Napoleon 1. Name des frz. Kaisers Napoleon I. – Rda.: hei süht ut wie Napolion op’n Tweigröschenstücke ‘er ist auf dem Bild nicht zu erkennen’ 3: Sprw-Harzvorlg 263. – 2. auch in der Verbdg.: Umgewendten Napoleon ‘Quecksilbersalbe’ 3: Vk-Harz 3,51, Wb-We 92 und 145.
Lautf.: Napoleon Wb-We 92 und 145; Napolion Sprw-Harzvorlg 263; Napolium Vk-Harz 3,51. – Etym.: (2.) volksetym. Umdeutung aus Unguentum Neapolitanum ‘neapolitanische Salbe’, vgl. u.a. Wb-BrdbBerl 3,406, Wb-Thür 4,820, Wb-Obersächs 4,442.
nren Vb. 1a. ‘mit Nahrung versorgen’ 3: Wb-We* 228, 4: Mda-Sti 21. – 1b. ‘stillen’ 2: Wb-Altm 143, 3: HA-Oh – de Mudder nert er Kint sülwen HA-Oh. – 2. refl. ‘etw. ständig als Nahrung zu sich nehmen’, auch ‘den Lebensunterhalt bestreiten’ 3: HA-Oh, Vk-Harz 3,75, Wb-Nharz 134, 4: Mda-Sti 21, Wb-Be – Sprw.: wr sek et beddeln nich schmt, d nrt sek wol Wb-Nharz 134.
Lautf.: nrn Wb-Altm 143; nern HA-Oh; nren Wb-Nharz 134, nehren Vk-Harz 3,75; nrn Wb-We* 228, Mda-Sti 21, Wb-Be.
natt Adj. ‘mit Feuchtigkeit benetzt, von Feuchtigkeit durchdrungen’ verbr. – nte Feute (Füße) HA-Oh; ntes wder Wb-Nharz 133; es fällt natt nedder ‘es regnet fein’ JE1-Ra; De Wesche is noch naß. Wb-Ak 120; Rda.: natt ass’n Katt ‘völlig durchnässt’ Wb-Altm 144; naß wie ane gebadte Katze dass., Vk-Anhalta 62; naht wie’n Pudel dass., Vk-Harz 3,45; naß wie anne Male (Made) dass., BE-Grö; er hat naß gefüttert ‘er ist betrunken’,  dn, ZE-KlLei; das Pferd nass machen ‘einen Handel mit einen Trunk beschließen’ ZE-Buk; hei is sek en nt jr formauen (vermuten) ‘er fürchtet Schlimmes’ Mda-Weg 108; wr mek nt maket, maket mek ok wer drege Trost des vom Regen Durchnässten, Wb-We 93.
Lautf.: natt, [nat] verbr. nwaltm. brdb., vereinz. n/mittleres elbostf., BLA-Brau; naht, [nt] verbr. elbostf.; naot, [nt] verstr. s elbostf.; naß, [nas] verstr. s ZE anhalt. Zuss.: kaldaunenmadennass, kaldaunennass, klter-, klatsch-, klitschemadennass, klitsch-, messhgel-, messmden-, mess-, messpüttenkter-.
Neinstedt ON, in dem Neckreim:In Neinstedt und in Halle,
Da werden de Dumm nich alle.
3: Vk-Harz 3,74.
Nickermannshr n. 1. dass. wie  Nickelmannshre, 4: Vk-Anhaltb 46 (BE-Gier GrWi). – 2. PflN ‘Wasserhahnenfuß’ 3: Vk-Harz 3,51, QUE-Di.
Lautf.: Nickermanns Haar Vk-Anhaltb 46 (BE-Gier GrWi); Ikkermannshaar Vk-Harz 3,51; [ikrmanshr] QUE-Di.
noch 1. Adv. verbr. – a. zur Bezeichnung der Fortdauer eines Geschehens, Zustands (mit absehbarem Ende) – w gt n nich n Hs HA-Oh; d Lampe wurre no nich annebt (angezündet) JE2-Scho; hei haust (hustet) noch sau dulle GA-Wie; hä humpelte je immer noch a Heppchen Alt-Cöthen 6. – b. zur Bezeichnung eines zukünftigen Geschehens – hei kummet noch HA-Oh; mor kreien noch was uff de Mitze ‘es wird bald regnen’ Vk-Anhalta 68. – c. zur Bezeichnung einer Hinzufü- gung, Wiederholung – Nu wollmer noch een nähm … ZE-Roß; det Korn wurre nochmol met ne engere runne Handsäu (Handsieb) dörch’esäut JE2-Gü. – d. in Verbdg. mit Kompar. zur Bezeichnung eines höheren Grades – noch hater (heißer) QUE-Di; das Haus is noch hgor DE-Ca; un nun junk et noch dulder, … Vk-Harz 3,24. – e. zur Kennzeichnung eines Restes – bitken hat noch öwer bläbn SA-Ost. – 2. Pt. verstärkend, verstr. – W ofte soll ich tich tenn tas n noch aussenn klamsern! Wb-Be; forrflucht noch ml Fluch, HA-Oh. – 3. Konj. zum Anschluss weiterer Glieder einer Negation, verstr. – Rda.: Dao krei’t wädder Hund noch Haohn noa. ‘Das ist völlig unwichtig.’ Bewohner-Altm 1,340.
Lautf.: noch, [no]; außerdem: noche, [no] adv. OSCH-Di, Mda-Weg 106, Mda-Ro, Wb-Be, BE-Il; nch Mda-Sti 15; in der Verbdg. mit nicht: noch nich, [no ni] SA-Dä, HA-Bee, BLA-Brau, BE-Gü; [no ni], no nich, nonnich verstr.; [nni] Beiträge-Nd 66 (WO-HWa); na nich vereinz. n elbostf.; [na ni] DE-Ca.
n verbr. 1. Adv. ‘jetzt’ – jao, dat is jo nu all lang her OST-Schön; de Ärnde is nau balle vorbei ZE-Mü; Sei junk nun schwinne hen … Vk-Harz 3,23 (BLA-Be); und nune werd erscht mol richtig studiert BA-Ha; Rda.: kein nun un kein nischt ‘gar nichts’ Wb-Nharz 136. – 2. Pt. – a. satzeinleitend – nu, du besöchst mi doch? bekräftigend, Wb-Altm 148; n freilich kannste mitkom’m zustimmend, Wb-Ak 121; Nu, dat geit wol. zögerndes Einverständnis, Wb-Altm 148. – b. Ausdruck der Ungeduld – kommst de denn nu met? ZE-Roß; “Na was soll ich denn nu schreimn?” Wäschke 61920,62. – 3. Interj. – a. bes. in Verbdg. mit n oder an Ausruf beim Versteckspiel, der den Beginn des Suchens signalisiert, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be. – b. Ausruf zur Beruhigung kleiner Kinder, 3: HA-Oh.
Lautf.: nu, [n]; außerdem: [niu] SA-Ch Dä; nau vereinz. w ZE; noau ZE-Gri; nou WE-Abb; nun, nn verstr. Nharz.; nune BA-Ha; nunne Wb-We* 228; nune Mda-Sti 182.
Osse m. 1. ‘kastriertes junges männl. Rind’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. nbrdb. n mbrdb., verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – d Osse het tw Höäna JE2-Scho; dai Oss wrd anschpannt tum Treckng SA-Dä; Rda.: dumm w’n Osse HA-Oh; stiert wie so’n Osse Vk-Harz 3,46; brüllt as’n Os ‘weint laut und heftig’ SA-Ben; sau grde, w de Osse pisset Bemerkung, wenn jmd. in Schlängellinie geht, HA-Oh; de hat sau veel Gefühl als wenn’n Ossen in’t Höörn knippt HA-No; da steit de Osse an Brge ‘jmd. ist völlig ratlos’ WE-Be; dor schdd d, w dor Ogse forsch naie Dor dass., DE-Ca; witt woll’n Ochsen brot’n Bemerkung, wenn jmd. ein zu großes Feuer unterhält, BA-Ha; Hü’! Ossen, dremmelt ju nich, sä de Köster to dänn een’n Ossen, dänn’r vör’t Plog har. Bewohner-Altm 1,354; Sprw.: en Ossen un’n Feuer (Fuhre) Mess sall’n ut’n Wä gn WE-Be; Ful Ossen leg’n sick nich gärn henn, de gröwwelt (graut) vör’t Upstaohn. Bewohner-Altm 1,354; wat kann man von’n Ossen völangen as en Stück Rindfleesch von einem groben, ungehobelten Menschen, OST-Möl; wär kann’n Ossen dat Bölken vorwehr’n HA-No; Wat weet de Os van’t Jöck, wenn’r nich treckt hät. Bewohner-Altm 1,354; wer keinen Ossen hat, dne kann kein det gn HA-Oh; wat de Osse innen Buke hat, hilpet mittrecken WA-Hak; In’n Oss hört (gehört) Str in’n Brn hörn Röwen (Rüben). Wb-Altm 269; ‘s word mannijer Okse jeschlacht, w mor kn Vart’l von krt ‘von vielen Dingen hört man nichts, bekommt man nichts ab’ Wb-Ak 123; Rätsel: wievöl Ossen werden im Jahr geborn? – garkein! SA-Gü; wo hat de Oss d’ meist Flesch? – twüschen Kopp un Swanz. STE-Wa; Reim:Dän Ochsen jifft dat Woat’r Kraft,
Dän Jüngling Bair un Räb’nsaft;
Drum, Freundchen, drinke Bair un Wien,
De Deuw’l wollt’e Ochse sien.
Lieder-Ma Nr. 695 (WA-Eg).
Btling Bulle Jungosse Landosse Ossenkalf Str. – 2. ‘Zuchtstier’,  Bulle, 2: SA-Jeg, OST-Ren, GA-Jä, JE1-Scha Stei, ZE-Wö, 3: HA-Uhr, vereinz. s elbostf., 4: BLA-Sti. – 3. ‘dummer, begriffsstutziger Mensch’, Schimpfwort,  Dussel, 2: ZE-Roß, 3: HA-Bee Oh, 4: Wb-Ak 123, Wb-Be, DE-Ca – bass uff d Ogse, w de hinlfsd DE-Ca.
Lautf.: Osse, [os] verstr. s Altm., vereinz. n JE2, verbr. mittleres/s JE2 JE1, verstr. n ZE, ZE-Stre, verbr. elbostf. (außer CA), Mda-Sti 14; Oss, [os] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm., JE2-Neu Reh, Wb-We 96; Osso OST-Pe; [s] GA-Da, JE2-Par; [s] SA-Rist, Mda-Ar 29; Ochse, [oks] OST-Ar Ren, vereinz. n GA, JE2-Jer, vereinz. w JE1, JE1-Zie, verstr. s ZE, BA-Rie, verbr. n CA, verstr. omd.; Ochsen Dat. Sg. Lieder-Ma Nr. 695 (WO-Ol); [ogs] verstr. BE, Mda-Fuhne 35 (DE-Ca). Zuss.: zu 1.: Hand-, Jung-, Land-, Lnigen-, Ln-, Mast-; zu 3.: Heu-, Hrn-, Meisterochse.
sterblme f. PflN 1. ‘Buschwindröschen’ 3: HA-Oh. – 2. ‘Echte Kuhschelle’ 2: Wb-Altm 150. – 3. ‘Frühlings-Teufelsauge’ 3: Wb-Holzl 150. – 4. ‘Narzisse’ 3: Vk-Harz 3,51.
Lautf.: sterblm Wb-Altm 150; Osterblaume Wb-Holzl 150, Vk-Harz 3,51; ester- HA-Oh.