serkken m. waffelartiges Gebäck, 2: verstr. ZE, 3: Wb-Holzl 110 (HA-No) – I. wurde für versch. Festtage wie den Dreikönigstag (ZE-Bra), Fastnacht, Silvester, Neujahr (ZE-Nee) gebacken und verschenkt. Brauch-Anhalt 55. Er war auch eine übliche Gabe beim Umsingen zu Weihnachten. Wb-Holzl 110 (HA-No). Verwendet wurden die besten Zutaten, ein mit Roggenmehl gebackener I. galt deshalb als Ausdruck größter Armut:Ach du liewer Jott,
un noch zweemoa liewer Jott,
un dreimoa rien
(mit Roggenmehl gebackener) Iserkueken!
Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Iserkauken Wb-Holzl 110 (HA-No); -kueken Bauernwelt-Ze; Eiserkuken ZE-We.
serkkensen n. ‘Waffeleisen’ 2: Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Iserkueken-Isen.
Kante f. 1. ‘Rand eines Gegenstandes’ verbr. – Rda.: op de he Kante leggen ‘Geld sparen’ Wb-We 62; upp de Kant sett’n ‘Geld erübrigen, beisteuern’ Wb-Altm 95; an allen Ecken un Kanten flt (fehlt) et HA-Oh; kne Kante ‘nein’ CA-Ak; uf kne Kante ‘auf keinen Fall’ Wb-Ak 84; um keine Kante! dass., CA-Fö. – 2. ‘Ufer eines Grabens oder Teiches’ 2: Wb-Altm 95, 3: Wb-Holzl 115, HA-Oh, Wb-We 62, Wb-Nharz 92 – op de Kante lank gn (am Graben) HA-Oh; ga’ nich sau dichte an de Kante! Wb-Holzl 115. – 3. vorw. in der Verbdg.: feste Kante ‘Webkante am Stoff’,  1Egge, 1: SA-Böd, 2: verstr. brdb., 3: vereinz. elbostf., 4: CA-Su, BE-Ad. – 4. ‘Spitzenkante’, an Tischdecken, Tüchern und Kleidungsstücken, 2: Wb-Altm 95, 3: Wb-Holzl 115, Wb-We 62, Wb-Nharz 92. – 5. ‘Brotrinde’ – j mütt’n mne Kante t’n, ik kann se nich bd’n 2: JE2-Scho. – 6. ‘harte Erdkruste’,  Borke, 2: JE2-Kam Mü Schö. – 7. ‘beim Pflügen die linke Seite am Grund der Furche’ 2: Bauernwelt-Ze. – 8. ‘der dicht unter der Oberfläche befindliche Rand einer Sandbank’ 2: Elbschifferspr. 410 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 410 (CA-Ak).
Lautf.: Kante; außerdem: Kant verbr. Altm., JE2-NeuWa, JE1-Da, ZE-Göd; [gand] BE-Ad; Känt, Kent vereinz. JE2. Zus.: zu 2.: s-.
1Kappe f. 1. ‘Mütze’ 2: Siedler-Je § 134a, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 49; auch ‘am Hals zusammengefaltete Frauenmütze’ 1: SA-Dä – Rda.: einen wat op de Kappe jem’n ‘jmdn. zurechtweisen’, dabei z.T. auch Schläge androhen, HA-Oh; einen op de kappe schtn dass., Wb-Nharz 92; op de Kappe nömen ‘eine Unternehmung verantworten’ Wb-We 62. – 2a. ‘weiter, gerader Rock für Frauen’, veralt., wurde bis zu Anf. des 20. Jh. zu einem langärmligen Hemd getragen, 4: CA-Ak. – 2b. dass. wie  Kapprock, 4: CA-Ak, Wb-Be. – 2c. ‘Unterrock für kleine Kinder’, veralt., 4: Mda-Fuhne 28 (DE-Ca). – 3. ‘fester, die vordere und hintere Wölbung formender Teil am Schuh oder Stiefel’ 2: Bauernwelt-Ze, 3: HA-Oh, 4: Wb-Be – ne Kappe forsetten lten HA-Oh. – 4. ‘Fingerspitze’ 2: Mda-nwJe1b 67 (JE2-HSe). – 5. ‘Getreidehülse’ 3: Wb-Nharz 92; auch Pl. ‘Spreu’ 4: BE-KlSchie. – 6. ‘hochragendes Federbüschel am Kopf von Vögeln’  Noll(e), 3: HA-All, QUE-Wed. – 7. ‘lederne Verbindung zwischen Dreschflegel und Handhabe’ 1: SA-Rist, 3: Wb-Nharz 92. – 8a. ‘leicht abgerundete Erhebung in der Landschaft’,  Barg, 2: Siedler-Je § 264 (JE2-Par). – 8b. ‘steile, hohle Böschung eines Berges’ 3: BLA-Brau.
Lautf., Gram.: Kappe, [káp]; außerdem: [kap] SA-Dä Rist, Siedler-Je § 134a; [kab] CA-Ak; [gab] Mda-Fuhne 28 (DE-Ca); [gab] Pl. BE-KlSchie; kppe Mda-Sti 49. – Etym.: zu spätlat. cappa ‘Kopfbedeckung’, auch ‘Mantel mit Kapuze’, vgl. Pfeifer 1989,790. Zuss.: zu 1.: Nwel-; sonstiges: ser-.
Kse m. 1. Nahrungsmittel, wie Standardspr., allg. – Zur Käseherstellung wurde saure Milch in eine Schüssel gegossen und up’n Torm (auf den Ofen) gestellt, damit sich bei mäßiger Wärme eine Käseschicht bilden konnte. Zum Abgießen der Molke schüttete man die geronnene Milch in ein Leinentuch ( Ksebdel, -dk) oder in ein mit Löchern versehenes Tongefäß ( Ksekorf, -napp, -pott), wo die restliche Masse verblieb, bis sie utjestehn harre (lange genug gestanden hatte). Nach der Zugabe von Gewürzen (Salz, Kümmel) wurde der entstandene Quark (vgl. 2.) noch einmal durchgeknetet und stand nun zu allen Mahlzeiten des Tages zur Verfügung. Bes. die Knechte mussten sich meist damit begnügen. Bauernwelt-Ze. Käs un Brod das mak ich nich, Meester gib mich Speck! Lieder-Ma Nr. 842 (DE). Mit der Hand wurden aus dem Quark Klumpen geformt, die man zum Trocknen auf eine Lage Stroh legte. Hatte der Käse die notwendige Reife erreicht, wurde er in Tontöpfe gepackt und mehrfach in Bier getaucht. Er blieb so lange liegen, bis er ällerte (alt zu werden begann). Bauernwelt-Ze. Kese in’n Steinpott lejjen; de Kese hat’n Blessen (ist innen noch weiß) HA-Oh; d Ksen löppt JE2-Scho; Rda.: er ist durch und durch wie ahler Käse ‘er ist leicht erregt’ Spr-Anhalt 167; hei st t w Kese an’ner Wand ‘er sieht blass und krank aus’ Wb-We 64; d hasd w Gse uff de Bne? DE-Ca; De denken, Kees’ und Brod regn’t van’n Himmel. wird von jungen Leuten gesagt, die ohne finanzielle Absicherung heiraten, Bewohner-Altm 1,343; steht ein Junge untätig herum, wird ihm gesagt: ga man na Hus un pisse diene Mutter op de Kese, dat se olt wern CA-Bie; Sprw.: Kees’ un Brod mockt de Backen rod. Bewohner-Altm 1,343; man kann tau’n halben Keese sau veel Brot äten, wie tau’n ganzen WE-Oster; Wer ens bn Ksen geit, geit ok öfter b. ‘Wer einmal Gefallen an einer Sache gefunden hat, wird wieder darauf zurückkommen.’, sagt z.B. ein Mädchen von einem Mann, der abstreitet, sich mehr als einmal mit ihr eingelassen zu haben, Wb-Altm* 73; Rätsel: Worumme schroaft man’n Käse aff ?Wenn he Feddern harre, kün’n afrupp’n. Lieder-Ma Nr. 484 (GA-Grau); Neckreim:Biste beese, kruup in de Keese.
Biste wedder gut, kruup wedder rut!
Vk-Harz 3,78.
– 2. ‘ Quark’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. SA, OST-Bre. – a. in der Verbdg.: witt(en)/witter Kse dass., 1: vereinz. nwaltm., 2: verbr. Altm., JE2-Sy, verbr. n mbrdb., 3: verbr. elbostf. – b. in der Verbdg.: wken Kse dass., 2: SA-Pü, OST-Poll, vereinz. n mbrdb., 3: vereinz. n elbostf. – 3a. Übertragung auf andere käseartigen Substanzen, die Ekel erregen können, 4: Wb-Be. – 3b. ‘Smegma’ 2: ZE-Roß. – 4a. ‘Frucht der Malve’ 1: SA-Dä, 2: JE2-Scho, 4: Wb-Ak 85 – d Kinna t’n ümma Kse fan dät Krt d JE2-Scho. – 4b. ‘Frucht des Hirtentäschels’ 2: ZE-Roß. – 5. ‘Taschenuhr’, scherzh., 3: Id-Queb 2. – 6. ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo.
Lautf.: Käse, [kz] GA-Rö, vereinz. mittleres JE2, verstr. mbrdb., GA-Grau, vereinz. ö. elbostf., verstr. anhalt.; [gz] Mda-Fuhne 72 (verstr. anhalt.); Ks, Kß SA-Bo Ko, OST-Deu, STE-Hü; Kese, [kz] STE-Arne, verstr. s Altm. JE2 mbrdb., verbr. elbostf.; Ks, Kß, [ks] verbr. w SA nö Altm.; Kese HA-Oh, WE-Wa, [kes] Id-Eilsa 71; Kase BLA-Sti; [kiez], Kiëse OSCH-Di, WE-Rok; Keis, Kais, Keiß verstr. mittleres SA, GA-Jem; [käiz]CALV-Zo; [käis] verstr. mittleres SA, OST-Bi, GA-Ku; [kis] SA-Die Ev; Käsen OST-Da Polk; Kesen, [kzn] verstr. ö Altm., Siedler-Je § 87 (JE2), JE2-Scho; Keisen SA-Gü Siep, OST-Klä, verstr. n GA; [käizn] vereinz. nw GA, STE-Ber; Keeisen Mda-Ost 47 (OST-Gla). – Gram.: n. belegt SA-Dä, HA-Bee, f. belegt vereinz. elbostf. Zuss.: zu 1.: Hand-, Harz-, Klapp-, K-, Napp-; zu 2.: Hackups-, Jkobs-, Matz-; zu 4a.: Katten-; sonstiges: Krümel-.
Ksehrt f. ‘an der Wand hängendes Holzgestell zum Trocknen von frischem Käse’ 2: Bauernwelt-Ze, 3: verstr. w elbostf., 4: Wb-Be.  TZ: Hänge Hrt Ksehänge.
Lautf.: Käsehord Sprw-Harzvorlf 22; Ksehrt verstr. w elbostf.; Kesehert Id-Eilsa 71; Kesehert HA-Oh, Kesehert WE-Wa; [kzehorte] Wb-Be; Kesehorte Bauernwelt-Ze.
Ksekorf m. ‘mit Löchern versehenes Tongefäß zur Trennung von Molke und Quark bei der Käseherstellung’,  Kse 1., 2: Bauernwelt-Ze, 4: Wb-Be.
Lautf.: Keese-Korf Bauernwelt-Ze; [kzekorp] Wb-Be.
Kwitt m. 1. TiN ‘Kiebitz’ 1: SA-Rist, 2: verstr. Altm., JE2-Scho, ZE-Nu, Bauernwelt-Ze, 3: verbr. elbostf., 4: Wb-Ak 89, Wb-Be – Rda.: hls der Kwids Fluch, CA-Ak; de rennt wie en Kiewitt STE-Tan; do kann de Kiewitt de Bullen twingen von schlechtem Ackerboden, OST-GrBeu; Kinderreim:“Kiewitt, wo bliew ick?”
“Hinner’n Brammelbärbusch.”
“Dao sing ick, dao spring ick;
Dao häw’ ick mien Lust.”
Pohlmann 1905,61;
in FlN: 2 morgen an eynem stucke in der Kyuittesbrede. 1518, UB Kloster Ilsenburg 2,499. – 2a. ‘mageres Huhn, magere Gans’ 3: Wb-Nharz 96. – 2b. ‘hagerer, schmächtiger Mensch’,  Hämp(er)ling, 3: Mda-Weg 101, Wb-Nharz 96. – 3. NeckN für die Bewohner von Wilsleben, 3: Vk-Ask 167, Spr-Asch 48. – 4. in der Verbdg.: Kiwitt smieten ‘flache Steine so auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals springen’,  Botterstulle, 2: GA-Wer.
Lautf.: Ki(e)witt, Kwitt, [kwit] SA-Rist, verstr. Altm., JE2-Scho, ZE-Nu, verbr. elbostf., Wb-Be; [kvid] GA-Da; Kwt QUE-Di; Kwitz Wb-Ak 89; kbit OSCH-Di; kbitz Wb-Nharz 96; Nbff.: Kiewick Bauernwelt-Ze; Kifittich, Kfittich HA-Oh, Mda-Weg 101, verstr. Nharz.; Kfittchen WE-La; Kfittjeck WE-Wa.
Klemmkken m. ‘in besonderen Formen gebackener Kuchen’, ausf. vgl. serkken, 2: Bauernwelt-Ze, ZE-We Wö.
Lautf.: Klemmkuken ZE-We; Klemm-Kueken Bauernwelt-Ze; Klemmkuchen ZE-Wö.
Klumpsack m., ein Kinderspiel, 2: Wb-Altm 107, Bauernwelt-Ze, 3: HA-Oh, Wb-We 68, Wb-Nharz 101, CA-El – Die Kinder stehen gebückt im Kreis, haben die Hände auf dem Rücken und dürfen sich nicht umsehen, während ein Mitspieler mit einem Taschentuch, in welches ein Knoten gemacht wurde, um den Kreis mit den Worten “Dreh dich nicht um, K. geht rum” geht. Er drückt es einem der anderen Kinder in die Hand und versucht, sich möglichst schnell in den Kreis zu stellen, damit ihn das nun mit dem Taschentuch verfolgende Kind nicht schlagen kann. Ist er dennoch geschlagen, muss er das Taschentuch wieder an sich nehmen und erneut um den Kreis gehen, im anderen Fall tut dies der andere Mitspieler usw. Wb-Nharz 101. K. spielen bezeichnet auch das gemeinsame Schaukeln zweier Heranwachsender, wobei sie mit dem Gesicht einander zugewandt sind und einer auf dem Schoß des anderen sitzt. Bauernwelt-Ze.