Murkedwer m. ‘männl. Taube’,  Dwer, 3: Sprw-Harzvorld 399, WE-Oster.
Lautf.: Murkedöwwer Sprw-Harzvorld 399; -debbert WE-Oster.
murken Vb. 1. Lautäußerung von Hamster oder Kaninchen, 3: HA-Oh. – 2. ‘ein glucksendes Geräusch hervorbringen’ 3: Sprw-Harzvorld 399, OSCH-Schw – Rda.: de Kaldunen murket ‘Hunger haben’ OSCH-Schw. – 3. dass. wie  2murkeln 3., 3: Id-Eilsa 80, Wb-We* 228.
Murkepott m. 1. ‘mürrischer, verdrießlicher Mensch’,  segrimm, 3: HA-Oh, Id-Eilsa 80, Mda-Weg 107. – 2. ‘ungezogenes Kind’,  Lümmel, 3: Sprw-Harzvorld 399. – 3. ‘Waldgeist’ 3: Wb-We 91.
Nktrs m. ‘armer, besitzloser Mensch’,  Hebbenichts, bes. ‘Frau, die keinen Besitz in die Ehe einbringt’ 3: Sprw-Börde, Sprw-Harzvorld 374, Wb-We 92, Wb-Nharz 131, 4: Wb-Be – Rda.: Nakarsch, kein Himme ewwern Liewe, awer ne grote Schnute Sprw-Börde.
Lautf.: Nakars Sprw-Harzvorld 374, Nakkrs Wb-We 92; Nakarsch Sprw-Börde, nakrsch Wb-Nharz 131; Nakks Wb-We 92; [nakr] Wb-Be.
Nrung f. ‘Lebensunterhalt, Broterwerb’ 3: vereinz. elbostf. – Rda.: Einen in Nahrunge setten ‘jmdn. beschäftigen’ Sprw-Harzvorld 374.
Lautf.: Nahrung Sprw-Börde; nrunk Wb-Nharz 132; Nahrunge, nrunge Sprw-Harzvorld 374, WE-La, Wb-Nharz 132; Nerunge HA-Oh.
Nwer m. ‘jmd., der in jmds. unmittelbarer Nähe wohnt’ verbr. – ik j rüm bain Nwa JE2-Scho; dor Nabbor hilfd uns schonn mid DE-Ca; … sau komm’n wie mit keine Nahwers in Striet. Rauch 1929,4; Sprw.: Jeder frei sin Naowers Kind, dänn weet hei, wat hei finn’t. Bewohner-Altm 1,333; köp Nahwers Rind un frie Nahwers Kind, da warst du selten bedragen WO-Gu; en gun Nawer is besser als en slechten Vorwandten WE-Be; En Nawer bi de Hand is besser wie en Fründ öwwer Land. Sprw-Harzvorld 374; … tho synes neybers huss … 1443, StB-Neuhaldensleben 481.
Lautf.: Na(h)wer, [nwr] vereinz. nwaltm. SA n OST s Altm., JE1-Zep, verbr. n elbostf. OSCH, verstr. s/ö elbostf.; Nawor OSCH-Wu; Na(h)ber SA-Hen, vereinz. Altm., JE1-Mö Ro, verstr. w elbostf., verbr. WA, vereinz. sö elbostf., QUE-Frie; Na(h) bar STE-Ba, vereinz. elbostf.; Na(h)bor JE1-Try, WE-Mi Sa, BA-GrAls; Nabe WE-Be; Nao(h)wer, [nvr] verstr. nwaltm. Altm., vereinz. n elbostf., WE-Re, QUE-Di, CA-Eick; Naowär HA-Uep; Naowor OST-Id; [nwa] JE2-Scho; Naowe, [nv] SA-Dre We, vereinz. Altm.; Nao(h)ber vereinz. nwaltm., verstr. Altm., JE2-Go Scha, JE1-Bü Da, verstr. s GA, WE-Re, QUE-Hau, CA-Egg; Nao(h)bar SA-Ost, STE-Ga; Naohbaor OST-Drü Hö, OSCH-Nei; [naow] SA-Dä; No(h)wer vereinz. nwaltm., verstr. n/mittlere Altm., JE2-Schö, JE1-Gü; Nowär SA-Pe; Nowe GA-La; No(h)ber vereinz. mittlere/ö Altm., JE2-Fi NeuWa Wu; Nobar JE2-Red; Nobe JE2-Kl; Napp(e)r, [nap()r] verstr. sw JE1 ZE, vereinz. sw elbostf., verstr. sö elbostf., vereinz. nthür., verstr. anhalt.; Nappor, [napr] ZE-Buk Kö, KÖ-Wö; Nabber JE1-Ho, verstr. ZE, CA-Ca, BE-KlMü, vereinz. anhalt.; Nabbar JE1-Lei, BA-Ba; Nabbor, [nabr] ZE-Dü, BE-He, verbr. anhalt.; npper Mda-Sti 36; Nachbar vereinz. nwaltm. Altm., verstr. JE2, JE1-Wer, vereinz. w JE1 elbostf., CA-Lö Sa; Nachba JE2-Scho; Nachbaor vereinz. Altm. n JE2, verstr. s JE2 JE1, HA-Hi, QUE-Co, CA-Eick Salz; Nachbor OST-Fle, GA-Mie, WO-Ri Ütz, JE2-Reh See, vereinz. JE1; [nabr] BE-Gü, Nachborr WE-El; Nachboer STE-Je; Nachber DE-Bo; Naochbar JE2-Mö, JE1-Wo; Naochbaor vereinz. s Altm.; Nachwer HA-Sie.
ge n. 1. ‘paarig vorhandenes Sehorgan’, bes. des Menschen, allg. – swache en HA-Oh; schbarre daine en uf! DE-Ca; dät e st schlecht t JE2-Scho; … un’n paar lustige glue (glänzende) Ogen saten öhr in Koppe. Rauch 1929,6; Rda.: gen w sau’n Luks ‘sehr gut sehen können’ BLA-Brau; en w ne Katte dass., HA-Oh; de gen opkneppen ‘genau hinsehen’ Wb-Nharz 136; in dat ge fallen ‘auffallen’ BLA-Brau; Die Og’n in de Hand nehmen. ‘Seine Aufmerksamkeit auf etw. Wichtiges richten.’ Bewohner-Altm 1,353; keine Hand for Oen sein können ‘sehr dunkel sein’ Sprw-Eils 39; de O’en taudaun ‘einschlafen’ Sprw-Harzvorld 374; Ich hawwe de janze Nacht kn e zjemacht. ‘Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.’ Wb-Ak 123; der word Ogen maken ‘er wird erstaunt sein’ Sprw-Börde; ‘n e taudrücken ‘nachsichtig sein’ HA-Oh; met’n blaun ge derfon kommen ‘glimpflich davonkommen’ Wb-Nharz 136; einen in de Oo’n ewischt ‘betrunken sein’,  dn, OSCH-KloGrö; w aus de en jeschnitt’n ‘sehr ähnlich’ Wb-Ak 123; de kinder wassen einen t’n ge ‘die Kinder wachsen schnell heran’ Wb-Nharz 136; Sick met de Og’n klütern ‘sich verliebte Blicke zuwerfen’ Bewohner-Altm 1,353; sik de en t’n Koppe schrn ‘heftig weinen’ HA-Oh; Dat stickt mi leidig in de g’n. ‘Das wünsche ich mir sehr.’ Wb-Altm 126; de en sünd grötter w de Munt ‘sich mehr auf den Teller tun, als man essen kann’ HA-Oh; H günnt n dat Witt in d’ g nich. ‘Er ist neidisch.’ Wb-Altm 149; make de Ogen tau – un watte denn siehst, dat is dins Bemerkung zu einem Großsprecher, Sprw-Börde; Wemmor’n was st, hat morsch Kalleb inne en jeschln. ‘Wenn man ihn kritisiert, ist er beleidigt.’ Wb-Ak 123; Met n Og in’t Gesicht, met’t änner in d’Fick. von einem schielenden Menschen, Wb-Altm* 72; met’n rechten ge in de linke westenfikke kukken dass., Wb-Nharz 136; De kucket mit ein’n O’e na’n Brotschappe mit’n andern na’r Käsehord. dass., Sprw-Harzvorlf 22; Sprw.: Een Og’ arbeit’ mihr as twee Hänn! ‘Durch ein geübtes Auge kann eine Arbeit schneller vonstatten gehen.’ Bewohner-Altm 1,353; wer de gen nich upknöpt, mütt den Geldbüdel upknöpen ‘wer bei einem Handel unachtsam ist, erleidet Schaden’ STE-Wi; Rätsel: Wuh süht he uut? – Uute Oogen. Lieder-Ma Nr. 917 (HA-Gro). – Volksgl.: Gegen Augenkrankheiten hilft Wasser aus geschmolzenem Märzschnee. Brauch-Anhalt 10; w jn nn Schpringk un hln uns Ostawta, dät is jt f schlimme en JE2-Scho. – 2. ‘Ansatz des Keims oder der Knospe einer Pflanze’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 136, 4: Wb-Ak 123. – 3. ‘Fetttropfen auf einer Brühe, Suppe’ 3: Sprw-Börde, 4: Brauch-Anhalt 10 – Rda.: et kieken mehr Ogen rin wie rut ‘die Suppe ist sehr fettarm’ Sprw-Börde. – 4. ‘Masche beim Stricken’ 1: SA-Dä, 3: vereinz. elbostf. – en ge fallen lten Wb-Nharz 136. – 5. ‘Nadelöhr’ 3: Wb-Holzl 147, HA-Bee Oh. – 6. ‘Schlinge in einem Tau’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 258 (STE-Bit, WO-Ro), 4: a.a.O. 258 (CA-Ak).
Lautf., Gram.: Oge, [g] GA-Bo, verstr. n/ö elbostf., vereinz. sw elbostf.; Oog, g vereinz. Altm.; [j] CALV-Calv; Ore, [] verstr. s Altm. nö elbostf., Elbschifferspr. 258 (CA-Ak), Wb-Be, verbr. ö anhalt.; Och, [] vereinz. ö nwaltm., vereinz. w Altm.; Oe, [] WO-Zi Zie, JE2-Scho, verbr. mittleres/s JE1, ZE-Kö Roß, verstr. w elbostf., vereinz. sö elbostf., verbr. w anhalt.; O, [] verbr. nö Altm., vereinz. JE2, verbr. n JE1, vereinz. s JE1 ZE, WE-Be; Ouge, [oug] STE-Bad, CALV-Je Uth Zo; Oug Matthies 1903,19; Oure QUE-GrSchie; [u] vereinz. sw Altm.; [u] vereinz. ö STE; [u] Mda-Ze (ZE-Gro); e Mda-Ro; uo OSCH-Di; augge Mda-Sti 53; Aug GA-Kak Wern; Auch, [au] vereinz. ö nwaltm., verstr. SA w OST n GA; [u] STE-Ber, OST-Meß; [e] verbr. nwaltm.; Pl.: Og(e)n, [g()n] vereinz. s nwaltm., verstr. mittlere/ö Altm. JE2, JE1-Lü, verstr. WO HA s elbostf., DE-Que; [g] OST-Dü Kru; [] vereinz. ö nwaltm., SA-Kal, GA-Da Le; Ojen OST-Pol; jn Vk-Ask 373 (QUE-Asch); Owen OST-Pe; Oren, [n] vereinz. ö Altm., WO-HWa, WA-We, Wb-Be; O’en, [n] verstr. ö Altm. JE2 ZE, verbr. w elbostf., vereinz. ö elbostf. anhalt.; O(o)n OST-Hei, verstr. JE2 JE1 ZE, OSCH-KloGrö Nie, WE-Schau; [ougn] CALV-Je Uth Zo; [un] SA-Ra, vereinz. ö STE; [un] Mda-Ze (ZE-Gro); Augen GA-Schw; Aogen GA-Klö; [au] SA-Lüg Zie; [un] STE-Ber, OST-Meß; [eg] SA-Dä; [e] verstr. nwaltm. Zuss.: zu 1.: Heister-, Hner-, Kalfsgen, Katten-, Klter-, Knpgen, Kreien-, Kuck-, Kulperauge, Kulp-, Kulpschauge, Luchs-, Ngen-, Ossen-; zu 3.: Mnls-; zu 5.: Ntel-.
r n. ‘paarig vorhandenes Gehörorgan’, bes. des Menschen, allg. – kolte Ohrn CA-Tra; ik kann mit de ern wackeln HA-Oh; d musd m daine orn waschen DE-Ca; hinder de Oren slen Wb-We 96; Rda.: de ren opkneppen ‘genau zuhören’ Wb-Nharz 141; … un spitz doabi de Ohr’n. dass., Matthies 1903,20; sek opt r leggen ‘schlafen gehen’ Wb-We 96; b de ern krn ‘zur Rede stellen’ HA-Oh; in de Ohrn lien ‘unablässig bitten’ Sprw-Börde; umme de ren schln ‘absuchen’ Wb-Nharz 141; sik de Nacht umme de ern sln ‘nicht zum Schlafen kommen’ HA-Oh; Hinner de Ohr’n schriew’n. ‘sich etw. gut merken’ Spr-Altm 79; is op beie Ohrn dof ‘ist für eine Sache unzugänglich’ Sprw-Börde; d hat hei keine Oren tau ‘das will er nicht hören’ Wb-We 96; De Uhren stief holl’n. ‘den Mut bewahren’ Bewohner-Altm 1,364; de ren hengen lten ‘niedergeschlagen sein’ Wb-Nharz 141; wie hinder de Ohren jeseicht dass., Sprw-Börde; Bnen in den Oren hebben ‘schlecht hören können’ Wb-We 96; hei krijjt wecke hinder de ren ‘er bekommt Ohrfeigen’ HA-Oh; er hat’s hinger de Uhren ‘er offenbart sich jedem schnell’ Spr-Anhalt 166; hai hat fingadick hinna Eoan to sitt’n ‘er ist sehr verschlagen’ SA-Dä; is noch nich drege hinder den Oren ‘ist noch unerfahren’ Wb-We 96; bet ewwer beie Ohrn in Schullen stecken Sprw-Börde; dat Fell wer de ern trecken ‘jmdn. übervorteilen, betrügen’ HA-Oh; einen hinder’t r schtten dass., Wb-Nharz 141; ewwert Ohr hauen dass., Sprw-Börde; Sprw.: Mit de Ohren, wu ek andere midde höre da hör’ ek mek ok sülwest midde. ‘Was ich über andere höre, kann auch für mich gelten.’ Sprw-Harzvorld382. – Volksgl.: recht Ohr schlecht Ohr, link Ohr kling Ohr Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: Ohr, [r] Sg., Ohr(e)n Pl. Wb-Altm 206, Spr-Altm 79, Matthies 1903,20, Mda-Ar 38, vereinz. sw Altm., verbr. elbostf., Mda-Sti 23, verstr. w anhalt.; [] vereinz. s Altm.; [] vereinz. ö nwaltm., verbr. w/n Altm., WO-Zi Zie; er HA-Oh, er Mda-Weg 109; [ern] Pl. Id-Eilsa 81; [rn] Pl. Mda-Fuhne 81 (verstr. BE sw KÖ, verbr. ö DE; verstr. anhalt., jüngere Generation); Ohre, [r] verbr. mbrdb., vereinz. w JE1; Uhr Sg., Uhr(e)n Pl. Bewohner-Altm 1,364, OST-Möl, STE-Je, JE2-Schön, Spr-Anhalt 166; [] STE-Buch Steg, Siedler-Je § 127 (n JE2); [] OST-Kru, verstr. STE; U’ern Pl. Serimunt 1930 Nr. 82; [rn] Mda-Fuhne 81 (verbr. w/mittleres anhalt., ältere Generation); [r] Siedler-Je § 127 (JE2), JE2-Scho; uor OSCH-Di; uere Mda-Ro; [eo] verbr. nwaltm. Zuss.: Hsen-, Mse-.