inrickern Vb. dass., 2: Hausfr-Altm 1925,26, STE-Do.
Lautf., Gram.: inrickern STE-Do; -rickert Part. Prät. Hausfr-Altm 1925,26.
2Junge m. 1. ‘Kind männl. Geschlechts’ verbr. – das is a richor (richtiger) Junge DE-Ca; Rda.: Dat is en dummen Jungen sien Brauder. ‘Er ist dumm.’ Wb-Holzl 36; Junge, Junge!Ausruf der Verwunderung, des Erstaunens, CA-Ak; Sprw.: Jung’s sind Jung’s Bewohner-Altm 1,341.  TZ: Hsenmatz Hsenschter Kwer Kgel Knabe Knirps 1Kter. – 2. ‘Sohn’ 2: Wb-Altm 78, Spr-Altm 14, JE2-Gü, 3: Rauch 1929,7, Wb-Holzl 114, HA-Oh No, OSCH-Di, 4: Wb-Ak 82, DE-Ca – Fritze Müldern sn Junge HA-Oh; Unse Junge word stern komformrt. Wb-Ak 82.; Sprw.: Giwt Gott Jung’ns, so giwt hei ok Böcksen (Hosen). Spr-Altm 14. – 3a. ‘Lehrling’ 1: Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), 2: Wb-Altm 93, 4: KÖ-GrPa. – 3b. ‘Schiffsjunge’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 337 (JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 337 (CA-Ak), Wb-Ak 82. – 4. ‘ Kleinknecht’ 1: SA-Pe, 2: verstr. n Altm., JE1-Scha, 3: verstr. n elbostf., CA-Löd, 4: CA-Ak – Kinderreim:Junge drief, Junge drief,
Slaah’n Witt’n oppt Lief,
Slaah’n nich int Oegelken,
Verdeinst dick kein gut Löhnek’n!
Lieder-Ma Nr. 756 (HA-
Um).
– 5. ‘Unter’, Spielkarte, 3: HA-Oh, 4: BE-Grö. – 6. in der Verbdg.: bunter Junge ‘mit grünem Laub geschmückte Gestalt beim Pfingstumzug’,  Pingsten, 1: SA-Bre, 2: verstr. SA – Brauch: Urspr. wurde der Hirte, der am ersten Pfingsttag zuletzt mit seiner Herde auf der Weide erschien, von den übrigen Hirten mit Feldblumen und Grün geschmückt und abends beim Heimtrieb von Hof zu Hof geführt:Wir bringen enen bunten Jungen int Huus,
wer em sehn will, de kom heruut.
De Blomen hebben wi vör uns geplückt,
do hebben wi uns met uutgeschmückt.
Un hödden wi uns noch eher bedacht,
so hödden wi em noch bätter gemakt.
Söß Eier, söß Dreier, ‘n Stück Speck,
so gahn wi gliks wedder weg!
Brauch-wAltm 73.
– 7. in der Verbdg.: rder/rtjackiger Junge ‘Hausgeist’ 2: vereinz. OST, Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), JE2-Sa Schön, 3: Bewohner-Altm 2,293 (GA-Nie), Abergl-Ma 243 (WO-Ir, HA-Sü) – Volksgl.: Der rde J. rumort im Haus und richtet kleinere Schäden an. Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), Abergl-Ma 243 (HA-Sü). Er bringt häufig auch Glück und Geld und muss gefüttert werden. Wird er jedoch vertrieben, bringt er Unglück. JE2-Sa.
Lautf.: Junge, [ju] verstr. s Altm. JE2 JE1 ZE elbostf. omd.; Jung, [ju] verstr. nwaltm. Altm. (außer s), vereinz. n JE2; [u] SA-Dä El Hö; Junke Wb-We 60. – Gram.: Pl.: Jungens, [juns] ZE-Roß, vereinz. elbostf. anhalt.; Jung’ns Spr-Altm 14; [jus] verstr. nwaltm. Altm., JE2-Scho; [us] SA-Hö; [ju] SA-Ah; [u] SA-El. Zuss.: zu 1.: Mkens-, Mords-; zu 3a.: Lr-; zu 4.: Hde-, Hoff- , Kälwer-, Khrden-, K-, Kler-, Lämmer-, Ossen-; zu 5.: Klein-, Krz-; sonstiges: Hunde-, Kse-, Kgel-, K-, Läute-, Lp-, Lse-.
2Jux m. 1. ‘Schmutz, Abfall’,  Dreck, 2: Wb-Altm 93, Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste), STE-Wa, 3: HA-Bee, Mda-Weg 99, Wb-We 60, Id-Quea 160. – 2. ‘Eiter’,  Etter, 2: JE2-Rog Ro, JE1-Pa Zi, ZE-Dor, 3: verstr. elbostf. (außer sw) – da kümmt Jucks rut Wb-Holzl 114. – 3. ‘brauner Saft, der sich in der Tabakspfeife sammelt’ 4: Wb-Be, BE-Grö.
kapbel Adj. ‘fähig, imstande sein’ 2: Wb-Altm 120, Hausfr-Altm 1927,50, 3: HA-Oh, Sprw-Börde, vereinz. s elbostf. – hei is sau kumpwl ‘er ist imstande, etw. Bestimmtes zu tun’ QUE-Di.
Lautf.: kumpabel; außerdem: kumpoabel Hausfr-Altm 1927,50; kumpaob’l Wb-Altm 120; kumpawel Spr-Börde, kumpwel Wb-Nharz 110; [kumpwl] QUE-Di. – Etym.: zu frz. capable ‘fähig, tüchtig, imstande’.
kaputtig Adj. dass. wie  kaputt 1., 2: Hausfr-Altm 1925,55, 3: verstr. elbostf., 4: CA-Ak, Wb-Be – De kaputtig Zilinner ha sin Schülligkeit doan, un ick smetn butn in’ Winkl. Hausfr-Altm 1925,55; ‘n kaputtijen Rock trecke ik nich an! HA-Oh.
Lautf.: kaputtig, -ich, [kaputi]; außerdem: [kabudi] CA-Ak.
Karbonde f. ‘Fleischstück aus dem Rücken des Schlachttiers’ 2: Hausfr-Altm 1927,49, ZE-Roß, 3: Wb-Nharz 93, QUE-Di, Spr-Asch 46, 4: Wb-Ak 85, Wb-Be.
Lautf.: [krwnd] ZE-Roß; karmende Wb-Nharz 93, Karmenade Spr-Asch 46; Karmende, [karmend] QUE-Di, Wb-Ak 85, Wb-Be; Kammnoad’ Hausfr-Altm 1927,49.
Karwatsche f. 1. ‘Peitsche mit geflochtenen Lederriemen’ 2: Wb-Altm* 59, Hausfr-Altm 1927,49, 3: HA-Oh, Wb-We 62, Wb-Nharz 93. – 2. ‘Ohrfeige, Schläge,  Prgel’ 3: Spr-Asch 17, 4: Wb-Be – et jift Karwatsche Spr-Asch 17.
Lautf.: Karwatsche; außerdem: Karbtsche HA-Oh, Wb-We 62; [karwte] Wb-Be; Nbf.: Klabatsch Wb-Altm* 59, Hausfr-Altm 1927,49. – Etym.: wohl zu slaw. karbač < türk. kyrbač mit gleicher Bed., vgl. Eichler 1965,58f.
kein Indefinitpron. 1. attr. ‘nicht ein, nichts an’ allg. – a. Verneinung eines Subst.: hewwe keine Bange! HA-Oh; wi hemm kain Brot WA-Ost; Ich hawwe kn Jeld. Wb-Ak 86; mit verstärkender zweiter Negation: det is doch keen Wunder niche ZE-Roß; Bei uns kimmet kee Zank un kee Schtreit nich vor. Wäschke 61920,5; Rda.: make kan’n Summs nich ‘mache kein langes Gerede’ Spr-Asch 19; die Bed. umkehrend: dat bedrippt keinen Armen HA-Oh; nicht negierend in Fragesätzen: kanste mek keinen schauster nennen, w ek hen gn kan? Wb-Nharz 94; kannst’e mik keinen Jefallen daun? HA-Oh. – b. Verneinung eines Adj.: im Derp weer kei ahm (armen) Lüh SA-Rist. – 2. allein stehend (Stellvertreter eines Subst.) ‘niemand, nicht eins’ verbr. – dat hat mik keinder secht HA-Oh; Ich hawwe k’n jesn. Wb-Ak 86; Rda.: wder eins noch keins ‘gar nichts’ Wb-Nharz 94; mit verstärkender zweiter Negation: hor sinn gne niche BE-Gier, mit verstärkendem ein: De Gerichten kunn’n em jao nist don, indem dat em keen een wat naohwies’n kunn. Pohlmann 1905ff.,124 (OST-GrRo); Rda.: runner falln iss keen een Hausfr-Altm 1925,26.
Lautf., Gram.: attr./allein stehend (m. Nom. Sg.): kein(er), -ai- SA-Ku Lüg, verbr. elbostf.; [käin] verstr. SA, GA-Fau Ku; ken(er), [kn(r)] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. brdb. anhalt.; kan(er) WE-El, QUE-Di GrSchie, Spr-Asch 19 und 36; attr.: [gn] Mda-Fuhne 115 (nö DE, bei Kindern auch ö DE); kei SA-Rist; kee, k Wäschke 61920,5, DE-Els; [g] Mda-Fuhne 115 (BE KÖ DE); allein stehend (m. Nom. Sg.): keinder verbr. elbostf., Mda-Sti 30; keender WO-Sa, Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie).
Kerkenbodden m. ‘Dachboden der Kirche’ – … uppn Kirchenböän iss’t düster un schustrig (gespenstisch) 2: Hausfr-Altm 1924,33.
Kind n. wie Standardspr., allg. – Kinder gaht na Hus, ‘t wart all duster HA-Bee; d lfd anne janse Hugge Ginnor in Howwe rum DE-Ca; Rda.: tosam’mbrocht Kinna ‘Kinder, die in die Ehe mitgebracht wurden’ SA-Dä; met’n kinne gn ‘schwanger sein’ Wb-Nharz 97; H hat nich Kind und Kegel. ‘Er ist kinderlos.’ Wb-Altm 100; keen Kind, keen Hind hämm’ dass., Bewohner-Altm 1,343; kein Kind – kein Hind von jmdm., der nur wenig zu tun hat und trotzdem nicht fertig wird, WE-Dee; Hei kann keen Kind vertär’n (verärgern) oder hei mütt’n in’n Hinnersten kniepen. von einem friedfertigen Menschen gesagt, Bewohner-Altm 1,343; Dao schall man wol de Kinner mit to Bett jaogen. von einem hässlichen Menschen gesagt, Wb-Altm 100; Wenn’ d Kinner ähr’n Willen krieg’n, dänn ween’n s’ nich. spöttische Bemerkung über Erwachsene, die die Nichterfüllung ihrer Wünsche nicht hinnehmen können, Bewohner-Altm 1,344; Kinder kann man mit wennich de Hand fillen ‘Kinder sind leicht zufrieden zu stellen’ Sprw-Börde; Kinder ät’t langsam, da lett sick feel bipacken. Wb-Holzl 34; in Ausrufen: Kinner ne, wi kann denn man so was njn! CA-Ak; Kinner ok, wat hebb ich mei dunn freut, dätt kunn ick keen’ seng’! Hausfr-Altm 1925,54; Sprw.: Een Kind – keen Kind, twee Kinner – Spölkinner, dree Kinner – völ Kinner. Spr-Altm 14; en Kinneken – en gut Stünneken ‘die Betreuung eines Kleinkindes entbindet von harter körperlicher Arbeit’ WE-Dee; Kinder un Narren segget de Wahrheit HA-No; Kinner un oll Lü’ seng’n die Wahrheit. Bewohner-Altm 1,344; Kinder un Besopene spreken de Wahrheit Sprw-Börde; Kinder daun wie se klauk sind Sprw-Börde; wenn t Kinner still sind dn mkns wat ‘wenn Kinder leise sind, machen sie meist Dummheiten’ STE-KlMö; Wecker sin Kind lew hät, de hölt et unner de Tucht. Spr-Altm 14; auch: Je leewer Kind, je schärper Ro’ (Rute). Bewohner-Altm 1,343; Wer sin Kinnern gewt dät Brod un litt naoher sülwst Nod, de is wert, dät’n met’n Kül sleit dod. ‘Wer den Kindern den Besitz übergibt, sollte sich ein ausreichendes Altenteil sichern.’ a.a.O. 1,344; Kleine Kinner – kleine Sorg’n; grote Kinner – grote Sorg’n. Spr-Altm 14; wenn de Kinder lüttjig sünd, treet se de Mutter opp de Schörte, awer wenn se grot sünd, treet se se opp’t Harze HA-No; ein Fder kann er tein Kinder ernern w tein Kinder einen Fder HA-Oh; Je mehr Kinder, je mehr Vaderunser. ‘Je mehr Kinder, umso mehr Gaben kommen von Gott.’ WO-Gu; vael kinnr, vael sjn.Vk-Ask 125; Klein Kinner fallen Engel in’n Schoot. ‘Kinder fallen, ohne sich zu schaden.’ Bewohner-Altm 1,343; Kinder fallt de Engel in’n Schoot, awer de oolen Lüe fallt den Düwel opp de Höörn HA-No; Wenn’t Kind in’n Pütt’n fallen is, denn ward’r todeckt. Spr-Altm 14; auch: wennt Kind versopen is, werd de Brunne taueleggt Wb-We 65; Rätsel: Wat liet in Holte un schreit in Dörpe? – das Kind in der Wiege, HA-Bee; Schlaflied:Schlahpe, Kinnecken, söhte,
Ick pugge
(wiege) dick mit de Föhte,
Ick pugge dick mit de gählen Schauh,
O Kinnecken, daug de Ögelken tau!
Schläpst du sau, so wirst du fromm’n,
Sau ohk de Engel tau dick komm’n
Un währ’n dick bewahren,
Datt dick nischt kann wedderfahren.
Firmenich o.J. 162
(CA);
Ruh ruh reichen,
kocht det Kind en Breichen,
leat’n Stückchen Botter nan,
det det Kind schön pappen kann.
ZE-Nu.
– Volksgl. (Kinderglaube): Die Kinder werden allg. vom Storch gebracht, vereinz. w auch von der Hebamme, vereinz. (nicht n JE2, Harzvorl., Nharz.) vom Engel, n OST von der Eule, daneben vom Weihnachtsmann, Osterhasen (ZE-Dee) oder vom  Nicker (BE-Ad). Sie kommen aus Seen, Sümpfen, Flüssen sowie aus dem Brunnen, außerdem auch vom Himmel oder vom lieben Gott (vgl. ADVk Kt. 20 und 74, Vk-Anhaltb 29f.).  TZ: Hmelstrt 1Hn Kle Kk-up-den-Disch Kleine Klter Knirps Knurps Krabte Krabbe Kräuel Krauter 1Krne 1Krpel Krte Kken 1Lork(e) Lütte 1Matz Mauseschwanz Murkel Murkelarsch 1Ms.
Lautf., Gram.: Kind; außerdem: [gind] verbr. BE; Pl.: Kinder, Kinner; außerdem: [kin] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; [kin] SA-Dä, verbr. s Altm., JE2-Scho; [gir], [ginr] verbr. anhalt.; Kindere OSCH-De, WE-La, Wb-Nharz 97; [kir] Mda-Ze (verstr. ZE); Kinger, [kir] Mda-Ze (ZE-Gro Stre), BA-Ha. Zuss.: Himmelskindchen, Hr-, Jumfern-, Kindes-, Memmen-, Minschens-.