chaisen Vb. ‘gehen, ziellos umherlaufen’, auch ‘schnell, ungestüm laufen’ 2: Wb-Altm 183, STE-Wa, 3: Id-Eilsa 88, Wb-Nharz 164, Id-Queb 22.
Lautf.: schesen, schsen Id-Eilsa 88, Wb-Nharz 164, Id-Queb 22; schäs(e)n Wb-Altm 183, STE-Wa.
Christkind n. ‘Jesuskind’, auch als Gabenbringer zu Weihnachten, 2: vereinz. Altm., Vk-Anhaltb 21 (vereinz. ZE), 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 21 (vereinz. omd.) – wat hett dek denn dat kristkint brocht? Id-Queb 7; Rda.: harre jses kristeskint, wat heste denn man emkt! ‘Ausruf des Ärgers’ Wb-Nharz 108; Bauernregel: wenn dat Christkind ward geboren, hat de Kohl den Smack verloren. OSCH-Schw; Wetterregel: Wenn de Märtensgs (Martinsgans) upp’n Ise steit, Christkindk’n int Waoter geit. Wb-Altm 133.
Lautf.: Christkind, -kint, Krist-; außerdem: Nbf.: kristeskint Wb-Nharz 108; Dim.: Christkindk(e)n vereinz. Altm.; -kinneken WE-Oster.
Christmette f. ‘(evangelischer) Gottesdienst am Weihnachtsmorgen’ 3: Id-Queb 7.
Disch m. ‘Tisch’ verbr. – unse Disch is mette Klappe JE2-Scho; de Snieder neiht op’n Dische HA-Bee; kipple nich an Dische Id-Queb 3; ..., sette sek in de Gaststuwe an’n Disch ... Wedde 1938,22; ... smet 25 Pennig up n Disch ... Hausfr-Altm 1929,23 (STE-KlMö); ... un denn stunden an jeden Tisch noch en paar klowige Holzstihle ... Heese 21919,101; Rda.: se springet wer Disch un Bänke HA-Oh; Stich deine Bne rscht m un’ner an’ner Leite Tisch, wennste hr was sn wist. ‘Lerne erst die Welt kennen, ehe du hier mitsprechen kannst.’ Wb-Ak 170; Rennlichkeit is’t hälf’t Lew’n, sä jenn Frau, un wischt dänn Disch met de Hand af, up dänn d’ oll Hünner säten harn. Bewohner-Altm 1,333. – In den großen Bauernwirtschaften versammelte man sich zum Essen an großen, massiven D., an denen nicht nur die gesamte Familie des Bauern, sondern auch Knechte und Mägde ihre festgelegten Plätze einnahmen. verstr. Häufig waren die Beine dieser D. an der Längsseite miteinander verbunden. Bewohner-Altm 2,93, Vk-Unterharza 86. An einigen Orten fanden sich auch an der Wand befestigte Klapptische. Vk-Anhalta 11 (ZE). Die Tischplatten waren meist farblos und blank gescheuert (Bewohner-Altm 2,93, Vk-Anhalta 11), im Unterharz auch braun (Vk-Unterharza 86). Sie besaßen eine große Tischschublade, in der Bestecke verwahrt wurden. a.a.O. 86, Vk-Anhalta 11. – Brauch: D. werden zu Orakelspielen benutzt: Beim Um-nen-Disch-ghn werden alle 4 Ecken des D. mit Gegenständen belegt, die jeweils bestimmte Aussagen über die Zukunft zulassen. Mit verbundenen Augen werden die Mädchen um den D. geführt und müssen einen Gegenstand greifen. Brauch-wAltm 22 f. (GA-Lo). Beim Tischdecken stehen auf einem Tisch in der Kammer eines Mädchens ein mit Wasser und ein mit Wein gefülltes Glas. Greift der zukünftige Liebhaber das Weinglas, dann ist er reich, vgl. Andreasnacht, Hochzeit-Altm 9. – Volksgl.: Kommt die junge Frau zuerst in das Haus des Mannes, legt sie Brot und ein Gesangbuch auf den D. Vk-Anhalta 12. Wer an einer Tischecke zu sitzen kommt, erhält eine böse Schwiegermutter. a.a.O. 12. Wackelt der D., bestimmt die Frau im Haus. Brauch-Anhalt 331 (KÖ-Zehm). Stellt man Schuhe auf den D., wird man arm. CA-Ak.
Lautf.: Disch, [di] verbr. nd.; Tisch ([di]) verbr. omd.; wirklich Langvokal?: Dsch, Dsk Wb-Altm 35.
Dwargkle f. dass. wie  Dwargeshle, auch als FlN, 3: Id-Queb 18.
Lautf.: quarchkule.
föddern Vb. ‘fordern, verlangen’ 2: Wb-Altm 55, Elbschifferspr. 320 (WO-Ro), verstr. mbrdb., 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 44, Wb-Ak 60, Wb-Be – hei hat nist te federn HA-Oh; Rda.: ’s Dau forderd ‘das Tau ist fest angespannt’, Schifferspr., Elbschifferspr. 320 (WO-Ro); Sprw.: fördern un beiden (bieten) mkt koplüde Id-Queb 5.
Lautf., Gram.: föddern Wb-Altm 55, Id-Eilsa 62; föddert Part. Prät. Heimatkalender-Je 1923,96 (JE2-Vie); förrern Wb-Altm 55; fördern Id-Queb 5; feddern, [fedrn] Dialekt-Ma 11 (vereinz. mittleres/s JE1), Wb-Nharz 207, QUE-Di, Mda-Sti 44; foddern, [fodrn] Mda-nwJe1a 43/Dialekt-Ma 11/Mda-sJe1 9 (JE2-HSe, verstr. JE1), vereinz. ZE, Id-Eilsa 62, Mda-Sti 44, Wb-Ak 60; fossern (-ss- sth.) a.a.O. 60; fordern HA-Oh; [fordrd] 3. Sg. Präs. Elbschifferspr. 320 (WO-Ro); fo(o)dern, [fdrn] ZE-Kö, Wb-Holzl 87, HA-Bee, Wb-Be; federn HA-Oh; fuodern OSCH-Di.
gassten Adv., nur in der Verbdg.: gassten gn ‘bummeln, flanieren’ 2: ZE-Roß, 3: Id-Queb 4.
Lautf.: [kastn] ZE-Roß; Nbf.: klasatgen Id-Queb 4. – Etym.: eigentlich gassatim, zu Gasse mit lat. Suffix, aus der Studentenspr., vgl. DWB 4,1,1,1434.
Gnsebeck m. 1. ‘dummer, einfältiger Mensch mit einer langsamen, gedehnten Aussprache und hoher Stimme’, Schimpfwort,  Dussel, 3: Id-Queb 5. – 2. dass. wie  Gnaupter, 3: Spr-Harzb 58.
Lautf.: knesebeck, knse-. – Etym.: neben dem Bezug zu  gnsen wohl auch Einfluss des FN Knesebeck, der auf einen Orts- und Bachnamen in Niedersachsen zurückgeht, nach dem Ort nannte sich ein Rittergeschlecht, das bes. in der Altm. begütert war, vgl. Zoder 1968 1,921.
gkeln Vb. 1a. ‘scherzen’ 3: Id-Eilsa 69. – 1b. ‘jmdm. etw. vortäuschen, jmdn. zum Narren halten’,  foppen, 2: Wb-Altm 67. – 2a. ‘laut lachen’,  jchen, 2: OST-Ga. – 2b. ‘heimlich und schadenfroh lächeln’,  grnen, 2: JE2-Alt. – 3a. ‘unsauber, unleserlich schreiben, schmieren’ 2: Wb-Altm 67. – 3b. ‘sich mit Kleinigkeiten abgeben’ 2: STE-Wa. – 3c. ‘ trdeln, langsam sein’, bes. bei der Arbeit, auch ‘sich lange an etw. zu schaffen machen, mühselige, zeitaufwändige Arbeiten verrichten’ 3: vereinz. elbostf. – wat heste denn man sau lange te jkeln Wb-Nharz 58; den Senndach hat ein ummer en betten tau jkeln BLA-Brau. – 4a. ‘taumeln’ 3: Id-Eilsa 70, Id-Queb 2. – 4b. ‘den festen Halt verlieren und mit dem Körper zu Boden schlagen, hinstürzen’, auch ‘sich überschlagen’ 2: Mda-nwJe1b 67 (vereinz. n JE1), ZE-Kö, 3: HA-Oh, Id-Queb 2, 4: Wb-Ak 86, Wb-Be – Kkele nich von’n Wn! Wb-Ak 86; hei is glks an de Want e’kkelt HA-Oh. – 5. 2: Wb-Altm 67, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 93, Wb-Be. – a. ‘mit einem Gefährt (meist schnell und ziellos) umherfahren’. – b. ‘langsam, schlecht, holpernd fahren oder reiten’. – 6a. ‘mit Feuer unvorsichtig umgehen oder damit spielen’ verbr. – d dn allwärra kkeln JE2-Scho; Rda.: wer mit Füer kokelt, pißt int Bedde Warnung an Kinder, WA-Re.  auch ‘in leichtfertiger Weise Feuer anzünden’: anbleustern anbrüsseln angkeln ankseln anmusseln anpöttern anpusseln anpstern blkern bleustern bten brüsseln fummeln knackern kseln 2kunkeln msern musseln pämpeln poldern 2pöttern 2pöttjern prdeln prünzeln pren pstern rumpstern rumspalken smkern spalken splen. – 6b. ‘Feuer anzünden’ 2: Mda-Ar 38. – 6c. ‘rußen, rußend brennen’ 4: BE-Sa.
Lautf.: (1.)-(5.): gökeln, j- Wb-Altm 67, JE2-Alt, vereinz. w elbostf.; kökeln STE-Wa; [kkll] Mda-nwJe1b 67 (vereinz. n JE1); jekeln HA-Oh; jüökeln OSCH-Di; jekeln, jkeln, [jkln] vereinz. ö/s elbostf., Mda-Sti 93; kekeln, [kkln] (4.) ZE-Kö, Id-Queb 2, Wb-Be; kkel’l, [kkll] (4.) Mda-nwJe1b 67 (JE1-The), Wb-Ak 86; käkeln, -- (4.) HA-Oh, Id-Eilsa 70; jokeln, [jkln] BE-Gü, Wb-Be; kokeln OST-Ga; jaukeln Id-Eilsa 69; (6.): kok(e)ln, [kk()ln], [kk] (anhalt.: [ggln], [gg]); außerdem: koka(o)n vereinz. nwaltm.; koukln BE-La; kukeln, [kkln], [kk] JE2-Za, verstr. mittleres/s JE1; [kkln] Mda-Ma 78 (JE1-Prö); kuokeln OSCH-Di. – Etym.: zu mnd. gkelen, gkelen, mhd. goukeln, gougeln ‘Gaukelei, Possen treiben’, vgl. HWb-Mnd 2,131, HWb-Mhd 1,1060, als weitere Bed. entwickeln sich u.a. ‘ungelenke Bewegungen machen, taumeln, wanken’, ‘tändeln, spielen’, so wohl auch ‘mit Feuer spielen’, vgl. DWB 4,1,1,1553 ff., nach Teuchert 21972,311 deuten die Formen mit verhärtetem Anlaut auf eine Herkunft aus dem ndl.- rheinischen Gebiet hin, die Bed. ‘mit Feuer spielen’ ist aber zuerst im nthür. Gebiet zu finden; es besteht ein semantischer Bezug zu lat. ioculr ‘scherzen, schäkern’, aber es ist wohl nicht von einer direkten Entlehnung auszugehen, vgl. Kluge 242002,333 f.
grall Adj. 1. ‘blendend hell, leuchtend’ 2: OST-Gla Neu, 3: HA-Alv, WA-Dom, 4: Wb-Be – dat grelle Licht WA-Dom. – 2. ‘gesund, munter, rege, lebhaft’, vgl. krille, 3: WE-Oster, Id-Queb 6 – gralle Ohen (Augen) WE-Oster. – 3. ‘klug, aufgeweckt’ 1: SA-Dä. – 4. ‘stechend, scharf riechend’ 4: BA-Ha.
Lautf.: grall, [gral] SA-Dä, WE-Oster; krall Id-Queb 6; [jrl] BA-Ha; grell OST-Gla Neu, HA-Alv, WA-Dom; [jrele] Wb-Be. – Etym.: zu mnd. gral, gralle ‘zornig, böse, verärgert’, vgl. HWb-Mnd 2,148, dazu das Subst. frnhd. gral ‘Schrei, Zorn’ und das Vb. mhd. grellen, grillen ‘laut, vor Zorn schreien’, ausgehend von der Bed. ‘schrill, durchdringend’ entwickelt sich der Bezug zu Sinneseindrücken wie ‘hell, blendend’, vgl. Pfeifer 1989,601.