Mess m. 1. ‘Gemenge aus tierischen Exkrementen und Stroh oder Spreu’, wird als Dünger verwendet, verbr. – Mist frn ‘Mist auf einem Wagen zum Acker fahren’ Wb-Ak 114; Mäss brkng ‘Mist auf dem Acker ausstreuen’ SA-Rist; Misd brden dass., DE-Or; … op sienen Plane, hindern Tune word Meß estrauet. Wedde 1938,43; w Pin’n (Quecken) wassen flt d Mess JE2-Scho;Upp d’ Brörerstroat oll Soatler Kress’
Ha noch de ganze Kuhl vull Meß.
Matthies 1903,22;
Rda.: ben (beten) hilpet hr nich, hr mott Mess hen HA-Oh; Sprw.: Mess is der halwe Harrjott Sprw-Börde; De Mess is’t best’ Ackersmann. Bewohner-Altm 1,349; Mess opt Land, bringet Geld in de Hand Sprw-Börde; Kleinveih makt ok Mess a.a.O. – 2. ‘Misthaufen auf dem Hof’ 2: Wb-Altm 268, OST-Me, 3: HA-Oh, 4: BLA-All – op’n Mess smten HA-Oh; Rda.: wä ju glieks von Mess helpen ‘werde euch gleich vom Hof werfen’ OST-Me; hei is doch op’n Messe gret e’ worrn HA-Oh; Bauernregel: Wenn de Mess braof (streng) stinkt, so gifft Regen. Wb-Altm 268. – 3a. ‘minderwertige, auch unnütze, wertlose Sachen’,  Krmdän Mist fress man alleene 2: ZE-Roß. – 3b. ‘Unsinn, dummes Zeug, Unfug’ 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf. – wat hast’n hier wedder forr Mist jemacht? ZE-Roß; Abzählreim: wai maokn kn lankn mess – dau bis! Vk-Ask 162. – 3c. ‘ärgerliche Angelegenheit, Ungemach’, in Flüchen – Vorrfluchter Mist! 2: ZE-Roß.
Lautf.: Mess, Meß, [mes] verbr. nd.; Mss Wb-Altm 136, [ms] SA-Rist, Mda-Ar 26, Siedler-Je § 65 (JE2 JE1), Nd-Börde § 116; Mäst Mda-Ro; Mist Mda-Ze (ZE-Gro Roß), GA-Rä (3b.), HA-Alv (3b.), verbr. omd.; [misd] Mda-Fuhne 179f. (verbr. anhalt.), DE-Or. – Gram.: n. belegt SA-Dä. Zus.: zu 1.: K-.
Michal ohne Genus ’29. September’, Kalendertag des Erzengels Michael, verstr. – Um M. näherten sich die Arbeiten in der Landwirtschaft ihrem Ende: tau Micheilich sünt de Eppel rpe HA-Oh. Das Vieh wurde nicht mehr ausgetrieben. SA-Vi, Vk-Anhalta 283. In der Zeit um M. (14 Tage vor bis 14 Tage nach M.) wurde das Wintergetreide ausgesät. SA-Rist, Ackerbau-Anhalt 250, Vk-Anhalta 283. – Brauch: Zu M. wurden Abgaben entrichtet und das neue Pachtjahr begann: Zinsen, Pachte, Swinegeld Ausdeutung des Glockengeläuts zu M., OSCH-Krop; … un de veele Ackerpachte, de se alle Jahre tau Micheilig oder Martinig krejjen … Wedde 1938,46. Üblich waren auch Naturalabgaben an Lehrer und Pfarrer, z.B. Gänse (ZE-Na) oder Roggen (ZE-Mühl, KÖ-Wa, DE-Scheu). Vk-Anhalta 283. Das Gesinde konnte den Dienst wechseln (verbr.):Ach du liebe Seele, morgen ist Michele,
Ach du lieber Gott, morgen muß ich fort.
Vk-Anhaltb 64
(ZE-Na).
Da M. als eine Art Erntedankfesttag angesehen wurde (Vk-Anhalta 283), fanden auch Tanzveranstaltungen statt. Tanzlied:Michäilich, Michäilich,
All wedd’r Michäilich,
Eerst gistern Michäilich.
Abergl-Ma 248 (GA-Mie).
– Volksgl: Wer die Heiligkeit des Tages durch Arbeiten auf dem Feld störte, hatte keine gute Ernte zu erwarten. Volksfeste-Altm 296, Vk-Anhalta 283. Auch Arbeiten mit dem Gespann sollten unterbleiben. SA-De. Knechte und Mägde suchten auf fremden Grundstücken am Morgen Futter, bes. Grünkohlköpfe, (SA-De), um das Vieh vor Verzauberung zu schützen. SA-Pre. Die Hexen ziehen in der Nacht zu M. zum Blocksberg. Abergl-Ma 248 (GA-Mie).
Lautf.: Michaeli OSCH-Krop; Michéeli CA-Fö; Michele JE2-Hü Wo, Vk-Anhaltb 64 (ZE-Gri Na), Michle Wb-Ak 113; Michaelis verstr.; Micheilig, -ich vereinz. elbostf.; Michheilij HA-Bee; Micháilich Wb-Holzl 141, Wb-We* 226; Michäilich Abergl-Ma 248 (GA-Mie); Michlig Wb-Altm 137; [mili] SA-Rist, michlich Wb-Nharz 126; [miáylij] Nd-Börde § 57; Michlije Mda-Sti 127, Micheelije Firmenich o.J. 159 (WA-Ost).
Middel n. 1. ‘mittlerer Wert, Durchschnittswert’ – so int Midd’l ‘durchschnittlich’ 2: Wb-Altm 137. – 2. ‘etw., das zur Erreichung eines Zieles dient’, bes. ‘Heilmittel, Medikament’ 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be – dajjen jifft’t kein Middel HA-Oh; … un fraug, wer mek denn dat Middel eraet oder ejeben harre. Wedde 1938,73.
Lautf.: Midd(e)l; außerdem: [mitl] Wb-Be. Zus.: zu 2.: Hs-.
Middernacht f. 1. ‘Zeit um 24 Uhr’ 2: Matthies 1903,34, 3: HA-Oh, Wedde 1938,24, Wb-Nharz 127, 4: vereinz. anhalt. – Noa Mitternacht weckt unsen Schoster nu de Koater … Matthies 1903,34. – 2. ‘Norden’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 127, 4: Wb-Ak 115.
Lautf.: Middernacht HA-Oh, Wedde 1938,24; sonst: Mitter-.
Minsche m., n. 1. ‘vernunftbegabtes, höchstentwickeltes Lebewesen’, sowohl mit Bezug auf die Gattung als auch auf das Einzelwesen, verbr. – dat kann kein Minsche theln HA-Oh; … dat hei dat gar keinen Minschen seggen künne! Rauch 1929,179; watt dat Minsch väör Geld hat! Wb-Altm 138; Hei war en braven, ehrlichen Minschen … Wedde 1938,7; Das wr kn unrechter Mensche. Wb-Ak 112; Mensch, schre dich doch nu endlich m weg Mda-Fuhne* § 9; in Ausrufen: Mensch Ausruf des Zorns und des Erstaunens, ZE-Roß; Minschen, Lüe un Kinder, is denn sauwat blos te glöm’n! Ausruf des Erstaunens, Rauch 1925,30; wer minsche, w kanste dat daun? zurechtweisender, tadelnder Ausruf, Wb-Nharz 127; Minsche, wat mkeste denne! dass., HA-Oh; Rda.: Himmel un Menschen ‘sehr viele Menschen’ ZE-Roß; Das jt de Menschen w de Leite. ‘Das geht allen so.’ Wb-Ak 112; Gott schuf Menschen, Fai (Vieh) un Affen – un dick hat hai ok nich forrjetten. Wb-Holzl 36; Wei Minschen denken un Gott lenkt. Bewohner-Altm 1,350; den Minschen sn Wille is sn Himmelrch Wb-We 88; Sprw.: greot Minsch is hf Lerra (Leiter) in Hius SA-Dä. – 2a. ‘Frau’ 2: Schwerin 1859,4 und 12, 3: Wb-We 88, Wb-Nharz 127 – … künn dät oll Minsch nich still to Hus sitten blieb’n … ? Schwerin 1859,12. – 2b. ‘Prostituierte’, auch ‘unordentliche, liederliche Frau’,  Slampe, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 177, Spr-Anhalt 170.
Lautf., Gram.: Minsche verbr. elbostf.; Minsch, [min] SA-Dä, vereinz. Altm., HA-Ost (2b.), Ldk-Anhalt 2,51 (BA-Ra); Minsch(e)n Dat./Akk. Sg. Matthies 1903,7, Pohlmann 1905ff.,124, Rauch 1929,179, Wedde 1938,7; Minsch(e)n, [min()n] Pl. SA-Pü, Bewohner-Altm 1,350, vereinz. n Altm. elbostf., Mintsche QUE-Di; [minsk] SA-Dä; [minsk] Pl. SA-Da Hi Hö; [minn] Pl. SA-Jü; Mensche, [men] Mda-sJe1 7 (verstr. s JE1, ZE-Göd), vereinz. omd.; Mensch, [men] OST-Krum, vereinz. ö STE, JE2-Scho, Mda-sJe1 7 (JE1-Ka Ne Ve Zed), ZE-Roß, QUE-We (2b.), Mda-Fuhne 14 (DE-Ca); Mensch(e)n, [men()n] Pl. SA-Ev Pe, vereinz. n Altm., verstr. s Altm., Wb-Holzl 36, WO-HWa; [menn] Pl. SA-Chei Zie; Genus: (1.) m.; außerdem: n. belegt Wb-Altm 138; (2.) n. Zuss.: zu 1.: Kraftmensch, Manns-.
Missing n. ‘Messing’ 2: Wb-Altm 138, 3: vereinz. elbostf. – … da kofften de Fru’nslüe Rahmflöten (Löffel zum Abrahmen der Milch) ut Missing … Wedde 1938,81.
Lautf.: Missing, missing Wb-Altm 138, Wedde 1938,81, BLA-Brau; Messink, messink HA-Oh, Wb-Nharz 126.
Mst m. 1. ‘(nässender) Nebel, Dunst’,  Nwel, 1: SA-Brie Jü Ku Zie, 2: vereinz. Altm., 3: verbr. elbostf. – … wei hett butten ganz dichten Mist … Wedde 1938,64. – 2. ‘feiner Regen’ 3: WE-Ro.
Lautf.: Miest, [mst] SA-Brie Jü Ku Zie, vereinz. Altm. elbostf.; Mieste HA-Hu; Mies OST-GrBa; Mist verstr. elbostf. – Gram.: n. belegt WO-Be.
Mlenschütt n. ‘Wehr für den Mühlbach’ – Rda.: … nu frag man nich sau vel op’n mal, dat is jo grade wie wenn en Möhlenschütt op etrecket is. 3: Wedde 1938,56.
Mordsspektkel m., n. dass. wie  Mordskrach, 2: JE1-Bü, 3: HA-Oh, Wedde 1938,54, 4: Wb-Be – die Kinner moken einen Mordsspektakel JE1-Bü.
Lautf., Gram.: Mordsspektakel m. JE1-Bü; [mortpektkl] m. Wb-Be; Mordspitakel n. Wedde 1938,54; Morts- m. HA-Oh.
Morgenbrt n. ‘Mahlzeit am Morgen, Frühstück’, bes. ‘das zweite Frühstück’ 2: JE2-HBe Jer, 3: verstr. elbostf. – Hei sette sek op en groten Feldstein un lett sek sien Morjenbrot gut smecken. Wedde 1938,43; Rda.: der het’ Morgenbrot verschlopen ‘er ist gestorben’ JE2-HBe.
Lautf.: Morgenbrot JE2-HBe Jer, Lindauc o.J. 11, WE-Schie; Morjen- vereinz. elbostf.; -bret HA-Oh.