Mr(e) m., f. 1. ‘gespenstisches Wesen, das nach dem Volksgl. Albdrücken hervorruft, indem es sich auf die Brust des Schlafenden setzt’ 2: Wb-Altm 134, Albrecht 21822 3,4, Kuhn 1843 Nr. 48, 3: Wb-We 87, BLA-Brau, Id-Queb 10, 4: Brauch-Anhalt 6f. – de Mrt drücket mek Wb-We 87;Wöck sähn de Alp,
wöck sähn de Moard,
De schleek’ sick bi uns rin.
Albrecht 21822 3,4;
Besprechungsformel gegen den M.:Mrte, salst mek nich driken un nich beriken,
salst ale Halme kniken,
salst ale Bme bestjen,
salst ale Wters berden.
BLA-Brau.
Volksgl.: Der M. kann sowohl männl. als auch weibl. Gestalt annehmen. Die Augenbrauen sind zusammengewachsen. Er gelangt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer. Verstopft jmd. das Schlüsselloch, während der M. einen Schlafenden drückt, so kann er nicht hinaus und muss an der Stubentür stehen. Brauch-Anhalt 6f. – 2. ‘Albdrücken’ 3: vereinz. nö QUE, CA-Fö.
Lautf.: Mare Brauch-Anhalt 6f.; Mrte Wb-We 87, BLA-Brau; Mahrt Kuhn 1843 Nr. 48, Wb-We 87, vereinz. nö QUE, CA-Fö, mrt Id-Queb 10; Maort Wb-Altm 134; Moard Albrecht 21822 3,4. – Gram.: m. belegt Kuhn 1843 Nr. 48, Id-Queb 10; f. belegt Brauch-Anhalt 6f.
Marsch(e) f. 1. ‘feuchte Niederung, sumpfiges Wiesen- und Weideland’,  Brk, auch allg. ‘Wiese, Weide’ 1: SA-Dä Han, 2: Wb-Altm 132, Albrecht 21822 3,12, SA-Meh, OST-Thie, Wb-Holzl 139 (WO-Fa Me), 3: vereinz. HA WE; auch in FlN, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. nbrdb., vereinz. w JE1 ZE, 3: vereinz. n elbostf., OSCH-KloGrö –Noch hüüt säh (erzählt) unse Koh’r (Gemeinschaft) doavan,
De Gräsung stünn so dünn,
De Mersche wär so koahl, dät man
‘Ne Luus drup pietschen künn.
Albrecht 21822 3,12;
4 morghen, de teyt vp de groten mersche 1467, UB Kloster Ilsenburg 2,506. – 2a. ‘Dorfplatz’, auch ‘Platz, auf dem der Markt abgehalten wird’ 1: SA-Die, 2: GA-Da, JE2-Ge, 3: HA-Neu. – 2b. ‘Jahrmarkt’, bes. Benennung für den Jahrmarkt in Neuhaldensleben, 3: ADVk Nr. 8 (WO-Da Gu, HA-Hör), HA-Neu.
Lautf.: Masche Wb-Holzl 139 (WO-Fa Me), vereinz. n elbostf., WE-Strö; Masch SA-Han; [mask] SA-Dä; Mersche Albrecht 21822 3,12, Wb-Holzl 139 (WE-Roh); Mä(r)sch Wb-Altm 132; Mäsche GA-Da, JE2-Ge; Mäsch SA-Die Meh, OST-Thie; Msche WE-La Zi; Mesche HA-Oh. – Etym.: mnd. mersch, marsch ‘Niederung an großen Flüssen, niedrig gelegenes Weideland’ < as. mersk < vulgärlat. mara ‘Meer, stehendes Gewässer’, Wort im frz.-ndl. Grenzbereich entstanden, wohl bereits vor der ndl. Kolonisation in das Gebiet an der Elbe gelangt, vgl. Frings 21968,317f., Teuchert 21972,52, Studien-Elbostf 131.
Mett n. ‘rohes gehacktes Rind- (slt.) oder Schweinefleisch’,  Gehackte, auch ‘Füllmasse für die  Mettworst’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. w Altm., vereinz. ö Altm., 3: vereinz. nw WE, Wb-We 88, Id-Queb 11 – … hacken will he denn dät Mett … Albrecht 21822 3,27.
Lautf.: Mett; außerdem: Mätt OST-Schön, Mtt Wb-Altm 136. – Gram.: m. belegt GA-Pe.
Mser m. ‘Mörser, rundes Gefäß, in dem mit Hilfe eines Stößels feste Stoffe zerstoßen werden’ 2: Wb-Altm 136, Albrecht 21822 3,28, Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 44, BA-Ha, Wäschke 41919,100 – Twbäcke wert in Mörser kaputt e’ stött HA-Oh; … tatse in an Marschel, schtamptese kortschenkleeninzwee … Wäschke 41919,100;Un in Meuser twei to stötn
Päper, Allerlei, Kamum
(Kardamon). Albrecht 21822 3,28.
Lautf.: Mser, Möser vereinz. w elbostf.; Meser OSCH-Ba, WE-Wa; Mser, mser Wb-We* 226, Wb-Nharz 126, BLA-Brau, Mda-Sti 44; [mesr] QUE-Di; Meuser Albrecht 21822 3,28; Meis’r Wb-Altm 136; Mörser HA-Oh Ost, WA-Un, WE-He; [marzr] Mda-Ze (verstr. ZE); Nbff.: Mörschel Heimatgesch-Bad 30; [mrl] BA-Ha; Marschel Wäschke 41919,100. – Etym.: im Mnd. existieren nebeneinander gleichbed. möser, moeser, moyser (HWb-Mnd 2,1025) und mortr (HWb-Mnd 2,1023), die wie mhd. morsaere, morser, ahd. morsri, morsti auf lat. mortrium ‘Mörser’ zurückgehen. Die -s- Formen entstanden wohl in Anlehnung an die Sippe von  morsch, vgl. Kluge 231995,570. Gegen eine Herleitung der nd. -r-losen Formen aus  1Ms ‘breiartige Masse’ spricht das abweichende Verhalten des Stammvokals im Wörterbuchgebiet.
Mundlock n. ‘Öffnung des Backofens’ 2: Albrecht 21822 2,49, 4: Wb-Be.
Lautf.: Mundlock Albrecht 21822 2,49; [muntlo] Wb-Be.
nwern Vb. ‘den Nachbarn Besuche abstatten, um mit ihnen zu schwatzen’ 2: Wb-Altm 145, Albrecht 21822 1,60, Spr-Altm 15, 3: BLA-Brau, 4: Wäschke 31909,45 – … die Miehme Eweln war an Heppchen nappern jejangen … Wäschke 31909,45.
Lautf.: nwern BLA-Brau; naowern Wb-Altm 145, noawern Albrecht 21822 1,60, Spr-Altm 15; nappern Wäschke 31909,45.
Nßel n. 1. ‘Hohlmaß von einem halben Liter’, auch das Messgefäß, z.T. veralt., 2: Wb-Altm 150, Albrecht 21822 2,113, Schwerin 1859,36, JE2-Schön, 3: WO-Ba, Wb-Holzl 147 (HA-Bad), HA-Oh, Sprw-Börde, BLA-Brau, verstr. sö elbostf., 4: verstr. anhalt. – en Nösel Brennewien Wb-Holzl 147 (HA-Bad); Wo mannig Kroß Beer un wo mannig halw Oeßel mütt’r an glöb’n, denn drunken mütt’r bi werd’n. Schwerin 1859,36; Hle m an Nßel Millich. Wb-Ak 120; … kuppern oder zinnen maszen als zum honig rechte quartier, noszeln und halbe nöszeln … 1541 Baurdinge-Que 61. – 2. ‘Schöpfgefäß, Maß zum Wasserschöpfen’,  Wterkelle, 2: WO-San, ZE-Ser We, 3: WE-Elb, BA-Ba, verstr. ö elbostf., 4: verstr. omd. – jib ml es Nßel hor BE-Gü.
Lautf.: Nssel, Nößel Albrecht 21822 2,113, ZE-We, HA-Oh, BA-Ba Sil, BE-Gü, vereinz. mittleres anhalt., Nösel Wb-Holzl 147 (HA-Bad); Nötzel BE-KlMü; Nötel WE-Elb; Neeßel, [nsl] BLA-Brau, CA-Ca, BE-Gü, verstr. omd.; [nzl] QUE-GrSchie, CA-Sta, verstr. w BE; [ntsl] CA-Sa; [ndsl] BE-He; Näßel CA-Kü Me; Össel Wb-Altm 150, Oeßel Schwerin 1859,36, Ößel ZE-Ser; [tsel] JE2-Schön; E(e)zel, E(e)tzel, [tsl] JE1-Walt, verstr. ö elbostf. s CA; Hötzel WO-San; Hetsel CA-Bo. – Etym.: mnd. nössel, sel, össel ‘kleines Flüssigkeitsmaß’, vgl. HWb-Mnd 2,1112 und 1194, frnhd. nözzeln, weitere Herkunft unklar, vgl. Kluge 231995,591.