Hund-belle-ml ‘von Knaben dargestellte Gestalt im Pfingstumzug’,  Pingsten, 2: Brauch-wAltm 65 (CALV-Je).
Hundebrössel m. Gestalt im Pfingstumzug,  Pingsten– Brauch: Am Pfingstumzug nahmen ca. 20 als H. verkleidete Burschen teil. Sie waren maskiert, gingen auf Socken und trugen lange Unterhosen und Hemden, auf dem Kopf spitze Hüte. Außerdem führten sie Knüppel mit sich. Während des Heischegangs der übrigen Burschen trieben sie Unfug, fingen Kinder und Mädchen und verabreichten ihnen Schläge. 2: Brauch-wAltm 78f.
Hundeslger m. Gestalt im Pfingstumzug,  Pingsten, 3: Brauch-wAltm 79 (GA-Bel).
Lautf.: Hunneschläger.
Hundewürger m. dass. wie  Hundeslger, 2: Brauch-wAltm 80 (GA-Wo).
Hupk m. TiN ‘Wiedehopf’,  Wdehopp(e), 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. sw Altm. – Volksgl.: Der H. bringt die Ostereier. Brauch-wAltm 37 (SA-Has).
inhänseln Vb. ‘jmdn. in die Brüderschaft der Knechte aufnehmen’,  bengeln, 1/2: Brauch-wAltm 45 (SA).
inlden Vb. ‘den Beginn von etw. durch Läuten der Kirchenglocken ankündigen oder bezeichnen’ 1: Brauch-wAltm 47 (SA-Böd Dam Wist), 2: a.a.O. 47 (SA-HTr), 3: a.a.O. 47 (GA-Eick Ge), HA-Oh, Wb-We* 216, Wb-Nharz 87 – n’ Sönndach inln HA-Oh. – Brauch: Das Einläuten am Vorabend großer kirchlicher Feiertage fiel der Gemeinschaft der jungen Burschen zu (SA-Böd Dam Wist), ebenso das Einläuten des neuen Jahres (SA-HTr, GA-Eick Ge). Brauch-wAltm 47.
Lautf.: inlen Wb-We* 216; -ln HA-Oh; -ln Wb-Nharz 87.
Johann ohne Genus ’24. Juni’ verstr. – dai Kamö’n (Kamillen) mün’n um Johannich arum plückt w’n SA-Dä; Jhannich mott de Pachte betlt wern HA-Oh; Der Tag gilt als einer der längsten des Jahres: üm Johann blifft ümma schummrich ra msikngjrau JE2-Scho; Rda.: sau lank w de Dch forr Jhannich ‘sehr lang’ HA-Oh; Bauernregel: f Jhannich bitt um Rng, nh kümmt he ungelng SA-Rist. – Brauch: Zu J. wurde nicht gearbeitet (Wb-Altm 264, Volksfeste-Altm 296), z.T. fiel die  Hgelfer auf diesen Tag (Brauch-wAltm 90). Anderenorts wurde bei einem Umzug unter Musikbegleitung die  Johanniskrne durch das Dorf getragen, dies konnte mit einem Heischegang verbunden sein. Volksfeste-Altm 290 (STE-Osth), Brauch-Ma 273f. (STE-Bo, WO-Ol), JE1-Pre, Vk-Anhalta 257 (CA-Zu). Die Krone konnte an der Spitze eines Mastes (Vk-Anhalta 257), einer Tanne (Vk-Harz 8,64) oder der stehen gebliebenen Pfingstmaie (Brauch-Rie 748) befestigt werden. Die Tanne wurde auch mit Esswaren geschmückt (WE-El, BLA-Ta), die Kinder tanzten um die Johanniskrone (BLA-Rü So). Vk-Harz 8,65. Auch Tanzveranstaltungen der Jugend waren üblich. Diese wurden häufig von den Mädchen ausgerichtet (verstr. ZE, verbr. anhalt.)  auch Johannisdanz, Mädchenjohann, Mädchentanz. Nur in der ö Altm. und in JE2 waren  Johannisfer üblich. In Radegast wurde ein Brunnenfest gefeiert, vereinz. wurden von Mitternacht bis spätestens Sonnenaufgang die Brunnen gereinigt (Vk-Anhalta 257). Der Johannistag war Tag des Dienstwechsels für das Gesinde. JE2-Ki, WO-Ba, CA-GrRo, ADVk Nr. 150 (JE1-Gra, BA-Ba). – Volksgl.: Die Nacht des Johannistages eignet sich für Liebesorakel ( auch Johannisnacht). So kann ein Mädchen im Traum den zukünftigen Mann sehen, wenn es zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr unter strengstem Stillschweigen neun Arten Blumen sammelt, sie zum Kranz windet und unter ihr Kopfkissen legt. Brauch-Ma 273 (WO-Ol). Den zu J. oder am Vorabend gesammelten Pflanzen wird bes. starke Heilkraft zugeschrieben. Vk-Altm 239, Brauch-wAltm 89f., Vk-Anhalta 257f., Wirth 1928,34. Z.T. ist auch hierfür die Zeit zwischen 11.00 und 12.00 Uhr vorgeschrieben (GA-Wer). Zum Schutz vor Hexen, Unholden und anderem Unheil nagelt man in der Johannisnacht ein Hufeisen auf die Türschwelle, anderenorts bricht man zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr Zweige des Faulbaums und hängt sie im Stall auf (DE-Go). Vk-Anhalta 258. Über der Tür befestigt man Eschenzweige, um das Haus zu schützen. Vk-Harz 8,66 (QUE-Ga). Auch die  Johanniskrne (dort ausf.) wird zum Schutz vor versch. Unheil angebracht. Wer zu J. an Blumen riecht, bekommt Blut- oder Nasenkrebs. Brauch-Ma 273 (HA-Sü), Mda-Ohre 360 (GA-Rä). Am Johannistag badet man nicht, weil das Wasser ein Opfer sucht.Vk-Anhalta 257 (ZE-Ze, BA-GrAls, KÖ-Kö, DE-De). Die Flüsse Bode und Holtemme fordern Opfer (Vk-Harz 8,66), ein Tümpel in Neuhaldensleben rief mit menschlicher Stimme nach einem Opfer (Brauch-Ma 273).
Lautf.: [johan] JE2-Scho, Johanni BE-Grö; [johani] SA-Dä Sta, Johannich HA-Oh, Chr-Em 427, WE-Dee; [jhani] SA-Rist; Johannig WE-Oster; [johanij] Nd-Börde § 57; Jhnnije Mda-Sti 127; Jehanne Wb-Ak 77; Jehannig Wb-Altm 264; Jehannich Zauber-Ma 95 (GA-Mie), Wb-Holzl 112, Id-Eilsa 69, QUE-Di. Zus.: Knechte-.
2Junge m. 1. ‘Kind männl. Geschlechts’ verbr. – das is a richor (richtiger) Junge DE-Ca; Rda.: Dat is en dummen Jungen sien Brauder. ‘Er ist dumm.’ Wb-Holzl 36; Junge, Junge!Ausruf der Verwunderung, des Erstaunens, CA-Ak; Sprw.: Jung’s sind Jung’s Bewohner-Altm 1,341.  TZ: Hsenmatz Hsenschter Kwer Kgel Knabe Knirps 1Kter. – 2. ‘Sohn’ 2: Wb-Altm 78, Spr-Altm 14, JE2-Gü, 3: Rauch 1929,7, Wb-Holzl 114, HA-Oh No, OSCH-Di, 4: Wb-Ak 82, DE-Ca – Fritze Müldern sn Junge HA-Oh; Unse Junge word stern komformrt. Wb-Ak 82.; Sprw.: Giwt Gott Jung’ns, so giwt hei ok Böcksen (Hosen). Spr-Altm 14. – 3a. ‘Lehrling’ 1: Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), 2: Wb-Altm 93, 4: KÖ-GrPa. – 3b. ‘Schiffsjunge’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 337 (JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 337 (CA-Ak), Wb-Ak 82. – 4. ‘ Kleinknecht’ 1: SA-Pe, 2: verstr. n Altm., JE1-Scha, 3: verstr. n elbostf., CA-Löd, 4: CA-Ak – Kinderreim:Junge drief, Junge drief,
Slaah’n Witt’n oppt Lief,
Slaah’n nich int Oegelken,
Verdeinst dick kein gut Löhnek’n!
Lieder-Ma Nr. 756 (HA-
Um).
– 5. ‘Unter’, Spielkarte, 3: HA-Oh, 4: BE-Grö. – 6. in der Verbdg.: bunter Junge ‘mit grünem Laub geschmückte Gestalt beim Pfingstumzug’,  Pingsten, 1: SA-Bre, 2: verstr. SA – Brauch: Urspr. wurde der Hirte, der am ersten Pfingsttag zuletzt mit seiner Herde auf der Weide erschien, von den übrigen Hirten mit Feldblumen und Grün geschmückt und abends beim Heimtrieb von Hof zu Hof geführt:Wir bringen enen bunten Jungen int Huus,
wer em sehn will, de kom heruut.
De Blomen hebben wi vör uns geplückt,
do hebben wi uns met uutgeschmückt.
Un hödden wi uns noch eher bedacht,
so hödden wi em noch bätter gemakt.
Söß Eier, söß Dreier, ‘n Stück Speck,
so gahn wi gliks wedder weg!
Brauch-wAltm 73.
– 7. in der Verbdg.: rder/rtjackiger Junge ‘Hausgeist’ 2: vereinz. OST, Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), JE2-Sa Schön, 3: Bewohner-Altm 2,293 (GA-Nie), Abergl-Ma 243 (WO-Ir, HA-Sü) – Volksgl.: Der rde J. rumort im Haus und richtet kleinere Schäden an. Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), Abergl-Ma 243 (HA-Sü). Er bringt häufig auch Glück und Geld und muss gefüttert werden. Wird er jedoch vertrieben, bringt er Unglück. JE2-Sa.
Lautf.: Junge, [ju] verstr. s Altm. JE2 JE1 ZE elbostf. omd.; Jung, [ju] verstr. nwaltm. Altm. (außer s), vereinz. n JE2; [u] SA-Dä El Hö; Junke Wb-We 60. – Gram.: Pl.: Jungens, [juns] ZE-Roß, vereinz. elbostf. anhalt.; Jung’ns Spr-Altm 14; [jus] verstr. nwaltm. Altm., JE2-Scho; [us] SA-Hö; [ju] SA-Ah; [u] SA-El. Zuss.: zu 1.: Mkens-, Mords-; zu 3a.: Lr-; zu 4.: Hde-, Hoff- , Kälwer-, Khrden-, K-, Kler-, Lämmer-, Ossen-; zu 5.: Klein-, Krz-; sonstiges: Hunde-, Kse-, Kgel-, K-, Läute-, Lp-, Lse-.
1Kaff n. ‘kleines Dorf’, meist abw., 2: verstr. ö brdb., 3: WE-El Sta, QUE-Hau, CA-Fö, 4: CA-Ak, Wb-Be – fon was forr an Kaff is denn d? CA-Ak. 2Kaff n., f. 1. ‘Spreu’, der aus Hülsen und Grannen bestehende Abfall des Getreides nach dem Dreschen, allg. – Das K. wurde dem Vieh ans Futter gemengt oder im Stall ausgestreut, es wurde auch zum Räuchern verwendet: dat Kaff wd fer Schwn furrat un fr Hai bruit SA-Dä; wat vör de Säu affefall’ waor, is Kaff JE2-Gü; Kaf un Schrät WE-Schau; Kieb vull Kaff GA-La; en Sack KaffGA-Vi; Rda.: h hat Geld ass Kaff Wb-Altm 94; där quatscht Korn un Kaff dorchenanner ZE-Roß; Se hat Samt upp’n Liw un Kaff in Mag’n. Spr-Altm 78; Sprw.: wer sich opp Kaf mengt, denn fretten de Schwiene HA-Va. – Brauch: In der Altm. streuten die Burschen den unbeliebten Mädchen in der Pfingstnacht Kaff vor das Haus. Brauch-wAltm 58. – 2. ‘unnützer, wertloser Gegenstand’,  Krm, 2: Wb-Altm 94, STE-Wa, JE1-Pa, 3:Wb-Holzl 115, HA-Va – datt iss man Kaff ‘das taugt nichts’ Wb-Altm 94. – 3. ‘nichtiges Gerede, Geschwätz’,  Quassel, 2: STE-Wa.
Lautf., Gram.: Kaf(f), [kaf] allg. nwaltm. brdb. elbostf. ö der Elbe, Id-Eilsa 70, WA-Ble, WE-Lan Si, Wb-We 60, CA-Löd, DE-Els; [gaf] Mda-Fuhne* § 390 (DE-Or); Kahf, [kf] verbr. elbostf., CA-Sa; [kf] Mda-Ar 24, QUE-Di, Mda-Ma 61 (vereinz. nö CA); [kf], [gf] Wb-Ak 83, verbr. BE, Mda-Fuhne* § 390 (KÖ-Preu); kwe f. Mda-Sti 156, Kawe f. BA-Ha Sip. Zuss.: zu 1.: Hwer-, Heu-, Knutten-, Luzernen-.