klemmen Vb. 1. ‘hängen bleiben, nur mit Mühe zu bewegen sein’,  drange, 2: JE2-Gü Scho, JE1-Gra Ka Zie, ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha, Wb-Ak 90, Wb-Be. – 2a. refl. ‘sich quetschen’, 2: Bewohner-Altm 2,123, Spr-Altm 40, 3: HA-Oh, Sprw-Harzvorld 399, Wb-Nharz 99, 4: Wb-Ak 90, Wb-Be – Rda.: Klemme deck man de Finger nich ‘Bringe dich nicht in Verlegenheit’ Sprw-Harzvorld 399. – 2b. ‘zwischen etw. zwängen’ 3: Lindauc o.J. 84, 4: Wb-Ak 90, Wäschke 41910,60. – 3. ‘stehlen’,  klauen, 1: SA-Dä, 2: vereinz. brdb., 3: verstr. elbostf. (außer WA), 4: vereinz. omd. – hei hat watt e’klemmet HA-Oh.
Lautf., Gram.: klemm(e)n; außerdem: klem’m, [kle] JE2-Gü, ZE-Roß, Wb-Holzl 120, Wb-Ak 90, Wb-Be; klemmt Part. Prät. Lindauc o.J. 84; klemmte 3. Sg. Prät. Wäschke 41910,60; [gle] BE-Nie. Zus.: zu 2b.: in-.
Knst m. 1a. ‘Anfangs- und Endstück des Brotes’,  Kant(en), 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE2-Ki, JE1-Kö, ZE-Dor Hu, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – wer an besten bten kann, kricht’n Knust HA-Oh; Rda.: Oll Knst hölt Hs ‘altes Brot hält länger vor als frisch gebackenes’ Wb-Altm 278; De hat en grötsten Knust ejetten ‘er hat die längste Zeit gelebt’ Sprw-Harzvorld374. – Brauch: Vor dem Eintritt ins Haus schickt die Braut der ärmsten Familie des Ortes ein Brot, von dem sie vorher den K. abgeschnitten hat. Diesen hebt sie auf, um nie Mangel am täglichen Brot erleiden zu müssen. Hochzeit-Altm 36. – 1b. ‘großes Stück’ vom Brot, auch ‘dicke Brotscheibe’ 2: Wb-Altm 261, Beiträge-Altm 1,345, 3: Nd-Börde § 40 (WO-Schn), Id-Queb 5, BE-Gü, 4: Mda-Sti 163, Wb-Ak 94, DE-Thu – D haste dich awwer an Knst abjeswelt! Wb-Ak 94; Sprw.: ‘n groff (grober) Knst iss bät’r ass’n leddig Fst. Wb-Altm 261. – 1c. ‘Abschnitt einer mehrteiligen Semmel’ 2: Wb-Altm 111, Brauch-wAltm 54, SA-Kal, OST-Ar, vereinz. ö Altm., Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie), JE1-Ro, 3: JE1-Ca, 4: Wäschke 31909,106 – … brach sich o noch an Knust vonne Semmel ab … Wäschke 31909,106. – 2. Pl. ‘gebackene Kartoffeln’ 3: Rezepte-Harz 2, BLA-Be. – 3. ‘Apfelrest, Kerngehäuse des Apfels’,  Appelknst, 2: GA-Ack, JE2-Ma, verstr. mittleres JE1 ZE, 3: vereinz. elbostf. – 4a. dass. wie  Knurzel 1a., 2: ZE-Dor, 3: vereinz. s elbostf., 4: vereinz. w omd. – 4b. ‘Baumast’ 4: BE-Ge. – 4c. ‘Hebebaum am Wippbrunnen’, nur im Rätsel:uns Knecht Kns
hät’n Ding as’n Fst;
weiert de Wind,
bummelt äm dt Ding.
1: SA-Ab.
– 5. ‘klumpenförmige Geschwulst oder Verhärtung am Körper’ 3: Wb-Nharz 103. – 6. ‘Haarknoten am Hinterkopf der Frau’ 2: Wb-Altm* 60, STE-Wa. – 7a. in der Verbdg.: Dät is’n groffen Knust. ‘Das ist ein grober, schwerfälliger, ungehobelter Mensch.’, im Anschluss an 1a.,  Klotz, 2: Beiträge-Altm 1,345. – 7b. ‘ Bäcker’, scherzh., 3: ADVk Nr. 238b (HA-Sü). – 7c. ‘kleiner Mensch’,  Knirps – Heischevers:ick bin n klnr kns,
unn wenn ji mick nischt jewwn wollt,
denn scht ick ji int hs.
3: Vk-Ask 137 (QUE-Scha).
– 7d. ‘ Kleinknecht’ 2: JE2-Ro.
Lautf., Gram.: Knu(u)st, Knst, Knuhst, [knsd]; außerdem: [gnsd] verstr. BE, DE-Thu; [knstn] Pl. OST-Kru, STE-Ro Schi; [gnsdn] BE-Ad; Knste Pl. JE1-Ro; [knst] Pl. SA-Kal; Knstk’n Dim. Wb-Altm 111; Knieste Pl. Rezepte-Harz 2, BLA-Be; Knistchen Dim. BLA-Sti; [kniust] verstr. nwaltm.; Knaust JE1-Schor Walt, verstr. ZE; Knoust WE-Ho Rho; Gnaust QUE-Scha Wed, [gnausd] BE-Dro Sa; Jnaust QUE-Frie Su; Kns SA-Ab, Lieder-Ma Nr. 476 (JE1-Ran), JE1-Schor, OSCH-KlQue, WE-El, Vk-Ask 137, KÖ-Grö Wer; Knaus HA-War; Knauht ZE-Wa. Zuss.: zu 1a.: Knurr-, Kuss-, Lache-; zu 2.: lknster; zu 3.: Hunk-; zu 4.: Holt-, wen-.
Kompliment n. 1. ‘an jmdn. gerichtete lobende, schmeichelhafte Äußerung’ 2: Wb-Altm 120, 3: Rauch 1929,169, HA-Oh, Id-Eilsa 75, Wb-Nharz 110 – H iss vuller Kumpelmenten Wb-Altm 120. – 2. ‘Empfehlung, Gruß’ 2: Hausfr-Altm 1927,50, 3: Id-Eilsa 75, Wb-Nharz 110, 4: Wb-Be, Wäschke 31909,105 – puschtelle mant tse Hause an schn Kompelment Wb-Be. – 3. in der Verbdg.: nicht vl Komplimente mken ‘nicht viele Umstände machen’,  Hack, 3: Sprw-Börde, Sprw-Harzvorld 374, Wb-Nharz 110.
Lautf., Gram.: [komplment] Wb-Be; Kumpelment Wb-Altm 120, Hausfr-Altm 1927,50, HA-Oh, Wb-Nharz 110; Kumpelmen(n)te Pl. Rauch 1929,169, Sprw-Börde, Id-Eilsa 75, Sprw-Harzvorld 374, Wäschke 31909,105.
Kopp m. 1. ‘Kopf’ verbr. – ik kann dät Lt all tn Kopp JE2-Scho; Rda.: datt wolle mick nich in’n Kopp ‘das kann ich nicht begreifen’ Hbl-Ohre 1928 Nr. 9/ Wöhlbier (HA-Eim); hei hett sinen kopp vor sek ‘er hat seinen eigenen Willen’ Id-Queb 5; De hät’n anschlägschen Kopp von jmdm., der eine Ohrfeige bekommt, auch ‘gescheiter Mensch’ Bewohner-Altm 345; hei riskert Kopp un Krn HA-Oh; mit’n Kop dorch de Wand gahen Sprw-Börde; hei hat et in’n Kopp ekrejjen ‘er ist verrückt geworden’ Sprw-Harzvorld 399; de hat mr schulden w hre op’n koppe Wb-Nharz 104; wedder Kopp noch Ars von unverständlichem Gerede, HA-Um; hei lätten Kopp hängen ‘er ist betrunken’ WE-Ve; Sprw.: Wat’n in’n Kopp nich hät, mütten in d’ Föt hämm. Bewohner-Altm 1,346; Wenn’t Köppken drunken hat, willt Fäutken danzen. Chr-Em 430; Köppken glatt un Feutken glatt, Mäkens beste Middegaft. Spr-Altm 14f.  TZ: Hft Kolle(n) Klrwe 1Krne Kgel Nips Nott Nüschel Nusskugel Oberstübchen. – 2. in der Verbdg.: wer Kopp schten ‘Purzelbaum schlagen’,  Kobolz, 1: SA-Kü Pü, 2: verstr. w SA ö OST, 3: verstr. w elbostf. – 3a. ‘Kohlkopf’, auch der Kopf von Salat oder Sellerie, 3: WE-El, Wb-Nharz 104, 4: Wb-Ak 95. – 3b. ‘Samenträ- ger des Hopfens’ 2: Wb-Altm* 60. – 4a. ‘Tasse, Becher’,  Tassenkopp, 2: Wb-Altm 113, 3: Wb-Holzl 124 (veralt.), 4: Wb-Ak 95. – 4b. ‘Nagelkopf’ 3: Wb-Nharz 104. – 4c. ‘Pfeifenkopf’ 3: a.a.O. 104. – 4d. ‘das Querholz der Harke, an dem die Zinken sitzen’,  Harkenhft, 4: BE-La. – 5a. ‘vorderer Teil des Kahns, die Spitze des Bugs’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 155 und 315 (STE-Tan, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 315 (CA-Ak) – der Kn jd uffn Kobb der Kahn ist vorn zu schwer beladen und taucht dort tiefer ein, a.a.O. 315 (CA-Ak). – 5b. in der Verbdg.: uff den Kopp stellen ‘den Pflug zum Tiefgang einstellen’ 4: DE-Pri. – 6a. ‘Berg, Hügel’, bes. als Bestandteil von FlN,  Barg, 3: verstr. sw elbostf., 4: verstr. nthür. – 6b. ‘trockene, unfruchtbare Stelle im Acker’ 3: Wb-Holzl 124, HA-Bee, BE-Gü, 4: vereinz. w BE.  TZ: Hittkopp Horst Horstfleck Kskopp Knakker Knkel.
Lautf., Gram.: Kop(p), [kop]; außerdem: [kob] Elbschifferspr. 155 und 315 (STE-Tan, JE2-Mi Pa, CA-Ak); [gob] verstr. BE; [köp] Pl. Mda-nwJe1a 35 (JE2-HSe, verstr. nw JE1); Koppken Dim. Bewohner-Altm 1,346; Köppk(e)n Dim. Wb-Altm 113, Spr-Altm 14 und 78, Chr-Em 430, Wb-Holzl 35, HA-No; [köpk] Dim. SA-Dä; Kopf (6a.) verstr. sw elbostf. nthür.; [kep] Pl. Mda-nwJe1a 35 (JE1-Bie Ger Wol); kepken Dim. Wb-Nharz 95. Zuss.: zu 1. (einschl. Bedeutungsübertragungen): Hr-, Hsen-, Hinder-, Hitt-, Hornskenkopf, Ht-, Hunde-, Kalfs-, Kl-, Kns-, Karnickel-, Katten-, Kensterköpfe, Kinds-, Kleisterkopf, Knaster-, Knitterkopf, Krähenkopf, Kratz-, Krauselkopf, Kribbel-, Krüllken-, Krs-, Krz-, Kl-, Kl-, Kullijuskopf, Launenkopf, Locken-, Lgen-, Lse-, Moch-, Mren-, Mren-, Msch-, Mossköppe, Muff-, Murr-, Mutten-, Mutzkopf, Nussel-, Ohnekopf, Ossen-; zu 2.: Heister-; zu 3a. (einschl. Bedeutungsübertragungen): Kabiskopf, Kl-, Krautkopf; zu 4a.: Kaffeekopf; zu 4d.: Harken-; zu 6b.: Hitt-, Ks-, Klei-; sonstiges: Lampen-, Mn-, Msern-, Noll-.
krgen Vb. 1. allg. – a. ‘erhalten, in den Besitz von etw. kommen’, auch ‘kaufen können’ – jiff mi dütt, krüsdu dat SA-Die; Ich hawwe an Brf jekricht. Wb-Ak 98; mor schlachden mrjen, d graisde  ne glne Worschd DE-Ca; bai Aisenschulzen krichtemor alles DE-Els; Rda.: wat ek hewwe, dat wett ek, wat ek kre, dat mott’n erst sin Wb-We* 222. – b. ‘als Belohnung, Bezahlung, Vergeltung bekommen’ – dovor hatte ‘n Doaler ekricht JE1-Pre; hei kreich noch Jelt fon mik HA-Oh; hei hat Knast ekren CA-Fö. – c. ‘verabreicht bekommen’ – ne Wucht krgng ‘Prügel bekommen’ JE2-Scho; ne Ziehung kreigen dass., BLA-Ta; wat in nakken krn Wb-Nharz 107; du krist wecke hinder de eren HA-Oh. – d. ‘zu etw. kommen, sich verschaffen’ – Rda.: Nu hem se sek doch noch kricht. ‘Sie haben geheiratet.’ Spr-Asch 31. – 2. allg. – a. ‘in einen bestimmten Zustand geraten’, auch ‘sich etw. zuziehen, etw. erleiden’ – hei kricht de Msern HA-Oh; se krg’n glk dat Lopen Wb-Altm 117; … keen’n Aden kreien! Wäschke 41910,123; Äwer so wie dät Füer nu Luft kreeg, prasselt et mang dät Koarne …Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie); et met der angest krn Wb-Nharz 107; h het mik antickt un d heff ik an Schreck krgng JE2-Scho; Rda.: dae kan’n Hals ok nich full krjen ‘er kann nicht genug bekommen’ BLA-Brau. – b. ‘in den Stand versetzt werden, die Möglichkeit haben, etw. zu tun’ – te wetten (wissen) krn Wb-Nharz 107; W Frdrich … dat te hr’n kraich, word’e rsich … Tiedge 1954,39; Ob wie wat te eten krie’n können? Lindaua o.J. 5; Rda.: töw (warte) nochn bütschen, seggt de Hohn tumm Pierworm (Regenwurm), dunn kreeg he imm to faten und fret imm upp STE-Kre. – c. ‘bewerkstelligen, schaffen’, auch ‘hervorbringen, entstehen lassen’ – … det wie dann Krohm wärrer runner droagn kreegn OST-Los; Se hat’n Kind krg’n. Wb-Altm 116. – d. ‘jmdn. zu einer bestimmten Tätigkeit veranlassen’ – bi’t lsen krn Wb-Nharz 107. – e. ‘etw. zu erwarten haben’ – heite Nacht kriemer a Jewitter BE-Grö; Rda.: mor kreien noch was uff de Mitze ‘es wird bald regnen’ Vk-Anhalta 68. – 3a. ‘fassen, ergreifen, erwischen’ allg. – kriech mick doch Wb-Holzl 127; teuf (warte) man, dick will ick schon kriej’n HA-Bee; Sprw.: Wenn de Hund nich eschetten harre, harre’n Hasen ekrejjen. Zurückweisung von Ausreden, Sprw-Harzvorld 374. – 3b. auch subst. ‘Haschen spielen’ 1 verbr nwaltm., 2: verbr. Altm., 2: verstr. JE2 JE1 ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – Krieg’n spöln OST-Gen; Abzählreim:Wi will’n uns nich lange stri’n
un du moßt krie’n.
HA-Vö.
Eine Variante des Spiels ist das englische Krgen, bei dem der Abgeschlagene nur eine Hand zum Haschen frei hat, da er die andere Hand auf die Stelle legen muss, an der er abgeschlagen wurde. OST-Kau, JE2-Ge.  afsln ankrgen fangen ften grpen Hasche haschen Kterkrgen Kluckhasche Krger packen zecken.
Lautf., Gram.: krieg(e)n, [krg()n], [krg] verbr. nwaltm. Altm., vereinz. JE2 n JE1, JE1-Flö, ZE-We, verbr. n elbostf., verstr. mittleres/s elbostf., BA-Sil, vereinz. w anhalt.; [kr] verstr. SA, OST-Har, GA-Le, STE-Ber Wa; krieken JE1-Scha; kriejen verstr. ö Altm., JE2-Schö, JE1-Re, verstr. nw elbostf., vereinz. s elbostf.; [grjn] vereinz. w anhalt.; krie(h)en, [krn] OST-Ga Ko, STE-Scho, verstr. mittleres/s JE1 mittleres elbostf., Wb-Be; [grn] BE-Am; krien, [krn] verstr. mittleres/sö Altm., vereinz. s JE2 w JE1, JE1-Ho, ZE-Roß, verbr. mittleres/s elbostf., Mda-Sti 54, CA-Sa; [grn] DE-Ca; kregen (3b.) SA-Pre, WO-Ke Ma, JE1-Me Ran, ZE-Stre, HA-AHa, BA-Ha; krägen (3b.) SA-Hen; kreen OSCH-KlQue; kreigen WE-Is, BLA-Ta; krei(e)n, [krai()n] Mda-Ma 65 (JE1-Prö), JE1-Kra, verstr. ZE, QUE-Tha, Vk-Ask 379, vereinz. omd.; [grai()n] BE-Gier KlSchie, DE-Ca; krein QUE-Su; [krin] Mda-Ze (ZE-Gro); kräin WE-Gö; 2. Sg. Präs.: kriegst JE1-Zep; krst Wb-Ak 98; [krist] SA-Dä, Bewohner-Altm 1,349, Matthies 1903,21, JE2-Scho, ZE-Roß, verstr. elbostf., Wb-Be; [krüsd] mit Enklise des Personalpron. SA-Die; [kraist] verstr. ZE; [graisd] BE-Gier, DE-Ca; [graisd] mit Enklise des Personalpron. DE-Ca; 3. Sg. Präs.: kriegt Bewohner-Altm 1,343, Spr-Altm 15, ZE-Dor KlLei, HA-Hu, vereinz. s elbostf., CA-Do Mi; kricht, [krit] SA-Dä, JE1-Pre, ZE-Cob Jü, verstr. elbostf., DE-Els; kritt ZE-Roß, Wb-Be; kriet, krtJE1-Walt, Vk-Anhaltb 83 (ZE-Steu), WE-Ro, Wb-Ak 98; kreit Spr-Anhalt 168; [graid] BE-Scha; 3. Sg. Prät.: st.: kre(e)g vereinz. nbrdb.; krch OSCH-Har; krch QUE-Di; kraich, kreich Tiedge 1954,39, HA-Oh, Vk-Harz 3,23 (BLA-Be); kre-ich Wb-Holzl 127, Wb-Nharz 107; sw.: kriegte WE-Si; krichte Wb-Ak 98, Wäschke 71913,59; kreiete (veralt.) Wb-Ak 98; Part. Prät.: st.: kreg(e)n, kräg(e)n SA-Roh, verstr. Altm.; [krg] JE2-Scho; kreng SA-Ben; [krjn] JE2-Scho; ekrejen HA-Bo; ekre-in Wb-Holzl 127, Wb-Nharz 107; [krig] SA-Dä; (e)kreggen, (e)krejjen Dialekt-Ma 10 (JE1-Ra), vereinz. w elbostf., QUE-Di; (e)krn HA-All Um, OSCH-Da KloGrö, QUE-Ga, CA-Fö; ekren HA-Oh, OSCH-Eils; sw.: kriegt verstr. ö Altm., JE2-Fi; ekriegt WO-El Me; gekriegt, je- vereinz. mbrdb.; kriggt Wb-Altm 116, WO-Ri, JE1-Try Wol; kricht vereinz. STE, Spr-Asch 31; ekricht verstr. w JE1, ZE-Göd; jekricht, [jkrit] Mda-Ze (verstr. ZE), QUE-GrSchie, Wb-Ak 98, Wäschke 71913,49; jekritt ZE-Roß; jekreit Alt-Cöthen 8; (e)kreggt WA-Ost Schl Ste. Zuss.: zu 1.: hr-, in-, ls-, mit-; zu 2a.: nedder-, wer-; zu 2b.: wer-; zu 3a.: hr-, in-; sonstiges: wer-.
krucken Vb. 1. ‘auf Krücken gehen’ – t krickte hin 4: Wb-Be. – 2a. ‘mit den Fingernägeln oder Krallen  kratzen, scharren’ 3: HA-Oh. –2b. ‘mit der  Krück(e) 4a. die Asche aus dem Backofen herauskratzen’ 4: Wb-Be. – 2c. ‘mit der  Krück(e) 4b. Schmutz zusammenkratzen’ 3: Id-Eilsa 74. – 2d. ‘mit der  Krück(e) 4c. rühren’ 3: Wb-We 75. – 3a. ‘längere Zeit zu Hause (untätig) herumsitzen’ 3: vereinz. elbostf. – en ganzen dch in’n hse krukken Wb-Nharz 109. – 3b. ‘im Haus tätig sein’ – Se hat en ganzen Dag in’ Huse ekrucket. 3: Sprw-Harzvorld 382.
Lautf.: krucken vereinz. elbostf.; außerdem: [krikn] Wb-Be. Zus.: zu 2.: n-.
Lappe(n) m., f. 1. ‘(minderwertiges) kleines Stück Stoff’, bes. ‘Tuch für einen bestimmten Zweck’, auch ‘altes, schlechtes Kleidungsstück’,  Lumpe(n), 2: Bewohner-Altm 2,90, OST-Werb, verbr. mbrdb., 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – ich hawwe mich in Finger jeschnitt’n, mache mich doch m an Lapp’m drum! Wb-Ak 102; Rda.: dörch de Lappen gahn ‘sich entgehen lassen, verlieren’ Sprw-Harzvorld 399; op de lappen (Fußlappen) trn (treten) ‘energisch auftreten’ Wb-Nharz 114; dat kummet fon Lappen in’n Plünnen ‘das bleibt sich gleich’ Sprw-Eils 39. – 2. in der Verbdg.: n’ blauen Lappen ‘Hundertmarkschein’ 3: HA-Oh. – 3a. ‘Augenlid’, nur im Rätsel, 2: OST-GrRo, Lieder-Ma Nr. 429 (WO-Ri) – Rätsel:Zwee rauhe Lappen,
De tosamme klapp’n,
Ringsum mit Hoarn bewus’n,
Inwendig löppt doa Woat’r ruut.
Lieder-Ma Nr. 429 (WO-
Ri).
– 3b. Pl., nur in der Rda.: nen wat up de Lappen gwen ‘jmdm. tüchtig die Meinung sagen’ 2: Bewohner-Altm 1,348, 3: Wb-Nharz 114. – 4. ‘in Stücke geschnittener, gekochter Weißkohl’ 4: Mda-Fuhne 162 (verstr. n/w anhalt.).  TZ: Langkl Lappenkl Ltschenkl.
Lautf., Gram.: Lappen m./Pl. vereinz. Altm., verstr. elbostf.; Lapp’m, [lap] ZE-Roß, verstr. anhalt.; [lab] vereinz. anhalt.; lppen Mda-Sti 13; Lappe f. verbr. mbrdb., vereinz. ö elbostf., Wb-Nharz 114. Zuss.: zu 1.: Kopper-, Kopp-, Nutsch-; sonstiges: Jammer-, Kl-, Klebe-.
Lde Plt. 1. allg. – a. ‘Menge erwachsener Menschen, Allgemeinheit’ – de Lüh im Derp SA-Rist; watt süllt de L dafonne sejjen HA-Oh; det maken alle Liere ännersch ZE-Gri; er mußtese (Pfeife) voar alle Liede rooken JE1-Pre; der Hund hätt die Lühe bähten JE1-Zi; Ble alle Leite in ken han Acker jehatt. Wb-Ak 105; Rda.: de Leite sn ‘es wird erzählt’ a.a.O. 105; to L kaom ‘sich beruhigen’ SA-Dä; Le un Kinders Ausruf des Erstaunens, Wb-We 83; ut Kindern wert L (Erwachsene) HA-Oh; t’ Jelt kummet under de L HA-Oh; Laot de Ld man snack’n. Wb-Altm 128; Vor ander Lüe Dör sien Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Harzvorld 374; Sprw.: op ander L kann’n sik nich forrlaten HA-Oh; wer under de Lüe geiht, wett wat Sprw-Börde; Achtern Berg wohnen ok noch Lüd. Spr-Altm 76; Wer’t all Lü’ recht maoken will, de sall irst gebürn wer’n. Bewohner-Altm 1,349; Luse (Läuse) maken Lüe, Kleeder maken ok Lüe Sprw-Börde; von den Lüen mot man’t nehmen, von den Bömen kann man’t nich schüddeln WE-Dee; man mott de L nich alles in de Tne hengen (erzählen) HA-Oh; man mott Lüe fragen, Hunne wieset einen de Teehne ‘wer Rat sucht, muss sich an kundige und verständnisvolle Menschen wenden’ HA-No; wenn grote Lüe krank sünd un lüttje Lüe Brah (Braten) hett, dat witt dat ganze Dörp HA-No; Rätsel: In einer Strate sind 52 Hiser, in der andern 100. Wat kimmt da ruht?Liede.Vk-Harz 3,66. – b. Bezug auf eine bestimmte Gruppe von Menschen – de finen (wohlhabenden) SA-Bee; rke L HA-Oh; de klne Laide ‘Nichtbauern, die nur etw. Acker haben’ DE-Els; de lüttgen Lüe dass., HA-Ack; de kleinen (armen) lde Wb-Nharz 117; Rda.: Es ist nicht wie bei de kleenen Leite. ‘Es fehlt an nichts.’ Spr-Anhalt 168; ole L wert wunderlich HA-Oh; Sprw.: ewwer kleine Lüe kiekt man wech Sprw-Börde; bi fremden Lüen is gut wanken, aber nich gut kranken ‘bei fremden Leuten lässt es sich gut leben, aber nicht gut krank sein’ WE-Dee. – 2a. ‘Familienangehörige’ vereinz. – d hem’m d L fanne Brt innelit JE2-Scho. – 2b. ‘ Gesinde, Angestellte’ verbr. – de Bure sejt: unse Lüe GA-Bo; de Lü an Howwe WE-Heu; de Lü sind all rut na’n Felle HA-Bee. – 2c. ‘Bootsleute eines Kahns’ 4: Wb-Ak 105. – 2d. ‘Gutsbesitzer und dessen Ehefrau’, veralt., 2: Wb-Altm 128.
Lautf.: LüdeJE2-Vie, JE1-Ziep, verstr. mittleres/ö JE1, WA-Bey, BLA-Brau, QUE-Schn Tha; Ld Wb-Altm 128, Spr-Altm 76, vereinz. ö Altm., JE1-Stei, Lü(h)te JE1-Wa, BA-Sip; Lütt SA-HLa; Lüje, lje Dialekt-Nd 11 (WO-Do), JE2-Pap, WA-Schl; lüjje Dialekt-Nd 11 (WO-Ro); Lühe GA-Beh Oeb, Dialekt-Nd 12 (WO-An), vereinz. JE2, JE1-Zi, OSCH-Nie, WA-Ste, WE-Alt Weh; Lü-e SA-Ah Ho, vereinz. Altm., JE2-Bö Fi Scho, JE1-Pa, verstr. s WO, verbr. HA, Sprw-Börde, vereinz. OSCH, WA-Un, Sprw-Harzvorld 374, verstr. WE, BLA-Bö Rü; L, Lüh verbr. nwaltm. nbrdb., JE2-HSe, vereinz. w JE1, verbr. s/w HA OSCH, WA-Ha, vereinz. n WE; Lühij JE2-Neu; Lühg JE2-Bö; LüedeHeimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie); Lüi-e JE2-GrWud; Luie WE-Ost; Lüi STE-Da, JE2-Schö; Lui WA-Ha; [l(i)] JE2-Scho; Lu-e OST-NiGö Wal; Liede, [ld] JE1-Ca Pre, ZE-Buk Dor Ze, verbr. s elbostf.; Liete JE1-Me Plö, BA-Ge, verstr. nthür.; Lihe OSCH-KloGrö, QUE-West; Li(e)-e, [l] verbr. mittleres/s JE1, vereinz. WO, HA-KlBa, vereinz. nö HA, verstr. mittleres/ö elbostf., WE-Elb Schie, BLA-Hü, QUE-Hau PrBör; l(e) Wb-Nharz 117; L SA-GrGe, QUE-Di; Liere, [lr] Mda-Ze (ZE-Reu Stre), ZE-Gri; [ll] Mda-Ze (ZE-Gro); Leute JE1-Zie, QUE-GrSchie, CA-Sta; Leite, [lait] JE1-Mö, ZE-Na Roß Steu, CA-Ca, verbr. anhalt.; [laid] verstr. anhalt. Zuss.: zu 1.: Handels-, Handwarks-, Hochzeitsleute, Hders-, Holt-, Hers-, Kinders-, Kp-, Lwes-, Manns-, Markt-, Mts-, Nwers-; zu 2b.: Hinder-, Hofleute, Knechts-, Mts-.
Luft f., n. verbr. 1. ‘die Atmosphäre der Erde bildender Stoff, Atemluft’ – scheene Luft heite ZE-Roß; dai Luft is doch ht tao schtickich SA-Dä; ik kr keine Luft HA-Oh; Rda.: in d’ Lucht gaon ‘ins Freie gehen’ Wb-Altm 128; Ich bin for dn Luft. ‘Ich werde nicht von ihm beachtet.’ Wb-Ak 108; helt de Luft an ‘hör mit deinem Gerede auf’ HA-Oh. – 2. ‘bewegte Luft, Luftzug’ – schdramme Lufd ‘starker, gleichmäßiger Wind’, Schifferspr., Elbschifferspr. 439; awwer  nich anne Lufd Wind is ‘es herrscht Windstille’ CA-Ak; kein liftjen rt sek Wb-Nharz 117; Rda.: Dat gift Luft, sä de ole Müldersche, da leit se ‘n Pup Sprw-Harzvorld 399. – 3. ‘freier Raum über dem Erdboden’ – de Frln (Vögel) flgng hauch int Luft SA-Rie; Rda.: in de Luft jehn ‘wütend werden’ ZE-Roß. – 4. ‘freier Raum, Spielraum’ – Luft machen ‘ein verstopftes Rohr durchstoßen’ ZE-Roß.
Lautf.: Luft; außerdem: [lufd] Elbschifferspr. 439 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa, CA-Ak), Mda-Fuhne 111; Luff SA-Bon; Lucht vereinz. Altm., Id-Eilsa 77 (veralt.). – Gram.: f., außerdem: n.: verstr. nwaltm. Altm. Zuss.: zu 1.: März-, Morgen-.
Marsch m. 1. ‘Fußweg über eine größere Entfernung’ 2: ZE-Roß. – 2. ‘Musikstück in geradem Takt, das dem Rhythmus des Marschierens entspricht’ 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – Rda.: einen en marsch blsen ‘jmdn. heftig zurechtweisen’ Wb-Nharz 123; Wenne no Hus kummst, warste en schönen Marsch krie’n Androhung einer heftigen Zurechtweisung, Sprw-Harzvorld 374.