Jauche f. 1. ‘übel riechende Flüssigkeit aus vergärten menschlichen und tierischen Ausscheidungen’ verbr.  2del Brnbr Gre Messgre Messjauche Messkte Messlke Messpütte Messwter Mge Mische Pl Sump. – 2. ‘schlecht schmeckende, verdorbene Flüssigkeit’, bes. schales Bier, dünner Kaffee ( Plurre), 2: Wb-Altm 92, 3: Wb-Holzl 113, HA-Bee, Wb-Nharz 90, Id-Quea 160, Vk-Ask 153, 4: BA-Ha. – 3. ‘brauner Saft, der sich in der Tabakspfeife sammelt’ 3: HA-Oh. – 4. ‘dunkle Abendwolken’ – in’n A’mt (am Abendhimmel) stait lauter Jauche 3: Wb-Holzl 111. – 5. ‘starkes Hochwasser’ 4: Wb-Ak 76.
Lautf.: Jauche, [jau] SA-Bar Ro We, vereinz. w Altm., verstr. ö Altm. JE2 JE1 ZE, verbr. n/ö elbostf., verstr. sw elbostf. anhalt.; Jauke, [jauk] WO-Col, JE1-HLo Ra, verbr. mittleres elbostf., Wb-Nharz 89, BLA-Wie, verstr. nthür.; Jauch, [jau] verbr. nwaltm. Altm. (außer sö), JE2-Kam Reh, GA-Brei; Jauk, [jauk] verstr. nö Altm.; Jäauch SA-Stö; Jeuch JE2-Ku; Jooche JE2-Ve, JE1-Walt, HA-NHa; Jouk SA-Rist; Juche ZE-Dü; Juke JE1-Re, ZE-Dü; Jüche (2.) Wb-Holzl 113 (HA-Eil), jche (2.) Id-Quea 160; Jüch (2.) Wb-Altm 92; [jche] (2.) Vk-Ask 153, Jiche Wb-Holzl 113 (WA-KlWa) (2.), WE-Oster, jche (2.) Wb-Nharz 90; [au] verbr. n nwaltm., SA-GrGe. Zus.: zu 1.: Mess-.
Johann 1. männl. RN – Neckreim:‘t Jehann, spann an,
twee Katt’n vöran,
twee Hun’n vörupp,
noah dean Buttberg rupp!
2: Matthies 1912,25 (OST-GrRo).
– 2. zur Personenbezeichnung. – a. in der Form Jan in abw. Komposita mit charakterisierendem Bestimmungswort. – b. in der Zus.: Hammichelwohl Verkürzung von Johann Michael ‘dicker, stämmiger und kräftiger Mensch’,  Pummel, 3: Id-Quea 156. – c. in versch. Verbdg.: Jan Dumm ‘dummer, einfältiger Mensch’,  Dussel, 3: Wb-We 58; Jan Klauk ‘Schlauberger’ 3: a.a.O. 58. – 3. in der Verbdg.: der kleine JohannesPflN ‘Fichte’ 4: Vk-Anhalta 77 (DE-Zie).
Lautf.: Johann, J- Wb-Altm 20, Matthies 1912,212, STE-Wa, HA-Oh; JohannesVk-Anhalta 77 (DE-Zie); Johannjm ‘J. Joachim’ Wb-Altm 264; Jan Wb-We 58, Spr-Anhalt 170; Jn Nd-Börde § 32 (WO-Schn); Janfrd ‘J. Friedrich’ Wb-Altm 91; -hinnck ‘J. Heinrich’ a.a.O. 91; Hanichen Dim. QUE-Di; Hannärnst ‘J. Ernst’ Wäschke 71913,49; Hanfriederich HA-Ack; -jochem ‘J. Joachim’ a.a.O.; -jörg ‘J. Jürgen’ Id-Quea 157; -jürgen ‘J. Georg’ HA-Ack; Hannmichel ‘J. Michael’ Wb-Altm 74; Hanpaul ‘J. Paul’ BLA-Brau; -saom’l ‘J. Samuel’ Wb-Altm 75; -schm ‘J. Joachim’ a.a.O. 264; -stoffel ‘J. Christoph’ a.a.O. 75; Hamfrt ‘J. Friedrich’ Nd-Börde § 118 (WO-Schn); -michel Wedde 1938,62; -paul ZE-Roß; -peter Wb-Altm 74. Zuss.: zu 1.: Krl-, Mädchen-; mit -jn zu 2.: Klter-, Lder-, Lodder-, Lder-, Nassel-.
Juchhei (Genus?) 1. ‘ausgelassene Freude’ – Sprw.: nah Juchhei kumt Nackenklei (Genickschlag) 3: Id-Eilsa 70. – 2. ‘ausgelassener, fröhlicher Lärm’,  Spektkel, 3: Lindaub o.J. 10, Id-Quea 160 – juchhei maken Id-Quea 160. – 3. ‘ausschweifend lebender Mensch’ 3: Wb-Nharz 90. – 4. PflN ‘Ackergauchheil’ 3: Wb-We 60.
Lautf.: Juchhei, juch- Lindaub o.J. 10, Id-Eilsa 70, Wb-We 60, Id-Quea 160; -h Wb-Nharz 90.
Juckpulver n. 1. ‘Pulver, das Juckreiz verursacht’ 3: HA-Bee, Wb-Nharz 90, Id-Quea 160. – 2. ‘das Innere der Hagebutte’, Kinder stecken es anderen in den Kragen, um Juckreiz auszulösen, 1: SA-Dö, 2: GA-Kak, 3: HA-Oh, WA-La Sü, 4: Mda-Fuhne* § 33 (DE-Ca) – dor had mich Juggbulwor ins Jenigge jeschdraud Mda-Fuhne* § 33 (DE-Ca).
Lautf.: Juckpulver SA-Dö, GA-Kak, WA-La; [jugbulwr] Mda-Fuhne* § 33 (DE-Ca); Juckepulver HA-Bee Oh, WA-Sü; jückepulwer Id-Quea 160; jikke- Wb-Nharz 90.
jung Adj. 1. ‘noch kein hohes Lebensalter habend’ verbr. – junke Mchens Wb-Ak 82; junke lte Mda-Sti 53; junke Ahnten WA-See; Rda.: junk wieren ‘geboren werden’ OSCH-Di; wie en Nest vull junke Uhlen wird gesagt, wenn die Kinder halbnackt in der Wohnung herumlaufen, CA-Bie; sau wat wert nich wedder junk! Ausruf der Verwunderung, Id-Quea 160; Sprw.: jung for sich un olt for sich – dat jift keinen Striet Sprw-Börde; wat junk is, dat speelt jern, wat olt is, dat nölt jern Sprw-Börde; Wat jung is, dät rögt sick, wat olt is, dät mögt sick. Bewohner-Altm 1,341; jung freit hett kee’n bereut, lang töwt het ook noch kee’n bedröwt STE-Wi. – 2. ‘zur Jugendzeit gehörend’ – Un denn vorzähltn se sich wat von ihrn junken Dagen, … 3: Spr-Asch 31. – 3. ‘der jüngeren Generation einer Familie angehörend’ – das is dor junge Millor 4: DE-Ca.
Lautf.: jung vereinz.; junk, [juk] verbr.; [uk] verstr. n nwaltm.
2Jux m. 1. ‘Schmutz, Abfall’,  Dreck, 2: Wb-Altm 93, Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste), STE-Wa, 3: HA-Bee, Mda-Weg 99, Wb-We 60, Id-Quea 160. – 2. ‘Eiter’,  Etter, 2: JE2-Rog Ro, JE1-Pa Zi, ZE-Dor, 3: verstr. elbostf. (außer sw) – da kümmt Jucks rut Wb-Holzl 114. – 3. ‘brauner Saft, der sich in der Tabakspfeife sammelt’ 4: Wb-Be, BE-Grö.
Katte f. 1. TiN ‘Hauskatze’ allg. – zahlreich in komparativen Rda., meist mit Bezug auf den Menschen: d is natt w ne Katte (völlig durchnässt) JE2-Scho; falsch wie ane Katze Vk-Anhalta 62; sliken (drum rummer gn) w de Katte um den heiten Brei Wb-We 63; De mockt’n Gesicht, as wenn’t de Katt dunnern hürt. ‘Er blickt erschrocken oder verstört.’ Bewohner-Altm 1,342; H geit daovon ass de Katt von’ Duwenslag. ‘Er entfernt sich stillschweigend, ohne sich um seine Verantwortung zu kümmern.’ Wb-Altm 96; Hei weet so väöl daovan as de Katt van’n Sönndäg. ‘Er hat keine Ahnung von einer Sache.’ Bewohner-Altm 1,343; sich wie Hund un Katze vordrn CA-Ak; mit umschpringen, wie de Katte mit de Mus ‘etw. schnell und ohne Aufsehen erledigen’ Sprw-Börde; von Schmeichlern: … w d Kaddn, d vrn liggng un hin’n kradsen GA-Da; weitere Rda.: wenn d’ Katt ‘n Ei leggt ‘niemals’ Wb-Altm* 72; dagegen zum Vertrösten von kleinen Kindern: r de Katze an Ei lt. ‘bald’ Wb-Ak 86; Man kann ok de Katt’ in Sack köpen. Spr-Altm 82; Katte un Ms spelen ‘jmdn. hinhalten’ Wb-We 63; der katte de schelle nhengen ‘eine unangenehme oder gefährliche Aufgabe allein übernehmen’ Wb-Nharz 93; nich wetten, w de katte in’n heu lt ‘über eine Sache nicht unterrichtet sein’ a.a.O. 93; du kennst k wr keinen Vogel as ne Katte Antwort auf eine törichte Äußerung, Wb-We 63; daovan weet de Katt hinnern Fürheerd nist von einer unbedeutenden Festlichkeit oder zu deren Herabminderung, Bewohner-Altm 1,339; dai hat ümma greot Weoad (Worte) un kann kain Katt fan Fahaiad (Feuerherd) treckng von einem Prahler, SA-Dä; dei geit vr de Katten ‘er muss sterben’ Wb-We 63; dat is vör d Katt ‘das ist vergeblich, wertlos’ STE-Wi; dat drcht de Katte op’n Swanz weg ‘das ist unbedeutend, minimal’ HA-Oh; dat fritt weder Katte noch Hund dass., Wb-We 63; da fengen zehn Katten keine Mus drin von einem durchlöcherten Sack, Sprw-Börde; t man, dat krit doch bles de Katten scherzh. Aufforderung zum Essen, HA-Oh; hat aber jmd. zu viel gegessen: n drcht de Katte de M (Magen) nich wech HA-Oh; Et scha’et nich, de Katte sall’t aflicken. zum Trösten eines Kindes, das sich geringfügig verletzt hat, Sprw-Harzvorld 399; in ders. Verwendung: heile heile kätzken, werde wedder gaut! Id-Quea 158; de Katten prusten, et jift ander Wäder zu jmdm., der niest, Sprw-Börde; Sprw.: de Katte lett dat Musen nich HA-No; Wat van’t Katt is, lihrt musen. Bewohner-Altm 1,343; ‘t is ne schlechte Katt, de blot vor een Lock must STE-Wi; de Katte lert erst musen, wenn se jungen deitCALV-Zo; Laot de Katt män lopen, de Kaoter kriegt se doch. Bewohner-Altm 1,343; wenn de katte nich te hs is, denn schplen de mse op disch un benken Wb-Nharz 93; nachts sind alle Katten grau WE-Oster; Watt’n spaort vör’n Mund, datt fritt Katt un Hund. Wb-Altm 96; d fogels, d sau freu singen, frit de katte jren Wb-Nharz 93; Schnellsprechübung: Katte kuckt in Fettpott. “Kuck”, seggt de Katte. Vk-Harz 3,100 (WE-Oster); Kiek, seh de Katte, kiekt von’n Bodd’n in’n Fettpott. Lieder-Ma Nr. 183 (WO-Ol); Kinderreim:Ains, zwai, drai!
Katte laip in’n Snai.
Wie se wedder ruut’r koam,
Harr si witte Steww’ln an.
Lieder-Ma Nr. 152 (WO-HWa);
Johann, spenn an!
twei Katten foran
twei Mse foropp
denn geit dat galopp!
HA-Oh;
– Volksgl.: de Katte putzt sick, et gifft Besuch WO-Gu. Kratzt sie an der Tür, steht ein Todesfall bevor (DE-De). Wenn man sie mit ins Bett nimmt, vertreibt sie Krankheiten (KÖ-Dro, DE-Que). Verschluckt man dagegen ein Katzenhaar, wird man schwindsüchtig (BA-Fro). Vor allem die schwarze K. gilt als unheimlich, obwohl ihr auch Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben werden. Wer K. leiden kann, bekommt keinen Mann bzw. keine Frau. Vk-Anhalta32. Vergisst ein Mädchen die K. zu füttern, so regnet es ihm in den Kranz; tritt es aber gar eine K., so findet sie nur einen hässlichen Mann. Hochzeit-Altm 10. weiterf. s. Vk-Anhalta 32. – 2a. in der Verbdg.: Katten schmieten ‘flache Steine so auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals springen’,  Botterstulle, 2: JE1-Gü. – 2b. in der Verbdg.: Katte miau Haschespiel, bei dem der die K. spielende Junge versuchen muss, einen der auf einem Ackerwagen sitzenden Mitspieler abzuschlagen, nachdem diese ihn mit Aussicht auf Beute (Bratwurst) zu sich lockten, 3: OSCH-Schl. – 3. vorw. im Pl., vorw. Dim. – a. ‘Blüten des Hasel- und Weidenstrauchs’ 1/2/3: allg. nd., 4: verbr. omd. – anne W’n sitt’n in Frja d asten Kätzchen JE2-Scho.  Blschp Bummel Frjrskättjen Lamm Lämmerswanz Maikatte Ndel Palme Palm(en)kätzchen Primmel Rpe Schp Schpswänze Troddel Wdenkatten Wulltappen. – b. ‘Samenträger der Kiefer’,  Knappel, 3: HA-Vö. – 4. ‘am Gürtel getragener Geldbeutel’ 2: Wb-Altm* 59, 3: Wb-Nharz 93. – 5. ‘Verbindung zwischen Leine und drei Flaschenzuggehäusen der Spriettakelage’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 222 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi), 4: a.a.O. 222 (CA-Ak).
Lautf., Gram: Katte, [kat] Elbschifferspr. 222 (STE-Bit, WO-Ro), JE2-Scho, verbr. JE1, Mda-Ze (ZE-Reu), allg. elbostf.; Katt, [kat] SA-Dä Die, allg. nbrdb.; [katn] Pl. verbr. nwaltm. Altm.; Kadden, [kadn] Pl. verstr. Altm.; Katze, [káts] verbr. s JE1 ZE, vereinz. s elbostf. anhalt.; [kads] Elbschifferspr. 222 (JE2-Mi, CA-Ak); ktze Mda-Sti 2; Dim.: kätzken Id-Quea 158; Kättschk’n Wb-Altm 96; ketjen Wb-Nharz 96; Kettje f. WE-La, [kétsn] Wb-Be; nur (3.) vorw. Pl.: Kätz(e)ken vereinz. elbostf.; Kättchen SA-Han Jah, GA-Rö, JE2-Fi, OSCH-Ba Di Eil; Kättschen SA-Die, STE-Na Wa; Kätzchen verbr.; Kätzschern SA-Ah; Kettchen GA-Rö; Ketzchen Wb-Ak 87, [ketsn] JE2-Scho; [gedsn] verbr. BE. Zuss.: zu 1.: Klter-, Klau-, Klei-, Klster-, Mai-, Mau-, Mse-, Msemaukättken, Mze-, Nachtkatze; zu 3a.: Mai-; sonstiges: Mai-, Nasch-.
Kerskrngesicht n. abfällige Personenbezeichnung, 3: OSCH-Grö, Id-Quea 141 – fgeknabbeltes kerschkärngesichte Id-Quea 141.
Lautf.: kerschkrngesichte Id-Quea 141; Karschkährnjesichte OSCH-Grö.
Kiste f. 1. ‘rechteckiger, meist hölzerner Behälter’, dient zur Lagerung oder zum Transport von Gegenständen, verstr. – Rda.: kisten un kasten ful Wb-Nharz 97; Kisd’n ufmachen ‘schlechte Neuigkeiten übermitteln’ CA-Ak; dat kümmt ut de kist oder de blade ‘es ist egal, aus welcher Kasse etw. bezahlt wird’ Id-Quea 144; … ene kesten, icht se welwet is (wenn sie gewölbt ist); … 1353, StB-Osterwieck 2; Der Roloffeschen synt gewoldyget III kesten, II grapen (Töpfe), II degel, eyn kettel unde eyn bedde. 1479, StB-Neuhaldenslebenb 140. – 2. ‘kräftiges Gesäß einer Frau’,  rs, 2: ZE-Roß.
Lautf.: Kiste, [kist]; außerdem: Kist vereinz. Altm., Id-Quea 144; Keste QUE-Di. Zuss.: zu 1.: Häckerlings-, Häcklings-, Häcksel-, Hafer-, Ml-; sonstiges: Kse-.
koddern Vb. dass. wie  koddeln, 3: Id-Quea 5.