drgen Vb. verbr. 1. ‘etw. halten und mit sich fortbewegen, irgendwohin bringen’, auch übertr. von abstrakten Dingen – Essen drn ‘das Mittagbrot zur Arbeitsstätte des Vaters tragen’ ZE-Roß; Dröjjt ne nah Hus ... Gorges 1938,93; Track se fix heme bei de Mutter ... Heese 21919,93; So unnern Arm to draogen ... Ehlies 1960a 79; ik kann seo schwaoa nich draogng SA-Dä; Die truks nu inne kleene Schtowwe ufn Omn ... Wäschke 61915,42; Rda.: draach kaine Bange ‘habe keine Angst’ Wb-Holzl 78; sek met wat drn ‘eine Sorge unausgesprochen mit sich herumtragen’ Wb-Nharz 45. – 2. ‘eine bestimmte Last aushalten können’ – de Brüjje drecht HA-Oh; dat prt drecht Wb-Nharz 45. – 3. ‘mit etw. Bestimmtem bekleidet sein’ – ... denn drochten se noch schene blawe Kittels ... Vk-Harz 8,31; ... unn truhk en janz neien Anzuck ... Richter o.J. 124. – 4. ‘Ertrag bringen, Früchte hervorbringen’ – ... un dubbelte Frucht draut ... Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi); Unse Bme trn nonnich. Wb-Ak 172; Rda.: De Rogg hat sick md draog’n. ‘Der Roggen bringt auf Grund des wiederholten Anbaus auf derselben Ackerfläche keinen Ertrag mehr.’ Wb-Altm 138. – 5. ‘trächtig sein’. – 6. ‘betragen, ausmachen’ – dat drecht 20 Mark HA-Oh.
Lautf., Gram.: Inf.: drgen vereinz. elbostf.; trgen BLA-All, Mda-Sti 3; dra’en, dren Wb-Holzl 78, Wb-We 30; draan, [drn] Kredel 1927,11, JE2-Gü, verstr. ZE, verbr. elbostf. anhalt. (außer ö DE); tra’n, trn Wb-Ak 172, Wäschke 61915,146; dra(o)g(e)n, [drg()n] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., Mda-Ma 67 (JE1-Ran); [dr] SA-Rist; trgen Wb-Ak 172 (Schifferspr.); [drn] Nd-Börde § 51 (WO-Schn); drao(h)n, [drn] STE-Schä, ZE-Roß, OSCH-Har, QUE-Di, vereinz. w BE, Mda-Fuhne 44 (verbr. ö DE – ältere Generation, verbr. anhalt. – jüngere Generation); droan JE2-Kar, JE1-Dan; [trn] Wb-Be; [draog] SA-Dä; draw’n Bewohner-Altm 1,341; [drvn] Mda-Ma 67 (JE1-Ran); [drun] JE2-Scho; 2./3. Sg. Präs.: dröchst/dröcht, dröjjt vereinz. Altm., verstr. HA; drechst/drecht verstr. elbostf.; dreget (3. Sg.) BA-Ha; trjest/trget Mda-Sti 22; drgt (3. Sg.) BLA-Brau, CA-Fö; träst (2. Sg.) Wäschke 41920,41; drst/drt verstr. ZE; [drt] (3. Sg.) SA-Dä; draut (3. Sg.) Heimatkalender-Je 1923,99 (JE2-Fi); Imp. Sg.: [dra] QUE-Di; Track Heese 21919,93; draach, drch vereinz. w elbostf.; [dru] JE2-Scho; trk Mda-Sti 53, Wb-Ak 172; 1./3. Sg. Prät.: drog, droch Matthies 1912,26 (STE-Hü), BE-Dro; truk Mda-Sti 53; draug, drauch, [drau] verstr. elbostf.; druch Spr-Asch 16; truhk Richter o.J. 124; truks mit Enklise des Personalpron. n. Wäschke 61915,42; 1./3. Pl. Prät.: st. drögen Bewohner-Altm 2,103; draugen Wb-Holzl 78; draun Wb-Nharz 45, QUE-Di; sw.: drochten Vk-Harz 8,31; draten Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie); Part. Prät.: st.: edrgen BLA-Brau; edrn, [drn] ZE-Göd, Id-Eilsa 58, Wb-Nharz 45; [j-] Mda-Ze (ZE-Gro Stre); draog’n Wb-Altm 138; [drn] QUE-Di; sw.: [jdrt] Mda-Ze (vereinz. ZE); [drt] SA-Rist; [drut] JE2-Scho.
drängeln Vb. 1. ‘schieben und drücken, um an eine bestimmte Stelle zu gelangen’ 2: Francke 1904,56, ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – nich drengeln HA-Oh; Da lahßen sich de Leite schuppsen un drängeln ... Heese 21919,31. – 2. ‘unablässig, in lebhafter und lästiger Weise um etw. bitten’,  beddeln, 3: OSCH-KloGrö, WA-KlWa.
Lautf.: drängeln Francke 1904,56, Wb-Holzl 78, OSCH-KloGrö, vereinz. nö QUE anhalt.; drengeln vereinz. mittleres elbostf.; drengel’l, [dre] ZE-Roß, Wb-Ak 48, DE-Ca; [treln] Wb-Be.
dr Zahladj. ‘drei’ allg. – Hä zellte immer leise vorr sich hin: Eens, zwee, drei ... Heese 21919,14; ..., un dat kamm alle drei bet veir Wochen vor, ... Rauch 1929,70; ... un von dree Kinner weer bloß de öllst Jung ... an Läwen blewen. Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.); Un dee dra Jungen ... draf ich jestern ... Spr-Asch 27; Un so fuhr Karl immer drei, vier Heiser weit ... Heimatkalender-Ze 1964,89 (ZE-Ze); Rda.: Dr st aus, w wenne nich bis dreie zel’l kinne. ‘Er sieht dumm aus.’ Wb-Ak 47; Sprw.: aller gauen Dinge mott dreie sn Wb-We 30. – Volksgl.: Beeinflusst durch christliche Vorstellungen, sind viele magische Handlungen dreifach auszuführen, z.B. das Sprechen von Zauber- und Bußformeln, das Hineinwerfen von Erde ins Grab oder das Klopfen an den Tisch, um ein Berufen zu vermeiden. Vk-Anhalta 328.
Lautf.: dre(e), [dr] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. Altm., verstr. n/mittleres JE2, JE1-Grä, GA-Wie; dre-e, [dr] CALV-Zo, HA-Sa; dreeg OST-Go; treje Mda-Sti 18; dre-i SA-Mel, vereinz. s STE; dräi, [dräi] verstr. nwaltm., GA-Kli; drei, drai, [drae] verstr. nwaltm., vereinz. n/mittleres STE, verstr. s Altm. n/mittleres JE2, verbr. mbrdb. elbostf., verstr. anhalt.; dreie, draie, [drae] verstr. sö Altm. mittleres JE2, verbr. mbrdb. elbostf. omd.; dreije BA-Fro, BLA-All; draa(e) vereinz. nw WE, Spr-Asch 27, QUE-Que; [drj] QUE-Di; draje WO-Col Zie; dri veralt. HA-Bo Oh, WE-Schau; in prädikativer Stellung und beim Zählen s mbrdb., elbostf. und anhalt. häufig auf -e auslautende Formen. – Etym.: im Mnd. nebeneinander dr, dr (urspr. m., f.) und driu, dr (urspr. n.), vgl. HWb-Mnd 1,469.
dreckig Adj. 1. ‘schmutzig’,  smuddelig, verstr. – d re Kledschen wan wa dreckich JE2-Scho; De Nase blutte un dreckich jenunck sahke oh aus. Heese 21919,90. – 2. ‘trübe, unrein’, vom Wasser,  glmig, vereinz.
Lautf.: dreckig, -ich; außerdem: [dregi] vereinz. anhalt.; [drki] Mda-Ar 26.
drin Adv. 1. ‘in diesem Gegenstand/Raum, innen, innerhalb’ 2: vereinz. Altm., Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie), vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – drinne sn ‘im Haus sein’ Wb-Nharz 46; ’s heite son Sauwetter, ich bleiwe drinne. Wb-Ak 48; ... un Frieseckens woahnen ok noch drin. Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie); da kannst’e drin verspen (ertrinken) HA-Oh; ... vor jeden stund en Römer mit schönen Kümmelsnaps drinne. Wedde 1938,15; ... und da sitzen ofte bloß n paar Leite drinne ... Heese 21919,29; Rda.: da fengen zehn Katten keine Mus drin von einem durchlöcherten Sack, Sprw-Börde. – 2. ‘in dieser Sache/Angelegenheit’ – Is hierin got un darin slecht. 2: Kredel 1927,64. – 3. ‘in diesen Gegenstand/Raum, hinein’ 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 24 – ... wi stippt unse Brot darin? Chr-Em 439.
Lautf.: drin vereinz. Altm., Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie), ZE-Ste, vereinz. elbostf. anhalt.; drinne vereinz. ZE, verstr. elbostf. anhalt.; [trine] Wb-Be; darin (2., 3.) Kredel 1927,64, Chr-Em 439, HA-Oh; drin (3.) Mda-Sti 24.
ddeln Vb. 1. ‘schlecht, eintönig auf einem Musikinstrument, bes. der Drehorgel, spielen’, auch ‘schlechte, eintönige Klänge von sich geben’ 2: Bewohner-Altm 2,148, STE-Schi, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 91, Heese 21919,31 – ... un de Ohren vull dudeln von de Leierkastens un de Kinderblasen. a.a.O. 31. – 2a. ‘weinen’, abw.,  wnen, 2: vereinz. n JE2 mbrdb., 4: Wb-Ak 48, BE-Nie – D d’lt ’n janzen Tch. Wb-Ak 48. – 2b. ‘in weinerlichem Ton sprechen’,  jammern, 2: JE2-Pap.
Lautf.: dudeln, [ddln]; außerdem: tdeln Mda-Sti 91; dulen JE1-Mö; duh’l, d’l, [d] ZE-Nu, Wb-Ak 48, BE-Nie.
dünnmken Vb. refl. ‘unauffällig, heimlich verschwinden’ 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 47, Heese 21919,79 – Rda.: hei hat sick dünne makt ‘er ist gestorben’ HA-Dö.
Lautf., Gram.: dünne mken HA-Oh; dünne makt Part. Prät. HA-Dö; dünne machen BE-Gü; dinne makt Part. Prät. Sprw-Börde; dinne machen Wb-Ak 47; machten dinne 3. Pl. Prät. Heese 21919,79.
dütml Adv. ‘diesmal’ 2: Matthies 1903,7, Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie), ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: Heimathefte-Be 1956,139 (BE-GrWi), Heese 21919,83 – ... un dütmal glückt et ... Wedde 1938,56.
Lautf.: düt(t)mal vereinz. n elbostf., Wedde 1938,56; -moal Matthies 1903,7; dit(t)mal vereinz. s elbostf.; ditmoal Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie); dißmah, diss Ma ZE-Roß, Heese 21919,83; dismao Heimathefte-Be 1956,139 (BE-GrWi).
1Dwel m. 1a. ‘Teufel’ verbr. – ... kieke sick in de Stube umme, op woll de Deubel nich hinder’n Oben vorrkeime. Lindaua o.J. 64; Rda.: op Deuwel kumm rut ‘mit aller Macht’ CA-Fö; des deuwels sn ‘eifrig, versessen (auf etw.) sein’ Wb-Nharz 40; is hinder her, wie der Deuwel hinder de Seele dass., Sprw-Börde; bis de ganz des Deubels? ‘bist du verrückt geworden? Wb-We 28; Ritt sei denn der düwel?! dass. (3. Pl.), Id-Quea 150; den lacht de Deuwel utn Hals ‘er lächelt heimlich und schadenfroh’ OST-Gla; Ick bin so falsch (ärgerlich), ick mücht mäi met’n Deuwel slaon. Bewohner-Altm 1,326; Von d kann der Teiwel kn Pechlicht besn. ‘Sie ist sehr geizig.’ Wb-Ak 169; de hat’n Düwel barwet lopen sein von einer zänkischen Frau, Id-Eilsa 59; De Olsch hät de Deuwel van de Kar verlar’n. dass., Bewohner-Altm 1,327; dann plaocht dai Daiw ‘er hat ein schlechtes Gewissen’ SA-Dä; in deuwels kiche kommen ‘in eine schwierige Lage geraten’ Wb-Nharz 40; Noch ihr de Deuwel Schoh’ ankrieg’t ‘in aller Frühe’ Bewohner-Altm 1,327; Ick will dick wol krin, eh dick de Düwel krigt. Hbl-Ohre 1928 Nr. 25/ohne Verf. (HA-Höt); da hätt de Düwel sien Spöäl mang wenn etw. nicht gelingen will, STE-Wa; de Düwel sitt’r inne dass., WE-Zi; wi de Doiwel sien Speel hat ‘wie es der Zufall will’ Wb-Holzl 77; Wie ’s dor Teiwel will ... dass., Krause 1964,133; dat solle doch mit’n Deuwel taugahn ‘das müsste doch zu machen sein’ Sprw-Börde; d sast dänn Dwel nich anne Wand mln ‘du sollst kein Unheil heraufbeschwören’ JE2-Scho; Dät weet der Deubel ... Heimatkalender-Je 1923,98 (JE2-Vie); ... denn is hüte Abend de Deuwel los. ‘... gibt es heute viel Trubel, Unruhe, Aufregung.’ Wedde 1938,22; Dat geit nao dusent Düw’l dass., Wb-Altm 44; sps mot sn! se der deubel, d hate sne gresmutter mit der mesgrepe kisselt. Mda-Weg 90; All’ Bitschen helpen wat, sä de Deuwel, dunn at’r de Bottermelk met de Meßfork. Bewohner-Altm 1,327; Väl Köpp, väl Sinn’, sagt de Düwel, da harr he een Karr’ vull Poggen (Frö- sche) schob’n. Spr-Altm 88; in Ausrufen und Flüchen: fui daibel OSCH-Di; in dreideuwelsnamen: ja ärgerliche Zustimmung, Sprw-Börde; dn Dwel ek HA-Oh; Dat di de Düw’l Wb-Altm 44; de sall de Deiwel holn STE-Schö; Doa sloa doch glieks de Düwel rin! Matthies 1903,35; Sprw.: de eine is’n andern sn Dwel ‘niemand gönnt einem anderen etw.’ HA-Oh; Tr’n Düw’l un Apptk’r, se hämm väöl Büss’n. Wb-Altm 275; Stiffmutter is’n Deuwel sin Underfutter HA-No; Steen ut’r Hand is’n Düwel in d’ Hand. ‘Mit einem Steinwurf kann man Schaden anrichten.’ Spr-Altm 88; wenn man von Düwel sprickt, is’e nich wit. SA-Bre; Wenn’n von’n Dübel seggt, kimmt e all um e Ecke. Chr-Em 431; wer et abends piepet, den danzt de Düwel op en Dake. Id-Eilsa 59; Hät de Deuwel irst een’n Finger, kriegt’r ook de Hand. Bewohner-Altm 1,327; Wer vor d’ Höll whnt, mütten Dübel to’n Fründ hemm. Firmenich 1854,122 (OST-See); Wer in’n Himmel will, mot’n Düwel taum Vadder hebben. Hbl-Ohre 1928 Nr. 25/ohne Verf. (HA-Höt); wer Geld hat, de kann Döwel danzen sehn. SA-Im; wu Geld is, da is de Düwel, un wu kein is, da is e tweimal HA-No; De Dübel schitt immer op’n gröttsten Hucken. Chr-Em 431; Hat de Doiwel de Kau ehaalt, kann hai dat Kalf ok noch halen. Wb-Holzl 33; In de Nod frätt de Deuwel Flegen. Bewohner-Altm 1,352; de Düwel is sau swart nich, as man ne afmlt ‘etw. wird nicht so schlimm, wie es zunächst zu befürchten ist’ Wb-We 34. – 1b. ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 2: JE2-Scho, 4: verstr. anhalt. (jüngere Generation). – 2a. ‘böser, durchtriebener, hinterlistiger Mensch’,  s, auch ‘zänkischer Mensch’, Schimpfwort,  Stänker, 2: ZE-Roß, 4: Wb-Ak 169, Wb-Be – Das is an Teiwel! Wb-Ak 169. – 2b. in der Verbdg.: armer Teufel ‘armer, besitzloser Mensch’ – ... un an Selwerkoofen war bei dän armen Teiwel oh nich zu denken. 4: Heese 21919,25.
Lautf.: Düw(e)l, [dvl] SA-Bre Dan, verstr. nbrdb. n/w elbostf., Id-Quea 150; [dv] SA-Ev; Dübel Firmenich 1854,122 (OST-See), vereinz. w elbostf.; Diewel, dwel vereinz. sw elbostf.; Döwel Schwerin 1859,46, SA-Im; [duiv, -o] verstr. nwaltm.; Deuw(e)l, Doiw(e)l, [doivl] SA-Ah, vereinz. Altm., verstr. elbostf.; Deubel Heimatkalender-Je 1923,98 (JE2-Vie), vereinz. elbostf.; [divl] SA-Pü; Deiw(e)l, [daivl] Wb-Altm 34, vereinz. SA, STE-Schö, vereinz. WO, JE2-Scho, verstr. mbrdb., vereinz. s elbostf., verstr. omd.; [daiv, -o] verstr. nwaltm.; Teiwel, [taiwl] vereinz. anhalt.; Deibel STE-Arne, Vk-Anhaltc 88 (ZE-We), HA-Oh, vereinz. anhalt.; [däiwl] JE2-Scho.
Ecke f. 1. ‘Kante, spitzes Ende eines Gegenstandes’ verstr. – Rda.: an all Eckng un Kand’n ‘überall’ SA-Dä; n allen ekken un ennen dass., Wb-Nharz 50. – 2a. ‘Winkel eines Raumes’, auch ‘(letztes, spitzes) Stück einer Fläche’ verstr. – ... junk nuh mit seinen Koffer in de Ecke un kramte drin rum. Heese 21919,111; In de eine Ecke von’n Garen, op’n Komposthupen ... Wedde 1938,20. – Volksgl.: Die E. eines Ackers oder eines Raumes sind gegenüber einem Zauber anfällig, aber auch für Zauberhandlungen geeignet. Bei Beginn der Getreideernte nehmen die Mäher aus einer E. des Feldes einige Ähren, die zusammen mit Feldblumen an der Sense befestigt werden. Gegen Raupenbefall umgeht man das Kohlfeld, lässt aber eine E. frei, aus der die Raupen herauskriechen können. Sind Haustiere behext worden, kehrt man den Schmutz aus allen vier E. in die Mitte zum Räuchern. Vk-Anhalta 329. – 2b. ‘durch einen Vorhang abgetrennter Kleiderbehälter in einer Zimmerecke’ 4: Wb-Be. – 2c. ‘Stelle, an der zwei Straßen zusammenstoßen, Straßenecke’, auch ‘Biegung, Krümmung eines Verkehrsweges’,  Bgen, verstr. – n te Ecke wrtich uff tiche Wb-Be; ... as he sou um de Eck herümmer lep ... Matthies 1903,2; Rda.: um Eck bringn ‘heimlich verstecken’ SA-Win; was um de Ecke brengen ‘etw. vernichten, verlieren, unbrauchbar machen’ Wb-Ak 50; um de Ecke hilpen ‘töten’ HA-Oh; um de Ecke gahn ‘sterben’ JE1-Bu. – 2d. ‘innere Uferseite einer Flusskrümmung’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 414 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 414 (CA-Ak). – 2e. auch in der Verbdg.: slimme Ecke(n) ‘Ausschlag, Entzündung am Mund’, bes. in den Mundwinkeln,  Kibbeke(n), 2: vereinz. sö Altm. sw JE2, JE1-Bu GrLüb, vereinz. s mbrdb., 3: BE-He, 4: vereinz. w anhalt. – 2f. in der Verbdg.: fle Ecken dass., 2: vereinz. mittlere Altm. – 3. ‘Gegend’ – der Wind kimmed aus de kalde Ecke (von Norden) 4: Elbschifferspr. 436 (CA-Ak). – 4. ‘(Weg-)Strecke’ 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 141, Wb-Ak 50, Wb-Be – dat is ne Ecke wech Wb-Holzl 81; ick wer noch gärn ’n Eck metgaon, hebb öäwer keen Tied STE-Wa. – 5. ‘(längere) Zeitspanne’ 2: vereinz. Altm., 3: Wb-Nharz 50, 4: Mda-Sti 141 – ne ekke teblben Wb-Nharz 50; ’t iss all’n Eck Jaor hr Wb-Altm 45.
Lautf.: Ecke, [ek]; außerdem: [eg] vereinz. anhalt.; Eck, [ek] vereinz. nwaltm., verstr. n/mittlere Altm.; Äcke Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), DE-Ho; [k] SA-Rist; Dim.: eckchen Mda-Sti 141, [ekn] Wb-Be; ekkelken Wb-Nharz 50.