Melde f. PflN 1. wie Standardspr., 2: Wb-Altm 136, ZE-Roß, 3: HA-Oh, CA-Ca, 4: Wb-Ak 112, CA-Sa, Wb-Be. – 2. ‘(Weißer) Gänsefuß’ 2: Wb-Altm 136, 4: Vk-Anhalta 74.
Lautf.: Melde Vk-Anhalta 74; Melle, [mel] ZE-Roß, HA-Oh, CA-Ca Sa, Vk-Anhalta 74, Wb-Be; Mel’le Wb-Ak 112; Mell Wb-Altm 136. Zus.: zu 1.: Mess-.
Melk f. 1. ‘flüssige, weiße, fetthaltige Absonderung der Milchdrüsen bei Säugetieren’, bes. die als Nahrungsmittel verwendete von Kuh, Ziege, Schaf, verbr. – drinkste denn Melk? WO-Dru; de Melk jerünnt HA-Oh; dai Mek is blarrarich (dünn) SA-Dä; Rda.: De hät wat in de Melk to brocken. ‘Er ist wohlhabend.’ Bewohner-Altm 1,349; sauveel Maat (Liter) Melk n De, sauveel Sticken Botter de Woche BA-Re; Sprw.: wer de Melk in Kaffee drinkt, kann nich bottern QUE-West. – Nach dem Melken wurde die M. durch ein Seihtuch gegossen: dat Mek wt drgng Saidauk saiet SA-Dä. Die anschließend in  Satten gefüllte M. lagerte bei gleich bleibender Temperatur so lange im  Melkschapp, bis sich an der Oberfläche Sahne bildete: d is all schn Rm up de Melk JE2-Scho. Nach dem Abschöpfen und weiterer Reifung wurde diese zu  Botter weiterverarbeitet. Übrig blieb die  Mgermelk, die nach der Gerinnung zur Herstellung von  Käse 1. und  Quark verwendet wurde. Bauernwelt-Ze. – Volksgl.: Frisch gemolkene M. darf nur verdeckt über den Hof getragen werden, da die Kühe sonst den  Sunnenschott bekämen. Bauernwelt-Ze, Vk-Anhalta 210 (ZE-Stre). Um die M. oder die Kühe vor Behexung zu schützen, streut man an die M., die über die Straße getragen werden muss, einige Körner Salz oder einige Stücken Brot (KÖ-Ar, DE-Go). Vorbeugend gegen blaue, d.h. fettarme M., wirkt die Fütterung der Kühe mit Tüpfel-Hartheu am Johannistag. Vk-Anhalta 210. Geben die Kühe dennoch blaue M., gießt man etw. davon nach Sonnenuntergang in ein flie- ßendes Gewässer, wobei man der entschwindenden M. nicht nachsehen darf (HA-Gro). Gegen blutige M. hilft das Melken durch einen alten Besen (WO-Ir). Zauber-Ma 90. – 2a. in der Verbdg.: ste Melk ‘frische Vollmilch’ 1: SA-Rist, 2: Brauch-wAltm 21. – 2b. in der Verbdg.: gue (gute) Melk dass., 3: OSCH-Har. – 2c. in der Verbdg.: sre Melk ‘Sauermilch’, war ohne oder mit Zusätzen (Brot, Zucker, Zimt, Rosinen) beliebtes Gericht während der Sommermonate, 2: JE2-Gü Nka, Bauernwelt-Ze, 3: verstr. elbostf., 4: BE-Dro Grö La, DE-Schie – de sure oder dicke Melk hem se in’n Sommer jern’ne jetten met’n Stücke Brot dotu JE2-Gü. – 2d. in der Verbdg.: dicke Melk dass., 1: SA-Meh Rist, 2: GA-Ziep, WO-Ri, verstr. JE2, Vk-Anhaltb 10 (verbr. ZE), 3: WO-Ir, JE1-Nie, HA-Bee Oh Sie, BLA-Brau, 4: Vk-Anhaltb 10 (verstr. anhalt.) – hte und jefft änne Satte dicke Melk JE2-Scho. – 3a. ‘milchiger Saft keimender Getreidekörner’ 3: vereinz. elbostf. – de weiten is in der melk (während des Keimens) forfrren Wb-Nharz 125. – 3b. ‘milchiger Saft in Pflanzen’ 3: Wb-Nharz 125.
Lautf.: Melk verbr. nd.; Mellek, [melk] Mda-nwJe1a 41 (JE2-HSe), vereinz. w ZE, HA-Oh, OSCH-Di, vereinz. s elbostf.; Meak SA-Ko; [mek] verstr. nwaltm.; [meok] SA-Ah Al Hö; [mlk] Mda-Ar 27, Mlk Wb-Altm 136; mälek Mda-Ro; Mäak SA-Bon; [mk] SA-Die; [mk] SA-Pü; [mok] SA-Zie; Mäek SA-Scha; Mölk OST-Wah; [mölk] BLA-Be; [mk] SA-Rist; [mök] SA-Ev; [möok] SA-Ku Sal; Mjok SA-Rist; [müak] SA-Kuh; Milch, [mil] verstr. ZE, CA-Ca, BE-Grö, DE-Schie; [mil] Mda-Ze (ZE-Gro Roß); Millich, [mili] Mda-Ze (ZE-Gro Roß), BA-Ha, vereinz. w anhalt.; melech Mda-Sti 176; [ml] BA-Ha. – Gram.: n. belegt SA-Ch Dä. Zuss.: zu 1.: Kalbsmilch, Klopp-, K-, Mger-; zu 3b.: Hunde-, Keiseken-, Keitschkenmilch.
Mlsack m. 1. ‘Sack zur Aufbewahrung und zum Transport von Mehl’ 2: Matthies 1903,3, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 125, 4: Vk-Anhalta 63, Wäschke 31909,73 – Rda.: Er dräht sich wie a Mehlsack. ‘Er bewegt sich schwerfällig.’ Vk-Anhalta 63. – 2a. ‘Müller’, scherzh.,  Möller, 4: Spr-Anhalt 172. – 2b. ‘ Bäcker’, scherzh., 2: ADVk Nr. 238b (SA-Au).
Lautf., Gram.: Mehlsack; außerdem: -säcke Pl. Wäschke 31909,73; [mlzak] Wb-Be, mlsak Wb-Nharz 125.
Merk (Genus?) PflN ‘Kriechender Hahnenfuß’ 4: Vk-Anhalta 77 (DE-So).
Lautf.: Marke. Zus.: Holtmark.
Mrreddik m. PflN ‘Meerrettich’ verbr. – d Merrettich mütt tjrut (ausgegraben) wän’n JE2-Scho; Marreik itt’n tau jekkt Rintfleisch HA-Oh; dat Marraik is mik tao schrp SA-Dä; … in’t Gesicht hät’r Runzeln, dät’n ‘r benoah Märräk up rieb’n künn … Schwerin 1859,96; Rda.: kennst du Marreik? ‘hast du genug Schläge bekommen?’ Wb-We 86; Rätsel:Twischen uns Hus un Noawershus
da schteit’n kruskoppn Jungn.
Herr i will di leern
du sollst de Ojen in Kopp verkeern.
– der Meerrettich. OST-
Pol.
Volksgl.: Zahnschmerzen werden bekämpft, indem ein mit fein geschabtem Meerrettich gefüllter Leinenlappen auf die Pulsader des Armes gelegt wird, auf dessen Seite sich die schmerzende Stelle befindet. Vk-Anhalta 286.
Lautf.: Med(d)erik JE1-Ho Wer; Merek SA-Dre; Merre(c)k vereinz. ö Altm., verstr. s JE2; Merrä(c)k STE-Arne, JE2-HBe, JE1-Zi; Merri(c)k verstr. JE2; Merreik GA-Wal, WA-Re; Merk JE2-Wu; Meerrettich vereinz. ö JE2, JE1-Pa, vereinz. ö/s JE1, verbr. ZE, vereinz. sö elbostf. w anhalt.; Merrettich vereinz. ö elbostf., [mereti] JE2-Scho; Merrettig JE1-Ra; [meredi] vereinz. BE; [mered] Mda-Fuhne 38 (DE-Ca); Mercht BA-Schie; Merri JE2-Wo, JE1-Wo; Meärreäk SA-Stei; Märreddik ZE-Lu; Märrik HA-Uep; Märräek JE2-Ba; Märrreak JE2-Ki; Märe(c)k SA-Scha We, JE2-GrWud Za; Märreck SA-Chei, GA-So, JE2-HGö NKli; Märrä(c)k SA-Die Kä Schm, OST-Go, JE2-Go Par Red; Märrik JE2-Me; Märreik SA-Han, WE-Ve; [mreti] ZE-Roß; Märrettich JE2-Gü, ZE-Brä Dü, BA-Ha, CA-Su; Märrettig JE2-See; Marred(d)eck JE1-Ge, CA-El; Marrerick ZE-Reu; Marrellek ZE-Ser, [marlk] Mda-Ze (ZE-Gro); Marreak CALV-Lö; Marräeck SA-Dan; Madder(r)eck, [madrk] vereinz. s JE1 ZE; Maderek JE1-GrLü; Madderi(c)k JE1-Ro, ZE-Nu Wei; Madreck ZE-Ned; Madrick JE1-Mo; Maare(c)k, [mrek] SA-Zie, verstr. n/mittlere Altm.; Mare(c)k verstr. ö/s nwaltm., verbr. Altm., WO-Eb; Mareg OST-Ko, HA-Vö; Marreek SA-Dam, WO-Co; Marre(c)k, [marek] verstr. ö/s nwaltm. Altm., JE2-GrWu, vereinz. w/mittleres JE1, Mda-Ze (ZE-Reu Stre), vereinz. n elbostf., CA-Pö; Marweck SA-Altm; Mark Wb-Altm 132; [mark] SA-Rist, Marä(c)k SA-Bre, verstr. Altm., JE1-Nie, HA-AHa; Marrääk, [mark] vereinz. s Altm.; Marrä(c)k, [maräk] vereinz. nwaltm., Schwerin 1859,96, verstr. mittlere/s Altm., GA-Wie, vereinz. w JE1; Maari(c)k, [mrik] vereinz. w Altm., OST-Gol Wa; Marrick OST-GrAu, JE1-Flö; [marak] SA-Dä; [maräik] SA-Da Hi Hö; Maareik WE-Ha, QUE-Di; Mareik CALV-Uth, WO-Zi, verstr. elbostf.; Marreik, [mareik], [maraek] verstr. n nwaltm., CALV-Je Zo, verbr. elbostf.; Mareike Vk-Anhalta 74 (BA-Bad); [maraiks] Beiträge-Nd 66 (WO-HWa); Marei WE-El; Marrei GA-Bö, WO-GrRo, WE-Is Si; Marrettich, [mareti] JE2-Fe, verstr. mittleres/s JE1 ZE s/ö elbostf., BLA-Sti, vereinz. w anhalt.; Marettig ZE-Stra; [mareti] WA-Neu; [maredi] verstr. BE; Marich OST-Wal; Marreich HA-Har; Maret OST-Na, JE1-Scha; [maratn] MdanwJe1b 72 (JE1-HZi); Meihrack WE-Be. – Gram.: n. belegt SA-Dä Schm, OST-Me Ve.
Messmelde f. PflN 1. ‘Melde’ 1: SA-Rist, vereinz. elbostf. – 2. ‘Weißer Gänsefuß’ 2: Wb-Altm 137, 3: Hbl-Ohre 1935 Nr. 6 /Becker (HA-Bee), HA-Oh, QUE-Hau, Vk-Anhalta 74 (BA). – 3. ‘Grüner Heinrich’ 2: Wb-Altm 137, 3: Hbl-Ohre 1935 Nr. 6/Becker (HA-Bee), Wb-Nharz 126. – 4. dass. wie  Messmre, 3: CA-Bru. – 5. ‘Knöterich’ 3: OSCH-An.
Lautf.: Messmelle; außerdem: -mele OSCH-An; -ml Wb-Altm 137; [msmel] SA-Rist.
Metzendieb m. ‘Müller’, da er als Lohn oft einen größeren Anteil vom Mahlgut einbehält, als ihm zusteht, abw.,  Möller, 3: Lieder-Ma Nr. 812 (WO-Ol), 4: Vk-Anhalta 81, Spr-Anhalt 172 – Neckreim:Müller, Müller, Metzendieb
Hat die Katze in’n Schwanz gekniept.
Vk-Anhalta 81.
Metzenstehler m. dass., 3: Vk-Ask 159, 4: Vk-Anhalta 81 (CA-Lö), Spr-Anhalt 172 – Neckreim:Der Müller, der Mahler, der Metzenstehler,
je mehr er mahlt, je mehr er stiehlt,
je mehr er Weizen- und Mehlklöße ißt.
Spr-Anhalt 172.
Lautf.: Metzenstehler Vk-Anhalta 81 (CA-Lö), Spr-Anhalt 172; metznschtaelr Vk-Ask 159.
Michal ohne Genus ’29. September’, Kalendertag des Erzengels Michael, verstr. – Um M. näherten sich die Arbeiten in der Landwirtschaft ihrem Ende: tau Micheilich sünt de Eppel rpe HA-Oh. Das Vieh wurde nicht mehr ausgetrieben. SA-Vi, Vk-Anhalta 283. In der Zeit um M. (14 Tage vor bis 14 Tage nach M.) wurde das Wintergetreide ausgesät. SA-Rist, Ackerbau-Anhalt 250, Vk-Anhalta 283. – Brauch: Zu M. wurden Abgaben entrichtet und das neue Pachtjahr begann: Zinsen, Pachte, Swinegeld Ausdeutung des Glockengeläuts zu M., OSCH-Krop; … un de veele Ackerpachte, de se alle Jahre tau Micheilig oder Martinig krejjen … Wedde 1938,46. Üblich waren auch Naturalabgaben an Lehrer und Pfarrer, z.B. Gänse (ZE-Na) oder Roggen (ZE-Mühl, KÖ-Wa, DE-Scheu). Vk-Anhalta 283. Das Gesinde konnte den Dienst wechseln (verbr.):Ach du liebe Seele, morgen ist Michele,
Ach du lieber Gott, morgen muß ich fort.
Vk-Anhaltb 64
(ZE-Na).
Da M. als eine Art Erntedankfesttag angesehen wurde (Vk-Anhalta 283), fanden auch Tanzveranstaltungen statt. Tanzlied:Michäilich, Michäilich,
All wedd’r Michäilich,
Eerst gistern Michäilich.
Abergl-Ma 248 (GA-Mie).
– Volksgl: Wer die Heiligkeit des Tages durch Arbeiten auf dem Feld störte, hatte keine gute Ernte zu erwarten. Volksfeste-Altm 296, Vk-Anhalta 283. Auch Arbeiten mit dem Gespann sollten unterbleiben. SA-De. Knechte und Mägde suchten auf fremden Grundstücken am Morgen Futter, bes. Grünkohlköpfe, (SA-De), um das Vieh vor Verzauberung zu schützen. SA-Pre. Die Hexen ziehen in der Nacht zu M. zum Blocksberg. Abergl-Ma 248 (GA-Mie).
Lautf.: Michaeli OSCH-Krop; Michéeli CA-Fö; Michele JE2-Hü Wo, Vk-Anhaltb 64 (ZE-Gri Na), Michle Wb-Ak 113; Michaelis verstr.; Micheilig, -ich vereinz. elbostf.; Michheilij HA-Bee; Micháilich Wb-Holzl 141, Wb-We* 226; Michäilich Abergl-Ma 248 (GA-Mie); Michlig Wb-Altm 137; [mili] SA-Rist, michlich Wb-Nharz 126; [miáylij] Nd-Börde § 57; Michlije Mda-Sti 127, Micheelije Firmenich o.J. 159 (WA-Ost).
Middewoche(n) m., f. 1. ‘Mittwoch’ 2: Mda-nwJe1a 44 (JE2-HSe), JE2-Scho, verbr. JE1, verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – opm Middewochen ‘nächsten Mittwoch’ QUE-Di; Kom’mde Mittewoche hawwich Jebrtstch. Wb-Ak 115; An’n Middewochen gaht wie opp datt Gerichte unn lat’t ett da feste maken. Hbl-Ohre 1925 Nr.7/Wöhlbier (HA-Eim). – Volksgl.: Der M. wurde als Unglückstag angesehen. ADVk Kt. 3 (verstr.), Vk-Anhaltb 12 (ZE-Gro, KÖ-Me, DE-Ma). Das galt insbesondere für den Einzug in eine neue Wohnung. Vk-Anhalta 325. Mit der Aussaat sollte nicht am M. begonnen werden. Ackerbau-Anhalt 249 (DE-Que). Weniger verbr. war die Einschätzung des M. als Glückstag. ADVk Kt. 3 (verstr. Altm., sonst vereinz.), Vk-Anhaltb 12 (KÖ-Scho, DE-So). – 2. ‘Mittwoch vor Ostern’ – a. in der Verbdg.: scheim’n (schiefer) Mittwoch 3: HA-Erx. – b. in der Verbdg.: krumme Middewochen 3: WE-Oster.
Lautf.: Middewochen verbr. elbostf., BLA-All; -woche ZE-Roß, [midvo] Mda-nwJe1a 44 (JE2-HSe), verbr. JE1, Mda-Ze (ZE-Roß), [-wo] JE2-Scho, DE-Ca (veralt.); Middewoch OSCH-Har, [midwo] JE2-Scho; [mirvo] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); [mil-] a.a.O. (ZE-Gro); Mittewoche BLA-Sti, Wb-Ak 115; Mittwoch HA-Erx. – Gram.: f. belegt Wb-Ak 115, DE-Ca. Zus.: zu 1.: Knoblauchsmittwoch.