Be. – 2. m. ‘Ober’, Spielkarte, bes. ‘Eichel- oder  Schellenober’ verstr. – 3. m. ‘altes, schlechtes Pferd’,  Gaul, 3: HA-Ost. – 4. m. ‘Schreckgestalt, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, flüchtet sich bei der Ernte in die letzten stehen bleibenden Halme bzw. in die letzte Garbe, dann ‘Garbe, die bei der Getreideernte zuletzt gebunden oder gedroschen wird’, auch ‘Halme, die bei der Getreideernte zuletzt geschnitten werden’ 1: Brauch-wAltm 94 (SA-Böd Hi), 2: verstr. w Altm., vereinz. ZE, 3: vereinz. n/ö elbostf., 4: verstr. anhalt. – Rda.: d h’l haide en ’l ‘das letzte Getreide wird eingefahren’ DE-Ca. – Brauch, Volksgl.: Die Person, die die letzte Garbe bindet krgt en Olden (verstr.). Man ruft ihr zu: Du hast den Ollen weg. Brauch-wAltm 94. Durch das Austeilen von Geld oder Schnaps kann sie sich vom Einfluss des Korngeistes lösen. Brauch-Anhalt 1. – 5. m., in der Verbdg.: en ’l machen ‘letzter Abend beim Reißen der Federn’ 4: Mda-Fuhne 198 (DE-Ca). – 6. f. – a. ‘ältere Frau’ verstr. – b. ‘Mutter’ 3: Wb-We 95. – c. ‘Ehefrau’ verstr. – wenn ick heite wedder zu späte na Hause komme, mordzackeriert mich meine Olle ZE-Roß. – 7. n. Dim. ‘weibl. Stichling’ 3: WA-Bo.
Lautf.: s. olt. Zuss.: zu 2.: Kr-, Krz-.
sterflden m. ‘zu Ostern hergestelltes flaches Gebäck’ 2: Brauch-Anhalt 185 (ZE-Bor), 3: Spr-Asch 42, BA-Op.
Lautf.: Osterfladen Brauch-Anhalt 185 (ZE-Bor), Spr-Asch 42; -fla’en BA-Op.
Osterheiligabend m. ‘Sonnabend vor Ostern’ 3: Vk-Harz 8,38, CA-Ca, 4: CA-Ak, Wb-Be, Brauch-Anhalt 229 (BE-GrMü).