1Anhalt Name des nach der Burg A. benannten ehemaligen Herrschaftsgebietes der Anhaltiner und späteren Freistaates im Deutschen Reich, von 1947 bis 1952 und seit 1990 Teil des Landes Sachsen-Anhalt – Unse Anhalt is doch scheen, das habbe ich emah frieh morjens ... jefiehlt, wie ich so bei Sonnenuffjang durch ’n Busch jehn thad. 4: Richter o.J. 21; Rda.: d sint fon nhalt ‘sie bleiben irgendwo zu lange’ 3: Mda-Weg 86; Hä is von Anhalt un nich von Eilenburg von einem langsamen Menschen, 2: Vk-Anhalta 85. Reim:De Leite sahn’s (sagen es) for janz beschtimmt,
In Dessau han se an Schparrn in’n Kopp,
Und wenn mer denn nah Bärnborch kimmt,
Da sin de Leite mächtig jropp.
In Zarbst, da solln se jastfrei sin,
Erzählen tun se lang un breet,
In Keethen, das läht so mittendrin,
Da sin se for Jemietlichkeet.
4: Vk-Anhaltc 152.
Apothekerblume f. PflN ‘Acker-Winde’,  Wdewinde, 4: Vk-Anhalta 74 (DE-GrKü).
April m. Monatsname, verstr. – Dei Hochtid was in’n April, ... Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); For Schawwernacksleite is dor erschte April immer ’n freedijes Ereichnis. Krause 1964,55; Rda.: in’n april schikken ‘jmdn. necken, foppen, zum Narren halten’ Wb-Nharz 17; Reim: ’n irsten April kann’n Narren schicken wo’n (wohin) will. Bewohner-Altm 1,319; April, April, d kammor nfr’n wmor will Zuruf als Entschuldigung an jmdn., den man in den A. geschickt hat, Wb-Ak 25; Wetterregel: April deit, wat hei will WE-Be; ’n drng April is nich dn Bans Will SA-Rist; De April mag sien wie e will, aber Loof un Gras bringet e doch. Chr-Em 427. – Brauch: Bes. am ersten Tag des Monats suchten Kinder und jüngere Erwachsene einander zum Narren zu halten. Es wurde versucht, dem anderen eine unwahrscheinliche Geschichte als wahr darzustellen oder ihn zum Herbeiholen fiktiver Gegenstände (z. B.  Müggenfett,  Msefeddern) zu veranlassen. Vk-Anhalta 226, Wb-We 9. Der 1. A. war in den Kreisen BE, KÖ und DE der Tag, an dem die Mägde ihren Dienst antraten. Vk-Anhaltb 64.
Aprilnarre m. NeckN für eine Person, die sich hat in den April schicken lassen, 3: Wb-Nharz 17, 4: Vk-Anhalta 226, Wb-Be.
Arfsltel m. ‘geerbter Hausschlüssel’ 2: Vk-Anhalta 323 (ZE-Bra Stri), 3: vereinz. w elbostf., 4: Vk-Anhalta 323, Brauch-Anhalt 54 – Brauch, Volksgl.: Der A. wurde auf versch. Weise verwendet, um einen Dieb zu ermitteln. Er wurde so zwischen die Seiten einer  Arfbbel gesteckt, dass der Schlüsselring sichtbar blieb. Nachdem das Buch verschnürt war, hob der das Orakel Befragende es am Schlüsselring empor und nannte nacheinander in formelhaften Wendungen die Namen der Verdächtigen. Bewegte sich das Buch, war der Schuldige gefunden. Der A. konnte auch neben einem Glas an einem langen Faden hängend Auskunft geben. Schlug er bei einer gestellten Frage an das Glas, galt diese als bejaht. Vk-Anhalta 323. Silvester wurde durch den Schlüsselring des A. Blei ins Wasser gegossen, um aus den so entstandenen Gebilden die Zukunft vorherzusagen. BLA-Brau.
Lautf.: Arfslöttel HA-Oh; -schlettel Wb-Nharz 17, BLA-Brau.
Arft(en)br m. ‘in Erbsenstroh gehüllte, verkleidete Gestalt’, bes. im Fastnachtsumzug, veralt., 1/2: BrauchwAltm 25 und 28, 3: vereinz. n elbostf. WE, 4: Vk-Anhalta 199 (vereinz. anhalt.) – Brauch, Volksgl.: Der A. wurde auf seinem Gang von Haus zu Haus vom  Leider 1. begleitet. Brauch-wAltm 25 (SA-Schm), vereinz. n elbostf. Nach dem Umzug wurde er seiner Verkleidung beraubt, wobei die Teilnehmer versuchten, etw. Stroh für sich zu erlangen. In den daraus für die Glucken gebauten Nestern würden alle Eier ausgebrütet. Brauch-wAltm 28.
Lautf.: Arftbär Wb-Holzl 56 (HA-Bad); -bre WE-He; Arften- WE-Dar; -bere WE-Wa; arft’mbaer Spr-Maa 441 (vereinz. n elbostf.).
Arnika f. 1. PflN – a. ‘Wiesen-Alant’ 4: Staritz 1895,79 (DE-Go), Vk-Anhalta 75 (DE-Go GrKü). – b. ‘Tüpfel-Hartheu’ 4: a.a.O. 75 (DE-So). – c. ‘Wiesen-Bocksbart’ 4: Vk-Anhalta 78 (BE-Gier). – 2. aus den Blüten und der Wurzel der Arnika hergestelltes Heilmittel, 4: Wb-Be.
Lautf.: Arnika; außerdem: [arnek] Wb-Be.
Aschermiddewoche m. ‘Aschermittwoch’ vereinz. – ... oppen Dienstag vor Aschermiddewochen, ... Rauch 1929,13; Bauernregel: Wenn’t Aschermidwoch regent, hölt dat Land kn Frucht un wät Asch. Wb-Altm 261. – Brauch, Volksgl.: Am A. wird nicht gesponnen, da sonst der Flachs befallen wird. Brauch-Ma 259 (GA-Mie). An diesem Tag werden der Hühner- und Taubenboden gereinigt und mit Asche gegen Ungeziefer bestreut. Brauch-Anhalt 5. Einem missliebigen Mädchen wird Asche vor die Tür gestreut. a.a.O. 5 (Magdeburger Gegend). Vielfach wird versucht, das künftige Schicksal zu erfragen oder es günstig zu beeinflussen. Es werden z.B. Efeublätter in die Brunnen gelegt und jeweils die Namen eines Mädchens und eines Jungen genannt. Schwimmen die Blätter aufeinander zu, heiratet das Paar. Brauch-wAltm 22 (GA-Bö). Die ältesten, heiratsfähigen Mädchen gehen an diesem Tag zu einem Kreuzweg. Dort entledigen sie sich ihrer Oberbekleidung und ziehen andere, in Kiepen mitgeführte Sachen an. Alles erfolgt schweigend. Die Mädchen hoffen so, im darauf folgenden Jahr einen Mann zu bekommen. a.a.O. 23 (GA-Grau). Beliebt bei Kindern ist das Schlagen der Erwachsenen mit Ruten, bes. an Beinen oder Füßen ( äschern 3.). Vielfach wurden dabei Heischeverse gesungen, wofür die Kinder kleine Gaben erhielten:Ascher – Aschermittewoch!
Eine Brezel gib mich doch!
Tust du mich ’ne Brezel geben,
Wünsch ich dich ’n langes Leben.
Vk-Anhalta 219 (um ZE-Ze).
In Rietzmeck erhielt der Lehrer, wenn er geäschert war, von den Kindern eine Wurst. a.a.O. 219 (ZE-Rie). Anderenorts wurden nur die Langschläfer mit Ruten geweckt. Ackerbau-Anhalt 292 (vereinz. anhalt.).  Arfganter.
Lautf., Gram.: Aschermiddewochen Dat. Sg. Rauch 1929,13; -mittewoche f. Wb-Ak 27; -woch Vk-Anhalta 219 (um ZE-Ze); -midwoch Wb-Altm 261; -mitt- Bewohner-Altm 1,319, Ackerbau-Anhalt 291 (ZE-Ze), Serimunt 1930 Nr. 32 (KÖ-Bie).
Ästenholz n. ‘Äste des Faulbaums’ – Brauch, Volksgl.: Am Johannistag (24. Juni) soll man mittags zwischen 11 und 12 Uhr Ä. abbrechen und im Stall aufhängen. Dies soll vor Hexen sowie vor Ausschlag am Maul der Tiere schützen. 4: Vk-Anhalta 258 (DE-Go).
wend m. 1. ‘Tageszeit der Dämmerung, des Dunkelwerdens’ verbr. – jägen Oavend GA-See; hte ne MdanwJe1a 44 (JE1-Gra); fon nbent ‘heute abend’ Wb-Nharz 130; et nes ‘abends’ Mda-Ma 61 (JE1-Lei); zu ’mde dass., Wb-Ak 15; Gn mnd! Grußformel, HA-Oh; nbent dass., Wb-Nharz 130; nmt dass., Wb-Ak 119; hte mnd jefft Tüffeln un Schtippe JE2-Scho; dat diurt nich mea lang, denn is dat Aomd SA-Dä; Densülwigen A’nd ... kamm der Schulte ut de Hofporte ... Heimatkalender-Je 1923,96 (JE2-Vie); ... bes sich de Harrschaft n Amnt hinjelät hadde, ... Wäschke 61915,3; Also de Fabern jeht ’n verjangenen Dienstag jejen Amt ... na ihren Mann sein Jrab ... Heimatkalender-Ze 1961,89 (ZE-Ze); Drews angelte ma eenes A’ms dremme von de Johnzer (ON Jonitz) Seite “Uff Roobfisch”. Krause 1964,30; Rda.: Fr un ’md is ns von kurzen und dunklen Wintertagen gesagt, Wb-Ak 15; et is en schenen awent hide awent van awent; ek mechte en mal bi dage sein (sehen) Id-Quea 142; Sprw.: de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; Je späder de A’mt, je schönnder de Gäste. Wb-Holzl 34; s iss no nich alle Ta’e Aomt KÖ-Bre; n md worn de Faul’l flaißich DE-Ca; Reim:Des Morgens Kartoffelsupp,
Des Mittags Kartoffelbrei,
Des Abends Kartoffeln ganz,
Hier wohnt Kartoffelhans.
Vk-Anhalta 43;
Neckreim:Otto, Potto Roawennest,
wo bist du gistern Oawend west,
bei dien Brut,
sühst joa noch so suer ut.
STE-Wa.
– 2. ‘Westen’ 2: JE1-Zie Zi, ZE-Ste, 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Ak 16, DE-Els – in bent Wb-Nharz 1; de Wind kümmt ut’n Abend HA-Bee; In ’md stt awwer anne Wand ‘... sind dunkle Regen- und Gewitterwolken aufgezogen’ Wb-Ak 16.
Lautf., Gram.: Awend, -v-, -t GA-Kä, STE-GrSchwa, JE2-Schl Wa, Id-Quea 142; Awens Gen. Sg. Hausfr-Altm 1929,24 (STE-KlMö); Abend, - JE2-Be De, JE1-Ka, vereinz. w elbostf., verstr. ö elbostf.; Abends Gen. Sg. Vk-Anhalta 43; A(a)b’nt Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze), WA-We; b’mt, [bt] Id-Eilsa 45, OSCH-Har; Amnd, -, -t HA-Oh, OSCH-Osch, Wäschke 41910,56 und 61915,3; A(h)md, -t, [md], [-t] JE2-Mi, verstr. JE1, vereinz. ZE elbostf., Mda-Fuhne 69 (vereinz. mittleres anhalt., verstr. s anhalt.); Am’s Gen. Sg. WO-HWa, Krause 1964,30; Ant, An’d, [nt] Siedler-Je § 143d (s JE2 JE1), vereinz. s JE2; Ane, [n] Mda-nwJe1a 44 (JE1-Gra Rie), verstr. mittleres/s JE1 (vorw. veralt., ältere Generation), vereinz. ZE; [ns] Gen. Sg. Mda-Ma 61 (JE1-Lei), Mda-sJe1 3 (vereinz. s JE1); Aowend, O(a)wend, -v- Wb-Altm 8, vereinz. n/mittlere Altm.; Aobend, Oabend, obend vereinz. SA; Obind GA-Si; bnd SA-Han; Aob’n GA-KloNeu; mnd ZE-KlLei, QUE-Di; Aomt, O(a)mt, -d, md, [mt], [-d], [mt] vereinz. n Altm., WO-Mahl, Siedler-Je § 143d (JE2-Sa, sw JE1), verstr. w JE1, ZE-Kö, verstr. n CA n/mittleres anhalt.; hm GA-Hem; ms, Omz Gen. Sg. SA-Net Ri; nd STE-Ost; Owent BA-Ha; b’nt Mda-Sti 49; [aod] SA-Dä; Aent JE1-Zi; Auend WO-Ucht; Aund, [und] vereinz. n/mittleres JE2; [an(t)] Siedler-Je § 143d (n JE2); end STE-Li; Oant JE2-Ve; Ouwen STE-Po; nbent Wb-Nharz 130; Grußformeln mit Proklise des vorangehenden Adj.: nbent vereinz. w elbostf.; Na’mt Wb-Holzl 54; nmt Wb-Ak 119.