Kwel f. 1. ‘Los’ 2: Wb-Altm 98. – 2a. ‘Anteil von bestimmter Größe an Ackerland und an Bäumen (bzw. Holz)’, urspr. ‘zugeloster Anteil’, bes. an Flurstücken, 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 98, JE2-Gü Scho, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: verbr. anhalt. – wo hatter denn eire Kawwel? ZE-Roß; in hist. Belegen: Were ok dat de prister sine Kauele des holtes verkopen wolde so scholde he de Kauele nemende vorkopen wan eyneme bure de in deme Dorpe to stappenbeke … wonet. Beetzendorf 1362, Cod. dipl. Brdb. 1.5,337; Diese gemeinheit (Gemeindebesitz) ist von wiesewachs, schilfe, rore, sohl und gehecke und ist geteilt in kafelen, und itzlicher inwoner hat 1 kafel darin, … Amt Dessau und Lippehne 1547–1549, Landreg-Anhalt 1,106; häufig als FlN, auch in Zuss. (z.B. Gras-, Holz-, Kleine K., Lange K.), 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. brdb., 3: verbr. n/sö elbostf., 4: verstr. anhalt., vgl. FlN-Ma/Anhalt 65. – 2b. ‘zugeteilte Essensportion, Stück von einem Nahrungsmittel’ 2: Wb-Altm 98, Albrecht 21822 2,83, 3: Wb-Holzl 116, Rauch 1929,173, Mda-Weg 101, 4: Wb-Be – tr hat saine Kwel wek Wb-Be; Zus.: Als ehm de Sniewindsche ne handlige Speckkawel mit blos en betchen Sware anne gaw, gung hei oppen ganzen Hoff an de Stelle lang un striee da lütge Papiersnippeln ut. Rauch 1929,173.
Lautf., Gram.: Kawel, [kwl] JE2-Scho, Wb-Holzl 116, Rauch 1929,173, Mda-Weg 101; Kabel HA-Ack, Id-Queb1; [gwl] Mda-Fuhne 45 (verbr. s KÖ w DE); Kwel, [kwl] Wb-Ak 86, Wb-Be, Kaow’l, kaowlWb-Altm 98, Vk-Ask 379; Koaveln Pl. Albrecht 21822 2,83; [gwl] Mda-Fuhne 45 (verbr. BE n KÖ); [kaow] SA-Dä; [káw()l] verstr. ZE; [gawl] Mda-Fuhne 45 (verbr. ö DE); Kale JE2-Gü, [kl] Mda-Ze (ZE-Reu). Zus.: zu 2a.: Kr-.
Kerke f. 1. ‘Kirche (das Gebäude)’ allg. – De Kriche hatt’ne näe Jlocke. Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö); Wenn’s Brautpr inne Korreche jt, hl’s de Kin’ner vorre Korreche uf. Wb-Ak 95; Rda.: sau schtille w in der karche Wb-Nharz 92; De Kerk’ is keen Pogg’ (Kröte), dat se wegspring’n deiht. Ausrede säumiger Kirchgänger, Spr-Altm 83; de karche is j kein frosch, d wechhupt, in de karche kan ek k en andermal gn dass., Wb-Nharz 92; de Karche in’n darpe lten ‘etw. im vernünftigen Rahmen lassen, nicht übertreiben’ a.a.O. 92; det man immer de Korche in’t Dorf bleiwet! dass., ZE-Roß; Kirch’ mütt mitt’n in Dörp blieb’n dass., SA-Ban; dat is sau wisse, w’t men in de Kirche HA-Oh; Rätsel: Wer geit upp’n Kopp nao d’ Kerk? – der Schuhnagel, Wb-Altm 272; Wer geiht vorquer in de Kirche?– der Täufling, WO-Gu; Wer iss d’ erst in de Kerk? – der Kirchenschlüssel, Wb-Altm 272; In dem suluen Jare [1417] da wart dy kerche czu hakenstede gepucht, dar ussgenomen an golde, silbere und an cleidern als dat dy armen lude in der kirchen hatten, den schaden wy achten uff LX schok bemessche groschen. Klageschrift des Erzbischofs Günther v. Magdeburg gegen Markgraf Friedrich v. Brandenburg 1420, Cod. dipl. Brdb. 2.3,323. – 2. ‘Gottesdienst’ verbr. – de Bur und sin Frau sin no Kerch SA-Bee; än Sunndach jn w inne Krke JE2-Scho; De Korreche fenget um zne n. Wb-Ak 95; de Kerk iss t ‘der Gottesdienst ist beendet’ Wb-Altm 233; de swere Arbeit heil’n w nich t, Herr Paster, wenn dat betten Kirche nich wörre! HA-Oh; Rda.: in de karche ln ‘zum Gottesdienst läuten’ Wb-Nharz 92; under de Kerche ‘während des Gottesdienstes’ Wb-Holzl 117; Sprw.: So lang’ as se noch singen, is de Kirch non nich ut. ‘Solange ein Geschehen noch im Verlauf ist, besteht Hoffnung auf einen positiven Ausgang.’ Bewohner-Altm 1,344.
Lautf.: Kerke Mda-Ohre 343 (GA-Rä), OSCH-Ba, WE-He La; Kerk’ Wb-Altm 272, Spr-Altm 83; Kärke Id-Eilsa 70; Krk, [krk] Wb-Altm 99, Id-Altm, Mda-Ar 28, STE-Wa; [krk] JE2-Scho; [krk] SA-Hö Rie; Karke Wb-We 62 – alle unverschobenen Lautf. veralt.; Kirche, [kir] Mda-nwJe1a 43 (JE2-HSe, JE1-Pa), vereinz. n/w elbostf., Wäschke 41910,21, Richter o.J. 31; Kirch’ SA-Ban, Bewohner-Altm 1,344; [gir] vereinz. s DE; [kr] verstr. s Altm., JE2-Scho; [kr] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [k] vereinz. nwaltm., SA-Ma; Kerche, [ker]CALV-Zo, WO-HWa, verstr. HA OSCH, Sprw-Harzvorld 374, Wb-We 62, BLA-All, BA-GrAls, CA-Me; Kerch SA-Bee; Kärche Mda-Ro, krche Mda-Sti 5, [kr-] Nd-Börde § 59; [gr] KÖ-Wa; [kr] BA-Ha; Karche, [kar- ] verbr. WA, verstr. s elbostf.; [kar] QUE-Di; [kari] BLA-Be; [gar] vereinz. s DE (veralt.); Korche, [kóre] Sprw-Börde, verbr. WA, verstr. CA, Wb-Be; [k r] ZE-Roß; Korreche WA-Ost, Wb-Ak 95; Körche Lindaub o.J. 36, WE-Dar; [kur] Mda-Ze (verstr. ZE), WA-HDo, Alt-Cöthen 63; Kürche, [kür] Mda-nwJe1a 43 (verstr. nw JE1), Lieder-Ma Nr. 502 (WO-Ol, HA-Gro); Kriche, [kri] veralt. verstr. JE1, verbr. ZE. Zuss.: zu 2.: Kantor-, Nmiddags-.
Kerkensltel m. ‘Kirchenschlüssel’ 3: HA-Bee Oh – … so hebbe wy dicke nomede burscap … en dussen breff geuen, bezegelt myt unseme kerckslotel … Urkunde über Rentenverschreibung 1369, Cod. dipl. Brdb. 1.22,451.
Lautf.: Kirchenslöttel HA-Oh; Kärchen- HA-Bee.
Kermisse f. ‘Kirmes’ 3: WE-Dar, BLA-Brau, Wb-Nharz 93 (BLA-Be), 4: Mda-Sti 5, vereinz. sö KÖ sw DE – freuer wren de Wschen nich so freu emeijet w intsund, wen de junken Burschens n der Hogeisschen (ON Hohegeiß) Karemesse jungen, den brochten sei sek de Sensen erst mit un de Wetzesteine BLA-Brau. – Brauch: Die K. wurde in jedem Jahr an einem bestimmten Wochenende zwischen Erntedankfest und Totensonntag gefeiert, in benachbarten Dörfern auf versch. Wochenenden verteilt. Sie dauerte von Sonntag bis Montag, in früherer Zeit auch bis Dienstag. Vormittags ging man zum Gottesdienst, nachmittags und abends war Tanz. Den Besuchern aus den Nachbardörfern wurden Bündel mit Kuchen mitgegeben. In den Dörfern gab es versch. Kirmesverse, die von den Kindern gesungen wurden:In Riesdorf is Kermes,
da jiwwets was Koales, was Wärmes.
Wenn Kirmes ist, wenn Kirmes ist,
dann schlacht’t mein Vater ‘nen Bock,
dann tanzt meine Mutter, dann tanzt meine Mutter
da wackelt der ganze Rock.
Hier im Dorfe ist Kirmes,
da gibts was Kaltes, was Warmes,
da gibt’s ein Gläschen Wein und Bier
und ein freies Nachtquartier.
Serimunt 1929 Nr. 63.
– hist. ‘jährliche Messe zum Gedächtniss der Stiftung eines Gotteshauses’, erst später auch ‘der an diesem Tage abgehaltene Jahrmarkt’, vgl. HWb-Mnd 2,547: zcu Sandow in dem daghe, alze da kermesse was 1416 Magdeburger Schadensrechnung 1420, Cod. dipl. Brdb. 2.3,286; Uff Martini gipt das haus Dessaw oder die herschaft alle jar jerlich den kirchendienern, brawern, fischern und ackerleuten zu Dessaw ufm schlos ein kirmeßmalzeit … Amt Dessau und Lippehne 1547–1549, Landreg-Anhalt 1,42.
Lautf.: kármisse Wb-Nharz 93; KarmesseBLA-Brau, Vk-Anhalta 195; [garmz] vereinz. sw DE; krmisse Mda-Sti 5; Kermes Serimunt 1929 Nr. 63 (KÖ-Rie); Körmes WE-Dar, Kirmes Serimunt 1929 Nr. 63. – Etym.: mnd. kerk-, kerken-, kermisse HWb-Mnd 2,547.
Ktste(r) m. ‘Kleinbauer, Besitzer eines kleinen Akkerhofes’, gehörte zu den unteren Schichten der über Ackerland verfügenden Bauern, veralt., verbr. – daomals woont’n up de ene Site vonne Dörpschtraote de Buur un up de annere Site de Kossät’n. JE2-Gü; … unse Lieseken, als grote Ackermannsdochter, kann doch keinen Kotzäter frien! Rauch 1925,43; Vetter Bethenär war an kleener Kossäte in Jroße Paschlemn, un wie die Kossäten dunnemals alle, hadde seine Arweet von friehmorjens bes an’n schpäten Amnt. Wäschke 41920,45; … erlaven … den Buren tho Rybow, houneren und kotseteren, dat se und ein jewelck mogen ewichlikken holthauwen tho nodtorfft … Urkunde des Markgrafen Otto, Salzwedel 1369, Cod. dipl. Brdb. 1.14,151; Item sie gehen 1 tagk zu hovedinst ufn tamb zu Dessaw zur bete … Uber allem disem hovedinst gipt man den kosseteren essen und trincken … Groß Kühnau, Amt Dessau und Lippehne 1547–49, Landreg-Anhalt 1,95. – Urspr. aus dem Landarbeiterstand stammend, waren die K. zu Besitz gekommen. Sie konnten über eine  1Kte 1a. mit einem kleinen Stück (Garten-)Land unmittelbar am Haus verfügen. Da sie außerhalb des Gemeindeeigentums standen, musste ihr Ackerstück umfriedet sein, von der Nutzung der Allmende waren sie ausgeschlossen. Allmählich gelang es ihnen, ihren Besitz zu vergrößern oder Pachtland zu erwerben. Da sie zunächst keine Pferde halten durften, hatten sie nur Hand- und keine Spanndienste zu leisten. In der sozialen Hierarchie des Dorfes blieben sie streng von den Bauern geschieden, obwohl sie in vielen Orten zahlenmäßig die stärkste Gruppe bildeten. Allerdings stellten sie auf Grund der unterschiedlichen Größe ihres Ackerlandes und ihres Viehbesitzes keine homogene Schicht dar. Ein Teil von ihnen konnte nicht allein von der Landwirtschaft leben, so dass sie daneben handwerkliche Tätigkeiten ausübten oder sich als Tagelöhner verdingten. Vk-Altm 50f., Knechte-nwAltm 5, Bauer-Börde 298, Spr-Elbe/Saale 163ff.  in der Zentrale wurden Kleinbauern versch. sozialer Stellung zusammengefasst: Anber Bdner Ber Grundsitzer Hsler Kzer Kleinber 2Kter 1Ktjer Ktmann Ktner Ktstenber Prdektjer Pommker Schrwarker Stückenkter; scherzh., abw.: Bollenpropper Buttjer Dtmker Hackenbter Japper Kleinkrpler Klepperbauer Kltjer Knöddjer K-balg Kbatz Kbatzer Kber Kbuttjer Kbützel Kkl-ter Kktjer Kktster Kkuttenklatscher Kprtjer Kqutjer Kschtenpattjer Ktjacker Krauter Krödeler Krpler Kuhklacker Kuhklepper Kuhscheißenbauer Kuhschuster Kuhzipfel Pattjacker Pker Psinger Prtjer Puttjacker Qutjer Sandmann Zickenber.
Lautf.: Ktster, -ster vereinz. nw elbostf.; Kotzäte WO-GrAm; Ko(ot)zäter, Ko(ot)zeter WO-Col Me, verstr. n elbostf.; Kotsitter OSCH-Huy; [kltstr] Beiträge-Nd 65 (WO-HWa); Ktsasse vereinz. sw elbostf.; Ktsass BLA-Ben Wie; Kautsäter Wb-Holzl 125 (WA-Dom); KossteOST-Sto, GA-Sche Vi Wa, WO-Zi, vereinz. s JE2, verbr. JE1 ZE, WE-Il, CA-Bie Pö, Wb-Ak 96, Wäschke 41920,45; Kosst, [kost] WO-Be, Mda-nwJe1b 66 (JE2-HSe, verstr. nw JE1), JE1-Schor, HA-Som; Kossäter, Kosseter WO-HWa, OSCH-Ad, WA-Alt, BA-GrAls, vereinz. n CA; [gozdr] vereinz. BE; Kossäate JE1-Ge; Kosseäte JE2-Ki, JE1-Grü; Kossate, Kosste STE-Ca, JE2-Kar, JE1-Da, ZE-We, vereinz. elbostf., CA-Sa, Wb-Be; [gozd], [gozd] vereinz. BE; Kossat, Kosst SA-Pü, verstr. Altm., JE2-Alt, JE1-Mö Sche Zep, verstr. elbostf., vereinz. s CA; [gozd], [gozd] vereinz. BE; [kst] HA-Uep; Kossart GA-Ro; Kossut CA-Bo; Kussate OSCH-Krop; [gozdr] BE-Fr HErx; Koster, Kostä, Kosta verstr. nwaltm., verbr. Altm., JE2-Reh; Kooster, KaosterSA-Stör, OST-Neu, STE-Ri, CALV-Zo; Kö- ster vereinz. s nwaltm., OST-GrBa; Kosser verstr. nö OST; Kossert WE-Si; Kotzer verbr. n/mittleres JE2, JE2-Fie; Kootze JE2-Kl; Kootzer JE2-Kl; Kothser Id-Altm. – Etym.: Wort brabantischer Herkunft *cotsete > cossete , eigentlich ‘Insasse einer Kote, einer kleinen Hütte’, damit wurden hörige Landarbeiter bezeichnet, die über ein kleines Haus und ein Stück Land verfügten, durch die Siedler zunächst im brdb. Sprachraum verbreitet, verdrängt schließlich nach der Eingliederung der magdeburgischen Gebiete in den brdb. Staat durch die Verwendung in der Verwaltungssprache auch im elbostf. Gebietdie einheimischen  2Kter, 1Ktjer; die Formen Koster, Kotzer durch Akzent auf dem ersten Glied entstanden, vgl. Spr-Elbe/ Saale 163ff. und 288f., Teuchert 21972,306ff. Zus.: K-.
2Lke f. 1. ‘Pfütze, kleine Ansammlung von Flüssigkeit’ 2: ZE-Roß, 3: Wb-We 78, 4: vereinz. anhalt. – der Hund hat wedder ne Lache in de Kiche jemacht ZE-Roß. – 2. ‘stehendes Gewässer, Tümpel, Seitenarm eines Flusses’,  Dk, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – 3. ‘feuchte Niederung, sumpfiges Wiesen- und Weideland, Sumpf’,  Brk, 2: Wb-Altm 124, verbr. JE2 JE1, 3: Wb-Holzl 132, 4: DE-Kle; 2. und 3.häufig in FlN, vgl. Stud-Elbostf 45f. – by der lutteken Lake (bei Heudeber) 1467, UB Kloster Ilsenburg 2,333; II stucke op der Bernelake (bei Jerchel) Urkunde 1488, Cod. dipl. Brdb. 1.5,471.
Lautf.: Lke verbr. JE2 JE1, vereinz. elbostf.; [lk] JE2-Scho, vereinz. elbostf.; Laok Wb-Altm 124; [lak] Mda-nwJe1b 71 (JE2-HSe, verstr. nw JE1); Lache, [lax] ZE-Roß, verbr. anhalt. Zuss.: zu 1.: Jauchenlache, Mess-.
Ngenge n. TiN ‘Fluss-Neunauge’ 2: SA-GrAp, OST-Gies, STE-Tan, JE1-Grü, ZE-Roß, 3: BLA-Ta, CA-Ca, 4: BA-Ha – Ock schal eyn yder man sin neghen oghenghelt gheuen, van den schocke eyn pf. 1467, Willkür der Fischer zu Tangermünde, Cod. dipl. Brdb. 1 16,98.
Lautf., Gram.: Nenoge BLA-Ta; Näg’nog’n Pl. STE-Tan; -ougn Pl. SA-GrAp; Nienauge BA-Ha; Neunore CA-Ca; -ohn Pl. JE1-Grü; Neinoge OST-Gies; [nain] ZE-Roß.