Bläsjungfer f. Sagengestalt, die einem kleinen See (Bläs) zwischen Bernburg und Nienburg entsteigen soll, 4: Vk-Anhalta 130, Vk-Anhaltb 46 (BE-Al).
Bornhexe f. ‘weibl. Wassergeist als Schreckgestalt für Kinder’ 4: Vk-Anhaltb 46 (BA-Neu Sip).
1Brt n. 1. ‘aus Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig durch Backen hergestelltes Grundnahrungsmittel’, auch der Brotlaib, allg. – bemehltes Brot SA-Sa; runnes Brot WA-Dom; wittet Brot ‘Weißbrot’ JE1-Bü; dröh (trockenes) Brot äten JE2-Red; hammer tennoch Prt tse Hause? Wb-Be; d Plötz frett jan Brt anne Angel JE2-Scho; Deatt Mehl was schöeun; deatt Brout woard got. Matthies 1903,17; ... und schnitt sich mits Messer an Happ Brot na’n annern ... ab. Wäschke 61915,52; Den andern Morjen brochte Winnemann öhne en Pott vull heiten Kaffee un en Stücke Brot. Wedde 1938,54;Un männichenns was d’ Not so grot,
Dat s’ nich ‘maol Tüffeln ha’ un Brot.
Pohlmann 1905,14;
Rda.: dat leiwe Bret HA-Oh; hei verlrt dat Brt t der Kipe von jmdm., der einen Verlust erleidet, Wb-We 65; der kann mehr wie Brot eten von einem klugen Menschen, Sprw-Börde; fon denne nimmet keinder ’n Stücke Bret von einem von der Gesellschaft verachteten Menschen, HA-Oh; ach, dr is nt bret ewnt, der blift nich te! ‘jmd. kommt immer wieder dorthin zurück, wo er Vorteile genießen kann’ Mda-Weg 89; Wer söcht Brot in Hunnestalle? ‘von armen Leuten kann man nichts verlangen’ WE-Be; der ett ken Brod mihr ‘er ist tot’ JE2-Brie; et geiht ’ne w lenspei’, ml harre keine Wost un ml harre kein Bret HA-Oh; Danzen ahn Musik, dat is aber grad, as wenn’n drög Brot ett. Bewohner-Altm 2,135; Jenn’ Frau woll Brod spar’n, har Koken backt. a.a.O. 1,323; Sprw.: Breot wt allawaigngs (überall) backt ‘auch in der Fremde findet man sein Auskommen’, bes. zu jmdm. gesagt, der die Heimat nicht verlassen will, SA-Dä; Lang töw’n iss kn Brot spaorn. ‘Langes Zögern ist oft nicht förderlich.’ Wb-Altm 275; Vöärgäten Brot (Brot, das bereits vor dem Bezahlen aufgegessen ist) is Sorgenbrot. Spr-Altm 52; Beddelbrot is ’n bitter Brot HA-No; ile (ohne Belag) Brd mkt de Wangen rd Wb-We 22; in där aldergrötsten Not, smecket Wost ok one Brot WE-Be; Weck’r schimmlig Brt itt, de find’ Geld. ‘Sparsamkeit führt zu Wohlstand.’, vgl. aber auch Volksgl., Wb-Altm** 46; Denn sn Brot ick t, denn sn Ld ick sing. Wb-Altm 275. – B. gehört(e) zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, was sich in der Wendung dat lwe Brt widerspiegelt. verbr. Bei jeder Mahlzeit lag B. zur beliebigen Benutzung auf dem Tisch. Kost-Ma 75. Bis ins 20. Jh. hinein wurde der Teig noch zu Hause bereitet und nur zum Backen dem Bäcker des Ortes gebracht. verstr. Verschiedentlich wurde es auch im eigenen Backofen, der sich häufig im Garten befand, gebacken. EssennwAltm 19, Kost-Ma 75. Zu den Zutaten gehörten u.a. zu 65 % ausgemahlenes Roggenmehl (Vk-Anhalta 44), an das man Gerstenschrot mengte, um es kräftiger werden zu lassen (Kost-Ma 75) und Sauerteig als Treibmittel. Der angesäuerte Brotteig befand sich im Backtrog und stand über Nacht auf dem Ofen. Am folgenden Morgen wurde der Teig geknetet und geformt. verstr. Zu der früher verbreiteten runden Form des B. (wie z.T. noch im Kreis ZE), trat zunehmend die längliche. Vk-Anhalta 44. Die B. wogen teilweise vier bis sechs Pfund, die zu backende Anzahl hing von der Größe des Haushalts ab, pro Tag und Person rechnete man fünf große dicke Scheiben. Essen-nwAltm 19. Aufbewahrt wurde es im Keller oder in der Speisekammer, das B. für den täglichen Gebrauch befand sich im Brotschrank. verstr. – Volksgl.: Auf den angesäuerten Teig werden drei Kreuze gemacht, ebenso auf den fertigen Teig, damit soll ein Missraten vermieden werden. verstr. Dies wiederholt sich vor dem Backofen nach dem Hineinschieben des B., dabei wird folgender Vers gesprochen:Dat Brot is in’n Oawen,
de Herrgott ist doa boawen.
Wenn’t nu kein Brot werd’n will,
müt’t luter Semmel un Bodderkok’n werde’n.
Spr-Altm 52.
Der Strohwisch, mit dem der Ofen gesäubert wurde, wird anschließend verbrannt. Bewohner-Altm 2,289, Vk-Anhalta 45. Reißt im Backofen ein Brot auf, gibt es ein Unglück (Vk-Anhalta 45) oder es stirbt jmd. in der Familie. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (JE1-Ran). Auch ein im Backofen vergessenes B. kündigt den Tod eines Mitbewohners an. Vk-Altm 266. Das B. darf nicht angeschnitten werden, solange es noch warm ist. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (GA-Mie). Vor dem Anschneiden eines frischen B. werden mit dem Messer ein oder drei Kreuze auf die mehlige Unterseite des Brotes gemacht. verbr. Angeschnittenes B. soll mit der Schnittfläche zur Tischmitte zeigen, sonst geht der Segen aus dem Haus. Ähnlich verhält es sich, wenn das B. auf der runden Seite liegt. verstr. Schneidet jmd. das B. schief an, so hat er an diesem Tag gelogen (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhaltb 58), ist es ein junges Mädchen, wird sie sich nicht verheiraten (Abergl-Altm 18). Wer schimmliges B. isst, findet Geld (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhalta 46) oder verfügt danach über die Gabe des Hellsehens (a.a.O. 46). Das Wegwerfen von B. ist eine Sünde. Vk-Anhaltb 58. Wer B. auf die Straße wirft, muss es später mit blutigen Augen wieder aufsuchen (Bewohner-Altm 2,290), wer es tritt, wird einmal Hunger leiden. a.a.O. 2,290, Brauch-Anhalt 17. Weiteres  Hochtt, Kant(en), Knst. – 2. ‘Brotscheibe’,  Stulle, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – Rda.: sich nich de Butter vons Brt n’m lßen ‘sich nicht alles gefallen lassen’ Wb-Ak 118; er jinnt an annern nich de Butter uff’s Brot von einem neidischen Menschen, Spr-Anhalt 167. – 3. ‘Nahrung, Lebensunterhalt’ verstr. – Rda. (z.T. noch semantische Nähe zu 1.): b einen in ln un br schtn Wb-Nharz 33; dat leiwe Bret fordeinen HA-Oh; De mütt sick sin Brod met’t Mul verdeenen. von Menschen, in deren Beruf das Sprechen eine große Rolle spielt, Bewohner-Altm 1,323; vor andere Lüe Dör sin Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Börde.
Lautf.: Brot, Brod, [brt], [brd]; außerdem: prt Mda-Sti 23, Wb-Be; Bret, Broed HA-Oh, vereinz. OSCH, WE-Wa; Broat OST-Flee; Braout GA-Mie, vereinz. mittlere Altm.; Brout, [brout] SA-Ben, verstr. sw Altm.; Braut, Braud, [braut] SA-Ku Zie, verbr. w Altm.; bruot OSCH-Di Schl; Bruet, bret, [brd] Mda-Gö/Is 142, Mda-Ro, Wäschke41910,9, Mda-Fuhne 79 (vereinz. sw KÖ, KÖ-Me, DE-Ca Que, veralt.); [breot, -d] verbr. nwaltm.
Brummbass m. 1. ‘Kontrabass’, auch ‘Bratsche’ 2: Wb-Altm 25, 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Be. – 2. dass. wie  Brummer 1., 3: Mda-nwJe1b 68 (vereinz. w JE1). – 3. dass. wie  Brummer 2., 2: JE2-Fe. – 4. ‘mit einer Schweineblase zugebundener Tontopf, mit dem unter Zuhilfenahme eines Strohhalms dumpfe Töne erzeugt werden können’ 4: Vk-Anhaltb 50 (DE-Mo). – 5. dass. wie  Brummer 3c., 2: vereinz. mittleres/s JE2, Mda-nwJe1b 74 (JE1-Ih Pa), ZE-Ned Reu, 3: JE1-Bie, Spr-Mab 388 (JE1-Gü) – In de Schachtel harre em der Aptheker ’n Hummelken innespunt, wuetue de Kinner hier Brummbaß seggen. Heimatkalender-Je 1923,98 (JE2-Vie). – 6. dass. wie  Brummbr, 2: Wb-Altm 25.
Lautf.: Brummbaß, [brumbas]; außerdem: [prumpas] Wb-Be; [brumbast] vereinz. w JE1.
Brummer m. 1. ‘Gegenstand, der einen brummenden Ton von sich gibt’ 2: Mda-nwJe1b 68 (JE2-HSe). – 2. ‘aus einem Weidenzweig gefertigte Flöte’,  Fpe, 2: ZE-KlLei, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – Bastlösereim:Pipe, Pipe, Bastian,
Lat minen Brummer gan ...
Vk-Anhaltb 76 (BA-Fro).
– 3. TiN – a. größere, schwarze Fliegenart, auch blaue oder grüne Schmeißfliegenart, verstr. – da sitt’n Brummer an de Wand HA-Oh. – b. ‘Viehbremse’,  2Bremse, auch von Stechfliegenarten, 1: SA-Bar, 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: BLA-Sti, CA-Mi, BE-Me. – c. ‘ Hummel’ 2: JE1-Zi, 3: JE1-Ca, BE-Gü, 4: vereinz. w/mittleres anhalt. – d. ‘Hornisse’,  1Hornske, 1: SA-Gla, 2: JE2-NeuWa, 3: vereinz. sw elbostf. – 4. ‘vorn breit zulaufender Kahn’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 109 (JE2-Mi). – 5. ‘lebhaftes, übermütiges Mädchen’ 3: Sprw-Börde.
Lautf.: Brummer, [brumr, -a brdb., -r s elbostf. anhalt.]; außerdem: Prummer, [prumr] BLA-Sti, Wb-Be; Brummert, [brumrd] ZE-KlLei, OSCH-Grö, verstr. ö elbostf. (außer nö), vereinz. w/mittleres anhalt.; Prummert KÖ-Pro; [brümr] MdanwJe1b 74 (JE2-HSe); Brömmer WE-Rok.
Brtkld n. ‘Kleid, das die Braut zur Hochzeit trägt’, ausf.  Hochttskld, 2: vereinz. Altm., Vk-Anhalta 162/ Vk-Anhaltb 37 (ZE), 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt.
Lautf.: Bru(u)tkleed; außerdem: -klet HA-Oh; Brautkld Wb-Ak 40; [prautklt] Wb-Be.
Brtkranz m. ‘Kranz, den die Braut am Tag der Hochzeit als Kopfschmuck trägt’, häufig aus Myrte, 2: vereinz. nbrdb., 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – ... wie schön dick dat kleed ... mit’n blauen Brutkranz ... Rauch 1929,27. – Brauch, Volksgl.: Eine Braut mit einem unehelichen Kind durfte keinen geschlossenen B. tragen, scherzh. wurde dann gesagt: den hat de Zicke affefreten Sprw-Börde. Um Mitternacht wird der B. abgetanzt, das Mädchen, das ihn erlangt, wird im kommenden Jahr selbst heiraten. Bewohner-Altm 2,208, Vk-Anhaltb 40.
Lautf.: Bru(u)tkranz, Brt-; außerdem: Braut- verstr. anhalt.; [prautkrants] Wb-Be.
Brtsuppe f. 1. ‘Suppe, die das Brautpaar vor dem Gang zur Kirche gemeinsam aus einem Gefäß essen muss’ 3: Gesch-Ro 107. – 2. ‘Speisen und Getränke, die dem Pfarrer, dem Kantor und den Schuljungen, die bei der Trauung sangen, ausgegeben werden’, neben einer Suppe gehören Fleisch, Brot, Kuchen und Bier dazu, veralt., 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 43 (BA-Neu).
Lautf.: Brtsupp Wb-Altm* 51, Wb-Altm** 41.
Brtsuppekken m. ‘aus Geld, Wein und Kuchen bestehende Gabe des Brautpaares an die ältesten Kinder, die nach der Trauung sangen’ 3: Vk-Anhaltb 43 (BA-Ra).
Lautf.: Brautsuppekauken.
Bulderlock n. 1. dass., 2: JE1-Ziep, Vk-Anhaltb 49 (ZE-Cos), 3: verstr. mittleres/s elbostf., 4: Mda-Sti 105, Wb-Be – Rda.: dee jeiht int Bullerloch ‘er stirbt’ JE1-Ziep. – 2. ‘dunkles Loch’ 3: vereinz. mittleres/s elbostf. – kimmst in’t Bullderlock Drohung an unartige Kinder, Sprw-Börde.
Lautf.: Bul(l)derlock verstr. mittleres/sw elbostf.; Buller- Id-Quea 147; -loch JE1-Ziep, Vk-Anhaltb 49 (ZE-Cos), vereinz. s elbostf.; [purlo] Wb-Be; polderloch Mda-Sti 105.