Altweibermühle f. Spiel zu Pfingsten, veralt., 4: Vk-Anhalta 254 f./Vk-Anhaltb 14 (BE-Le, KÖ-Wü) – Die Mädchen, die beim Festumzug noch mit allerlei körperlichen Gebrechen behaftet schienen, treten der Reihe nach in ein eigens errichtetes Zelt, in dem zuvor eine alte, klapprige landwirtschaftliche Maschine aufgestellt worden war. Nach kurzer Zeit kommen sie geheilt und verjüngt wieder heraus. Vk-Anhalta 254 f. (KÖ-Wü).
Anken Pl. ‘Rückstände von ausgelassener Butter’ 2: Vk-Anhaltb 10 (ZE-Ned).
Antog m. 2: vereinz. nbrdb., Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘aus Hose und Jacke (z.T. auch mit Weste) bestehende Kleidung (für Männer), Anzug’ – Uff jede Seite von’n saß’n Schäffe (Schöffe), ooch in’n schwarzen Anzuch. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); de Anzuch is op Tauwass emket ‘der Anzug ist so groß gearbeitet, dass er nach einer Gewichtszunahme seines Trägers immer noch passt’ HA-Oh. – 2. ‘Beschleunigungsvermögen’ – dae Paere hebben keinen Anzug, dat ht, sei kennen nich feste antrecken BLA-Brau. – 3. ‘feierliche Bewirtung der Dorfbewohner’, bes. durch neu Zugezogene – Brauch: Kam eine junge Frau in ein anderes Dorf, wurde A. gefeiert. Vk-Anhaltb 45. Die im abgelaufenen Jahr in die Gemeinde Gezogenen gaben Geld oder Bier. Ein Brautpaar, das außerhalb geheiratet hatte, lud zum A. ein. Brauch-Anhalt 3.
Lautf.: Antog, antoch Wb-Altm 6, Spr-Maa 440 (STE-Scher, WO-Ol), Rauch 1929,158; Anzock Vk-Anhaltb 45; nzok, -zoch Wb-Ak 24; Anzug, -zuch Heimatkalender-Je 1923,101 (JE2-Fi), a.a.O. 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), vereinz. elbostf.; -zuck Richter o.J. 92; Aanzuch Wb-Holzl 56 (HA-Wo); oonsu Mda-Ro.
April m. Monatsname, verstr. – Dei Hochtid was in’n April, ... Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); For Schawwernacksleite is dor erschte April immer ’n freedijes Ereichnis. Krause 1964,55; Rda.: in’n april schikken ‘jmdn. necken, foppen, zum Narren halten’ Wb-Nharz 17; Reim: ’n irsten April kann’n Narren schicken wo’n (wohin) will. Bewohner-Altm 1,319; April, April, d kammor nfr’n wmor will Zuruf als Entschuldigung an jmdn., den man in den A. geschickt hat, Wb-Ak 25; Wetterregel: April deit, wat hei will WE-Be; ’n drng April is nich dn Bans Will SA-Rist; De April mag sien wie e will, aber Loof un Gras bringet e doch. Chr-Em 427. – Brauch: Bes. am ersten Tag des Monats suchten Kinder und jüngere Erwachsene einander zum Narren zu halten. Es wurde versucht, dem anderen eine unwahrscheinliche Geschichte als wahr darzustellen oder ihn zum Herbeiholen fiktiver Gegenstände (z. B.  Müggenfett,  Msefeddern) zu veranlassen. Vk-Anhalta 226, Wb-We 9. Der 1. A. war in den Kreisen BE, KÖ und DE der Tag, an dem die Mägde ihren Dienst antraten. Vk-Anhaltb 64.
Arft(en)br m. ‘Erbsenbrei’ 2: Mda-nwJe1a 41 (vereinz. nw JE1), verstr. ZE, 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Be – Dä Arwtenbri war grade gar, ... Klaus 1936,34. – Brauch, Volksgl.: A. wurde zur Hochzeit oder zur Taufe gegessen. Als ‘quellender’ Speise wurde ihm (ebenso wie Hirse und Reis) die Wirkung zugeschrieben, Geld und Wohlstand zu vermehren. Brauch-Anhalt 59 (ZE-Bor), Vk-Anhaltb 44 (ZE-Cob).
Lautf.: [arftbrai] Mda-nwJe1a 41 (vereinz. nw JE1), Mda-Ze (verstr. ZE); Arftenbr, arften-, Arwtenbri vereinz. w elbostf.; [arwsprai] Wb-Be.
bannen Vb. 1. ‘durch magische Kraft/Wirkung oder Zauber festhalten, binden’ 2: vereinz. Altm., 3: Lindaua o.J. 67, Wb-Nharz 20, 4: vereinz. anhalt. – “Jetzt ist Tiet, nu kannst äm bannen.” Hausfr-Altm 1929,24 (STE-KlMö); D sin w jebannt zusamm. Wb-Ak 31; Zus.: der is wie hingebannt über jmdn., der immer wieder an einen best. Ort geht, Vk-Anhalta 70. – Volksgl.: Der Imker ist imstande, einen Dieb, der im Begriff ist, einen Bienenkorb zu stehlen, zu b. Wb-Altm 11, Bewohner Altm 2,304. – 2. ‘Krankheiten besprechen, durch Zauberformeln zu heilen versuchen’ 2: Vk-Anhaltb 13 (ZE-Brä).
Lautf., Gram.: bannen Hausfr-Altm 1929,24 (STE-KlMö), Lindaua o.J. 67, Wb-Nharz 20, Vk-Anhaltb 13 (ZE-Brä); ban’n Wb-Ak 31, bann’Wb-Altm 11; Part. Prät.: jebannt Wäschke 61915,125; hingebannt Zus. Vk-Anhalta 70.
Bauernkuchen m. ‘runder Hefekuchen aus Roggenmehl’, wurde am 1. Weihnachtstag anstelle von Kartoffeln zum Gänsebraten gereicht, 2: Vk-Anhaltb 24 (ZE-Dee).
begatten Vb. refl., nur in der Rda.: der Roggen begattet sich vom sich im Wind bewegenden Getreide gesagt, 4: Vk-Anhaltb 47 (DE-So).
besprken Vb. 1. ‘bereden, besprechen’ 1: SA-Dä, 2: JE2-Scho, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 137, Wäschke 41910,2 – ... was sein Vater nu ma unger vier O’en mitn buschprechen wolle. a.a.O. 2. – 2. ‘Krankheiten durch Zauberformeln zu heilen versuchen’, ausf. vgl. bten 2., 2: Vk-Anhaltb 13 (vereinz. ZE), 3: verbr. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 13 (verstr. BE w/s KÖ, vereinz. n DE), Wb-Be – se leit sek de rause (Wundrose) bisprken Mda-Weg 88.
Lautf., Gram.: besprken HA-Oh, Wb-We 16, Vk-Anhaltb 13 (verstr. n BA); -sprke 1. Sg. Präs. Spr-Mab 397 (WO-Ol); -schpreken Sprw-Börde; -sprechen Vk-Anhaltb 13 (vereinz. ZE, verstr. BE w/s KÖ, vereinz. n DE); -spräken OSCH-De, WE-Zi; -schprëken Wb-Nharz 25; [bprk] JE2-Scho; [-prik] SA-Dä; besprechen Wb-Ak 137; buschprechen Wäschke 41910,2; [pupren] Wb-Be; bisprëken Mda-Weg 88; -sproken Part. Prät. Wedde 1938,22.
beswren Vb. 1. ‘beschwören, beeiden’ 3: vereinz. elbostf. – datt kann ick beswär’n HA-Bee. – 2. ‘Krankheiten durch Zauberformeln zu heilen versuchen’, ausf. vgl. bten 2., 2: Vk-Anhaltb 13 (ZE-Bra Nee).
Lautf.: besweren Wb-Holzl 63 (HA-Eil, WA-KlWa); -swär(e)n HA-Bee, WE-Dee; -schwëren Wb-Nharz 22; -schwören Vk-Anhaltb 13 (ZE-Bra Nee); biswären Wedde 1938,39.