Frschten n. ‘dörfliches Schützenfest’ 3: verbr. w elbostf. QUE n BA, 4: BLA-All – Friescheiten war dat Hauptfest ... Wedde 1938,80; Friescheiten in’n Dorpe ... un en Junge von twölf Jahren sin, ... Kinderslüe, dat is ’ne Pracht. Lindaub o.J. 35; Rda.: Dat is unse Friescheiten, dat geiht keinen wat an Sprw-Harzvorle 143. – Brauch: In einigen Orten ist das F. noch Teil der Pfingstfeierlichkeiten, sonst wird es häufig im Sommer begangen. Jeder Schütze muss einen Einsatz bieten, von dem er sich frei schießen kann. Den ersten Schuss gibt der Schützenkö- nig des vergangenen Jahres ab. Das Wettschießen dauert so lange, bis ein neuer Schützenkönig ermittelt ist. Weitere Bestandteile des Festes, das sich z.T. über mehrere Tage erstreckt(e), sind Umzüge der Schützen, ein Zapfenstreich, Platzkonzerte, Wettspiele und Tanzveranstaltungen. Vk-Harz 8,66 ff.
Lautf.: Friescheiten, Fr-; außerdem: -schitn Wb-We* 261; -schtn QUE-Di; Fräschießen BLA-All.
frömd Adj. 2: vereinz. nbrdb., Mda-nwJe1a 46 und 48 (JE2-HSe, verstr. n JE1), ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘anderer Herkunft, nicht einheimisch, auswärtig’ – ... war mit de frömmen Meihers in’t Land ’ekomen. Lindaub o.J. 72; subst.: Wi hemm Frömm’ ‘... Besuch von auswärts’ Wb-Altm 57; Da mußte jeder ... ierscht buzahln ... denn jeder Fremde kunne das järne jähn (geben) ... Wäschke 61915,28. – 2. ‘unbekannt, nicht vertraut’ – fremde Leite ZE-Roß; Ich bin hr fremne. Wb-Ak 61; hei wart üsch ganz frömmt HA-Oh.
Lautf.: fröm(m)t HA-Oh, OSCH-Di, Id-Eilsa 63; fremd, -t Wb-Altm 57, ZE-Roß, vereinz. elbostf., Wb-Be; fremne Wb-Ak 61; in flekt. Formen: [-ömd-] Mda-nwJe1a 46 (JE2-HSe); -ömm-, [-öm-] a.a.O. 46 (JE1-Ih), vereinz. HA, Klaus 1936,51; -emd- Francke 1904,59, Heimatkalender-Je 1937,78 (JE2-Fi), vereinz. anhalt.; -emm- vereinz. w elbostf.; subst.: m.: [frömdr] st. Mda-nwJe1a 48 (JE2-HSe, verstr. JE1); Frömdn sw. Akk. Sg. Hausfr-Altm 1928,92 (Kredel); [frömr] st. Mda-nwJe1a 48 (JE1-Gra Wö); Frömme sw. Id-Eilsa 63; Frömm’ Pl. Wb-Altm 57; Fremder st. Richter o.J. 17; Fremde sw. Wäschke 61915,28; f.: [frömd] Mda-nwJe1a 48 (JE1-Gra The); [frem] a.a.O. 48 (JE1-Ger HWa).
fl Adj. 1a. ‘in Verwesung übergegangen, verrottet, verdorben’, auch in FlN, verbr. – en fl Käse Wb-We 160; dä Kartuffeln sünd all ful HA-Bee; ... socht Köppken seß Wochen de fulen Eier ut Mudder öhr Schapp. Lindaub o.J. 26; Sprw.: der beste Appel word ok ful ‘auch einem umsichtigen Menschen kann ein Fehler unterlaufen’ Sprw-Börde; n’ fl Ei fordarwet ’n ganzen Brei HA-Oh. – 1b. ‘ morsch, brüchig, leicht zerfallend’, bes. von Holz, das zu faulen beginnt, verstr. – fulet Holt JE2-Red. – 2. ‘an Wassersucht leidend’, von Tieren, 2: Wb-Altm* 53. – 3. ‘arbeitsscheu, bequem, träge’ verbr. – De Kohdirn de was ook nich ful ... Pohlmann 1905,86; Rda.: hai lecht sick opp de fule Halwe ‘er faulenzt’ Wb-Holzl 93; uf te faule Prnhaut len Wb-Be; sek fle dge mken Wb-Nharz 220; ful wie der Schaper Sprw-Börde; fl w’n sel Wb-Nharz 52; Er ist faul wie der Mist. Spr-Anhalt 169; ful wie Galgenholt sien Sprw-Eils 38; fl w de Sünne HA-Oh; Sprw.: Morjen, morjen, nur nich hiede, seggen alle fulen Liede. WO-Zie; Ful Ossen leg’n sick nich gärn henn, de gröwwelt (graut) vör’t Upstaohn. Bewohner-Altm 1,354; subst.: De Fl dröggt sick dd, de Flitig rönnt sick dd. Wb-Altm 276; eh de Fule zweimal jeiht, trächte dat’n de Buk weih deit BA-Ali; geiht de Sunne na Westen, arbeien de Fulen am besten Sprw-Börde; et Nachts mit de Uhlen, röht (regen) sek alle Fuhlen WE-Dar. – 4. subst. ‘ Schellenober’, Spielkarte, 2: JE2-Wa, JE1-Ka, 3: vereinz. n/mittleres elbostf. n CA, 4: BE-Me Ra.
Lautf.: fu(u)l, fl verstr. ö/s nwaltm., verbr. brdb. elbostf. nthür.; [fo] SA-Ku Pü; [fiu], [fiuo] verbr. nwaltm.; faul ZE-Roß Steu, verbr. anhalt.
füllig Adj. ‘weiche, runde Körperformen aufweisend’, auch ‘weit, groß’ 3: vereinz. HA, Id-Eilsa 63 – ... se war recht nüdlich rund un füllig ... Lindaub o.J. 59.
Grdenprte f. dass. wie  Grdendr, 1: SA-Ch Hi, 3: Lindaub o.J. 74, HA-Oh – Endlich klinke hei sachte de Garenpoorte op ... Lindaub o.J. 74.
Lautf.: Gaarenpoorte, Grenprte Lindaub o.J. 74, HA-Oh; [gaonpeot] SA-Ch Hi.
Geswr n. ‘eiternde, mit einer Schwellung einhergehende Entzündung der Haut, Geschwür’, vgl. Swr(e), 2: vereinz. ö Altm., JE2-Scho, ZE-Roß, 3: vereinz. w elbostf., 4: BE-Grö La – ... een grot Geswür ... Pohlmann 1905,33; Wenn dat man kein Geswür werd! Lindaub o.J. 63.
Lautf.: Geswü(ü)r, J- Pohlmann 1905,33, Wb-Holzl 113, Lindaub o.J. 63; Jeswer HA-Oh; [jw] vereinz. sö Altm.; [-w] STE-Steg, JE2-Scho, HA-NHa; [-wr] WO-Col; Jeschwier, jeschwr Wb-Nharz 60, BE-Grö La; [jwr] ZE-Roß; [-w] OST-Ko, STE-Ber.
glitschen Vb. 1a. ‘gleiten, rutschen’, auch ‘aus der Hand gleiten’ 2: Wb-Altm 65, STE-Wa, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 117 – ... de Krickel (Kurbel am Drehbrunnen) glitsche Fieken ut de Hänne ... Lindaub o.J. 6. – 1b. ‘ausgleiten, ausrutschen’ 2: STE-Wa, 3: vereinz. elbostf. – 1c. dass. wie  glissen 2., 2: OST-See. – 2. ‘flache Steine so auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals springen’,  Botterstulle, 2: SA-Rie.
Lautf., Gram.: glit(t)schen, j-.
gl Adj. 1. 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., MdanwJe1b 69 (JE1-Gra), verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 20 und 146. – a. ‘vor Hitze rot leuchtend, glü- hend’, auch von der Gesichtsfarbe – gluhe Asche OSCH-Har; jlouge koln Mda-Sti 20; dat glue Isen OSCH-KlQue; de Ob’n is all ganz glu HA-Bee; Rda.: hat mit ne jluhe Naotel neiet ‘hat unordentlich genäht’ WO-Sa; hei kann wiher nist liggen laten, wi glu Isen ‘er stiehlt sehr viel’ WE-Dee; S st so glu t ass’n Legghn. ‘Sie hat eine gesunde Gesichtsfarbe.’, vgl. auch 2a., Wb-Altm 276. – b. ‘funkelnd, glänzend, leuchtend’ – ... vorn mit twei Re’e glu’e Knöppe. Wedde 1938,9; Rda.: ... glu’e O’en wie’n Rotkehleken! Lindaub o.J. 37. – 2. 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., 3: verstr. elbostf. – a. ‘hübsch, ansehnlich’ – dat is an glaü Dean (Mädchen) SA-Dä. – b. ‘lebhaft, munter’ – de Kinder sind noch so glu ‘die Kinder sind noch nicht müde’ Wb-Holzl 95; Rda.: de Strte gl mken ‘die Straße in Aufregung versetzen’ QUE-Di; gluh wie’n Aiker (Eichhörnchen) HA-Eil.
Lautf.: glu(h), j- [gl], [jl] vereinz. Altm., Mda-nwJe1b 69 (JE1-Gra), verstr. ZE elbostf.; glo, [jl] Schwerin 1859,16, SA-Kal; jlou Mda-Sti 20 und 146; glaou Wb-Altm* 18; glau, jlau vereinz. ö/s nwaltm., verstr. Altm.; [lau] vereinz. n/mittleres SA; [glau] SA-El Wü; [glaö] SA-Gie Jü; [laö] SA-Ch; [glaü] SA-Dä; [gläö] vereinz. n nwaltm.; [glui] SA-Hi Hö.
glstern Vb. 1. ‘mit lebhaften, glänzenden Augen scharf blicken, genau beobachten’, auch ‘angestrengt blicken, um im Dunkeln etw. zu erkennen’ 2: Wb-Altm 66, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 107 – sei glustert Sprw-Börde. – 2. ‘verliebt blicken’ 3: Wb-We 40. – 3. dass. wie  glunstern, von den Augen – Ut dat ... Gesichte glustert de witten O’en ... 3: Lindaub o.J. 70.
Lautf.: glstern, j-; außerdem: glust(e)rn, j- (Kürze?) Wb-Altm 66, vereinz. elbostf.
Goldlack m. PflN wie Standardspr., 1: SA-Dä, 2: verstr. JE1, Mda-sJe1 27 (ZE-Göd), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. w BE – Buschboom un Goldlack un witte Nelken, un geele un rosa Bänder datau ...(in einem Kranz) Lindaub o.J. 35.
Lautf.: Goldlack, Golt-, J-, [joltlak] (w BE: [joldlag]); außerdem: [jolak] Mda-nwJe1b 78 (JE1-HZi), Mda-sJe1 27 (vereinz. s JE1); [gdlak] SA-Dä; Jallack, [jalak] (mit Einfluss von  Gllack) vereinz. s JE1, Mda-sJe1 27 (ZE-Göd).