freuen Vb. refl. 1. ‘Freude empfinden, voller Freude sein’ verstr. – hei freut sek WE-Kö; ... dunn freut’r sick beestig ... Pohlmann 1905 ff.,120; ... dät freut mi ümmer noch. Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie); Sein Vater freiete sich da drewwer ... Wäschke 61915,66; Freieste dich denn man jr nich an bißchen? Wb-Ak 61; Rda.: freut sek wn sneikenich ‘freut sich sehr’ Mda-Weg 89. – 2. ‘wiehern’, vom Pferd,  wern, 3: HA-Um Wed, 4: Wb-Ak 61 – dat Perd freut sick HA-Um.
Lautf., Gram.: freu(e)n Inf., freut 3. Sg. Präs. verstr. Altm., Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie), verstr. n/w elbostf.; frei(e)n, frai(e)n, [frai()n] Inf., freit, frait 3. Sg. Präs. Ehlies 1960a 78, Hausfr-Altm 1927,44 (STE-Ber), verstr. ZE mittleres/ö/s elbostf. anhalt.; [fran] Mda-Ar 39; frei 1. Sg. Präs. Schwerin 1859,121; freiet 3. Sg. Präs. Vk-Anhaltc 81; fraite 3. Sg. Prät. Spr-Asch 26; freiete 3. Sg. Prät. Wäschke 61915,66; frejet 3. Sg. Präs. BLA-All; frawet 3. Sg. Präs. Vk-Harz 3,46.
Fründ m. 1. verstr. (aus mbrdb. Teil von JE1 keine Belege). – a. ‘Person, mit der man sich sehr verbunden fühlt, Freund’ – dicke Frünn Wb-Altm 35; n’ gen Frünt HA-Oh; Hier ha’r gode Frün’n to woahn’n ... Pohlmann 1905 ff.,115 (OST-Rö); Da war ich ma mit mein’n Freind ... Krause 1964,91; Sprw.: De all’ Lü ton Fründ will telln, Mütt sick noa de Lü’ instelln. Kredel 1927,12; gue Frünne in de Not, gahn op Dusend ’n Lot WO-Gu; Frinde in de Not, Frinde in’n Dod, Frinde hindern Rijjen (Rücken), dat sind drei feste Brijjen (Brücken) Sprw-Börde. – b. ‘jmd., der etw. Bestimmtes schätzt’ – D bin ich kn Freind von. Wb-Ak 61. – c. Dim. scherzh. drohende Anrede. – 2. ‘Verwandter’ 2: vereinz. Altm., 3: verstr. elbostf. – de nechsten frinne Wb-Nharz 220; Rda.: Wat Fadder, wat Frünnt? ‘ohne Rücksicht auf verwandtschaftliche Beziehungen’ Wb-Holzl 37; Sprw.: mit Frinde is schlecht kramen Sprw-Börde; En guen Nahber an de Hand is besser wie en Fründ in’n fremmen Land. Chr-Em 431.
Lautf., Gram.: Fründ, [fründ], [frünt] verstr. nwaltm. Altm., Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie), verstr. n/w elbostf.; Frünn, [frün] vereinz. SA, Firmenich 1854,125 (um STE-Ste); Frünne Pl. vereinz. n/w elbostf.; Frünn’ Pl. vereinz. nwaltm. Altm.; Frind, frint vereinz. ö/s elbostf., Mda-Sti 35; Frinde Pl. Sprw-Börde; frinne Pl. vereinz. s elbostf.; fringe Pl. Mda-Sti 35; Freund, froint, [froind] SA-Da, vereinz. Altm., Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi), WO-HWa, Spr-Mab 394 (WO-Ol); Freind, -t, [fraint] JE1-Wol, verstr. ZE anhalt.; [frai] Pl. Mda-Ze (verstr. ZE).
gn Vb. allg. (abweichende Verbreitung oder Häufigkeit wird bei den jeweiligen Bed. extra aufgeführt). – 1a. ‘sich zu Fuß fortbewegen’ – jocht mal uten Weg JE2-Hü; Un wie se nu so alle dreie jehn, fangt de Neering’n widder von de Schpukjeschichte ... an. Heimatkalender-Ze 1961,90 (ZE-Ze); goat up de Teien (Zehen) ZE-Mü; hai get doch tau diuknackich (gebückt) SA-Dä; ... un können nich mehr jrade jahen. Gesch-Un 44; Verbdg.: dat larnt jehn ‘es wird gelingen’ ZE-Roß; Rda.: w me geit un schteit ‘so, wie man gerade ist’ Wb-Nharz 55; He geit as d’ Flg in d’ Bottermelk. ‘Er hat einen schwerfälligen Gang.’ Wb-Altm* 72; Sprw.: dei langsam geit, kummt k Wb-We 37. – 1b. ‘sich (zu einem bestimmten Zweck, mit einer bestimmten Absicht) an einen bestimmten Ort, irgendwohin begeben’ – na Hs gn SA-Mol; ... un gung no de Kirchhofsecke ... Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); amol war de Mutter ins Holz jejehn BA-Ha; jg m bain Flschor DE-Ca; danzen gn HA-Oh; Uff ’n Schwoof jehen ‘zum Tanz gehen’ Vk-Anhaltc 11 (BA-Ha); Ens woll Nanu moal jagt’n goah’n ... Matthies 1903,9; Rda.: ower’n Jordan gaan ‘verschwinden’ Wb-Holzl 94; t de Welt gn ‘sterben’ HA-Oh; ins Wasser jn ‘sich ertränken’ Wb-Ak 77; der jeit vor de Hunne ‘er stirbt’ JE2-Schm. – 1c. ‘regelmäßig besuchen’, auch ‘in einem bestimmten Bereich beruflich tä- tig werden’ – n’n mren gn Wb-Nharz 55; uf Arwt jn Wb-Ak 77; er “jeht bei de Ochsen” ‘er wird Ochsenknecht’ Serimunt 1932 Nr. 65; ik wett noch ganz genau, wie ick datt erste Joahr nah Schaule junk HA-Eim; die Dierns gingen früher alle Ahnde spinnen JE2-Bu. – 2. bes. in Verbdg. mit Vb. wie liggen, sitten, stn eine Bewegung auf einen anderen Zustand hin bezeichnend, 2: vereinz. Altm. – gao sitt’n! ‘setz dich hin!’ Wb-Altm 62; In’n Anfang dänn ging d’ Spök still an d’ Dör staohn ... Pohlmann 1905 ff.,125 (OST-GrRo). – 3a. ‘einen Ort verlassen, weggehen’ – wiste schont jehen? DE-Ho; denne kann’k ja wer gn HA-Oh; Rda.: einen gn lten ‘einen Darmwind entweichen lassen’ a.a.O.; d gans wil ek gn lten ‘die Gans soll zur Zucht gehen’ Wb-Nharz 55. – 3b. ‘ein Dienstverhältnis beenden, aufgeben’ – uten Deinst gohn GA-Beh. – 4. ‘sich lösen, abfallen’ – Rda.: aus en Leim jn Wb-Ak 77. – 5. ‘sich an etw. zu schaffen machen’, bes. um unerlaubt etw. zu entwenden – an wat nich jehn ZE-Roß. – 6. ‘in einer bestimmten Weise gekleidet sein’ – nietmodisch soll se gahn wie ne Eddelfrue HA-Bo. – 7. ‘mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben’ – mit eene jehn ZE-Roß; hast du denn diene Öldern schon e seggt, dat du mit mick geihst? HA-Bo. – 8. ‘trächtig sein’, von Tieren, 3: vereinz. w elbostf. – de Kau geit noch feier Wochen ‘in vier Wochen wird die Kuh kalben’ HA-Oh. – 9a. ‘sich durch etw. hindurch bewegen’ – Rda.: dorch de lappen gn ‘sich entgehen lassen’ Mda-Weg 105; De Kunne von Greitchens Dod war wie’n Loopfüer dorch’t lütge Dörp e gahn; ... Rauch 1929,66; dat mott’k mik mal dorch’n Kopp gn lten HA-Oh. – 9b. ‘in Bewegung sein, sich bewegen’ – de Wint geit wer de Hwersteppel a.a.O.; in’n Wind jn ld’n ‘das Steuer so drehen, dass das Segel mehr Wind fasst’, Schifferspr., Elbschifferspr. 356 (JE2-Mi). – 9c. ‘in Betrieb sein, funktionieren’ – Rda.: geiht et denn, oder knipt de Hose? (auch Bezug zu 10a. möglich) Sprw-Börde; Rätsel (auch mit Bezug zu 1a.): wat geit un geit un kümmp nich wer? – die Uhr, STE-Wa. – 9d. ‘aufgehen, treiben’, vom Hefeteig,  upgnmn Dch jait all JE2-Scho; der Deich is scheen ejehn CA-Gli. – 10a. ‘(in bestimmter Weise) vonstatten gehen, ablaufen’, auch ‘gelingen’ – dat geit swer HA-Oh; ..., düttmal hat’t noch gut ’egahn ... Lindauc o.J. 17; t wier doch janz hibsch jejehn ZE-Hu; ... kann doch nischt schief jehn. Krause 1964,18; Rda.: Et gait wi an’n Bimmfa’mt etreckt. ‘Es geht sehr gut, ohne Probleme.’ Wb-Holzl 36; dat jeht wie’s Brezelbacken dass., Vk-Anhalta 69; Sprw.: Wat nich will gahn, Lat schtahn! Vk-Harz 3,60. – 10b. ‘sich in bestimmter Weise entwickeln’, bes. von Geschäften – Wie jeht denn eier Laden? ZE-Roß. – 11. unpers. ‘ergehen’ – Mäi is dät ok so gohn. Hausfr-Altm 1927,41 (STE-Ber); Die jehts wo wie’n Harr Kanter seine? Wäschke 61915,103. – 12a. ‘sich machen lassen, möglich sein’ – Dat geiht doch nich, Vaoder ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); Rda.: ’t geiht woll, äöwert’ geiht nich. ‘Es ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht durchführbar.’ Bewohner-Altm 1,334. – 12b. ‘einigermaßen akzeptabel, erträglich sein’ – ’s Himne jt noch ‘das Hemd kann noch getragen werden’ Wb-Ak 77. – 13. ‘sich erstrecken, reichen’ – de rok geit bis op de kn Wb-Nharz 55. – 14. ‘in etw. passen, Platz, Raum finden’ – dr Korb jt nich mr in dn Sack Wb-Ak 77; Sprw.: gedüllich Schaop gaon fae (viele) in ’n Schtall SA-Dä. – 15. ‘eine bestimmte Richtung haben, in einer bestimmten Richtung verlaufen’ – d geit kein Wch HA-Oh; Von da jeht de Schossee linksch raus nah Tornau ... Heese 21919,33. – 16. ‘sich einem bestimmten Zeitpunkt nä- hern’ – et geit op achte Wb-Nharz 55; Dat is nu Nacht, geiht stark op Oelwe ... Klaus 1936,28. – 17. ‘sich in einem bestimmten Zustand befinden’ – w (wie) geit et? Wb-Nharz 55. – 18. ‘den Vorrang haben’ – Rda.: Geit doch nicks äöw’r de Rännlichkeit! seggt jenn’ Fru, un kert all Sündag Morgen är Hemm’ ümm. Wb-Altm 172; Sprw.: Nahwerschaft geiht vör Vadderschaft. Bewohner-Altm 2,20. – 19. ‘sich nach jmdm., etw. richten’ – dn geit et nich HA-Oh.
Lautf., Gram.: Inf.: gahn, gaan, j-, [gn], [jn] vereinz. w mbrdb., verbr. elbostf. (außer sö, dort verstr.), CA-Lö; gaen, gen, j- WA-Ste, WE-Oster, BLA-Brau; gahen, j- JE1-Walt, HA-Ro, vereinz. mittleres elbostf., WE-Velt, vereinz. n CA; g(a)ohn, goahn, j-, [gn], [jn], [--] verbr. nwaltm. nbrdb., verstr. JE1, ZE-Gri, verstr. elbostf., QUE-Frie; [gn] SA-Ah Rist; gaohen CALV-Uth, STE-Sto; [gon] verstr. n nwaltm.; goa(h)n, j-, [jan], [jan] verbr. n/mittleres mbrdb., vereinz. n/mittleres ZE; gehen, j- JE1-Schor Wö, vereinz. ZE, QUE-We, BE-KlMü, vereinz. omd.; gehn, j- JE1-Pa Wö, verbr. ZE, WE-Schau, verstr. sö elbostf., verbr. omd.; jaen Mda-Sti 26; [jn] veralt. Mda-Fuhne 75 (vereinz. s KÖ); 3. Sg. Präs.: gei(h)t, -ai-, j- [gait], [jait] vereinz. nwaltm., verstr. w Altm., verbr. ö Altm. JE2 JE1 elbostf. (außer sö, dort vereinz.); [gäit], [jäit] OST-Bi, vereinz. mittlere Altm.; [get] verstr. n nwaltm.; gaht, gaat, j- ZE-Li, vereinz. w elbostf., QUE-Di; g(a)oht, j- vereinz. w SA, WO-El; goat, [jat] vereinz. ZE; [jast] 2. Sg. Präs. Dialekt-Ma 12 (vereinz. sw JE1, ZE-Göd); geht, j-, [jt] verstr. ZE, vereinz. sö elbostf., verbr. omd.; gäht, j-, [gt], [jt] SA-Fa Jah Jü, vereinz. ö SA, OST-Ar, GA-Fau Ku; [jit] Nd-KlWu 24; Imp. Sg.: ga(h), j- verstr. elbostf.; gao(h), j- vereinz. Altm. elbostf.; gaach, gch vereinz. w elbostf.; gaoch OSCH-Har, QUE-Di; joch JE2-Jer Ni Za, verstr. JE1, QUE-Wa; [j] Dialekt-Ma 8 (verstr. w JE1, vereinz. nö CA), BE-Gü; jk, [jk], [jg] ZE-Roß, verbr. omd.; [jg] veralt. vereinz. s KÖ; 1./3. Sg. Prät./1./3. Pl. Prät.: ging, -nk, j-, [gik], [jik]/gingen, j-, [gin], [jin] (nwaltm., Altm.: [gi], [ji]) verstr. nwaltm., verbr. Altm. JE2 JE1, verstr. ZE, verbr. elbostf. omd. (bes. ZE elbostf. omd. neben älteren u-Formen); ging, [gi], [ji]/ verstr. nwaltm.; güng 1./3. Sg. Prät. Wb-Altm 61; gung, -k, j-, [guk], [juk]/gungen, j-, [gun], [jun] Wb-Altm 61, vereinz. n SA, STE-GrMö, Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi), verstr. ZE, verbr. elbostf., verstr. omd. (bes. ZE elbostf. anhalt. neben jüngeren i-Formen); 3. Pl. Prät.: junken BLA-Be; gangen DE-Lin; junkten Vk-Harz 3,24 (BLA-Be), BLA-Hü; jinkt 3. Sg. Prät. GA-Wern; Part. Prät.: egahn, -gaan, -j- verstr. elbostf.; egen BLA-Brau; g(a)ohn, j- verstr. nwaltm. Altm.; e-, [jn] JE2-Scho, OSCH-Har, QUE-Di; degn WA-HDo; [gaon] SA-Dä; ejoahn, [jan] JE2-GrWu, ZE-Göd; [j-] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); ejehn CA-Gli Pö; je- verstr. ö ZE, vereinz. n CA, verstr. nthür.; -jangen, [jjan] Mda-Ze (ZE-Roß), verstr. anhalt.
2gr 1. Adv. – a. eine Verneinung verstärkend ‘überhaupt’ verstr. – jr kner Wb-Be; M’r kann sich heite jaar keene rechte Vorschtellung mär mach’n ... Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze); dat is gr nischt Wb-Nharz 56; min Geld will gaor nich mehr lang’n Wb-Altm 122. – b. ‘sogar’ vereinz. – ek glwe gr ... Wb-Nharz 56; De Köster orrer goar de Prester ... Matthies 1903,45. – 2. Pt. verstr. – a. verstärkend in Fragen und Vermutungen – hei is doch wol nich gr eschtorben? Wb-Nharz 56. – b. verstärkend in Verbdg. mit t... goar to swor ... Hausfr-Altm 1928,94 (Kredel); ... de ha’ all gaor’t oft för Knecht deent ... Pohlmann 1905 ff.,119; ..., et harre doch gar tau veel no Kauhstall eroken. Wedde 1938,5.
Lautf.: ga(a)r, gr, j-; außerdem: g(a)or, j- verstr. nwaltm. Altm., vereinz. w anhalt.; goar, j- Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie), JE1-HWa.
1gerde verstr. 1. Adj. – a. ‘in unveränderter Richtung, nicht krumm oder gebogen’ – dat Brt is ganz grde HA-Oh; dänn Wch ümma jrd langk JE2-Scho; Verbdg.: Bk m de Schne jerse! Wb-Ak 77; ’n Kn jrdemken ‘den Kahn in die gestreckte Richtung bringen’, Schifferspr., Elbschifferspr. 304 (WO-Ro); der Kn jaid jrde ‘der beladene Kahn befindet sich im Gleichgewicht’, Schifferspr., a.a.O. 315 (JE2-Pa). – b. ‘aufrecht, nicht schief’ – steh m jrle ZE-Roß; schdelles jrle hin DE-Ca; de Lerrer (Leiter) stäht to grod (zu steil) GA-Kak; ... un können nich mehr jrade jahen. Gesch-Un 44. – 2. Adv. – a. ‘soeben, in diesem Augenblick’, auch ‘vor kurzer Zeit’ – ... se warn jerade beis Inpacken. Krause 1964,30; ick kam grade na Huus, da fänget an mit räjen HA-Bee; Dunn jung grade Nachtwächter Peinecke vorrbi. Lindauc o.J. 21; ... wo groai de Bure von öhre Leibeigenschaft erlöst woarn JE2-Gü. – b. ‘schnell,  rasch’ – kumm graod wedder Wb-Altm 69. – c. ‘mit Mühe und Not, noch eben’ – ... det m’r jraade noch dorchkaam. Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze); ... ’s junk je jrade noch ... Heimatkalender-Be 1936,154. – d. ‘genauso, in der gleichen Weise’ – Da gehts diche jrade wie unse Harrmannen ... Wäschke 61915,105; Rda.: t tst je jrde w wennte fon rjestern wrscht Wb-Be; ... nu frag man nich sau vel op’n mal, dat is jo grade wie wenn en Möhlenschütt op etrecket is. Wedde 1938,56; Dat is gerade, wie wenn’n en dob’n Hunne wat seggt mit Bezug auf einen Schwerhörigen, Sprw-Harzvorld 374. – e. ‘erst recht’ – Wennste schim(p)st, mach ich’s jerde nich. Wb-Ak 77. – 3. Pt. eine Aussage bekräftigend, verstärkend, bes. ‘genau’ – ... du kümmst mi graod to pass. Pohlmann 1905 ff.,119; Des war ... jrade so des richtije Tempo ... Heimatkalender-Ze 1964,89 f . (ZE-Ze); dat is et grde, wat mek sau arjert Wb-Nharz 59; Rda.: Dät is dät graod, wat de Oberst bemerkt. ‘Darauf kommt es an.’ Bewohner-Altm 1,353.
Lautf.: gerade, --, j- vereinz. w elbostf. (außer nw), Krause 1964,30; gerad Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); -re Wb-We 39; jerde, [jrd] Mda-nwJe1a 42 (JE1-Dre The), Wb-Ak 77; jirde QUE-Di; [jrj] Mda-nwJe1a 42 (JE1-Rie); jerase Wäschke 61915,7; -rse, [jrz] Wb-Ak 77, CA-Do; gra(a)de, --, j- vereinz. ZE, verstr. elbostf., Mda-Sti 146, Heimatkalender-Be 1936,154, BE-We; gr(a)ode, j-, [jrd] Elbschifferspr. 304 und 370 (STE-Bit Tan), vereinz. WO JE2, WA-Neu Wo, vereinz. w/mittleres anhalt.; gr(a)od, j- verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; jroade vereinz. mbrdb.; [jr] Mda-nwJe1a 42 (JE2-HSe); groai JE2-Gü; grao, groa Wb-Altm 69, Schwerin 1859,121; [grao] SA-Dä; jrase Heimathefte-Be 1956,139 (BE-GrWi), Alt-Cöthen 2; jraoje JE2-HSe; [jrl] ZE-Roß, DE-Ca.
1Gericht n. ‘Institution der Rechtsprechung’, auch die Örtlichkeit, 2: Pohlmann 1905 ff.,124 (OST-GrRo), Spr-Maa 440 (STE-Scher), ZE-Roß, Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – uff’t Jericht ZE-Roß; ... Vorladung vor’t Gerichte ... Wedde 1938,67; Wer nah’t Jerichte mott nah Stadt ... Gorges 1938,44.
Lautf., Gram.: Gericht, J-; außerdem: -e vereinz. elbostf. anhalt.; Gerichten Pl. Pohlmann 1905 ff.,124 (OST-GrRo).
glwen Vb. verbr., vgl. 1lwen. 1. ‘annehmen, vermuten, für möglich halten’ – d glewest gr nich, w krank hei is HA-Oh; Ick glöw sogoar mien Arm is aff. Francke 1904,40; ick glöwe, hüte jifft noch wat HA-Bee; ... un jlowete, der junke Hund hädde sein’n Harrn was zu leede jethan ... Wäschke 61915,33. – 2. ‘etw. für wahr, glaubwürdig halten, von etw. überzeugt sein’ – Dat will ick glöwen, Vaoder ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); Du kannst mick dat glöben oder nich! Lindaua o.J. 64; det kann ick kaum jloo’m ZE-Roß; dat gleweste je silwest niche Mda-Weg 115; das jlwet ’n kn Mensche Wb-Ak 79; Rda.: man soll’t nich globen ‘man kann es nicht für möglich halten’ WE-Oster; Sprw.: Wer lichte glöwet, ward lichte bedrohn. Vk-Harz 3,58; wer dat glowet un sin Bedde vorköft, schläpt mit’n Arsch in’t Stroh Sprw-Börde. – 3. ‘von der Existenz von jmdm., etw. überzeugt sein’, spez. auch ‘gläubig sein’ – ... un an’t Spökent häw ick mien Lewdag’ noch nich glöwt. Pohlmann 1905 ff.,115 (OST-Rö). – 4. in der Verbdg.: dran glwen mten ‘sterben müssen’,  starwen, auch ‘von etw. betroffen sein’ – hei hat dran glöben möttn Wb-We 40.
Lautf., Gram.: Inf.: glöw(e)n, j-, [glv] Wb-Altm 65, SA-Kä, verstr. ö/s Altm. n elbostf.; glöb(e)n, j- Schwerin 1859,36, WO-Zie, verstr. w elbostf.; glöm’n Rauch 1925,30; glö’m vereinz. HA, Wb-Holzl 95 (WA-KlWa); [jlmm] Mda-nwJe1a 37 (JE1-The); glebn HA-Oh; [gleb] Id-Eilsa 65; glem’n HA-Oh; glwen OSCH-Har; glb(e)n Wb-Nharz 62, BLA-Be; [glbm] QUE-Di; glüöben OSCH-Di; jlaib’n Mda-Sti 31; glowen Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie), Sprw-Börde; globen JE1-Bu, WA-Un, WE-Oster; glom’m, jloo’m, [jlmm], [jl] verstr. mbrdb., OSCH-Grö, vereinz. anhalt.; jlauwen BA-Schie; [gleo] SA-Dä; jlem Mda-Ro; 1. Sg. Präs.: glöwe, j-, [glv] GA-Bo, WO-Uetz, vereinz. HA; glöw, -f, j-, [glf], [jlf] vereinz. ö/s nwaltm., SA-Kal Sa, verbr. ö Altm. (außer s Rand); [lf] SA-Al Ku; glöbe GA-Ge; glwe OSCH-Har, Wb-Nharz 62; glewst 2. Sg. Präs. Mda-Weg 115; jleewick mit Enklise des Personalpron. 1. Sg. Firmenich o.J. 157 (WA-Ost); gläuf, [gloif] verstr. n SA, OST-Bi, GA-Ku; [loif] SA-Chei Lüg; [glaöf] SA-Rie; [gloüf] vereinz. mittlere Altm.; [glo], [jlo] vereinz. ö STE; glöu, [glu] STE-Je, Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi); glüewe WE-Rok; jlaiwe Mda-Sti 49; [glouv] CALV-Uth; glowe, j-, [glv], [jlv] vereinz. n WO, JE2-Scho, Mda-Ze (verstr. ZE), verstr. anhalt.; jlobe vereinz. DE; 3. Sg. Prät.: glöwete Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie); jlowete vereinz. anhalt.; jleiwete Mda-Sti 49.
grt Adj. verbr. 1. ‘von vergleichsweise beträchtlicher Ausdehnung, beträchtlichem Umfang’ – En Pott vull Futter, grot un swaar ... Gorges 1938,12; ... en groot Stück Speck ... Brauch-wAltm 70 (GA-Ber); ... ’s war viel jreeßer ... Richter o.J. 5; d hest wa ne jrte Fratte (Warze) anne Hand JE2-Scho; ... de een dat was’n hell’schen groten Kerl ... Pohlmann 1905 ff.,124 (OST-GrRo); schwaere Per ... trecken dann grauten Woagen SA-Bee; ... un schmeet’nt up’n groten Hup. Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie); Verbdg.: sich grot maken ‘sich auf Zehenspitzen stellen, um größer zu werden’ WA-See; Rda.: ... jroß wie de Kuchnteller ... Krause 1964,17; hält grote Schticken op ne ‘hält sehr viel von ihm’ Sprw-Börde; grte grosnen in’n sakke hebben ‘große, illusorische Pläne hegen’ Wb-Nharz 65; Sprw.: Een grod Minsch is’n klein Ledder in’t Hus. Bewohner-Altm 1,350; der dümmste Buer het de grötsten Tüffeln JE2-Bö; jrte Wunne jefft jrte Nrwen JE2-Scho. – 2a. ‘eine höhere Anzahl an Lebensjahren aufweisend, älter’ – de merschten harrn jröttere Kinder to hus JE2-Gü. – 2b. ‘für die älteren Schüler zuständig’ – de grte schaule Wb-Nharz 65; de grete Kanter HA-Oh. – 2c. ‘(fast) erwachsen’ – Un wenn Kinner grot wän ... Hausfr-Altm 1928,94 (Kredel); Sei sülben wören alle to hope bi Kohlzupp grot worren ... Essen-nwAltm 91 (SA-Han); dat is’n greten Bengel HA-Oh; ... de janzen Paschlewwer Leite, jroß un kleen ... Wäschke 61915,5. – 3. ‘erheblich, beträchtlich, von hoher Intensität’, auch ‘eine beträchtliche Menge darstellend’ – jrßes Wasser ‘Hochwasser’ Wb-Ak 81; b dui greot Hitt döst ’n bannich SA-Dä; ... de grötste Prahlenbarg in ganz Sleddenstidde. Wedde 1938,23; ... hadden se immer jroßen Arfolch bei de Zarbstor. Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); ... umme dat de Not nich gar te groot sien solle ... Wille 1927,XV (BLA-Be); Sprw.: Je grötter (zu 1.) et Stücke, je grötter et Glücke. Sprw-Harzvorld 399. – 4. ‘sehr, überaus, stark, viel’,  bannig, in Verbdg. mit einer Negation: ‘nicht viel, wenig, kaum’ – groot nödich hem’m Wb-Holzl 98; D is nich jrß was zu arre’m (erben). Wb-Ak 81. – 5. ‘sehr aufwändig, großartig, wirkungsvoll, auf große Wirkung zielend’ – dai Kinndoip wd greot fat (gefeiert) SA-Dä; Rda.: ’s jrße Wort fr’n ‘tonangebend sein’ Wb-Ak 81; Sprw.: in de Br (Börde) hemm’se grete Wr (Worte) HA-Oh. – 6a. ‘bedeutend, gewichtig’ – ... weile in Große Paschlemn die jretzte Sähnswurrigkeet harre, nämlich anne Inschrift. Wäschke 61915,13; Rda.: dat is keine grete Sache nich ‘das ist leicht zu bewerkstelligen’ HA-Oh. – 6b. ‘sozial höher gestellt, angesehen, vornehm, wohlhabend, mächtig’ – grte lde Wb-Nharz 65; grote Buern Sprw-Börde; ... un behannele öhm als’n groten Harrn. Rauch 1929,87. – 7. ‘wesentlich, hauptsächlich’ – Verbdg.: in greten Ganzen HA-Oh.
Lautf., Gram.: gro(o)t, j-, [grt], [jrt] verstr. ö/s nwaltm., SA-Kal, vereinz. s GA (n der Ohre), verbr. mittlere/ö Altm. n/mittleres JE2 mbrdb. elbostf.; groß, j-, [grs], [jrs] vereinz. s ZE, BE-Gü, verbr. omd.; gret, grt HA-Oh, WE-Wa; groat SA-Kun, vereinz. nw OST ö GA (n der Ohre); grout, [grout] OST-Meß Schön, vereinz. sw GA (n der Ohre), STE-Ho, Matthies 1912,30 (STE-Que), CALV-Uth Zo; groaut SA-Ra, vereinz. mittleres/s GA (n der Ohre); graut, j-, [graut], [jraut] verbr. w Altm. (nach S hin abnehmend); [raut] vereinz. mittleres SA; gruot OSCH-Di; gruet, j- WE-Rok, Mda-Ro; [jrs] Mda-Fuhne 20 und 79 (vereinz. sw KÖ, KÖ-Me, DE-Ca Que – ältere Generation); [greot] verbr. nwaltm.; Kompar.:gröter Matthies 1912,29 und 30 (SA-NFe, OST-GrRo); jreeßer, [jrsr] Mda-Ze (ZE-Roß), Richter o.J. 5; grötter-, j- Bewohner-Altm 1,332, JE2-Gü, verstr. n/w elbostf.; gretter, j-, [jretr] verstr. ZE mittleres/ö/s elbostf.; jresser, jreszer, [jresr] ZE-Roß, Mda-Sti 37, Wb-Ak 81; Superl.: jreeßt-, [jrst-] Mda-Ze (ZE-Roß), Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze); gröt(t)st-, j-, [grötst-] SA-Dä, vereinz. nbrdb., verstr. n/w elbostf.; gröttest- vereinz. mittleres/sw elbostf.; gret(t)st-, gretzt-, j-, [jretst-] verstr. ZE, Sprw-Börde, Wb-Nharz 65, Mda-Sti 37, Wb-Ak 81, Wäschke 61915,13; jrest- Wb-Ak 81.