Giersleben ON, in dem Neckreim:Giersleber Rumpeltaschen
Kommen nach Schierstedt Semmeln naschen,
Haben rote Röcke,
Stinken wie die Böcke.
4: Vk-Anhaltc 156.
Giftnudel f. ‘reizbarer, leicht zornig aufbrausender Mensch’, abw., 4: Vk-Anhaltc 106.
Lautf.: Jiftnudel.
Grwanst m. dass. wie  Grhals 1., 2: Vk-Anhaltc 41 (ZE-Gö).
Gs f. 1a. TiN ‘Gans’, bes. das weibl. Tier, allg. – de Geuse snattert HA-Oh; Mine Gäuse maken sick an’t Ahrensäuken; ... Lindauc o.J. 45; Griep doch tweei Gös un mäß (mäste) se fester ... Matthies 1903,6; w willn de Jänse rupp’m JE2-Scho; Un breng uns ’ne gebrat’ne Goos ... Francke 1904,65; Rda.: dree Gös’ äin Gänt titel läut Ausdeutung des Klangs der Glocken, STE-Ho; de witte Gs brögt (brütet) ‘es fällt oder liegt Schnee’ Wb-Altm* 54; dumm wie ane Jans Vk-Anhaltc 85; w ne verflene Gaus ‘einsam und verlassen’ HA-Oh; De sleit hinn’ ut as’n laohm Gans. ‘Er kann keine großen Sprünge mehr machen.’ Bewohner-Altm 1,334; se kukke jen himmel w de jense, went dendert Mda-Weg 93; Dat is, as wenn’n Haw’r von de Gös köp’n deiht. ‘Das ist ein unvorteilhaftes Geschäft.’ Spr-Altm 83; ik will erst mal de Gaus op et Water setten ‘ich will ein Ass ausspielen’, beim Skatspiel, BA-GrAls; Sprw.: De Gos is’n leidigen Vaogel; vör eenen to veel, vör twee to wenig. Spr-Altm 83; Jung’ Gäns’ hämm grod Müler. ‘Junge Mädchen sind sehr schwatzhaft.’ Bewohner-Altm 1,334; De Gs gaon äöw’rall ba(r)ft. ‘Man findet überall Mangel und Armut.’ Wb-Altm 206. – Brauch: G. werden vom 1. Mai bis zum 16. Oktober (St. Gallen) gehütet. Brauch-Anhalt 376 (BE-GrMü). – Volksgl.: Donnert es im Frühjahr, bevor die Bäume wieder grün sind, verlieren die G. ihre Eier bzw. gibt es keine Küken. vereinz. elbostf. Die Sternbilder der Fische und des Krebses sind ungeeignet, um G. zum Brüten zu setzen. Vk-Anhalta 30 (ZE-Rie). In der letzten Woche des Brütens darf nicht gewaschen werden, da man den Küken beim Wringen den Kopf herumdrehen könnte. a.a.O. 30. Um Gänseküken (vor dem bösen Blick) zu schützen oder sie vom Beißen abzuhalten, werden sie mit neunerlei Kräutern geräuchert. Zauber-Ma 92 (WO-Ir), CA-Ak, Vk-Anhalta 31. Das Räuchern von Bestandteilen aus dem Schwanz jedes Kükens, den Nestern und den Daunen der alten G. soll Schutz vor dem Fuchs bieten. Bewohner-Altm 2,285 f. Wenn sich G. waschen, gibt es Regen. Vk-Anhalta 31.  Kinderspr.: Hielegans Hle Hlegans Plegs Tlegs. – 1b. in der Verbdg.: junge/kleine Gs/Gse ‘Gänseküken’, auch ‘junge Gans/ Gänse’,  Gössel, 2: vereinz. mittleres/sw JE1, verstr. ZE, 3: verstr. ö elbostf. (außer nö), 4: BA-Ha Schie, verstr. w/mittleres anhalt. – De Miehme Wittjen junk janzenjar ane Bach, um ihre kleen’n Gänse zu holn. Wäschke 61915,26. – 2. auch in der Verbdg.: dumme Gs ‘dummes, einfältiges Mädchen’, Schimpfwort,  Dussel, 2: Wb-Altm 68, 3: vereinz. elbostf.
Lautf., Gram.: Goos, Gs, J-, [gs], [js] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. n/w/mittlere Altm., STE-Wei; Goas, Goas, J- vereinz. n/mittlere Altm.; Jous STE-Po; Juss OST-Ren; Gaus, J-, [gaus], [jaus] verbr. nwaltm. nw elbostf., verstr. nö elbostf., verbr. OSCH w WAn/mittleres WE, WE-Kö Lan, BLA-Ben, QUE-Nei, Id-Quea 154; Gans, -z, J-, [gans], [jans] verstr. s OST, vereinz. ö GA, verbr. STE n WO n/mittleres JE2 mbrdb. ö/s elbostf. omd.; jns Mda-Sti 9, BA-Ha; Pl.: Göse, J-, [gz], [jz] verstr. sw Altm.; Gö(ö)s, Gs, J-, [gs], [js] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. n/w/mittlere Altm.; Geuse, Gäuse, Goise, J-, [goiz], [joiz] verstr. n/mittleres/w elbostf. (außer sw), WE-Lan; [gois] vereinz. nwaltm.; Geise WO-GrAm; [guis] verbr. nwaltm.; [gus] SA-Die; Gänse, J-, [jänz] STE-Steg, WO-Sa, JE2-Scho, verstr. mbrdb. ö elbostf., CA-Sa, Wäschke 61915,26; Gäns, Jäns, [gäns],[jäns] Bewohner-Altm 1,334, OST-Kru, verbr. STE; Gense, J-, [genz], [jenz] GA-Bo, verstr. WO, HA-NHa, Mda-Weg 93, vereinz. s elbostf., verstr. omd.; unterschiedlicher Bezug Sg.-Pl.: Goos Sg., Gäns, J- Pl. OST-Polk, STE-Peu Wa; Gaus Sg., Gös Pl. SA-Bee; Jans Sg., Göös, J- Pl. vereinz. n STE.
Gsejunge m. dass. wie  Gsehdjer, 3: HA-Eim, 4: Vk-Anhaltc 166, Wb-Be.
Lautf.: Gausejunge HA-Eim; Jänse- Vk-Anhaltc 166; [jenzejue] Wb-Be.
Gottlieb männl. RN – Neckreim:Gottlieb ... Keesedieb! 3: Vk-Harz 3,67;Gottlieb, Dummerdieb,
Hat de Katze in’n Schwanz gekniept.
3: Vk-Anhaltc 123 (BE-
GrMü).
grapschen Vb. 1a. ‘hastig und gierig nach etw. greifen, zugreifen (und an sich nehmen)’ 2: verstr. brdb., 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – Rda.: Er jrabscht, was’e kann. von einem raffgierigen Menschen, Vk-Anhaltc 107. – 1b. ‘stehlen’,  klauen, 2: ZE-Dor, 3: WO-El, BLA-Brau. – 2. ‘mit kleinen Tonkugeln spielen’,  snappen, 2: vereinz. sö SA, verstr. OST, STE-KlSchwa.
Lautf.: grap(p)sch(e)n, grab(b)sch(e)n, j- (anhalt.: [jrabn]); außerdem: [jrapsn] ZE-Kö; [jrpn] Wb-Be; grobschen STE-KlSchwa; gräppschen SA-Vien; jräebschen OST-Meß. – Etym.: neben grapsen Iterativbildung zu mnd. grabben ‘greifen, raffen’, vgl. HWb-Mnd 2,146, bes. in den Mundarten des nd. und md. Sprachraums verbreitet, daneben Bezug zu engl. grab, grasp und anord. grápa ‘an sich reißen’, vgl. Kluge 242002,369, DWB 4,1,5,1896 f.
Grp m. 1a. ‘das Greifen, Zugriff’ 1: SA-Bre, 2: Wb-Altm 69, Bewohner-Altm 1,270 (nö OST), verstr. ZE, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Een Jriff in de Borschten, bums dao läht et. Vk-Anhaltc 167 (ZE-Roß); Rda.: in griffe hebben Wb-Nharz 65; Dätt hett ’n ann Jriff as de Pracher (Bettler) de Lus. Bewohner-Altm 1,270 (nö OST). – 1b. ‘Menge, die man mit einem Griff aufnehmen kann’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE) – en Jriff Aier ‘3 Eier’ a.a.O. (ZE-Gro). – 2. ‘Fettwulst an den Seiten des Schweinebauchs’ 4: Wb-Be. – 3. ‘Handhabe, Griff’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., Mda-Ze (verstr. ZE), 3: vereinz. n elbostf., 4: verstr. anhalt.
Lautf.: Grp Wb-Altm 69; [rif] SA-Chei, GA-Fau; [jrif] STE-Wa; sonst: Griff, J-, [grif], [jrif].
Grobian m. ‘grober, ungehobelter, unhöflicher Mensch’, abw., auch ‘reizbarer, leicht zornig aufbrausender Mensch’ 2: JE2-Bö, 3: Wb-We 42, Id-Quea 155, 4: Vk-Anhaltc 106, Wb-Be.
Lautf.: Grobian JE2-Bö, Vk-Anhaltc 106; Grobejn Wb-We 42, Id-Quea 155; [jrwijn] Wb-Be.
Grölfritze m. ‘Mensch, der sehr laut spricht oder häufig schreit und lärmt’ 4: Vk-Anhaltc 86.
Lautf.: Jröhlfritze.