2n Adj. verstr. 1. ‘nicht weit entfernt’ – tas lt jants ne Wb-Be; immer näger WA-We; g nich te n ran, dat Pert bitt HA-Oh;De Amtmann kunn’t irst nich verstaohn
Un dä’ wat näher ranner gaohn.
Pohlmann 1905,21;
Verbdg.: sau n ‘beinahe, ziemlich’ Wb-Nharz 130; Rda.: einen te n kommen, trn ‘jmdn. beleidigen, kränken’ Wb-Nharz 130; datt is mi to nao ‘das hat mich beleidigt’ Wb-Altm 144; dat is mik doch ngn ‘das hat mich innerlich stark getroffen’ HA-Oh; dat Hämm iss mi näg’r ass de Rock ‘mir ist der eigene Vorteil wichtiger als die Interessen anderer’ Wb-Altm 144. – 2. ‘in enger Beziehung zu jmdm. stehend’ – n forrwant HA-Oh; ne frinne Wb-Nharz 130.
Lautf., Gram.: nah, n verstr. elbostf.; nae Wb-Holzl 144, Sprw-Börde, ne Wb-We 91; nao Wb-Altm 144, [n] QUE-Di; [n] ZE-Roß, Wb-Be; n Mda-Sti 24; Kompar.: näh(e)r vereinz. Altm., Vk-Harz 3,75 (OSCH-Di), QUE-Que; njer, näjer Pohlmann 1905,21, Wb-Ak 118, Wäschke 41910,24; [nja] JE2-Scho; näg(e)r Wb-Altm 144, Bewohner-Altm 1,337, WA-We; [naeg] SA-Dä; [nr] Mda-nwJe1a 42 (verstr. nw JE1), ner Wb-Nharz 130; [njr] ZE-Göd; negger Sprw-Börde; nejjer Wb-Holzl 144; necher, [ner] verstr. elbostf.; neer Wb-Holzl 144; neiher Wb-We 91; ncher Mda-Sti 27; Superl.  nst.
Nacht f. 1. ‘Tageszeit zwischen dem späten Abend und der Morgendämmerung’ verstr. – et Nachts ‘in der Nacht’ HA-No; b nachte dass., Wb-Nharz 131; Bi Nachten goah’k dao mien Lew’dag nich we’r vöärbi. Pohlmann 1905ff.,116; Vor Nacht isse jekom’m. Wb-Ak 118; lest’n Nacht waiat tau dsta (dunkel) SA-Dä; dao will ik east Nacht iwa schlaop’m SA-Dä; g Nacht Grußformel vor dem Schlafengehen, QUE-Di; Rda.: b nacht un newel ‘ganz heimlich’ Wb-Nharz 131; de Fawrke geit Dch un Nacht HA-Oh; sik de Nacht umme de ern sln ‘wegen etw. nachts nicht zum Schlafen kommen’ HA-Oh; Sprw.: de Nacht is keines Minschen Fründ Wb-We 91; Inne Nacht sin alle Katzen jrau. Wb-Ak 118. – 2. ‘die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften – a. in der Verbdg.: de hilligen twölf Nächte 1: SA-Dö, 2: SA-GrAp, STE-Sche, JE2-Par, Vk-Anhaltb 25 (ZE-Cos Stra), ZE-Reu, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Gü, vereinz. anhalt. – b. in der Verbdg.: de hilligen Nächte 2: OST-Bi, GA-Wet, STE-Ei Kre, JE2-Bre See Wu, JE1-Ih Mö, vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: BA-Ha, Vk-Anhaltb 25 (BE-Il). – c. in der Verbdg.: de twölf Nächte 2: STE-Go Ost, ZE-Bur, 3: WE-Mi, QUE-Ga. – d. in der Verbdg.: die zwölf rauhen Nächte4: Vk-Anhaltb 25 (BE-Fr). – e. in der Verbdg.: die langen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il, DE-Mei). – f. in der Verbdg.: die geheimen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il). – g. in der Verbdg.: de witten Nächte 3: WE-Schie. – h. in der Verbdg.: de grulichen Nächte 3: BE-KlMü. – 3. in der Verbdg.: fre Nacht ‘Nacht vor Pfingsten’ 1: BrauchwAltm 59f. (vereinz. nwaltm.), 2: a.a.O. 59f. (vereinz. SA, verstr. GA, STE-Bu Kö), 3: vereinz. n elbostf. – Brauch: In dieser N. ist es den jungen Männern erlaubt, Schabernack zu treiben. So werden z.B. Ackerwagen auseinandergenommen und auf den Dächern wieder zusammengebaut oder das Vieh der Bauern vertauscht. Die Burschen haben bei ihrem Rundgang sogar das Recht zu stehlen, weshalb die Bauern Geld oder Naturalien bereitlegen. Beim Abhalten eines Dorfgerichts werden Personen, bes. die Mädchen des Ortes, getadelt oder verspottet. Brauch-wAltm 59f. – 4. in der Verbdg.: de kolden Nächte ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen, 2: JE1-Grü, 3: HA-Sie.
Lautf., Gram.: Nacht, [nat]; außerdem: ncht Mda-Sti 13; Pl.: Nächte verstr. nd. (außer nwaltm. und n/mittlere Altm.), BA-Gü Ha, verstr. anhalt.; Nächt SA-Dö, vereinz. n/mittlere Altm.; Nechte HA-Oh, nechte Wb-Nharz 131; [ned] BE-He Wa; nachte Wb-Nharz 131, Mda-Sti 13. Zuss.: zu 1.: Johannis-, Matthias-, Midder-.
nachtens Adv. ‘in der Nacht’, vgl. nachts, 2: Pohlmann 1905ff.,124 (OST-GrRo), STE-Grie, Mda-nwJe1a 49 (JE1-Scha), ZE-Roß Ste – de fartige Lienwand kummt nachtens in Kettel un an Daae up de Bleeke ZE-Ste.
Lautf., Gram.: nachtens; außerdem: [natns] urspr. Subst. im Gen. mit proklitischem Anschluss des bestimmten Art. im Gen., Mda-nwJe1a 49 (JE1-Scha).
Nachtigall f. TiN wie Standardspr., verstr. – Wo schön deit bi Pasters de Nachtgolk all singen! Pohlmann 1905,62; Sprw.: Dänn een’n sien Nacht’gaol is dänn ännern sin Ul. Bewohner-Altm 1,351.
Lautf., Gram.: Nachtigall; außerdem: Nachtijall OST-Wal, STE-Wi, JE2-HSe, WO-Schn, Sprw-Börde, BA-Ali; [naxdigal] GA-Da; Nachtigoal ZE-Nu; nachtegal, nachtegle Wb-Nharz 131; nchtejl Mda-Sti 6; Nacht’goal Bewohner-Altm 1,351; Nachtgolk Dim. Pohlmann 1905,62.
nan Interj. 1. Ausruf der Verwunderung, der Überraschung, 2: Pohlmann 1905ff.,115, ZE-Roß, 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Ak 118, Wäschke 41919,89 – nan, dat hew’k ja noch garnich e’wusst HA-Oh. – 2. Ausruf der Empörung, 3: Wb-We 94.
Lautf.: nanu, nan; außerdem: nannu ZE-Roß; non-n Wb-We 94.
nargens Adv. 1. ‘nirgendwo, an keinem Ort, an keiner Stelle’ 1/2/3: verstr. nd., 4: Wb-Be – w hett ‘ne närjens e’sein HA-Oh; Un Lü’ wier’n nernig nich to krieg’n. Pohlmann 1905,20; ik gao nnich mr hen, ik blf ümma to Hius SA-Dä. – 2. in Verbdg. mit einer nachgestellten Präp. ‘nichts’ 1/2/3: vereinz. nd. – hei is narjens medde tefrn Wb-Nharz 132; dat Fraünfok is nnich nütt tau SA-Dä.
Lautf.: narjens WO-Dru, HA-Bee, Wb-Holzl 146 (WA-KlWa), Wb-Nharz 132, QUE-Di; na(r)ns Wb-Altm 143; narjent Wb-Nharz 132; nä(r)gens Wb-Altm 143, Klaus 1936,24; närjens HA-Oh; nergens Wb-We 93; nerjens Wb-Holzl 146 (HA-Eil), [nerjns] Id-Eilsa 80; nerrejens Wb-We* 228; nirjends QUE-GrSchie; [nurjents] Wb-Be; nurjnts ZE-Göd; [nurjns] Mda-Ze (vereinz. ZE); [norjns] a.a.O. (ZE-Roß); verstärkend in der Verbdg.: nargens nicht: nanig Wb-Altm 143; nnich SA-Rie, [nni] SA-Dä; närnig Id-Altm; närnich Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); nä(r)nich Wb-Altm 143; näänig STE-GrMö; nnig Kredel 1929,192; [nni] SA-Rist; nänicht OST-GrBeu; nernig Pohlmann 1905,20, Pohlmann 1905ff.,124 (OST-GrRo); nei nich SA-Bad.
nst Superl. von  2n 1. Adj. ‘räumlich, zeitlich, in einer Reihe unmittelbar folgend’ 2: Wb-Altm 144, JE2-Scho, ZE-Göd, 3: vereinz. elbostf. – nächsten Dienstag CA-Fö; t’ nächste Ml HA-Oh; in dät niste Däp wnte JE2-Scho. – 2. Präp. ‘neben’ 2: Wb-Altm 144, Pohlmann 1905,10, JE2-Wul – hei satt nächst mi JE2-Wul.
Lautf., Gram.: Präp.: nächst Pohlmann 1905,10, JE2-Wul; nägst Wb-Altm 144; Adj.: nächste, nchste vereinz. elbostf.; [nist] JE2-Scho; [njst] ZE-Göd; nechste Wb-Holzl 144, HA-Oh, Wb-Nharz 130, QUE-Di; Negeste subst. Rauch 1925,39; nejeste HA-Oh, nejjeste Wb-Holzl 144.
nwsen Vb. ‘die Richtigkeit, das Vorhandensein von etw. feststellen’ 2: Pohlmann 1905ff.,124 (OST-GrRo), 3: HA-Oh, QUE-Di – dat lett sik lichte nwsen HA-Oh.
Lautf.: nwsen HA-Oh; [nwsn] QUE-Di; naohwies’n Pohlmann 1905ff.,124 (OST-GrRo).
ngenklg Adj. ‘besserwisserisch, sich für klüger als andere haltend’, auch subst., vgl. neunmalklug, 2: Pohlmann 1905ff.,119, OST-Me, JE2-Scho, 3: vereinz. elbostf. – dät is ‘nen nägenkloken Minschen OST-Me.  TZ: klg neunmalklug oberschlau werklg.
Lautf.: negenklauk WO-Dru, Id-Queb 13; nägenklok OST-Me; näjenklauk HA-Oh; [ninklg] JE2-Scho; nejjenklauk Wb-Holzl 146 (HA-Ost), HA-Bee; Nejjen- subst. Sprw-Harzvorlg 264; neig’nklok Pohlmann 1905ff.,119.
niederträchtig Adj. 1. ‘boshaft, gemein, abscheulich’, auch ‘ungezogen, garstig’, von Kindern,  unrtig, 2: JE2-HGö, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha, Wb-Be – dat is ndertrechtich fon dik HA-Oh. – 2. ‘nichtswürdig’ 3: Wb-Nharz 135, Id-Queb 13. – 3. ‘sehr, überaus’, abw.,  bannig, 3: Wb-Nharz 135, Spr-Asch 28, 4: CA-Ak – et is nderdrechtich klt Wb-Nharz 135. – 4. ‘herablassend, umgänglich, leutselig’ 2: Id-Altm, Wb-Altm 147, Pohlmann 1905,46, 3: Wb-We 93, Wb-We* 228, Id-Queb 13 – Datt iss’n niderträchtigen Krl. Wb-Altm 147.
Lautf.: ni(e)derträchtig Id-Altm, Wb-Altm 147, Pohlmann 1905,46, JE2-HGö, CA-Fe, BA-Ha; nidertrechtich Wb-We* 228, nder-, -drächtich HA-Oh, Spr-Asch 28; -drechtich Wb-Nharz 135; [ndrdredi] CA-Ak; [nidrtreti] Wb-Be; nedderträchtig Wb-We 93; -trechtig Id-Queb 13.