Latzschürze f. ‘Schürze mit  Latz 1b.’ 4: Wb-Be, Wäschke 71913,40 – … schtunt vorre Jasthofstiere an Mann … mitte blaue Latzscharze vor … Wäschke 71913,40.
Lautf.: [latortse] Wb-Be; Latzscharze Wäschke 71913,40.
Lederschlappen m., vorw. im Pl., dass. wie  Leddertuffel, 4: verstr. anhalt. – … zock sichs neie Kleed an, neie Schtrimpe un janz neie Ledderschlappen un junk fort. Wäschke 71913,44.
Lautf.: Ledderschlappen; außerdem: -schlapp’m, Lesser- [-z-] Wb-Ak 106.
Lödderitz ON – in der Verbdg.: Ledderitz, Ledderitz, Patzetz (ON) ein Tanz, 4: Wäschke 71913,43.  Dornhacker.
Lder n. 1. ‘Tierkadaver, Aas’ 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 173. – 2. Fluch, 3: Wb-We 83. – 3a. ‘durchtriebener, niederträchtiger, nicht vertrauenswürdiger Mensch’, Schimpfwort,  s, 2: ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – s a les Llor DE-Ca. – 3b. Kosewort, bes. für Frauen und Kinder, 3: vereinz. elbostf. – mien lüttje Luder HA-Bee. – 3c. ‘bedauernswerter Mensch’ 3: HA-Oh, 4: vereinz. anhalt. – … an armes Luder warsche o, se hadde nichema an Mann jekricht … Wäschke 71913,49; Sprw.: Wr sich nischt arheirt un nischt ararwet (ererbt), dr bleiwet an armes Lder, bis dasse starwet. Wb-Ak 108. – 4. ‘Ruhebett’ – Vers:En Moondach iß’n Sonndach sien Bruder,
Dienstach liet’n int Lud’r, …
, 3: Lieder-Ma Nr. 831 (CA-
Schö).
Lautf.: Lud(e)r, [ldr]; außerdem: [llr] Mda-Fuhne 32 (DE-Ca). Zuss.: zu 3.: Jachter-, Kätsch-, Kau-, Lügen-.
Maie f. 1. ‘junge Birke oder Birkengrün’, bes. als Festschmuck zu Pfingsten verwendet, 1: SA-Lag Pü, 2: verstr. Altm., ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mor hann  ne Maie forr de Dre DE-Ca – Brauch: Am Tag vor Pfingsten fuhren die Burschen des Ortes mit mehreren Wagen in den Wald, um M. zu schlagen. Unter dem Jubel der Bewohner zogen sie wieder ins Dorf ein und verteilten die Zweige unter den Hausbesitzern, die dafür ein geringes Entgeld zu entrichten hatten. Vk-Anhalta 230 (DE-Que). Die jungen Männer stellten eine M. vor das Fenster ihrer Geliebten auf: Die Maien pflanzen se denn vor ihre Breitchens (Bräuten) ihre Tiere (Tür). Wäschke 71913,71, vgl. Maienstken. Wo Birken nicht vorhanden waren, konnten auch Pappeln genommen werden. Vk-Anhalta 229 (BA-Ho, KÖ-KlPa). Mit den M. wurden nicht nur Privathäuser und Ställe, sondern auch öffentliche Gebäude, vor allem Kirchen, geschmückt. Wb-Altm 136, Vk-Anhalta 230. Auch zu anderen Anlässen wie zur Konfirmation (Mda-Sti 174), zu Sommerfesten von Vereinen (Brauch-wAltm 58) oder bei Umzügen (Vk-Anhalta 231) verwendete man M. als Schmuck. – Volksgl.: In die Wohnstube wurden M. gestellt, um das Haus vor Blitzschlag zu schützen. Brauch-wAltm 58. Zur Vertreibung von Raupen und anderem Ungeziefer trug man in Würflau eine bereits verwelkte Maie um ein Kohlfeld. Ackerbau-Anhalt 306, Vk-Anhalta 231. Aufbewahrte M. wurden später beim Rösten auf den Flachs gelegt, damit dieser fester würde. Bewohner-Altm 254. – 2. dass. wie  Maibm 1., 4: Vk-Anhalta 230. – 3. in der Verbdg.: le Maie Schimpfwort, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Maie, Meie, [mai]; außerdem: Mai HA-Bee Oh, OSCH-Di; Maien, Meien, [main] Pl. SA-GrGe, Id-Queb 10, Wäschke 71913,71; Mei’n Pl. Wb-Altm 136; [main] Pl. SA-Pü; maije Wb-Nharz 121, Mda-Sti 174. Zus.: zu 1.: Kltermai.
mitmken Vb. 1. ‘an etw. teilnehmen, sich beteiligen’ 2: ZE-Roß, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 126, 4: Wb-Be, Wäschke 71913,4 – wutte nich middemken? HA-Oh. – 2. dass. wie  mitfren 2.Ich mache mit n Ttschen (ON Dečin). 4: Wb-Ak 115.
Lautf.: mitmachen Wb-Ak 115, Wäschke 71913,4; [mitman] Wb-Be; metmken Wb-Nharz 126; -machen ZE-Roß; middemken HA-Oh; medde- Wb-Nharz 126.
Mme f. 1. Verwandtschaftsbezeichnung, z.T. veralt. – a. ‘Tante’ 2: vereinz. Altm., 3: Wb-Holzl 143, 4: Wb-Be – Sprw.: Mus un Mohm’! Katt frätt s’ bei’. ‘Der Tod macht keinen Unterschied.’ Bewohner-Altm 1,351; Reim: wat forrtellen fonn de Mume Rellen Wb-Holzl 143. – b. ‘Mutter’ 2: Wb-Altm 139, Beiträge-Altm 1,147, 3: Wb-We 88. – c. ‘Großmutter’,  Grtmudder, 3: Sprw-Börde, Wb-Nharz 124, QUE-Su – de Muhme hätt eren Enkel obn Schot QUE-Su; Reim: de rinne (Brotrinde) hrt’n (gehört dem) kinne, de kraume hrt’r maume Wb-Nharz 124. – 2a. ‘ältere Frau’, auch allg. ‘Frau’, bes. in der Anrede, 2: Beiträge-Altm 1,147, JE2-Scho, 3: Id-Eilsa 78, WA-Ste, 4: vereinz. anhalt. – de olle Mme Schultn’n het hte Jebatsdach JE2-Scho; Mme Bom’m km inne Schummerstun’ne immer rewwer un vorzlte was. Wb-Ak 113; Ich bin de Miehme Wewern von Peilendorf, Fritze Wewern seine Frau. Wäschke 61920,21; Kinderreim:Mieme Piepersche, Mieme Piepersche
keep mick ein Kleed, Kleed, Kleed, Kleed.
Ausdeutung des
Rufs der Lerche, WA-Ste.
– 2b. in der Verbdg.: Mme Sse ‘träge, langsame Frau’,  Trntte, 2: ZE-Roß, 3: Id-Eilsa 79, Wäschke 71913,43 – Mensch, bist du ne Mumesuse, da kann je eener auswachsen dorrweile ZE-Roß; Tanzreim: Mummesuse, leckeduse, hast anne Parn’ (Birne) in deine Ficke (Tasche), lankse doch mant eema raus. Wäschke 71913,43. – 3. ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 2: Vk-Anhaltb 47 (ZE-Cos), 3: a.a.O. 46 (BE-Gü) – Volksgl.: Das Wogen des Getreides im Wind wird als Wiegebewegung der M. (BE-Gü) oder als Ausstreuung von Sand durch die M. (ZE-Cos) gedeutet. Vk-Anhaltb 47.
Lautf.: [mm] JE2-Scho; Mohm’ Bewohner-Altm 1,351; Mm Wb-Altm 139; Moehne Id-Altm; Mn Wb-Altm 139, Möhn Beiträge-Altm 1,147; Maume, maume Sprw-Börde, Id-Eilsa 78, Wb-Nharz 124; Meune Wb-We 88; Mu(h)me, mme Vk-Anhaltb 47 (ZE-Cos), Wb-Holzl 143, vereinz. s elbostf., Wb-Be; Mühmken Dim. Beiträge-Altm 1,146; Miehme, Mme WA-Ste, vereinz. anhalt., mme Wb-Nharz 124 (QUE-Asch); Verbdg.: Mume Suse Id-Eilsa 79, Mumesuse ZE-Roß; Mummesuse Wäschke 71913,43. Zuss.: zu 2.: Kindermuhme, Lgen-, Nölmuhme; zu 3.: Krn-.
nmiddags Adv. ‘am Nachmittag’ 1: SA-Dä, 3: HA-Eim Oh, 4: Wäschke 71913,1.
Lautf.: nmidds, Nahmiddas HA-Bee Oh, Wäschke 71913,1; -meds HA-Oh; [naomiras] SA-Dä; nommeds HA-Oh.
nstoppeln Vb. ‘die nach der Ernte liegen gebliebenen Feldfrüchte aufsammeln’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: QUE-Di, BE-Gü, 4: Wb-Be, Wäschke 71913,29.
Lautf.: naschtoppeln BE-Gü, Wäschke 71913,29; [ntopln] Wb-Be; [-stepln] QUE-Di; [natop] Mda-Ze (verstr. ZE).
nicht allg. 1. Adv. eine Verneinung ausdrückend – nich veel WE-Sa; hemm wie nich OST-Los; lat mick nich in Stich HA-Bee; dat heff ik mn Laifdach noch nich sain SA-Dä; Das schadt doch niche! Wäschke 71913,4; ek hewwe’t ne forbn, d nich hen te gn Wb-Nharz 134; mit doppelter Verneinung: kn Brt nich Wb-Altm 146; dor had g Haus nich DE-Ca; Wenn denn och Krischan kane Nummer nich hat Spr-Asch 36. – 2. Pt. – a. zur Bekräftigung bei vergewissernden Entscheidungsfragen – is dne Mudder nich te Hs? HA-Oh; soste nich hen kommen? Wb-Nharz 134; ich hawwe Hungor, hennich (nicht wahr) d jiwwesd mich anne Bumme (bestrichene Brotscheibe)? Mda-Fuhne 152 (DE-Ca). – b. zur Bekräftigung oder Verstärkung in Ausrufen – watte nich sechst Wb-Nharz 134.
Lautf.: nicht SA-Ra, Wb-We* 228; nich, [ni] verbr.; niche, [ni] (bes. in Endstellung) Mda-sJe1 7 (verstr. s JE1), ZE-Roß, verstr. mittleres/s elbostf., vereinz. anhalt.; nch(e) Wb-Nharz 134 (WE-Elb); Verbdg.: [heni] Mda-Fuhne 152 (verstr. w/mittleres anhalt., bes. ältere Generation); hinnich, [hini] vereinz. mittleres anhalt.