Ossenge n. 1a. ‘sehr kleiner Gegenstand’, bes. ‘sehr kleiner Käse’ 3: BE-He – 1b. ‘zu klein geratenes Brötchen’ 4: Wb-Be. – 1c. ‘kleine Schnapsflasche’ 2: JE2-Schön. – 2. ‘geplatzte Blase’ 2: JE2-Scho. – 3. ‘schales Bier’ 2: JE2-Scho.
Lautf., Gram.: [osnn] Pl. JE2-Scho; [ogsn] BE-He; [ogs-] Wb-Be; [sn] JE2-Schön.
ossig Adj. 1. dass. wie  össenig, 2: vereinz. s Altm., JE1-Schor, vereinz. w ZE, 3: verbr. n/mittleres/sw elbostf., vereinz. sö elbostf. – 2. ‘grob, ungehobelt’, auch ‘dumm, einfältig’,  dusselig, 2: Wb-Altm 150, OST-Sta, 3: Wb-We 97, Id-Queb 14, 4: Wb-Be. – 3. dass. wie  ossbannig, 2: Wb-Altm 150.
Lautf.: ossig, -ich; außerdem: össig, -ich OSCH-Vo, verstr. WE; ochsig, [oksi] GA-Esch, OSCH-Emm Ham KlQue, WE-Gö, Wb-Be.
sterfest n. dass. wie  stern 1., 3: HA-Oh, 4: Wb-Be.
Lautf.: [strfest] Wb-Be; esterfest HA-Oh.
Osterheiligabend m. ‘Sonnabend vor Ostern’ 3: Vk-Harz 8,38, CA-Ca, 4: CA-Ak, Wb-Be, Brauch-Anhalt 229 (BE-GrMü).
sterlamm n. ‘Lammbraten zu Ostern’ 3: HA-Oh, 4: Wb-Be.
Lautf.: [strlemin] Dim. Wb-Be; esterlamm HA-Oh.
sterwter n. ‘Wasser, das zu Ostern aus einem fließenden Gewässer geschöpft wird’ verstr. – Doch du wist doch nich etwa losgahn un Osterwater halen? Rauch 1929,22. – Brauch: Das Schöpfen des O. aus einem fließenden Gewässer geschieht (bes. durch Mädchen) in der Nacht zum Ostersonntag vor Sonnenaufgang (verstr.), spez. zwischen 23 und 24 Uhr (Brauch-Ma 262 – GA-Fle, Vk-Harz 8,43, Ackerbau-Anhalt 303), um Mitternacht (Brauch-wAltm 34 – GA-Fle Mie, Id-Queb 14, verstr. anhalt.), zwischen 0 und 1 Uhr (Wb-Nharz 142) oder bei Sonnenaufgang (Vk-Altm 226, BrauchwAltm 34 – GA-Wen, Brauch-Ma 262 – GA-Grau). Das O. sollte mit dem Strom (Gesch-Ro 108, Vk-Harz 8,43, Wb-Be), in anderen Orten gegen den Strom (BrauchwAltm 35, Wb-Ak 123, Vk-Anhalta 224) geschöpft werden. Es gilt überall ein striktes Schweigegebot. Verschiedentlich lauern die Burschen den Mädchen auf, um sie zum Sprechen zu bringen. – Volksgl.: Das in Flaschen aufbewahrte O. bleibt das ganze Jahr hindurch frisch. Als Schönheitsmittel erhält es die Haut gesund und hilft gegen Warzen oder Sommersprossen. Es wird gegen Augenentzündungen und zur Stärkung der Sehkraft verwendet. verstr. Die heilende Wirkung entfaltet sich auch bei Krämpfen (Brauch-Ma 262 – GA-Mie) oder bei Fieber (Brauch-wAltm 35 – GA-Wal). Das Vieh wird mit O. getränkt, um Seuchen zu vermeiden (verstr.) oder zum Schutz gegen Ungeziefer damit besprengt (Brauch-Rie 747, Vk-Anhalta 224 – ZE-Lu Rie). Das Besprengen der Wohnstube hält Flöhe fern (Vk-Anhalta 224) und verhütet das Schimmeln von Brot (Brauch-Ma 262 – GA-Mie). Die jungen Mädchen sehen beim Schöpfen das Bild ihres zukünftigen Mannes. BrauchwAltm 35, Rauch 1929,22.
Lautf.: Osterwater Rauch 1929,22, Wb-Nharz 142, Wb-We 97; -wasser, [strwasr] ZE-Roß, CA-Ca, verstr. anhalt.; [stawta] JE2-Scho.
Osterwoche f. ‘Woche vor Ostern’, vgl. Karwoche, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 142, 4: Wb-Be.
Lautf.: sterwoche Wb-Nharz 142, [strwoe] Wb-Be; esterwoche HA-Oh.
wel n. ‘Unglück, Schaden’ 2: Siedler-Je § 85 (JE2 JE1), 3: OSCH-Di, Klaus 1936,57, QUE-Di, 4: Wb-Be – Rda.: alles Ewwel kimmt aussn Schtewwel (Bierglas), Wb-Be.
Lautf.: [wl, l, l] Siedler-Je § 85 (JE2 nw JE1); [l] a.a.O. § 85 (JE1); Öwwel Klaus 1936,57; öbbel OSCH-Di; [ewl] QUE-Di, Wb-Be.
wel Adj. 1. ‘kränklich, unwohl’, bes. ‘Brechreiz verspürend’, auch ‘kraftlos, erschöpft’,  slapp, verstr. – mi iss so äöw’l Wb-Altm 8; Rda.: sek ewel hebn ‘vor Schmerzen stöhnen und weinen’ Wb-Nharz 53; öwwel daun dass., HA-Sie; ek bin äwel un selzen (seltsam) eworn ‘mir ist schlecht geworden’ Id-Eilsa 49; t kanns n schlimm un ewwel wrn Wb-Be. – 2. ‘unangenehm, unerfreulich, widerwärtig’ verstr. – Rda.: ewel drne sn ‘sich in einer misslichen Lage befinden’ Wb-Nharz 53; nimm dat man nich for öwwel ‘sei nicht beleidigt, gekränkt’ CA-Fö.
Lautf.: öwel, [v()l] SA-Zie, Matthies 1903,8, OST-Gla Hi, CALV-Uth Zo, WO-HWa, Wb-We 97; [v] vereinz. nwaltm.; oebel OST-Kre; äöw(e)l, [v()l] verstr. mittlere/ö Altm.; [vl] SA-Kal; [vl] WO-Col, Mda-nwJe1a 51 (JE2-HSe, verstr. JE1); öwwel, [övl] a.a.O. 51 (vereinz. JE1), verstr. n/w elbostf., CA-Fö; öbbel OSCH-Di, WE-Dee, Wb-We 95; ewwel, [evl] Mda-nwJe1a 51 (JE1-Ger), verstr. ZE, HA-Oh, Sprw-Börde, OSCH-Grö, Wb-Nharz 53, BA-Ba, verstr. omd.; äww(e) l Wb-Holzl 57, Mda-Ro, äwel Id-Eilsa 49; [iwl] Wb-Be.
wen Vb. 1. ‘sehr oft wiederholen, um bestimmte Fertigkeiten zu erwerben’ 2: Wb-Altm 150, Matthies 1903,11, JE2-Scho, Mda-Ze (verstr. ZE), 3: Id-Eilsa 99, Wb-We 95, 4: Wb-Be – w mün’n dät Schrun öfta un JE2-Scho. – 2. ‘ausüben’ 3: Wb-Holzl 151 (HA-Ost). – 3. ‘necken,  foppen’ 3: vereinz. w elbostf. – wutte mick oi’m? Wb-Holzl 151 (HA-Eim Wef).
Lautf., Gram.: öwen Wb-Altm 150, öwt 3. Sg. Präs. Matthies 1903,11; [un] JE2-Scho; oiwen Wb-We 95; oiwett 3. Sg. Präs. WE-Dar; euben HA-Oh, Wb-Nharz 53; [oib] Id-Eilsa 99; oi’m Wb-Holzl 151; [b] Id-Eilsa 99; [] Mda-Ze (verstr. ZE), Wb-Be.