Köster m. 1. ‘Küster, Kirchendiener’ 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE2-Scho, 3: HA-No Oh, Klaus 1936,45 –De Köster orrer goar de Prester
Sick moal bekeek’n düsse Bester …
Matthies 1903,45;
Rda. (z.T. auch mit Bezug auf 2.): Ei is en Ei, sää de Küster, dunn nahm hei dat Gauseei HA-No; Mann för Mann ‘n Vagel, un Köster ‘n Bookfink ‘der Küster wird bevorzugt’ STE-Do; De Kunst stigt ümmer höger, ut’n Köster werd’n Kröger. Bewohner-Altm 1,346; H iss so väörsichtig ass Kösters K, d ging dr Daog väör’n Regen nao Hs un word doch natt, denn’t Dack wass twei. Wb-Altm 276; Wenn’t Hert män swart is, sä de Köster, dao harr hei keen’n swarten Liwrock an. Bewohner-Altm 1,346; de Köster schleit de Woch vön Moarß vom Abendläuten am Sonnabend, STE-Scho; Vers zur Ausdeutung des Glockenklanges:Bim, bam Belamm,
Köste hät sick uphangt,
wöan n Bn afschni’n,
schall nich wä nn Bimbam schtign.
SA-Dre;
Bumbam beier,
Köster mag keein Eier.
Watt mag he denn?
Speck in d’ Pann’.
Tzü deann oll’n Leckermann.
Matthies 1912,27 (SA-Fa).
– Brauch: Derjenigen, die die letzte Garbe bindet, wird zugerufen: du müsst’n Köster säugen SA-Be; De mütt enen Köster wiegen Brauch-wAltm 94 (GA-Hem). – 2. ‘Lehrer’, veralt.,  Kantor, 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE2-Ba – Abzählreim:Eener, meener, miekn, Maekn,
D’ Köstr hetn Stock vörstaeken,
Kinner sölln nao School gaon,
Schoolgaon is wolgedaon,
Tickr, tackr, tuer – aff!
Lieder-Ma Nr. 602 (STE-Bis).
– 3. Schimpfwort, 2: ZE-Roß.
Lautf.: Köster, [köst]; außerdem: [köst] STE-Buch Steg, JE2-Scho; Köste SA-Dre; Küster HA-No Oh, Klaus 1936,45; [kistr] ZE-Roß. Zuss.: zu 1., 2.: Kuckucks-.
Kösternsger m. ‘Person, die die letzte Garbe bindet’ 2: Brauch-wAltm 94 (SA-Ja).
Lautf.: Köstensäuger.
Kranzrden n. Wettspiel, bei dem ein Reiter in vollem Galopp mit einem Stab herabhängende Kränze aufnehmen muss, 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. Altm., ADVk Kt. 28 (vereinz. JE2), 3: Brauch-wAltm 87 (verstr. s GA), vereinz. sw elbostf. – Brauch: Nach Möglichkeit sollen die beiden an einem Tor hängenden Kränze mit einem Stoß auf den Stab gebracht werden. Zwei Ritte werden durchgeführt, Sieger wird der Reiter, der die meisten Kränze herabstößt. Brauch-wAltm 84 (GA-Jer). Das K. findet häufig zu Pfingsten statt. BrauchwAltm 84 (verstr. Altm.), Pröhle 1858 (OSCH-Be Wu). Andere Termine sind der Sonntag vor Pfingsten (Brauch-wAltm 87, SA-Han), Himmelfahrt (a.a.O. 84, GA-Clü), nach Pfingsten (Bewohner-Altm 2,233) oder die Zeit der Roggenmahd (Brauch-wAltm 84, GA-Fle).
Lautf.: Kranzriden; außerdem: Kränzchenreiten vereinz. nwaltm. Altm.
Krderkl m. ‘Gericht aus verschiedenen Kohl- und Salatpflanzen sowie wild wachsenden Kräutern’ 2: Wb-Altm 118, Bewohner-Altm 2,96f., Brauch-wAltm 33. – Brauch: Am Gründonnerstag wurde K. aus den ersten zur Verfügung stehenden Nutzpflanzen bereitet. Zu den Bestandteilen gehörten u.a. Sauerampfer, Gundelreben, Feldsalat, Sprossen vom Grünkohl und Blätter des Scharbockskrauts. Bewohner-Altm 2,96f.
3Krsel m. ‘(hängende) Öllampe’,  Funzel, 2: Wb-Altm 118, Hochzeit-Altm 6, Brauch-wAltm 3 und 22, 3: vereinz. sw HA mittleres/sw elbostf., 4: Mda-Sti 165. – Brauch: Die Arbeiten in den Spinnstuben, die im Licht des K. stattfanden, begannen in der Zeit um den Martinstag mit dem festlichen Krselandrinken. Am Ende der Fastenzeit wurden die Spinnräder nach dem Krselafdrinken wieder weggestellt. Brauch-wAltm 3 und 22.
Lautf.: Krüsel Hochzeit-Altm 6, Brauch-wAltm 3 und 22, vereinz. sw HA mittleres elbostf.; Kri(e)sel, krsel vereinz. sw elbostf., Mda-Sti 165; Nbf.: Krös’l Wb-Altm 118. Zus.: l-.
Krzweg m. ‘Kreuzung zweier Wege’ 2: BrauchwAltm 56, Bauernwelt-Ze, 3: Wb-Holzl 204 (HA-Wo), HA-Oh, Wb-Nharz 108, 4: Vk-Anhalta 328, Wb-Be – Volksgl.: Da die Hexen (bes. in der Walpurgisnacht) an den K. des Dorfes vorbeiziehen, sollte man sich nachts von diesen Orten fern halten. Brauch-wAltm 56, Vk-Anhalta 328, Wb-Be. Will man sie beobachten, muss man sich dort in der Zeit um Mitternacht unter eine (ererbte) Egge legen. Brauch-wAltm 56. K. eignen sich gut für das Besprechen von Krankheiten. Bauernwelt-Ze, Wb-Be. Die Erbsen, mit denen man seine Warzen bestrichen hat, werden auf einen K. getragen, damit sie dort verwesen. Vk-Anhalta 328.
Lautf., Gram.: Krzwch (veralt.) HA-Oh; Krüüzwee Wb-Holzl 204 (HA-Wo); Kriezwech Bauernwelt-Ze; krzwch Wb-Nharz 108; KreuzwegVk-Anhalta 328; -wch HA-Oh; [kraitsw] Wb-Be.
Kuckucksköster m. dass. wie  Kuckuck-sin-Köster 1., 2: Wb-Altm 114, Brauch-wAltm 37, OST-See, ZE-Dor.
Lautf.: Kuckucksköster; außerdem: -küster ZE-Dor.
Leider m. 1. ‘Person, die die vermummten Gestalten des Fastnachts- oder Pfingstumzugs herumführt’ 1: Brauch-wAltm 25 (SA-Schm), 2: a.a.O. 64 und 78 (w Altm.) – Brauch: Die L., die als Kennzeichen Seidenschärpen trugen (GA-Da), versuchten mit einem Stock, die vermummte Gestalt vor Zudringlichkeiten zu schützen. Mit Schellengeläut kündigten sie deren Ankommen vor den einzelnen Häusern an. Brauch-wAltm 64 und 78. – 2. ‘Führer der Braut und des Bräutigams während des Hochzeitszeremoniells’ 2: Hochzeit-Altm 32f.
Lautf.: Leier.
Lichtmess f. ‘2. Februar’, urspr. kirchlicher Festtag, der an die kultische Reinigung Marias am 40. Tag nach der Geburt Jesu und an dessen Weihung im Tempel erinnerte, auch Mariä Lichtmess, verbr. – Lostag für Aussagen über den Frühlingsbeginn und die Ernte: wennt t Lichtmäss stüamt un snait, is de Somma nich ma wt SA-Rist; Lichtmissen süht de Schaper lewer ‘n Wulf in’n Stall wie de Sunne HA-No; Lichtmeß dunkel, ward de Schaper an Junker un de Bur en Eddelmann OSCH-Schw; Lichtmessen hell un klar, jibt an jutet Flachsjahr Spr-Asch 49; … jift’n guues Koarnjoar Brauch-Ma 257 (GA-Mie); ab L. werden die Tage spürbar länger und der Frühling naht: n Lichtmess nimmet jede Dch ‘n Hnenkrt (Hahnenschrei) tau HA-Oh; no Lichtmeß traut de Voß det Iß nich mehr OST-Dü;Martine
Schlachten de Leute ihre Schwine,
Lichtmessen
Hab’n sie sie wieder aufgegessen
Ackerbau-Anhalt 363
(KÖ-Wü);
Mariä Lichtmessen
Können die Herrn bei Tage essen!
Und auch die Armen
Wenn sie etwas haben
a.a.O. 280 (CA-Fro).
– Brauch: Ab L. wurde die Vespermahlzeit wieder eingenommen. Brauch-wAltm 21. In den Spinngemeinschaften bekränzten die Mädchen die Lampe, da nun kaum noch Lampenlicht bei ihren Zusammenkünften erforderlich war. Brauch-Ma 257, Mda-Ohre 355, BrauchwAltm 21f. In einigen Orten zogen die Burschen von Haus zu Haus, stäupten die jungen Mädchen mit Ruten und sammelten Eier und Würste, die dann gemeinsam bei Bier und Schnaps im Wirtshaus verzehrt wurden. SA-GrGi, Brauch-wAltm 21, JE1. Verschiedentlich fanden Feiern und Zusammenkünfte statt wie z.B. das Bauernmahl in Frose, ein festliches öffentliches Essen mit festgelegter Speisenfolge für die Honoratioren des Ortes (Ackerbau-Anhalt 281), der Bauern- und Knechteball in Biederitz oder die Gemeindeversammlungen in der Altm., auf denen die jährliche Rechnungsabnahme erfolgte. Ihnen schlossen sich meist Feiern an. (BrauchwAltm 19). L. galt als kleiner Festtag, d. h. größere Arbeiten (Feldbestellung, Spinnen) durften nicht verrichtet werden und es wurden besondere Speisen verzehrt (z.B. Tiegelbraten in Wistedt, süße Milchsuppe mit Semmeln im Drömling). Brauch-wAltm 21. Die Hirten bekamen an diesem Tag ihren Vierteljahreslohn und konnten wechseln oder wieder gemietet werden. Brauch-wAltm 20, Vk-Anhalta 38. Da der Lohn der Hirten von der Zahl der zu hütenden Tiere abhing, wurde zu L. das Vieh gezählt. Brauch-Rie 746. – Volksgl.: L. geborenes Vieh taugt nicht zur Zucht. Brauch-Anhalt 160, Vk-Anhalta 25. In der Nacht liefen die Mädchen vor das Dorf. Von dort, wo Hundegebell ertönte, sollte der zukünftige Mann kommen. Vk-Anhalta 157 (ZE-Na).
Lautf.: Lichtmes(s), -meß; außerdem: [litms] SA-Rist; Lichtmess(e)n Brauch-wAltm 19, verstr. SA, STE-Ber, verbr. elbostf., verstr. anhalt.; -misse HA-Oh; -missen verstr. w JE1, HA-No; Lechtmisse Wb-We* 223; lechtmissen Wb-Nharz 115; Lichtmäten WE-Be. – Gram.: -en Belege Dativformen.
Löfteschten n. ‘Schießen der Burschen zu Ehren des Paares bei der Verlobungsfeier’ 2: Beiträge-Stendal 2,155 (SA-Jee), Brauch-wAltm 12 (vereinz. mittlere Altm.).
Lautf.: Löftschießen.