Bl n. ‘Blei’, das Metall, verstr. – Rda.: swr w Bl HA-Oh; ... denn is et doch grade, wie wenn’n en Korf vull Blie vor’n Buke hat. Wedde 1938,6. – Brauch: In der Fastenzeit war in den Spinnkoppeln das Bleigießen als Orakelspiel üblich. Wie auch in der Silvesternacht gaben die Gebilde, die beim Erstarren des in Wasser gegossenen Bleis entstanden, Auskunft über die nähere Zukunft. Hochzeit-Altm 9, Brauch-wAltm 22.
Lautf.: Blie, bl Wb-Altm 20, verstr. elbostf.; Blei, [blai] verstr. mbrdb., Richter o.J. 79; [plai] Wb-Be; [bla] Mda-Ar 33; [bli] Mda-Ze (ZE-Gro).
Blocksbarg m. 1. ‘ 2Brocken’, höchster Berg des Harzes, 2: vereinz. Altm., JE2-Ki, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 37 – Rda.: Ick woll, du werst upp’n Blocksberg ‘Ich wünsche dich weit weg’ Wb-Altm 20; Wetterregel: de Blocksbarg brut, wei kriet ein Gewitter BA-GrAls. – Brauch, Volksgl.: De Hexen riden opn Bessensteel in der Walpurgisnacht na’n Blocksbarg. BA-Re (verstr. im Verbreitungsgebiet). Am nächsten Morgen werden Frauen neckend gefragt: Na biste ook hüte Nacht up’n Blocksbarge west? Brauch-wAltm 55. – 2. Benennung für andere Erhebungen, 1/2/3: vereinz. nd.
Lautf.: Blocksbarg, -barch verstr. elbostf.; -bar(re)ch Wb-Ak 37; -berg vereinz. Altm., JE2-Ki, vereinz. elbostf.; Ploksbarch Mda-Weg 111.
Bock m. 1. ‘männl. Tier versch. Säugetiere’, bes. von Schafen, Ziegen, Kaninchen, verbr. – de Zick mut non Buck ‘die Ziege ist brünstig’ OST-Sto; brengg m de Dsigge bain Bogg DE-Ca; Wat n’ Schap weert is, dat merket wie, wenn n’ niet Bock e’kofft weern mott. Held 1963,103; Rda.: Böcke scheiten ‘Fehler machen’ Sprw-Börde; dek stett wol der bok zu jmdm., der Schluckauf hat, Mda-Weg 89; de Bock stött wenn ein Kind nach dem Weinen weiterhin trotzig aufschluchzt (vgl. 5.), Wb-Holzl 66; Ist dänn nu de Buck rut ut’n Kohl? ‘Ist die Trotzphase vorüber?’ Bewohner-Altm 1,323; der Kn schdd Buck ‘der Kahn läuft aus dem Ruder’ Elbschifferspr. 305 (WO-Ro); wat hat’n der för Böcke te melken ‘was hat er zu versäumen’ Sprw-Börde; ja!, morgen, wenn de Bökke lammet abweisende Antwort, Wb-We 20; Wat gaohn dänn Buck de Lämmer an, sä de Bur, as’r dät Kind weegen soll. ‘Der Bauer erledigt nur Arbeiten, die unbedingt erforderlich sind.’ Bewohner-Altm 1,324; in kompar. Rda.: meckert wie so’n Bock Vk-Harz 3,46; schtief wie so’n older Bock a.a.O. 3,45; Er stinkt wie a Bock. ‘Er riecht sehr unangenehm.’ Vk-Anhalta 62; Sprw.: je eller der Bock, deste steifer isses Horn sexuelle Anspielung, KÖ-Grö. – 2. in der Verbdg.: Böckchen schiele nicht Kreisspiel, 2: Brauch-wAltm 31. – 3. ‘altes, schlechtes Pferd’,  Gaul, 1: SA-Bee Ku, 2: verstr. n/mittlere Altm., JE2-Kam, verstr. mittleres/s JE1 ZE, 3: verbr. n elbostf., verstr. s elbostf., 4: vereinz. w anhalt. – en olln Buck OST-GrAu. – 4. in der Verbdg.: einen en bok splen ‘jmdm. einen Streich spielen’ 3: Wb-Nharz 30. – 5. ‘Trotz’ vereinz. – 6a. dass. wie  Bockfell, 3: Spr-Harzb 58. – 6b. ‘Mann, der Frauen nachläuft’ 4: Spr-Anhalt 170. – 7. ‘Schneider’, scherzh.,  Snder, 4: a.a.O. 173. – 8. ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 3: ADVk Nr. 49 (GA-Wa). – 9. ‘hölzernes Gestell mit drei oder vier Beinen, das als Stütze oder als Unterlage dient’, z.B. Sägebock, Unterbau für Waschfässer, Stege und Platten, vereinz. – Rätsel: wöcker Buck hät ken Höärn? – Sägebock, STE-Wa. – 10. ’ Tisch, auf dem das gekochte Fleisch zur Wurstbereitung geschnitten wird’ 1: SA-Roh. – 11. ‘Gestell an der Sense zum Mähen von Gerste und Hafer’,  Hwertog, 2: vereinz. ZE, 3: GA-Sie. – 12. ‘erhöhter Sitz des Kutschers’ 2: Matthies 1903,51, OST-Bi, JE2-Scho, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. –Un doamit sprung voan ‘n Bock he raff
Un keek in d’ Kutsch.
Matthies 1903,51;
Rda.: gt fon bokke blsen ‘heftig schelten’ Wb-Nharz 30. – 13. ‘Haut auf der gekochten Milch’,  Pelle, 2: GA-Schw.
Lautf.: Bock, [bok] verbr. nwaltm. w Altm., vereinz. mittlere Altm., Elbschifferspr. 264 (JE2-Pa), JE1-Wö, vereinz. s JE1 w/mittleres ZE, verbr. elbostf. (außer w JE1) omd. (einschl. [bog], [pok]); [bk] Mda-Ar 29; Böckchen Dim. Brauch-wAltm 31; Buck verbr. mittlere/ö Altm. n/mittleres JE2 mbrdb. w JE1; [bk] Mda-Ar 30. – Gram.: m., außerdem: n. Held 1963,103.
Bocksmten n. Spiel, bei dem ein in der Mitte stehender Schemel durch Würfe mit einem Ball oder einer Kugel weitergerückt werden muss, 2: vereinz. w Altm., OST-Zeh, 3: Brauch-wAltm 50 (GA-Beh).
Bottball m. dem Völkerball ähnliches Spiel, bei dem die in einem Mal befindlichen Teilnehmer von den außen stehenden Spielern mit dem Ball abgeworfen werden müssen, 1: Brauch-wAltm 30 (SA-Rist We).
Lautf.: Pottball (in der Fassung von 1942 noch Bott-). – Etym.: zu  2Bott.
brv Adj. 1. ‘ehrenhaft, rechtschaffen’ 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 16 – dat wr woll en prben Krl BLA-Brau. – 2. ‘viel’, auch ‘sehr, überaus, stark’,  bannig, 2: Wb-Altm 268, Bewohner-Altm 1,349, Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie), 3: vereinz. elbostf. – hai hat sick prf ferkillt (erkältet) Beiträge-Nd 67 (WO-HWa); prfe nrunge, jesuntheit un wije slichkeit Wunsch zu Neujahr, Wb-Nharz 32; Heischevers:Gewwet en Stücke Schinken,
da künn we braav n drinken!
Brauch-wAltm 67 (GA-Nie).
Lautf., Gram.: braav, brf Bewohner-Altm 1,349, BrauchwAltm 67 (GA-Nie), Wb-Nharz 32; brave st. m. Nom. Pl. Lieder-Ma Nr. 632 (BA-Ali); brave gem. Dekl. f. Akk. Sg. Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie); braven sw. m. Nom. (Akk.) Sg. Wedde 1938,7; prf Wb-Nharz 148, BLA-Brau, Mda-Sti 16; braof, [brf] Wb-Altm 268, Beiträge-Nd 67 (WO-HWa); [prf] a.a.O. 67 (WO-HWa).
Brtballfer f. ‘Feier der Spinnstubengemeinschaft in der Fastnachtszeit, bei der das durch Heirat ausscheidende Paar verabschiedet wird’ 2: Brauch-wAltm 53 (sw Altm.), 3: Mda-Ohre 357 (GA-Rä).
Lautf.: Bruutballfeier.
Brtballsingen n. ‘Heischegang zu den jungen Eheleuten, um den  Brtball zu erhalten’ 1: SA-Bre, 2: Vk-Altm 227, Brauch-wAltm 50 ff.
Brtgeld n. ‘Geld, das junge Ehepaare der Dorfjugend, bes. zu Ostern, ausgeben müssen’, wird in der Fastnachtszeit vertrunken, 2: Brauch-wAltm 30.
Brtjergeld n. ‘Geld, das eine junge Ehefrau, die in einen anderen Ort geheiratet hat, der Dorfjugend bei ihrem ersten Besuch im alten Heimatort bezahlen muss’ 2: Brauch-wAltm 52.