natt Adj. ‘mit Feuchtigkeit benetzt, von Feuchtigkeit durchdrungen’ verbr. – nte Feute (Füße) HA-Oh; ntes wder Wb-Nharz 133; es fällt natt nedder ‘es regnet fein’ JE1-Ra; De Wesche is noch naß. Wb-Ak 120; Rda.: natt ass’n Katt ‘völlig durchnässt’ Wb-Altm 144; naß wie ane gebadte Katze dass., Vk-Anhalta 62; naht wie’n Pudel dass., Vk-Harz 3,45; naß wie anne Male (Made) dass., BE-Grö; er hat naß gefüttert ‘er ist betrunken’,  dn, ZE-KlLei; das Pferd nass machen ‘einen Handel mit einen Trunk beschließen’ ZE-Buk; hei is sek en nt jr formauen (vermuten) ‘er fürchtet Schlimmes’ Mda-Weg 108; wr mek nt maket, maket mek ok wer drege Trost des vom Regen Durchnässten, Wb-We 93.
Lautf.: natt, [nat] verbr. nwaltm. brdb., vereinz. n/mittleres elbostf., BLA-Brau; naht, [nt] verbr. elbostf.; naot, [nt] verstr. s elbostf.; naß, [nas] verstr. s ZE anhalt. Zuss.: kaldaunenmadennass, kaldaunennass, klter-, klatsch-, klitschemadennass, klitsch-, messhgel-, messmden-, mess-, messpüttenkter-.
ngen Zahladj. ‘neun’ verbr. – Klocke neggene ‘neun Uhr’ QUE-Di; neun naie Haiser CA-Brei; subst.: Rda.: alle Nejjene Ausruf, wenn alle neun Kegel mit einem Wurf umgestoßen werden, HA-Oh; Krumm wie ane Neine Vk-Anhalta 62; ach d jrne Neine Ausruf der Verwunderung, Wb-Ak 120; ick hewwe alle Neune vor de Arbeit ‘ich erledige die Arbeit ungern’ CA-Fö.
Lautf.: neg(e)n vereinz. nwaltm., verstr. w Altm. n/ö OST, STE-Ka, JE2-Fi, HA-Sa Uhr Um, WA-Dee, vereinz. WE; nengn GA-Schw; nej(e)n SA-Jee, OST-Mech, STE-Ba Schö, vereinz. w elbostf.; ne-ine Wb-Nharz 134; nean OST-Na; neän STE-Scho; neen, nn SA-Die Gla, vereinz. mittlere Altm., GA-Sa Se, verstr. sw elbostf., BA-Re; näg(e)n, [ng()n], [ng] verstr. nwaltm., Wb-Altm 143, verstr. w/nö Altm., OSCH-Ad Be, WA-Am, Wb-We 93, WE-Velt; [ng] SA-Ku, vereinz. w Altm.; nä(ä)ng, [n] verbr. nwaltm. w Altm., OST-GrGa, STE-Peu; näj(e)n, [njn] GA-Kak, vereinz. ö/s Altm.; näen OST-Id, STE-Schi; nä(h)n verstr. mittlere Altm., JE2-Kl; [nn] Volksspr-Altm 94 (SA-Val), verstr. nö Altm.; neägn GA-Trü Wiep; näag’n SA-Kun; näejen OST-Me, STE-Ri; näigen STE-Hü; näing, [näi] SA-Hen, GA-Kö; näin verstr. nö Altm., JE2-Fi; näün JE2-Ki; naün JE2-Par; neig(e)n vereinz. n nwaltm., SA-Ta Win; neing SA-Pe; neijen OST-Me Rä, STE-Schö, QUE-Su; neien(e) OST-Gies, HA-NHa Uep; nein, nain SA-Pa, GA-See, verstr. ö Altm. n JE2, JE1-Scha, vereinz. sw JE1, verbr. ZE, HA-Sie, OSCH-KlQue, verstr. sö elbostf., QUE-Frie, BA-Gü Ha, verbr. anhalt.; nain JE2-Schö; ngn SA-GrAp; naan SA-Str, QUE-Que, BA-Re; nien BLA-All, Mda-Sti 34, QUE-Que, BA-Schie; neun, [noen] verstr. ö/s Altm. JE2 JE1, ZE-Dor Jü Ke, verstr. elbostf. (bes. jüngere Generation), vereinz. w anhalt.; neggen(e) vereinz. elbostf.; nejjen(e) verstr. elbostf.; näggen(e) Mda-Ohre 353 (GA-Rä), HA-Wa, OSCH-De; nöggen CALV-Uth; in prädikativer Stellung und beim Zählen s mbrdb., elbostf. und anhalt. häufig auf -e auslautende Formen.
ngenterlei Adj. indekl. ‘neunerlei, von neunfach verschiedener Art’ 3: vereinz. n elbostf., Wb-Nharz 134, 4: Vk-Anhalta328, Brauch-Anhalt 215 – Volksgl.: Da die Neun, das Produkt aus drei mal drei, Zauberkraft besitzt, spielen insbesondere neunerlei versch. Bestandteile für die Entfaltung magischer Kräfte eine große Rolle. Vk-Anhalta 328. N. Kraut (aus 9 Kräutern bestehend) wird als Salat am Gründonnerstag gegessen. HA-Bee. Schutz vor Behexung bietet der Rauch aus diesen Kräutern jungen Gänsen und kleinen Kindern. Eine ähnliche Wirkung entfaltet der Rauch aus n. Holz oder n. Lappen. Vk-Anhalta 328.
Lautf.: nejjenterlei vereinz. n elbostf.; neunter- Wb-Nharz 134; neuner- Vk-Anhalta 328, Brauch-Anhalt 215.
Ntkamm PflN ‘Ackerspergel’ 2: Vk-Anhalta 78 (ZE).
Lautf.: Naetkamm.
Nettel f. PflN 1. ‘Brennnessel’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhalta 286 – Sprw.: Klk Höner legg’n k towln in Nett’l. ‘Jeder macht einmal Fehler, irrt einmal.’ Wb-Altm 146. – 2. ‘Klappertopf’ 1: SA-Rist. – 3.Dwe Nettel.
Lautf., Gram.: Nett(e)l Wb-Altm 146, Spr-Altm 83, vereinz. elbostf.; Neteln Pl. Heimatland-Ga 1930 Nr. 10; nettele OSCH-Di; netle Wb-Nharz 134; [ned()l] SA-Rist, GA-Da; Neddeln Pl. Bewohner-Altm 2,88, Pohlmann 1905,59; Nesseln Pl. Sprw-Börde, Vk-Anhalta 286; [nätl] SA-El Ev GrGe; [nätln] Pl. vereinz. nwaltm., SA-Sa, GA-Fau; [nt] Nd-Börde § 106. Zuss.: zu 1.: Hder-, Hr-, Hner-.
nickel-nickel Lockruf für Kaninchen, 4: Vk-Anhalta 33.
Nicker m. 1. ‘Wassergeist als Schreckgestalt für die Kinder’ 2: ADVk Nr. 124a (JE1-Grü Walt), verstr. ZE, 3: Vk-Anhaltb 45 (BA-Ge), vereinz. n CA, 4: verstr. anhalt. – Volksgl.: Kinder werden gewarnt, zu nahe an das Wasser oder an den Brunnen zu gehen: jd nich ns Wassor, d hld aich dor Niggord BE-Al; Der Nickert ist im Spring. Vk-Anhalta 112 (ZE-Bor). Die Berührung einer schwangeren Frau durch den N. kann dazu führen, dass sie ein missgestaltetes Kind zur Welt bringt. Vk-Anhalta 114.  TZ: Hkelmann Hkemann Hexe Kolkfr Mönk Moorkecker 1Nickel Nickelkter Nickelkrl Nikkelmann Nickerfrau Nickerkrl Nickermann Nixe. – 2. in der Verbdg.: Nix in der Grube ein Spiel, bei dem ein Kind, das in einem Kreisfeld sitzt, versuchen muss, eines der Kinder, die singend um den Kreis herumlaufen, zu berühren. 4: Vk-Anhalta 111 (BE-Ge, KÖ-Ost, vereinz. DE). – 3. TiN ‘Wasserspinne’ 2: Vk-Anhalta 114 (ZE-Ze).
Lautf.: Nickert ADVk Nr. 124a (JE1-Grü Walt), verstr. ZE, Vk-Anhaltb 45 (BA-Ge), vereinz. n CA, verstr. anhalt.; [nikrt] DE-Els; [nigrd] vereinz. anhalt.; Nbf.: Nix vereinz. anhalt. – Etym.: mnd. necker, mhd. nickes ‘Wassergeist’ < ahd. nihhus ‘Krokodil’, vgl. Kluge 231995,590. Zus.: zu 1.: Korn-.
Nickerhr n. dass. wie  Nickelmannshre, 3: Vk-Anhalta 111 (BE-GrMü).
Lautf.: Nickerthaar.
Nickertanz m. ‘Tanzfest, das bis 1860 in Groß-wirschleben am Mittwoch nach Pfingsten abgehalten wurde, um den Wassergeist zu besänftigen’ 4: Vk-Anhalta 115ff. (BE-GrWi).
Lautf.: Nickerttanz.
Njr n. 1. ‘erster Tag des neuen Jahres’ verbr. – in’t Njer hüppen HA-Oh; Prost Nijaar, schitt opp’t ool Jaar! Glückwunsch zum neuen Jahr, Wb-Holzl 146 (HA-Eil); Neujahrswünsche:‘nen ganzen Stall vull Rinner,
‘ne ganze Stuuw vull Kinner,
‘ne ganze Taß
(Banse) vull Müüs,
‘nen ganzen Kopp vull Lüüs.
Vk-Altm 219 (SA-Be);
Ich wünsche fröhliches, neues Jahr!/
Bei jedwedes Schaf ein Lämmchen,/
Bei jedwede Kuh ein Kälbchen,/
Eine brave Scheune voll Korn!
Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie);
Wetterregel: Moangrout (Morgenrot) an Naijoasdach bringkt Unvra (Unwetter) un mannich Ploach. SA-Rist. – Brauch: Das neue Jahr wurde durch das Läuten der Kirchenglocken am Nachmittag des Silvestertages (Vk-Harz 8,21) oder unmittelbar nach dem Jahreswechsel (Gesch-Ro 107) begrüßt. Im Harz stellten sich die Knechte auf einen freien Platz und ließen durch taktmä- ßiges Knallen der Peitschen ein Lied ertönen. Vk-Harz 8,22f., Pröhle 1858,260 (WE-Rok). In Quedlinburg wurde das Neujahr “abgeholt”, d.h. die Herren des Stifts zogen mit einem Monstranzkasten zur Äbtissin, Pröbstin und Dechantin, um Gaben einzusammeln. Vk-Harz 8,22. Im gesamten Gebiet gingen am Silvesterabend oder am Neujahrstag Knechte, Hirten oder die Burschen des Ortes singend und meist mit versch. Lärminstrumenten ( Tte,  Rumpelpott) von Haus zu Haus, um Gaben wie Eier, Wurst, Früchte, Brot oder um Geld zu erheischen ( umsingen). Heischevers:Nüsse ‘raus, Äpfel raus!
Sonst schmeiß ich’n großes Loch ins Haus.
Sing ich wenig,
Krieg’ ich ‘nen Pfennig;
Sing ich mehr,
Krieg’ ich ‘nen Zweer.
Ackerbau-Anhalt 275 (BA-Neu).
Das erhaltene Geld wurde in einen mit Häcksel gefüllten Zweischeffelsack gelegt. Brauch-Ma 251 (WO-HWa). Am Neujahrssingen beteiligten sich z.T. Pfarrer und Kantor, die zusammen mit ihren Schülern durch den Ort zogen, um das Geld einzutreiben, das ihnen von allen Einwohnern gezahlt werden musste und zu ihrem Gehalt gehörte (verstr. elbostf., verbr. anhalt.); statt Geld erhielten sie auch Eier (verstr. Nharz.) oder Würste, die beim Schlachten extra für diesen Zweck hergestellt wurden. Vk-Anhalta 203 (KÖ-KlPa). In Aken unternahmen die mit einer weißen Schürze bekleideten Fährleute einen Heischegang. Wb-Ak 120. N. war ein Termin für den Gesindewechsel (verbr.). – Volksgl.: Zu N. sollte man etw. Quellendes wie Reis oder Hirse essen, damit das Geld nicht schwindet. Brauch-Rie 746, CA-Lö, Vk-Anhalta 202 (verstr. anhalt.). Bereitet man Hering, muss es Rogener sein. Vk-Altm 219. Aus versch. Handlungen oder Beobachtungen konnten Aussagen über das kommende Jahr gewonnen werden: Üblich waren z. B. Bleigießen (Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255) oder das Aufschlagen des Gesangbuchs, bei dem aus dem zufällig gefundenen Lied auf die Zukunft geschlossen wurde. Brauch-Ma 255 (WO-HWa). Blickt man um Mitternacht durch das Schlüsselloch der Kirche, sieht man die Menschen, die im kommenden Jahr sterben werden. Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255 (HA-Sü). Geht man zwischen 23 und 24 Uhr in ein halbdunkles Zimmer und sieht einen Schatten ohne Kopf, muss man im neuen Jahr sterben. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Die Mädchen konnten den zukünftigen Ehemann erblicken, indem sie in der Stunde vor Mitternacht entweder durch die Beine hindurch in den Ofen blickten (Vk-Altm 220) oder sich unbekleidet auf den Ofen setzten. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Weist ein über die rechte Schulter geworfener linker Pantoffel mit der Spitze hausauswärts, wird das Mädchen aus dem Haus gehen, also heiraten. Vk-Altm 220. Damit die Hühner im neuen Jahr gut Eier legen, wird am Neujahrstag im Hof eine Kette kreisförmig ausgebreitet und das Futter hineingestreut. Brauch-Rie 746. Sonnenschein zu N. verspricht eine gute Ernte im Jahr. SA-Net. Scheint die Sonne auf den Altar, gerät der Flachs gut. Vk-Altm 219. Durch Gewehrschüsse in der Neujahrsnacht wird die Fruchtbarkeit der Obstbäume gefördert (OST-Sa, STE-Scha); aus dem gleichen Grund wird um jeden Baum eine Hand voll Stroh gebunden (STE-Scha Scher, Sagen-Havel 324). – 2.Großneujahr.
Lautf.: Niejahr, -jaar; außerdem: Njer HA-Oh; Niejaohr Brauch-Ma 255 (WO-Ol); [naij] SA-Rist; Neijr Wb-Ak 120, [naijr] Wb-Be; Nijahr Bewohner-Altm 1,351; Neujahr verstr. anhalt.; Ntjr QUE-Di.