stersunne f. ‘aufgehende Sonne am Morgen des ersten Ostertages’, vgl. stern 1.… du wist doch de Ostersunne danzen seih’n? 3: Rauch 1929,22.
sterwter n. ‘Wasser, das zu Ostern aus einem fließenden Gewässer geschöpft wird’ verstr. – Doch du wist doch nich etwa losgahn un Osterwater halen? Rauch 1929,22. – Brauch: Das Schöpfen des O. aus einem fließenden Gewässer geschieht (bes. durch Mädchen) in der Nacht zum Ostersonntag vor Sonnenaufgang (verstr.), spez. zwischen 23 und 24 Uhr (Brauch-Ma 262 – GA-Fle, Vk-Harz 8,43, Ackerbau-Anhalt 303), um Mitternacht (Brauch-wAltm 34 – GA-Fle Mie, Id-Queb 14, verstr. anhalt.), zwischen 0 und 1 Uhr (Wb-Nharz 142) oder bei Sonnenaufgang (Vk-Altm 226, BrauchwAltm 34 – GA-Wen, Brauch-Ma 262 – GA-Grau). Das O. sollte mit dem Strom (Gesch-Ro 108, Vk-Harz 8,43, Wb-Be), in anderen Orten gegen den Strom (BrauchwAltm 35, Wb-Ak 123, Vk-Anhalta 224) geschöpft werden. Es gilt überall ein striktes Schweigegebot. Verschiedentlich lauern die Burschen den Mädchen auf, um sie zum Sprechen zu bringen. – Volksgl.: Das in Flaschen aufbewahrte O. bleibt das ganze Jahr hindurch frisch. Als Schönheitsmittel erhält es die Haut gesund und hilft gegen Warzen oder Sommersprossen. Es wird gegen Augenentzündungen und zur Stärkung der Sehkraft verwendet. verstr. Die heilende Wirkung entfaltet sich auch bei Krämpfen (Brauch-Ma 262 – GA-Mie) oder bei Fieber (Brauch-wAltm 35 – GA-Wal). Das Vieh wird mit O. getränkt, um Seuchen zu vermeiden (verstr.) oder zum Schutz gegen Ungeziefer damit besprengt (Brauch-Rie 747, Vk-Anhalta 224 – ZE-Lu Rie). Das Besprengen der Wohnstube hält Flöhe fern (Vk-Anhalta 224) und verhütet das Schimmeln von Brot (Brauch-Ma 262 – GA-Mie). Die jungen Mädchen sehen beim Schöpfen das Bild ihres zukünftigen Mannes. BrauchwAltm 35, Rauch 1929,22.
Lautf.: Osterwater Rauch 1929,22, Wb-Nharz 142, Wb-We 97; -wasser, [strwasr] ZE-Roß, CA-Ca, verstr. anhalt.; [stawta] JE2-Scho.
wen m. ‘Ofen’, dient zum Erwärmen der Zimmer, besitzt häufig Wärmeröhre, verbr. – De Owen is heeit. Mda-Ost 47 (OST-Gla); Oben reine makn WA-Neu; … un stünnen … an’n warm’n Om’n … Rauch 1929,138; an ’m uf Schd ‘Kachelofen in der Stube, der von der Küche aus geheizt wird’ Wb-Ak 123; Rda.: hindern m’n sitten ‘untätig, krank sein’ HA-Oh; sei je denn dn grten ben nicht? Mahnung, wenn Erwachsene Äußerungen tätigen, die nicht für die im Raum befindlichen Kinder bestimmt sind, Wb-Nharz 142; Sprw.: Man söcht kee’n hinnern Oaw’n, man hat denn sülwst hinner sät’n. ‘Man traut anderen nur dann etw. Schlechtes zu, wenn man selbst dazu in der Lage wäre.’ Spr-Altm 76. – Volksgl.: Durch Schornstein und Ofen dringen böse Geister in die Wohnung. Um das zu verhindern, malte man ein Kreuz auf die Ofentür. Vk-Anhalta 12.
Lautf.: Ow(e)n Mda-Ost 47 (OST-Gla), Vk-Ask 161; Oben, b(e)n HA-Bee, verstr. mittleres/sw elbostf., Mda-Sti 44; Om’n, Rauch 1929,138, Wäschke 41919,33, m’n HA-Oh; Oom, ’m, [] GA-Bo, WO-Zie, Mda-Ze (ZE-Gro Roß), verstr. n elbostf., vereinz. sö elbostf., Wb-Ak 123, Wb-Be; [eb] Id-Eilsa 82; Oaw(e)n, [v()n] Wb-Altm 8, Spr-Altm 76, Bewohner-Altm 2,188, verstr. ö Altm.; Aob’n Wb-Altm 8; Aobm QUE-Di; [] verstr. ö/s nwaltm., verbr. w/mittlere Altm., Siedler-Je § 143d (JE2-Sa); Aw’n Bewohner-Altm 1,320; Ahn, [n] STE-KlSchwa, Siedler-Je § 143d (s JE2 JE1), ZE-Göd; uobe(n) OSCH-Di; Uem WE-Rok; [aof] SA-Ch Da Hen; [ao] verstr. n nwaltm.; [on] STE-Bö Je Sa; [un], [n] STE-Wa, Siedler-Je § 143d (n JE2), JE2-Scho; we, we HA-Oh, Wb-We 97, Wb-Nharz 142; [ew] Id-Eilsa 82; [n] Mda-Ze (ZE-Reu Stre). Zuss.: ser-, Kachel-, Kannen-, Kke-, Koksofen, Küchenofen.
werleggen Vb. 1. ‘über etw. legen’, bes. ‘über das Knie legen und verprügeln’,  verhauensal ek dek ewerlein 3: Wb-Nharz 54. – 2. ‘nachdenken, erwägen’,  simulren, 2: Heimatkalender-Je 1929,XIII (JE2-Vie), ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, Wäschke 31909,6, Richter o.J. 38 – Ick stund un owerlä, of ick nich de Dages Last un Hitze mit’n paar Kraus (Krügen) Beir afkäuhlen könnte. Rauch 1929,121.
Lautf., Gram.: owerleggt Part. Prät. Lindaua o.J. 19; werlejjen HA-Oh; owerlä 1. Sg. Prät. Rauch 1929,121; arleggen Heimatkalender-Je 1929,XIII (JE2-Vie); öwwerleggt 3. Sg. Präs. Klaus 1936,14; -lejjen Wb-We* 230; ewwerleggen QUE-Di; -lejjen Wb-We* 230; ewerlein Wb-Nharz 54; ewwerln, -län ZE-Roß, Wäschke 31909,6; [iwrln] Wb-Be; ibberlähten 1. Pl. Prät. Richter o.J. 38.
wermorgen Adv. ‘am Tag nach morgen’ 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. Altm., ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be – … owermorgen is nu all wedder mal Hilligabend … Rauch 1929,98; Rda.: kummeste hte nich, kummeste morjen, wermorjen ganz jewiss von einem langsamen Menschen, HA-Oh.
Lautf.: äöw’rmorg’n Wb-Altm 276; ewermorgen Id-Altm; [vmorg] SA-Ku; [-mo] SA-Lüg Ma Rie; [-mr] SA-Ev; [-mg] SA-Pü; [-m] SA-Zie; [-mr] SA-Ah, OST-Har; [-mrjn] STE-Bö; [vmorin] STE-Steg; owermorgen Rauch 1929,98; wermorjen HA-Oh; [vmrgn] CALV-Uth; [oivmr] SA-GrGe; [aew-] SA-Gie Wü; öwwermorgen Klaus 1936,2, Wb-We 98; öbbermorjen HA-Ro, WA-KlWa; -morrejen Wb-We* 229; ew(w)ermorjen ZE-Roß, Wb-Nharz 54; ewwermarjen Sprw-Börde; äwwermorgen Id-Quea 145; [iwrmorijn] Wb-Be.
wertgen Vb. refl. ‘sich durch Nachprüfen vergewissern’ 2: Matthies 1903,48, 3: Rauch 1929,101, HA-Oh – Hei wolle sick owertügen, of dei dumme Vortellige von Brand’n Kopp un Faut harre. Rauch 1929,101.
Lautf.: öäwertüg’nMatthies 1903,48; owertügenRauch 1929,101; werzeugen HA-Oh.