Bagge f. 1. ‘Gepäck’ 3: Wb-We 99. – 2. ‘ Pack, Gesindel’, Schimpfwort, 2: Wb-Altm 10, Mda-nwJe1a 45 (JE2-HSe, verstr. n JE1), 3: a.a.O. 45 (verstr. w JE1), verstr. w elbostf., Spr-Asch 28, 4: vereinz. anhalt. – de ganze Paksche docht nist HA-Oh; “Ihr seid je mich ne feine Bagahsche! ...” Krause 1964,81.
Lautf.: Bagage, Bagahsche, Bagsche vereinz. elbostf., Krause 1964,81; Bagaasch HA-Bee; Bagaosch Wb-Altm 10; Baksche Wb-Ak 30; Pakasche, Paksche, pakkge, Pakaje, [pak] vereinz. w elbostf., Heese 21919,104; [pak], [pake] MdanwJe1a 45 (JE2-HSe, verstr. n/w JE1), Wb-Be; Pakksie, Pakkshië Wb-We 99. – Etym.: entlehnt aus frz. bagage ‘Tross’, einem Kollektivum zu frz. bagues Pl. ‘Gepäck’; die Bed.-Verschlechterung zu (2.) beruht darauf, dass der Tross, da sich dort auch viele Schmarotzer aufhielten, bei der kämpfenden Truppe nicht sehr geachtet war, vgl. Kluge 242002,82.
Balg 1. m. 2: Wb-Altm 10, Spr-Altm 79, Siedler-Je § 153f (JE2 JE1), 3: verstr. w/sw elbostf., Sprw-Börde, 4: Mda-Sti 9 und 46, Wb-Ak 31, Wb-Be. – a. ‘Haut, Fell’ – den Balch aftrecken HA-Oh. – b. ‘Körper, Leib’, auch Bezeichnung für einzelne Körperteile, bes. ‘(dicker) Bauch’ – mick leppt dat Water von Balge BA-GrAls; holt’n Balch! ‘halt den Mund!’ HA-Bee; vor’n Balch tretn Spr-Asch 17; Rda.: sich’n Ballich full schlagen ‘übermäßig essen’ Sprw-Börde. – 2. vorw. im Pl. ‘Blasebalg’, bes. an der Orgel, 3: vereinz. elbostf. (au- ßer sö), 4: Wb-Be. – 3a. n. ‘ungezogenes Kind’, Schimpfwort, auch ‘kleines Kind’, Kosewort, 2: vereinz. Altm., Siedler-Je § 153f (JE2 JE1), vereinz. mittleres/s JE2, JE1-Zie, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – dat lüttge Balg schrt den ganzen tschlnen Dag Wb-We 12; wat förn Jeplärre maoken denn de Bälje? JE2-Tu; mn Bälgeken Wb-Altm 10;De Klöäterbüß – mütt kling’n un knarren,
Fängt moal dät Böölken an to quarren;
Denn werd sön Balg in aller Hill,
Von dät Geklöäter müüskenstill.
Bornemann 41827,43.
– 3b. m., mit Bezug zu 1b. ‘dicker, korpulenter Mensch’, abw.,  Pummel, 3: QUE-He.
Lautf., Gram.: Balg, -ch, [bal]; außerdem: Ballech, balech, [bal] Siedler-Je § 153f (JE2 JE1), vereinz. s elbostf., Wb-Ak 31, DE-Ca; Ballich, Ballij Sprw-Börde, vereinz. s elbostf.; [pali] Wb-Be; plech Mda-Sti 9 und 46; Bälgeken Dim. Wb-Altm 10; Balge (1b.) Dat. Sg. BA-GrAls; m. (urspr. Pl.-Formen): Baljen (2.) Wb-Holzl 58 (HA-Eil, WA-KlWa); Bäljen (2.) a.a.O. 59; Pl.: ohne weitere Zuordnung zu einer Bed.: bälleje Spr-Mab 385 (WO-Ol); bel(e)je Wb-Nharz 20; peleje Mda-Sti 9 und 46; (1.): Belleje Wb-Ak 31; (2.): Bälje als f. aufgefasst WO-Ma; [pelije] Wb-Be; Bälgen Akk. Gorges 1938,40; Beljen, b- HA-Oh, Wb-Nharz 24; bellej’n Spr-Mab 395 (WO-HWa Ol); (3.): bälger, Bäljer Wb-Holzl 58, Id-Quea 143; Belger Wb-We 12; Bellejer Wb-Ak 31; Bälge, Bälje JE2-Tu, JE1-Zie, CA-Me; [bäl] Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa).
bseln Vb. 1a. ‘vergesslich, zerstreut, gedankenlos sein oder handeln’ 3: vereinz. w elbostf., 4: Mda-Sti 88. – 1b. ‘  trdeln, langsam sein’ – Zus.: ji baseln mek veel te lange umher 3: WE-Kö. – 2a. ‘erzählen, schwatzen, Nichtiges reden’,  nlen, 2: GA-So, STE-Schi, JE2-Kl, 3: verstr. n elbostf., Spr-Asch 32 – “Bassele nich”, sä ick, “denkste, dat geiht sau lichte ...?” Hbl-Ohre 1938 Nr. 14/Becker (HA-Bee). – 2b. ‘unverständlich, undeutlich sprechen’,  1nusseln, 2: OST-Meß, GA-Wiep, 3: HA-Alv, CA-Ca.
Lautf., Gram.: baseln, bseln Wb-We* 201, Wb-Nharz 21; baseln 2. Pl. Präs. WE-Kö; baselte 3. Sg. Prät. Spr-Asch 32; pseln Mda-Sti 88; boas’ln Spr-Mab 388 (WO-Ol); bass(e)ln vereinz. ö/s Altm., verstr. n elbostf., CA-Ca; Bassele Imp. Sg. Hbl-Ohre 1938 Nr. 14/Becker (HA-Bee); [bazn] Id-Eilsa 50; bosseln JE2-Kl.
Bass m. 1. ‘tiefe Männer(sing)stimme’ 2: Francke 1904,19, 3: vereinz. n elbostf., 4: Wb-Be – hei singet Bass HA-Oh. – 2a. ‘tiefstes und größtes Streichinstrument, Kontrabass’ 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, Krause 1964,133 – Rda.: hai kümmt nu and’rs opp’m bass ‘er kommt in eine bessere Lage’ Spr-Mab 388 (WO-Ir); Sprw.: Vor de Hochzat dut dr Himmel voller Jajen hängen, un nach dr Hochzat is och dr Baß dermank. Spr-Asch 20; Lied:‘Ach, wie veel Lüüe! Ach, wie veel Lüüe!’
Schpeelt de Bass.
‘Hewwe dick man sau jrielich nich,
Et iss joa sau jefährlich nich!’
Secht de Vijjeliene.
Lieder-Ma Nr. 951 (WA-Dom).
– 2b. ‘eine aus Weidenrinde gefertigte Schalmei mit Mundstück’,  Fpe, 2: JE2-Scho.
Lautf.: Baß, Bass, bas(s); außerdem: [pas] Wb-Be; bas(s)t Nd-Börde § 125 (WO-Schn), Spr-Mab 388 (JE1-Gü).
Bassgge f. 1. dass. wie  Bass 2a., 3: Mda-Weg 87, Spr-Asch 36, 4: Wb-Be – Rda.: tas is an st uf te Passjaije ‘er ist ein Schwerenöter’ a.a.O. – 2. ‘großes Bündel Holz, das auf dem Rücken getragen wird’ 3: WE-Oster.
Lautf.: Baßgiege WE-Oster; -jaje Spr-Asch 36; basjeije Mda-Weg 87; [pasjaije] Wb-Be.
bearbeiden Vb. 1. ‘zu einem bestimmten Zweck körperliche Arbeit an etw. wenden’, bes. dass. wie  beackern, 3: vereinz. elbostf. – Met’n Feustel werden Bruchstane bearwatet. Spr-Asch 40. – 2. ‘wiederholt auf etw./jmdn. einschlagen’,  verhauen, 3: Rauch 1929,101, Wb-Nharz 22 – “Here, mit ’n Meßhaken bearbeit’n keine Stücke Veih, ...” Rauch 1929,101. – 3. ‘eindringlich auf jmdn. einreden, um ihn von etw. zu überzeugen, um ihn zu etw. zu bewegen’ 3: Wb-Nharz 22.
Lautf., Gram.: bearbeit’n mit enklitischem man 3. Sg. Präs. Rauch 1929,101; -rbein HA-Oh, Wb-Nharz 22; -arwatet Part. Prät. Spr-Asch 40.
Bedde n. 1. ‘Möbelstück zum Schlafen, Ausruhen usw., Bett’ verstr. – des Bette machen Wb-Ak 35; Wi sprung’n nu ut dät Bedde ... Heimatkalender-Ma 1932,44 (JE2-Vie); Dei Kinner hadd sei all to Bed gohn lotn. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); ... in das eene eenzichste Bette da schlufen Vater un Mutter un mennejesma oo noch an paar Kinner zusammn. Wäschke 41920,63; Wat dust’n noch in Bedde? Spr-Asch 18; Rda.: te bedde ln ‘bettlä- gerig sein’ Wb-Nharz 22; mid de Heuner tau Bedde gahn ‘früh schlafen gehen’ BA-GrAls; du sst hüte Abend barwed de Bedde gahn Drohung an kleine Kinder, WE-Be; de Kräte verhungert noch in’n Bedde von einem Mädchen gesagt, das gewöhnlich lange schläft, BA-Re; Meddel (PflN ‘Windhalm’) jöcht en Buren ut’n Beddel. Chr-Em 427; Dat is wi bi Meiers, zwölf Kinder un ain Bedde, un kain will an de Wand slapen. Wb-Holzl 36; Sprw.: man sall sik nich ttrecken, er n ’n Bedde geit HA-Oh; det oab’ms fröh to bett, det morjn’s fröh hert, det bringt saegn in det hs Spr-Mab 392 (WO-An). – Brauch, Volksgl.: Das B. soll von Nord nach Süd gestellt sein, damit man nicht ebenso liegt wie ein Toter im Grab. Brauch-Anhalt 230 (CA-Egg). Auch soll es nicht mit dem Fußende zur Tür stehen, der Schläfer soll also nicht die Lage eines Toten einnehmen, der mit den Füßen nach vorn durch die Tür getragen wird, sonst geschieht ein Unglück. Vk-Anhalta 11. In das B. schlägt kein Blitz ein. Brauch-Anhalt 20.  TZ: vorwiegend saloppe oder scherzh. Benennungen: Bucht Falle Fl(en)falle Fl(en)kiste Fortmolde Furzklappe Heia (Kinderspr.) 1Kn Kaschuber Klappe 1Kle Lger Molde Nest. – 2. ‘Federbett’ 2: Wb-Altm 107, 3: vereinz. elbostf. – ... man süht dat grote Himmelbedde mit hohge Bedden inne ... Rauch 1925,23; In’t Bett sünd väöl Klt’n ‘die Federn haben sich zusammengeballt und bilden Klumpen’ Wb-Altm 107; Rda.: hat keinen Ewwertoch ewwert Bedde ‘ist arm’ Sprw-Börde; de pre wren alle w de beden ‘... wohlgenährt und glatthaarig’ Wb-Nharz 22. – 3. ‘auf der Tenne zum Dreschen ausgebreitete Getreidegarben’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 255, Wb-Altm* 49. – 4. ‘Raum in der Mühle, in dem sich Einlauftrichter und Mühlstein befinden’ 3: Wb-We 14.
Lautf., Gram.: Bedde, [bed]; außerdem: Bedden Dat./Akk. Pl. Rauch 1925,23; Bette, [bet] ZE-Roß, vereinz. anhalt.; Pette, [pete] vereinz. w omd.; Bett, Bed(d) verstr. nwaltm. Altm., Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); [ber] JE2-Scho, Mda-Ze (ZE-Reu Stre); Belle, [bel] vereinz. ö ZE; Bädde, [bd] Siedler-Je § 62 und § 148b (JE2 -außer nw- JE1), Id-Eilsa 50; [bt, -d] SA-Rist, Siedler-Je § 148b (nw JE2); Beddel im Reim Chr-Em 427.
Beddedecke f. 1. ‘Bettdecke’ 3: vereinz. w elbostf., Spr-Asch 40, Vk-Ask 69 – krup under de Beddedecke HA-Bee. – 2. ‘Tagesdecke’ 4: Wb-Be.
Lautf.: Beddedecke; außerdem: Bett- Spr-Asch 40; Bettecke Vk-Ask 69; [peteke] Wb-Be.
Bedd(en)seicher m. 1. ‘Bettnässer’ 3: Sprw-Börde, Wb-Nharz 22, Spr-Asch 23, 4: Wb-Ak 35, Wb-Be. – 2. PflN ‘Hirtentäschel’,  Taschenkrt, 4: a.a.O.
Lautf.: Beddenseicher Sprw-Börde; bedde- Wb-Nharz 22; Bettensächer Spr-Asch 23; Bettscher Wb-Ak 35; [petnzr] Wb-Be.
beldigen Vb. ‘jmdn. in seiner Ehre verletzen’ 3: HA-Oh, Spr-Asch 48, QUE-Di, 4: Alt-Cöthen 59, Krause 1964,26.
Lautf., Gram.: beleidijen HA-Oh; Part. Prät.: -leidicht Krause 1964,26; -ladigt Spr-Asch 48; buleidigt Alt-Cöthen 59; bildijt QUE-Di.