Dwenkropp m. PflN 1. ‘Kleine Taubnessel’ 4: Vk-Anhalta 76. – 2. ‘Leimkraut’ 3: Vk-Harz 3,50.
Lautf.: Dubenkropp Vk-Harz 3,50; Taubenkropf Vk-Anhalta 76.
Elbingerode ON – in der Verbdg.: Ellieröer Langschläper NeckN für die Bewohner, 3: WE-Kö; Neckreim:Ellgerösche Tappen Trappen,
gahn op unse Grense naschen,
haben rote Röcke,
stinken wie de Böcke
3: WE-Schie;
Schnellsprechübung: De Ellijereesche ... Postkutscher putzt den Ellijereeschen Postkutschkasten. 3: Vk-Harz 3,100.  Tischentasche.
ernren Vb. 2: vereinz. brdb., 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 21. 1. ‘(sich) regelmäßig mit Nahrung versorgen’. – 2. ‘für den (eigenen/jmds.) Lebensunterhalt sorgen’ – mit sne Arbeit mott’e sik ernern HA-Oh; Sprw.: Wer lange schlept, den Gott ernährt, Wer freuh opstaht, dei veel vertehrt. Vk-Harz 3,60.
Lautf., Gram.: ernährn Inf., -nährt 3. Sg. Präs. vereinz. nbrdb. elbostf.; -nern HA-Oh; -nehren, -nr(e)n Wb-Nharz 51, Firmenich 1854,139 (BA-Ba), Mda-Sti 21; arnährn Chr-Em 430.
rst verstr. I. Adv. – 1a. ‘als Erster, als Erstes, zunächst, zuerst (noch, einmal)’ – erscht komme icke, denn erscht du CA-Fö; ik mütt d dät Jehse ast rtschn’n JE2-Scho; wai kön’n de Kui noch nich anschpann, sai mün’n east airakaün (widerkäuen) SA-Dä; Erscht wurrn de Bumm’n (Schnitten) ausjepackt ... Heimatkalender-Be 1936,156; Erst will’ck di öber’n kleinen Schluck inschänken. Bewohner-Altm 2,41 (SA); erscht saufte ze ville un denn brechte siche ZE-Roß; An’n Wätertrog wosch ’r sick irst noch ganz swinn’ ... Pohlmann 1905,8; ..., hei nahm erst mal sinen Sluckbuddel ut de Ficke ... Lindauc o.J. 20; Rda.: Eersch de Pipe in Jang, un denn et Perd uten Grabene. Vk-Harz 3,58; Sprw.: Wer irst kömmt, maohlt irst. Bewohner-Altm 1,342. – 1b. ‘am Anfang, anfangs’ – Mein Schwager ... hadde erscht nich recht dran jewollt an den Umzuck ... Richter o.J. 36; Ärscht wolle sich där Junke uff Karl’l schtorzen, awor sowatt macht ’n ... jroßer Kinstler nich. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze). – 2a. ‘nicht eher, früher als’ – Nu irst güng em’n Licht up ... Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); ... ick dacht, du kämest eerst de nächst Woch t’rügg. Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.). – 2b. ‘nicht mehr als’ – Sau war nu woll erst en halw Jahr von dei Tied hennegah’n, dei öhm opegem’n war, ... Rauch 1929,87. – 3. ‘vorhin, vor kurzem’ – d Schtte het ast eföllt JE2-Scho; ik hebb dä doch dat allhand irst segt STE-Schi. – II. Pt. – 1. verleiht einer auf Zukünftiges weisenden Aussage Nachdruck – dat will’k erst ml sein HA-Oh; ... wenn du est anfängest mit de vortellen, denn kannste kein Enne finnen ... Wedde 1938,65. – 2. eine Steigerung, Hervorhebung bezeichnend – ... erscht recht ... Wäschke61915,9; awwer in’n trinne rscht Wb-Be; Un för dei Fraunslü erst weier dei Tüffelutkriegertied dei schönste Tied. Ehlies 1960b 298.
Lautf.: e(e)rst Ehlies 1960b 298, verstr. Altm. (außer STE), JE1-Try, verstr. n/w elbostf.; [ast] SA-Dä, JE2-Scho; est, st Wedde 1938,65, Wb-We 36; e(e)rscht, rscht (anhalt.: [rd]) JE2-Gü, Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie), ZE-Roß, vereinz. WA, verstr. s elbostf., BA-Ha, Mda-Fuhne 77 (verbr. BE ö DE – ältere Generation; verbr. anhalt. – jüngere Generation), verstr. w/mittleres anhalt., Richter o.J. 36; erst HA-Oh; ärscht, aerscht Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), Mda-Sti 21; eers Wb-Holzl 83, WE-Kö; eersch Vk-Harz 3,58; aersch Mda-Sti 21; ie(r)st Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), Bewohner-Altm 1,342, OST-Möl, verstr. STE, Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie); [ast] JE2-Scho; iest OSCH-Di; ierscht, [rd] Mda-Fuhne 77 (verbr. KÖ w DE, vorw. ältere Generation), Serimunt 1929 Nr. 46, Wäschke 71913,71; erscht Mda-Ro.
sel m. 1. TiN wie Standardspr., verstr. – ... da dachte, n Esel jinge villeicht oh ... Heese 21919,42; ... denn was so an richtijer Esel is, das is an zu pussierlijes Tierechen ... Wäschke 61915,110; Rda.: juucht wie ’n Esel Vk-Harz 3,46; grienen wie’n Essel, de Deich (Teig) efrä- ten hat Sprw-Eils 38; Dat kle’t ne wie en Esel de Parrücke Sprw-Harzvorlf 22; de sitt vuller Faxen wie de Essel vuller Winne (Darmwinde) HA-No; de hat sick von Pärd uppn Äsel sett ‘er/sie hat sich verschlechtert’ SA-Bad; kimmt von’t Pärd ob’n Esel dass., CA-Atz; Du versteihst so vöäl daovon as de Äsel van’t Schlittschohlopen. Bewohner-Altm 1,320; de is nich jebren, dne hat de Essel in Galopp ferlr’n HA-Oh; Dene hat de Esel uteschetten Sprw-Harzvorle 143; Sprw.: Den Esel erkennt’n an’n Ohren. Spr-Altm 82; Wat en gu’en Essel is, de begriset (grau werden) bititen. Wb-Holzl 35; wenn’n Äsel to woll wäerd, denn jäit’r upt Ies SA-Bü; wenn sick de Esels balgen, gift Renen WO-HWa; en ollen Essel is schlecht danzen leern Sprw-Börde. – 2. ‘dummer, einfältiger Mensch’, Schimpfwort,  Dussel, vereinz. – d bist än richtigng sel JE2-Scho; Taun Essel fehlt meck nich mehr veel ... Klaus 1936,18. – 3. ‘niedrige Stelle im Zaun zum Übersteigen’ 3: Wb-We 36. – 4. ‘die große Harke, mit der das auf dem Stoppelfeld liegen gebliebene lose Getreide zusammengeschleppt wird’,  Sstarwe, 3: WE-Is.
Lautf.: Esel, [zl] vereinz. Altm., Dialekt-Ma 9/Mda-nwJe1a 51 (verstr. w JE1), vereinz. ZE n/mittleres/sw elbostf., verstr. ö elbostf. omd.; Äs(e)l, [z()l] vereinz. Altm., verstr. n/mittleres JE2, Mda-nwJe1a 51 (JE2-HSe, verstr. n JE1), JE1-Gü, Nd-Börde § 80 (WO-Schn); [äz()l] Siedler-Je § 79 (s JE2 JE1); [az()l] Dialekt-Ma 9/Mda-nwJe1a 51 (verstr. JE1 – außer w), Mda-Ze (vereinz. ZE); [aiz] SA-Dä; Essel verstr. w elbostf., vereinz. mittleres elbostf.; [zl] Nd-Börde § 80 (WO-Schn).
seldrwer m. ‘Eseltreiber’ 3: Vk-Harz 3,69, Wb-Nharz 52 – Neckreim:Eseldriewer juck, juck, juck,
Het en kleinen Schluck, Schluck, Schluck.
Vk-Harz 3,69.
falsch Adj. 1. ‘nachgemacht, unecht, imitiert’, auch ‘gefälscht’ 1: SA-Dä, 2: ZE-Roß, 3: vereinz. w elbostf. – falsche Tne HA-Oh; dat is doch liuda fsk Ged (Geld) SA-Dä. – 2. ‘nicht richtig, verkehrt’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE1-Scha, ZE-KlLei, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – n’ falschen Strump antrecken HA-Oh; ... um den Jungen opt falsche Spoor te bringen ... Rauch 1929,183; dat haste falsch anefangen CA-Fö; ... daß der doch hier iwwerhoopt irjndwie falsch sin mußte. Krause 1964,26; Rda.: in de falsche Kehle kricht ‘sich verschluckt haben’ STE-Grie. – 3. ‘unehrlich, unaufrichtig, hinterlistig’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – falsch nguggen BE-Nie; dai is tau fsk SA-Dä; dat is en falscher Kärl CA-Fö; Rda.: falsch wie ne Katze Vk-Harz 3,45; Falsch wie an Kathol’scher Spr-Anhalt 176; S iss so falsch ass Galgenholt. Wb-Altm 206; falscher Hund Wb-We 149; säh dich vorr dän vor, det is villeicht ’n falscher Fuffsjer ZE-Roß. – 4. ‘ärgerlich, zornig, aufgebracht, böse’,  1fuchtig, 1: SA-Dä, Essen-nwAltm 91 (SA-Han), 2: vereinz. Altm., JE2-Gü, JE1-Gra Ka, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – op däne bin ik falsch HA-Bee; H is falsch upp mi. Wb-Altm 48; Nu wurre die awwer ehrscht recht falsch. Heese 21919,39.
Lautf.: falsch; außerdem: [fsk] vereinz. n nwaltm.
Falschheit f. ‘Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit’ 3: HA-Oh, Vk-Harz 3,60 – Sprw.: Wen Falschheit kränket, Undank quält, Dei gah bietieden ut’r Welt! a.a.O. 60.
Fedder f. 1. ‘Feder eines Vogels’, bes. die von Gänsen werden auch als Bettfedern verwendet, verbr. (aus JE1 keine Belege) – Feddern plücken ‘Gänsen bei lebendigem Leib einen Teil der Federn nehmen’ WO-Ro; Feddern reißen ‘Federn schleißen’ BE-Dro, ausf.  rten; d Hinne had jor gne Fellorn mor DE-Ca; ... jeden Dag lett hei’n Fedder van d’ Möll fleigen, um to weiten, ow’ dei Wind sei wegdrög ... Hausfr-Altm 1930,4 (SA-Die); ... un ahn den gräunen Haut ne grote Fedder. Lindaua o.J. 25; Rda.: lichte wie ne Feddere Vk-Harz 3,45; sich mit fremme Feddern schmücken ‘Verdienste anderer als die eigenen ausgeben’ Sprw-Börde; ... un mor hädden zu jarne noch ... eenen ... fortjeschickt, där’n aus de Feddern (aus dem Bett) hädde langen missen. Heese 21919,50; Sprw.: Nao’n Fädder münn’ de Dirns äöwer dree Tün springen. ‘Junge Mädchen sollten keine Mühe scheuen, um die Aussteuer zusammenzubekommen.’ Bewohner-Altm 1,328. – Brauch, Volksgl.: Die Federkiele, die nach dem Schleißen übrig blieben, kamen entweder in die Friedhofshecke (ZE-Bor) oder in den Gartenzaun (DE-Ro), wo sie dann verrotten sollten. Brauch-Anhalt 65, Vk-Anhalta 210. – 2. ‘Schreibfeder’, urspr. eine angespitzte Gänsefeder, heute veralt., 2: Wb-Altm 50, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Wenn hei sick hennsetten un mit dei Fedder dat alles opschriem’n wolle, ... Rauch 1929,11. – 3. ‘spiralförmiges Teil in der Uhr’ 4: Wb-Ak 56.
Lautf., Gram.: Fedd(e)r Sg., -n Pl. (nwaltm., n/mittlere Altm.: [fed(n)], s. Altm.: [fed(n)], anhalt.: [fedr(n)]) Hausfr-Altm 1930,4 (SA-Die), SA-Ku, Wb-Altm 50, Spr-Altm 14, OST-Gla Mech, STE-Po, verstr. s Altm., Heimatkalender-Ma 1932,48 (JE2-Scho), vereinz. s ZE, verstr. n/ö elbostf., BLA-All, vereinz. n/mittleres anhalt., Mda-Fuhne 97 (verstr. anhalt. – bes. mittlere Generation); Feddere verbr. w elbostf.; Ferr(e)r, [ferr] Sg., -n Pl. (nwaltm., n/mittlere Altm.: [fer(n)], s. Altm.: [fer(n)]) vereinz. nwaltm., verstr. ö OST ö STE, Mda-Ze (ZE-Reu Stre); Fesser, [fezr], [fezr] verstr. n anhalt. (außer nö), Mda-Fuhne 97 (verstr. anhalt. – vorw. ältere Generation, z.T. auch mittlere Generation – bes. n/mittleres KÖ); [felr] Mda-Ze (ZE-Gro); [feln] Pl. STE-Je, WO-Zie; [feln] Pl. WO-Zi; [felr] Mda-Fuhne 97 (verstr. anhalt. – vorw. mittlere, bes. jüngere Generation, n/mittleres KÖ – bes. ältere Generation, sö DE – in allen Generationen); Fearrern Pl. Matthies 1903,26; Fädder, [fäd] Sg., -n Pl. Bewohner-Altm 1,328, OST-Har, Mda-Ost 45 (OST-Ko); [fdn] Pl. CALV-Zo; Fäddere HA-Oh; [fär] Sg., [-n] Pl. verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [fär] Sg., [-n] Pl. SA-Rist, vereinz. n GA, JE2-Scho; Fällern Pl. WO-Mahl; fader Mda-Sti 12; Faddern Pl. SA-Jeg; [farrn] Pl. SA-Die; [fr] SA-Dä; Fere HA-Oh; Feser DE-Ro; Fäder HA-Oh, Spr-Asch 10; [flr] KÖ-Tre.
flslgen Vb. ‘misslingen’ 3: HA-Oh, Vk-Harz 3,58 – Sprw.: Nimm deck nist för, denn slaht deck nist fehl. a.a.O. 58.
Lautf., Gram.: slaht fehl 3. Sg. Präs. Vk-Harz 3,58; flsln HA-Oh.