Kuvert n. ‘Briefumschlag’ 3: Wb-Holzl 130, HA-Oh, Vk-Harz 6/7,47, 4: Wb-Be – de Breif stecket in’t Kuwert HA-Oh.
Lautf., Gram.: KuvertsPl. Vk-Harz 6/7,47; Kuwert HA-Oh; Kuwart Wb-Holzl 130, [kuwart] Wb-Be.
Ledderhse f. 1. ‘lederne Hose für Männer’, 3: Vk-Harz 6/7,18 und 19 (Harzvorl., Gebiet um WE-Ha), WE-Sa, Vk-Anhaltb 36 (n BA), 4: verstr. omd. – Die schwarzen oder hellen L., die auch Bestandteil der Tracht waren, wurden unterhalb des Knies zugebunden. Vk-Harz 6/7, 18 und 19, WE-Sa. – Brauch: Der Brautwerber erhielt für seine Dienste eine L. Vk-Anhaltb 36. – 2. Pl. NeckN für die Bewohner von Löderburg, 3: BE-He.
Lautf., Gram.: Ledderhose, [ledrhz]WE-Sa, Vk-Anhaltb 36 (n BA), verstr. omd.; [lerrhzn] Pl. BE-He.
1Lke f. 1. ‘der tote Körper, Leichnam’ verbr. – wi hebbet ne Like in’n Huse Wb-We 82; de Lke hemm se ht bejrun JE2-Scho; ne B’n is anne Leiche anjetrem’m. Wb-Ak 104; Rda.: blaß wie ane Leiche ‘blass, kränklich’, von der Gesichtsfarbe, Vk-Anhalta 62; w ne lke tsein dass., Wb-Nharz 117; de ganze Woche krank un den Sönndag doch keine Like von einem Simulanten, Wb-We 82. – Brauch: Nach Eintritt des Todes wurde die L. von einem Verwandten (Vk-Harz 6/7,61) oder der Leichenfrau (Vk-Anhalta 177) gewaschen und angezogen. Männer wurden mit einem schwarzen Anzug, Frauen mit einem schwarzen Kleid bekleidet. Bis zum Begräbnis bahrte man den mit einem weißen Laken bedeckten Toten im Haus auf. Als Unterlage diente meist Stroh, der Kopf ruhte auf einem mit Spitzen besetzten Kissen. Im Sommer bedeckte man das Gesicht mit einem Essiglappen (Vk-Altm 266) oder den ganzen Körper mit Rasenschollen (Vk-Anhalta 179), um eine schnelle Verwesung zu verhindern. Während der Aufbahrung brannte zu jeder Seite des Sarges eine Kerze. Bevor der Sarg geschlossen wurde, traten die Angehörigen heran, um vom Verstorbenen Abschied zu nehmen. Vgl. Vk-Altm 266ff., Vk-Harz 6/7,61ff., Vk-Anhalta 179ff. – Volksgl.: Ist eine L. im Haus, werden die Uhren angehalten (Vk-Harz 6/7,62) und die Spiegel im Sterbezimmer verhängt oder entfernt, da es sonst einen weiteren Todesfall in der Familie gibt. Vk-Anhalta 175 (ZE-Jü). Aus demselben Grund soll der L. kein Kranz auf die Brust gelegt werden. Vk-Anhalta 175 (KÖ-Pro). Damit die Seele des Verstorbenen nicht im Haus bleibt, werden Fenster geöffnet (Vk-Altm 266) und die Stühle, auf denen der Sarg stand, umgekippt (Vk-Anhalta 183). Beim Heraustragen ist darauf zu achten, dass die L. das Haus mit den Füßen nach vorn verlässt, um eine Wiederkehr des Toten zu verhindern. Deshalb wird auch ein Eimer Wasser hinter der L. ausgegossen und der Torweg gleich geschlossen. Vk-Altm 268, Vk-Anhalta 183. – 2. ‘Begräbnis’, einschließlich der dabei üblichen Feierlichkeiten,  Begrfnis, auch ‘Leichenzug’ 2: vereinz. w Altm., verstr. ö Altm. n JE2 mbrdb., 3: vereinz. elbostf., aber verstr. n CA, 4: verstr. anhalt. – to Liek goahn STE-Tan; er hat ne scheene Leiche jehatt CA-Ca.
Lautf., Gram.: Like verstr. JE2, verbr. JE1, verstr. ZE, verbr. elbostf.; Li(e)k verbr. nwaltm. nbrdb.; Lieche, [l] verstr. ZE, Mda-Sti 17; lch n. Mda-Sti 17; Leiche, [lai] vereinz. n nd., verstr. s nd., verbr. omd.
lsen Vb. 1. ‘etw. Befestigtes lockern, abtrennen’, auch refl. ‘sich ablösen’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 42, Wb-Be. – 2. ‘sich durch Geld oder Sachleistungen loskaufen’ 3: Gorges 1938,41, Vk-Harz 6/7,53, 4: Vk-Anhalta277, Vk-Anhaltb 54f. – Brauch: Beim Auszug aus der Kirche kauft sich der Bräutigam frei, indem er Pfennige unter die wartenden Kinder wirft. Vk-Harz 6/7,53. Kommt ein Mitglied der Gutsherrschaft oder ein Fremder zum ersten Male nach Erntebeginn auf das Feld, wird er mit einem Strauß aus Ähren und Feldblumen geschmückt und muss sich durch Geld für Getränke loskaufen. Vk-Anhalta277, Vk-Anhaltb 54f. – 3. vorw. refl. ‘die Nachgeburt abstoßen’, vgl. 2hmeln, nkalwen, 1: verstr. mittleres/s nwaltm., 2: verstr. w Altm., STE-Steg Wi – die Kauh hät sick löst SA-Die. – 4. ‘Prügel bekommen, einen Schaden davontragen’ 3: verstr. elbostf. – hei het wat elset Wb-Nharz 117.
Lautf.: lös(e)n; außerdem: lesen HA-Oh; löasen SA-Bü; löä- sen SA-Kun; lsen Wb-Nharz 117; [lzn] Mda-Ze (verstr. ZE), Wb-Be; laesen Mda-Sti 42; leusen, läusen vereinz. mittleres nwaltm., SA-Re Sal Stör, vereinz. GA; [lizn] GA-Da; läeusen GA-Pe; löisen GA-Kak; laisen SA-GrAp. Zus.: sonstiges: in-.
lden Vb. ‘ertönen, klingen’, von Glocken, ‘durch Glockenklang herbeirufen’, auch ‘eine Glocke zum Ertönen bringen’ verbr. – et litt QUE-Di; de Klocken ln CALV-Zo; ‘t hat all jelittn ZE-Roß; under’n ln ‘während des Läutens’ Wb-Nharz 118; Rda.: Hei hürt de Klocken nich mehr lüd’n. ‘Er liegt im Sterben.’ Spr-Altm 34; hei hat ln hern, wer hei wett nich, w de Klocken henget ‘er erfasst den Zusammenhang nicht’ HA-Oh. – Brauch: Glockengeläut ertönte zu versch. Anlässen: ett lüdde in Dörrepe Füerahmt (Feierabend) Hbl-Ohre 1928 Nr. 9/Wöhlbier (HA-Eim); et lött taur Kirche (zum Kirchgang) HA-War. Vor den großen Festtagen wurden die Glocken von den jungen Burschen der dörflichen Gemeinschaften geläutet. Brauch-wAltm 47. Glockengeläut begleitete den Leichenzug, bis der Sarg in das Grab gesenkt bzw. bis das Grab zugeschaufelt wurde. Die Art der Glockenschläge konnte das Alter des Verstorbenen anzeigen. Vk-Harz 6/7,62, Vk-Anhalta 184. – Volksgl.: Während des Trauergeläuts soll man nichts essen, da man sonst schwarze Zähne bekommt. Obstbäume tragen reichlich Früchte, wenn man sie während dieser Zeit rüttelt. Vk-Anhalta 184.
Lautf.: ld(e)n SA-Die, vereinz. Altm.; lüjen JE2-Ku; [ljn] STE-Sa; [lin] SA-Ah Jü; lü’en, [ln] vereinz. Altm., MdanwJe1a 47 (vereinz. w JE1), Wb-Holzl 137, Gorges 1938,40, HA-Ro, Wb-We* 224; l’n, [ln], [l] verbr. nwaltm. Altm., JE2-Scho, verstr. w/mittleres elbostf.; [lü(n)] SA-Chei; [l] WO-Zi; ld(e)n verstr. sö ZE, Mda-Ro, Mda-Sti 172; len OSCH-Har; ln, l’n, [l] verstr. ZE s elbostf.; leit(e)n, [laitn] Mda-Ze (ZE-Roß), Wb-Ak 105, Wäschke 41910,25; [laidn] Mda-Fuhne 21 (DE-Ca); [laid] a.a.O. 88 (verstr. anhalt.) – Gram.: 3. Sg. Präs.: lt Mda-nwJe1a 47 (JE2-HSe, verstr. w JE1); lütt a.a.O. 47 (vereinz. mittleres JE1), Wb-Holzl 137, HA-Ro, Wb-We* 224; lött HA-Oh War; lt OSCH-Har; [lt] MdanwJe1a 47 (JE1-Ger); lit(t) verstr. ZE, OSCH-Grö, Wb-Nharz 118, QUE-Di, Mda-Ro; [lid] Mda-Fuhne 21 (DE-Ca); [laitt] Mda-Ze (ZE-Roß); 1./3. Sg. Prät.: lüdde Hbl-Ohre 1928 Nr. 9/ Wöhlbier (HA-Eim); ludde Wb-Nharz 118; lutte Mda-Sti 8; litte Wb-Ak 105; lutt Wb-Holzl 137; Part. Prät.: elött a.a.O. 137, HA-Oh; elott HA-Oh; elut(t) Wb-Holzl 137 (WA-KlWa), Wb-Nharz 118; [lit] ZE-Göd; jelit(t), [jlit] verstr. ZE, Mda-Ro; elt OSCH-Har; [jlaitt] Mda-Ze (ZE-Roß); jelitt’n ZE-Roß, Wb-Ak 105; [jlidn] Mda-Fuhne 22 (DE-Ca). Zuss.: zu 1.: in-, n-, wer-.
1Mantel m., f. 1. allg. ‘langärmliges Kleidungsstück, das bei Nässe oder Kälte über der übrigen Kleidung getragen wird’ verstr. – böste dn Mantl’l af JE2-Scho; de Frue hat ne nie Mantel HA-Bo; Rda.: dä dreht’n Mantel na en Winne ‘er redet anderen nach dem Mund’ BA-Op; dor drcht en Mandel nch dswai Saiden dass., BE-Me; dat Haun hängete sick en Mäntelken um ‘das Huhn lässt die Flügel hängen’, Anzeichen für Tuberkulose, Wb-Holzl 139. – M. für Männer, aber bes. für Frauen gab es in sehr versch. Ausführungen. Häufig zu finden waren weite Frauenmäntel (STE, HA, Nharz.), die z.T. mit einem (WO, JE1, HA, OSCH-Nie) oder mehreren (STE, HA), oft mit Fransen versehenen Kragen bzw. mit Schulterstücken aus Samt (OST) besetzt waren. Bevorzugte Materialien waren Kattun (verstr.), Wolle (HA) und Tuchstoff (Nharz.). Die Wintermäntel waren wattiert (verstr.) oder mit dickem Fries gefüttert (HA). Neben dunklen bzw. schwarzen M. (verbr.) wurden von den Frauen auch helle (Nharz.), bunte (OST, HA), schwarzweiß gestreifte oder rotschwarz geringelte M. (Nharz.) getragen. Tracht-ProvSachs 186ff., Vk-Harz 6/7,15 und 22. – 2. ‘Mantel in Form eines Umhangs, in dem Mütter ihr Kind trugen’,  Kindermantel, 2: Mda-nwJe1b 72 (JE2-HSe), verstr. JE1, 3: verbr. elbostf., 4: Wb-Ak 110, Wäschke 31919,5 – Na, die jungen denn mitte Kinnermutter, die Karln in’n Mantel truk, bein’n Richter, um Karln toofen zu laßen. Wäschke 31919,5.
Lautf.: Mantel, [mantl]; außerdem: [mant] JE2-Scho; Mahnt(e)l vereinz. SA OST; Mantele verstr. WE; Mandel, [mandl] vereinz. nbrdb., BE-Me; Mndl vereinz. OST; Moandel vereinz. SA; Mannel vereinz. OST STE. – Gram.: m. verstr.; f. (bes. 2.) verstr. w JE1 elbostf. Zuss.: zu 1.: Kattn-; zu 2.: Kinder-.
Marengroschen m. ‘Münze im Wert von 8 Pfennigen mit einem Marienbild auf der Rückseite’, bis ins 19. Jh. in Goslar und anderen niedersächsischen Städten gültiges Zahlungsmittel, 3: Hochzeit-Maa 251, HA-Oh, Vk-Harz 6/7,45, Wb-Nharz 123.
Lautf.: Mariengroschen; außerdem: marngreschen Wb-Nharz 123.
Nachtmlstg n. ‘Kleidung, die bei der Abendmahlsfeier getragen wird’ 2: Wb-Altm 143, 3: HA-Bee, Vk-Harz 6/7,29 (QUE-Nei). – Das N. besteht aus einer schwarzen Hose, einem langen Rock mit großen blauen Knöpfen und einem Zylinder mit schmaler Krempe. Vk-Harz 6/7,29 (QUE-Nei).
Lautf.: Nachtmahlstüch HA-Bee; -tiech Vk-Harz 6/7,29 (QUE-Nei); Nachtmaolstch Wb-Altm 143.
Nachtle f. 1. TiN ‘Eule’, in versch. Arten vorkommend,  le, 2: JE2-Je, 3: vereinz. elbostf., 4: BE-Grö. – 2. TiN Nachtfalter versch. Arten, 2: WO-Col. – 3. ‘Mensch, der gern bis in die Nacht hinein aufbleibt oder sich vergnügt’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 143, 3: HA-Bee, 4: Wb-Be – diu bist ‘n richtigng Nachtiu SA-Dä. – 4. dass. wie  Nachtkater, 2: ADVk Nr. 125a (JE2-GrWul), 3: Wb-Holzl 145, Vk-Harz 6/7,48, BE-He – gaach na Huus, süss hackt dick de Nachtulen de O’en ut Wb-Holzl 145.
Lautf., Gram.: Nachtule WO-Col, ADVk Nr. 125a (JE2-GrWul), JE2-Je, vereinz. elbostf.; -l Wb-Altm 143; -uelen Pl. Vk-Harz 6/7,48; [naxtiu] SA-Dä; Nachtaule BE-Grö, [nat-aule] Wb-Be; [nadle] BE-He.
Nwelkappe f. 1. ‘Mütze der Frauen, die den ganzen Kopf bedeckt’ 3: Vk-Harz 6/7,29, Id-Queb 13. – 2. ‘Tarnkappe’ 3: Wb-Nharz 134.
Lautf.: Nebelkappe Vk-Harz 6/7,29, nebel- Id-Queb 13; newel- Wb-Nharz 134.