Kwendr f. ‘Tür oder Klappe im Schweinestall, durch die das Futter gereicht wird’ 2: Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Kandäere.
Kwer m. 1a. ‘Spantasche, in der das Essen mit auf das Feld genommen wird’, trägt man an einem Riemen über der Schulter, z.T. veralt.,  Twelkpe, 2: OST-Polk, GA-Wet, verstr. s JE2, verbr. JE1 ZE, 3: verstr. w JE1, Beiträge-Nd 65 (WO-HWa), HA-Har Oh, OSCH-Hor Ott, verstr. s elbostf., 4: verstr. omd. – hle ml en Gowwor BE-GrWi; d mustt so maken det et inn Kwer jait Mda-nwJe1a 51; Rda.: det hä ‘t Brot ut’n Kwer verloren hätt Bemerkung, wenn jmd. Pech hat, Bauernwelt-Ze. – 1b. ‘kleiner Korb für ein Kind’ 2: Mda-nwJe1a 51 (JE1-Ih Pa). – 2. in der Verbdg.: der leddige Kober Bezeichnung für armselige Dörfer oder abseits gelegene Gehöfte, 4: DE-Lau.
Lautf.: Kower, [kvr] vereinz. s JE2, verstr. JE1, vereinz. w ZE, Beiträge-Nd 65 (WO-HWa), HA-Har, OSCH-Ott, vereinz. sö elbostf. s BA, CA-Brei, Wb-Be; [gwr] vereinz. BE; Kober OST-Polk, GA-Wet, verstr. s JE2 JE1, ZE-Ra Thie We, HA-Oh, OSCH-Hor, WE-Da, vereinz. sö elbostf., BA-Gü, QUE-Frie, CA-Chö, Vk-Anhalta 193, DE-Lau; Kobert WE-Kö; Korwer ZE-Cob Mö; Koawer, [kwr] vereinz. JE1, verstr. ZE; Koaber JE1-Ge Mo, ZE-Kö Reu; [kawr] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre); Kawer ZE-Ro; Kowwer verstr. w ZE, CA-Ba, vereinz. s CA; [gowr] vereinz. anhalt.; Kobber ZE-Wa We, CA-Lö; [gowrd] BE-KlSchie.
Kwerdeckel m. ‘schlecht gebackenes Brot, bei dem sich zwischen Rand und Krume ein Hohlraum gebildet hat’ 2: Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Kwerdeckel.
Krnensne m. ‘liebster Sohn’, urspr. ‘erstgeborener Sohn’ 2: Bauernwelt-Ze, 3: HA-Bee Oh, Mda-Weg 104, 4: Wb-Be.
Lautf.: Krnensne HA-Bee Oh; [krzne] Wb-Be; Kronensohn ZE-Roß; krenensene Mda-Weg 104.
Kropp m. 1. ‘Erweiterung der Speiseröhre von Vö- geln, in der die Nahrung vorübergehend aufbewahrt wird’ verstr. – du kümmst all wär trüjje mit de Gäuse? se hätt ja nonist in Kroppe! HA-Bee. – 2a. ‘krankhafte Schwellung des Halses an der Vorderseite’, bei Menschen, auch bei Pferden, vereinz. – 2b. ‘Doppelkinn’,  Dubbelkinn(e), 2: JE2-Ste, 3: CA-Bru, 4: BE-La. – 3. ‘oberes Ende des zugebundenen Sacks’ 4: CA-Ak. – 4. ‘Beuge des Schuhs’ 2: Bauernwelt-Ze.
Zuss.: zu 2a: Kälwer-, Kl-.
Krummbund n. ‘Bund von  Krummstr’ 2: Bauernwelt-Ze, 3: OSCH-Ba, WE-Zi – Rda.: der ist so dumm wie’n olt Krummbund Stro ‘er ist sehr dumm’ Bauernwelt-Ze.
Krummstr f. ‘Strohreste, die geknickt und ungeordnet gebunden werden’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 118, Bauernwelt-Ze, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 109.
Lautf.: Krummstroh, -str Wb-Altm 118, Bauernwelt-Ze; -schtr Wb-Nharz 109; -stre HA-Oh; -strau SA-Rist.
Krzweg m. ‘Kreuzung zweier Wege’ 2: BrauchwAltm 56, Bauernwelt-Ze, 3: Wb-Holzl 204 (HA-Wo), HA-Oh, Wb-Nharz 108, 4: Vk-Anhalta 328, Wb-Be – Volksgl.: Da die Hexen (bes. in der Walpurgisnacht) an den K. des Dorfes vorbeiziehen, sollte man sich nachts von diesen Orten fern halten. Brauch-wAltm 56, Vk-Anhalta 328, Wb-Be. Will man sie beobachten, muss man sich dort in der Zeit um Mitternacht unter eine (ererbte) Egge legen. Brauch-wAltm 56. K. eignen sich gut für das Besprechen von Krankheiten. Bauernwelt-Ze, Wb-Be. Die Erbsen, mit denen man seine Warzen bestrichen hat, werden auf einen K. getragen, damit sie dort verwesen. Vk-Anhalta 328.
Lautf., Gram.: Krzwch (veralt.) HA-Oh; Krüüzwee Wb-Holzl 204 (HA-Wo); Kriezwech Bauernwelt-Ze; krzwch Wb-Nharz 108; KreuzwegVk-Anhalta 328; -wch HA-Oh; [kraitsw] Wb-Be.
Lde f. 1. ‘große, abschließbare Kiste mit Deckel, Truhe’ verbr. – Die meist bunt bemalte oder mit einfachen Schnitzereien verzierte L. besaß an jeder Seite einen (schmiedeeisernen) Griff, der Deckel war gewölbt (Wb-Ak 100), meistens aber eben, so dass darauf geschrieben und sogar geschlafen werden konnte: ick leie mei noch’n bettchen up de Loare Bauernwelt-Ze (vgl. 3.). Die Aussteuer der jungen Frauen wurde dort hineingelegt. Vor allem dem Gesinde diente sie zur Aufbewahrung der persönlichen Habe. Neben dem Namen war auf der Vorderseite auch das Jahr des ersten Dienstantrittes eingeritzt. Wb-Ak 100, Vk-Anhalta 9 und 36. Die Handwerksinnungen bewahrten Satzungen, Urkunden und Gelder in L. auf; während einer Sitzung blieb der Deckel geöffnet. Wb-Altm 123; Rda.: dat kint is w ter l jenommen ‘das Kind ist sehr sauber und ordentlich gekleidet’ Wb-Nharz 113. – 2. ‘Schublade’,  Schfkasten, 3: JE1-Pre, 4: BE-Ra. – 3. ‘Bettgestell’,  Beddespundig(e), 2: JE1-Mö. – 4. ‘zahnloser Teil des Unterkiefers der Pferde’ 3: Wb-Holzl 132.
Lautf.: Lde JE1-Mö, verstr. elbostf., Mda-Sti 3 und 16; Lde, Lde verstr. anhalt.; Laod Wb-Altm 123; Lde JE1-Pre; Le verstr. elbostf.; L vereinz. HA, Id-Eilsa 75; L, [l] SA-Dä, Wb-Nharz 113, QUE-Di; Loaje Heimatkalender-Je 1924,61 (JE2-Vie); Loare Bauernwelt-Ze; [lz] DE-Ca, Lse Wb-Ak 100; [ll] Mda-Fuhne 32 (DE-Ca). Zuss.: zu 4.: Kinn-; sonstiges: Häckerlings-, Häckling-, Häcksel-.
Lgel n. 1. ‘kleines Holzfass’, veralt., 2: verstr. Altm. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 171. – Im L. wurden hauptsächlich zur Erntezeit Getränke (Wasser, Bier) mit auf das Feld genommen. Im Kreis Zerbst besaß es zwei einfache Füße, die ein Wegrollen verhinderten. Mit einem an einem Faden befestigten Holzpflock wurde die Öffnung verschlossen, ein Mundbrett erleichterte das Trinken (Bauernwelt-Ze). Das mit einem derben Strick versehene Fässchen konnte zum Transport auf dem Rücken getragen oder an den Erntewagen gehängt werden. – en Leggel Brännwien Albrecht 21822 2,75; Henningk Kruse het gewunnen 1/2 stovekens (Flüssigkeitsmaß) leggelen 1479 StB-Neuhaldenslebenb 141; III lechelen Inventar Klosterhof Aderstedt 1498, UB Kloster Ilsenburg 2,448. – 2. ‘ein bisschen, ein wenig’, veralt.,  bten, 3: Wb-Holzl 133.
Lautf.: Legel STE-Ho; Ll Bauernwelt-Ze; ljel Mda-Sti 171; Leggel Albrecht 21822 2,75; Lechel verstr. Altm. elbostf.; [l] Mda-Ar 25; Nbf.: lecheln Wb-Nharz 115. – Etym.: entlehnt aus lat. lagoena ‘Flasche mit engem Hals und weitem Bauch’, vgl. Kluge 231995,499.