Kunkelfse f. 1. Pl. ‘Ausflüchte, Ausreden, Verdrehungen der Wahrheit’ 2: Wb-Altm 120, 3: Wb-We 77, Wb-Nharz 111, Id-Queb 8 – Kunkelfsien mken Wb-We 77. – 2. Rätselwort, bes. im Rätsel vom Bienenstock, -korb, 3: Lieder-Ma Nr. 418 (HA-Hak), vereinz. s elbostf. – Rätsel:Hinner unsen Huse,
da stäht enne Konkefuse,
da schieten se rin
un denn titschen se met den lieben Brode rin.
BA-Ba.
Lautf., Gram.: kunkelfuse Id-Queb 8; Kunkelfus’n Pl. Wb-Altm 120; -fusie Wb-We 77, Wb-Nharz 111; -fusigen Pl. Id-Queb 8; Nbff.: Kunk’l-Kuuse Lieder-Ma Nr. 418 (HA-Hak); Konkefuse BA-Ba.
Landwr f. 1. ‘aus Graben und Wall bestehende Verteidigungsanlage’, z.T. als FlN, 2: Wb-Altm* 61, FlN-Jeb 284 – … twisschen der landwere … unde dem Schindeleke 1425, UB Wernigerode 336. – 2. ‘militärische Einheit aus wehrfähigen Reservisten’, veralt., 3: vereinz. elbostf. – Tanzreim:Rietsch, Mutt’r, dai Landwehr kümmt,
Se piepet noch, sai trummelt noch.
Rietsch, Mutt’r, dai Landwehr kümmt.
Lieder-Ma Nr. 985
(WO-Ol).
Lautf.: Landwehr; außerdem: -wär Wb-Altm* 61; -wer HA-Oh.
Lappe(n) m., f. 1. ‘(minderwertiges) kleines Stück Stoff’, bes. ‘Tuch für einen bestimmten Zweck’, auch ‘altes, schlechtes Kleidungsstück’,  Lumpe(n), 2: Bewohner-Altm 2,90, OST-Werb, verbr. mbrdb., 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – ich hawwe mich in Finger jeschnitt’n, mache mich doch m an Lapp’m drum! Wb-Ak 102; Rda.: dörch de Lappen gahn ‘sich entgehen lassen, verlieren’ Sprw-Harzvorld 399; op de lappen (Fußlappen) trn (treten) ‘energisch auftreten’ Wb-Nharz 114; dat kummet fon Lappen in’n Plünnen ‘das bleibt sich gleich’ Sprw-Eils 39. – 2. in der Verbdg.: n’ blauen Lappen ‘Hundertmarkschein’ 3: HA-Oh. – 3a. ‘Augenlid’, nur im Rätsel, 2: OST-GrRo, Lieder-Ma Nr. 429 (WO-Ri) – Rätsel:Zwee rauhe Lappen,
De tosamme klapp’n,
Ringsum mit Hoarn bewus’n,
Inwendig löppt doa Woat’r ruut.
Lieder-Ma Nr. 429 (WO-
Ri).
– 3b. Pl., nur in der Rda.: nen wat up de Lappen gwen ‘jmdm. tüchtig die Meinung sagen’ 2: Bewohner-Altm 1,348, 3: Wb-Nharz 114. – 4. ‘in Stücke geschnittener, gekochter Weißkohl’ 4: Mda-Fuhne 162 (verstr. n/w anhalt.).  TZ: Langkl Lappenkl Ltschenkl.
Lautf., Gram.: Lappen m./Pl. vereinz. Altm., verstr. elbostf.; Lapp’m, [lap] ZE-Roß, verstr. anhalt.; [lab] vereinz. anhalt.; lppen Mda-Sti 13; Lappe f. verbr. mbrdb., vereinz. ö elbostf., Wb-Nharz 114. Zuss.: zu 1.: Kopper-, Kopp-, Nutsch-; sonstiges: Jammer-, Kl-, Klebe-.
2leddern Adj. ‘aus Leder’ 2: Wb-Altm 125, Lieder-Ma Nr. 430 (WO-Ri), 3: verstr. elbostf. – ne lern Hese ‘Lederhose’ HA-Oh; ‘n leddern Emmer ‘Eimer für Löschwasser’ HA-Bee; subst.: leddrn Pl.dass., Vk-Ask 76.
Lautf.: ledd(e)rn; außerdem: lern HA-Oh.
lische-lasche Interj., nur in Reimen, 3: Lieder-Ma Nr. 520 und 521 (vereinz. elbostf.) – Abzählreim:Eins, zwei, drei,
Lische, lasche, lei,
Enneken, Benneken, tropp!
Peter, lernste noch?
Ja, eck leere noch.
Wurum sellt wei wedden?
Um ‘ne silberne Kedde,
Um en Gläschen Wien.
Peter, du sast abe sien.
Lieder-Ma Nr. 520 (WE-We).
Lder n. 1. ‘Tierkadaver, Aas’ 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 173. – 2. Fluch, 3: Wb-We 83. – 3a. ‘durchtriebener, niederträchtiger, nicht vertrauenswürdiger Mensch’, Schimpfwort,  s, 2: ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – s a les Llor DE-Ca. – 3b. Kosewort, bes. für Frauen und Kinder, 3: vereinz. elbostf. – mien lüttje Luder HA-Bee. – 3c. ‘bedauernswerter Mensch’ 3: HA-Oh, 4: vereinz. anhalt. – … an armes Luder warsche o, se hadde nichema an Mann jekricht … Wäschke 71913,49; Sprw.: Wr sich nischt arheirt un nischt ararwet (ererbt), dr bleiwet an armes Lder, bis dasse starwet. Wb-Ak 108. – 4. ‘Ruhebett’ – Vers:En Moondach iß’n Sonndach sien Bruder,
Dienstach liet’n int Lud’r, …
, 3: Lieder-Ma Nr. 831 (CA-
Schö).
Lautf.: Lud(e)r, [ldr]; außerdem: [llr] Mda-Fuhne 32 (DE-Ca). Zuss.: zu 3.: Jachter-, Kätsch-, Kau-, Lügen-.
Lke f. 1. ‘durch Klappen oder Läden verschließbare Öffnung’, bes. in Gebäuden, verbr. – a. ‘Fensteröffnung im Dach’, von Wohnhäusern, Ställen und Scheunen, auch ‘Dachvorbau’ – mache m de Lauge uff DE-Ca; Rda.: Kickst du ut de Luk? ‘So ist es gemeint.’ Bewohner-Altm 1,348; Tanzlied:Kiek uut’e Luuke! Iss de Luft noch rain?
Morjen will’ wie lustig sein,
Wenn de Hund mit de Wosst oowr’n Eckstain springt,
Trudiderallalla,
De Katte vor Angest opm Füerheerd schitt,
Trudiderallalla!
Lieder-Ma Nr. 978 (WO-Ol).
– b. ‘Öffnung in der Wand’, bes. Zugang zum Dachboden des Wohnhauses oder der Scheune – dai Liuk is bannich heoch SA-Dä; jebb mich ma’t Hei dorch de Luke rinn ZE-Roß; Rätsel: in Sommer fritt’t op, in Winter spuckt ut – die Luke in der Scheune, GA-Ge. – c. ‘Lade- öffnung auf Kähnen mit flachem Deck’, auch ‘Falltür zur Kajüte der Mannschaft’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 153 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 153 (CA-Ak). – 2. ‘Mund’,  1Ml – Rda.: Make de Luke tau, et komm’n Flejn ran. 3: Spr-Asch 48. – 3. ‘Klappe, Laden, mit dem eine Öffnung verschlossen wird’, bes. ‘Fensterladen’ 2: Wb-Altm 129, JE2-Scho, 3: OSCH-Di – met jrne Far (Farbe) sünd de Lkng schtrkng JE2-Scho.
Lautf.: Luke; außerdem: Lk verbr. nwaltm. Altm.; [luük] SA-Die; [liuk] verstr. w nwaltm.; Lauke vereinz. anhalt.; [laug] Mda-Fuhne 21 (DE-Ca).
Ls f. 1. TiN ‘Laus’ verbr. – hei hat’n ganzen Kopp full Lse HA-Oh; Rda.: Die hem Liese wie Sand ahn Meere.Vk-Harz 3,46; Hei hät keen Lus’, de Lus’ hämm äm. Bewohner-Altm 1,348; häst k Ls’ oder schuppst di man so? zu einem Prahler, Wb-Altm 207; hat Luse opejrepen ‘glaubt Unmögliches’ Sprw-Börde; Em is’n Lus öäwer de Läb’r kroch’n. ‘Er ist missgelaunt, verdrießlich.’ Spr-Altm 78; hei itt als wenne Lüse kaut ‘er isst langsam’ Sprw-Eils 39; sich anne Laus in Pels setzen ‘sich Unannehmlichkeiten bereiten’ Wb-Ak 103; sett’n Haut up, dne Lse forrküllt sik HA-Oh; De is bang, dät sien Lus’ Snopen (Schnupfen) krieg’n. von jmdm., der seinen Hut ständig aufbehält, Bewohner-Altm 1,348; besser ne Lus in Potte, wie gar kein Fleisch Sprw-Börde; allens wat better is as n Lus, dat nähm ick mät na Hus von einem sparsamen Menschen, STE-Schi; hei sitt wie dä Luus in Schorwe ‘ihm geht es sehr gut, er ist in einer guten Position’ OSCH-Ba; den freten de Luse de Ohrn von Koppe ‘er hat viele Menschen zu ernähren’ Sprw-Börde; Sprw.: wenn de ls t’n schorwe is, het se wedder prot ‘hat man Schwierigkeiten überwunden, wird man wieder übermütig’ Wb-Nharz 120; wenn ut ne Nete ne Luus werd, denn fänget se an te biten Wb-Holzl 137; Rätsel: Wat gaiht groad opp’n Hoar as de Uhr? – die Laus, Lieder-Ma Nr. 421 (WO-Ol);Opp’n Kopp – Treppopp,
Hind’re Ohr’n – noa Boor’n,
In’n Nack’n – noa Kack’n?
– Laus, a.a.O. Nr. 420 (WO-Ol).
– 2. Pl. ‘auseinandergefaserte, zerrissene Drähte eines Drahttaus’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 255 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 255 (CA-Ak).
Lautf.: Luus, Ls; außerdem: [lius] SA-Dä; Laus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Lüse Elbschifferspr. 255 (JE2-Pa), vereinz. HA OSCH WE; Lüs’ verstr. Altm., JE2-Scho; LieseVk-Harz 3,46, Wb-Nharz 120, Mda-Sti 34; Luse, [lz] Elbschifferspr. 255 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi), JE2-Scho, ZE-Göd, Sprw-Börde, WA-Un; Lus Bewohner-Altm 1,348; Leise, [laiz] ZE-Roß, verstr. anhalt. Zus.: zu 1.: Handlangerlse.
Luther FN, mit Bezug auf den Reformator Martin Luther in dem Reim:Dokter Luther,
Schluk seine Mutter,
Mitten Besen
Bis nao Dresen,
Mitte Schnalle,
Bis nao Halle,
(Mitte Maus,
Bis nao Haus,
Mitten Hammer
In de Speisekammer).
4: Lieder-Ma Nr. 921 (anhalt.).
Magd f. 1. ‘Dienstmädchen, Landarbeiterin in einer Bauernwirtschaft’ verbr. – d Mut dnt bain Ban JE2-Scho; dor had drai Gnechde un anne Md DE-Ca; ik will mik an Maocht main’n (mieten) SA-Dä; de Mäde un Knechte bleimn oo nich heeme Alt-Cöthen 60; de Moacht steiht an Heerd SA-Bee; Sprw.: Gode Magd werd gode Fru. Spr-Altm 14; Lied:Wat ick daue, dat is Recht,
Du bist Maot, un ick bin Knecht.
Lieder-Ma Nr. 770 (WO-
Ol);
Hans Wardenberch het bekant Annen, syner maghet, ore lon unde eyn pyltz, to betalen … 1472, StB-Neuhaldenslebena 96. – Eine Rangfolge unter den M. ergab sich aus dem Dienstalter: Grote Maat ‘die dienstälteste M.’, Lüttje Maat ‘die jüngste M.’ Wb-Holzl 139. Zu den Aufgaben, die eine M. zu erledigen hatte, gehörten das Melken der Kühe, die Versorgung des Viehs, Feldarbeiten wie hacken, jäten, Mist streuen, dreschen und Hausarbeiten wie abwaschen, stopfen oder weben. Knechte-nwAltm 24ff. – Brauch, Volksgl.: Um die neue M. an den Dienst zu gewöhnen (SA) und um ihr die Zeit nicht lang werden zu lassen (ZE-Rie), bestand die erste Aufgabe nach Dienstantritt darin, eine Tracht Wasser zu holen. Zugleich sollte damit bewirkt werden, dass sie die neue Stellung nicht vorzeitig verlässt (KÖ-Tre). Dies galt ebenso für den Brauch, sie dreimal um den Herd zu jagen (SA, anhalt.). Die Berührung des Herdes sicherte ihr zudem die Gunst des darin wohnenden Kobolds (anhalt.). Gebräuche-Altm 1840,93 (SA), Vk-Anhalta 35.  Dnstmagd Dnstmken Drn Mken 1Metze; scherzh., abw.: Dnstbolten Dnstklter Dienstspritze Sprütte. – 2. ‘Mädchen, junge Frau’,  Drn, 3: Wb-We 85. – 3. ‘Tochter’ 3: Wb-We 85.
Lautf.: Magd vereinz.; Maogd vereinz. SA; [mt] HA-NHa; [md] vereinz. BE; Moacht, [mt] vereinz. mittleres/sö nwaltm., verbr. mittlere/ö Altm., WO-HWa; [md] vereinz. BE; [maot] vereinz. nw/mittleres nwaltm.; Mocht, [mxt] SA-Rist, JE1-Pre; Mget Rauch 1929,23, WO-GrAm, Wb-We 85; [mgt] Mda-Ma 67 (JE1-Ran); [mgd] CALV-Uth Zo; [md] WO-Col Mei; Morit JE1-Pre; [mvt] Mda-Ma 67 (JE1-Ran); Mohet Firmenich o.J. 169 (CA-Bie); Met Wb-We 85; [mut], [mt] STE-Je KlSchwa, Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa), JE2-Scho; [mod] verstr. STE; [mat] Mda-Ze (ZE-Gro); [mud] WO-Zi; [mud] WO-Zie; Ma(a)d, Ma(a)t, [md], [mt] Kredel 1929,19, verstr. OST, STE-Ro, verstr. mittleres/s JE2 JE1 ZE, vereinz. elbostf., Mda-Sti 38, Wäschke 61920,40, Lieder-Ma Nr. 1021 (DE); Maot, [mt], [md] JE2-Wa, ZE-Buk Kö Roß, vereinz. s WO, verstr. anhalt.; Mt Wb-We 85. – Gram.: Pl.: [md] BE-Nie Scha; [mt] STE-Sa, vereinz. WO; [mt] SA-Rist; [mit] STE-Je; [mit] vereinz. STE; Mäde, [md] Mda-Ma 67 (vereinz. sö JE1 nö CA), ZE-Göd, vereinz. KÖ, DE-Or; [md] BE-Am Gier Il; [mr] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); [ml] a.a.O. (ZE-Gro), DE-Ca; [mz] DE-Els. Zuss.: zu 1.: Handsch-, Klein-, K-.