Arft(en)suppe f. ‘Erbsensuppe’ 2: Pohlmann 1905,83, GA-KloNeu, 3: vereinz. HA, Wb-Nharz 17, 4: Wb-Be – Dao ha’ sei daon schön’ Erwtsupp’ rin ... Pohlmann 1905,83.
Lautf.: Arftzuppe Wb-Holzl 56, HA-Oh; Arftensuppe, arften- Wb-Holzl 56, Wb-Nharz 17; Arft’nzuppe HA-Bee; [arwsupe] Wb-Be; Erwtsupp Pohlmann 1905,83; Erften- GA-KloNeu.
arg Adj. 2: vereinz. Altm., JE2-Scho, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 13 und 53, vereinz. w anhalt. 1a. ‘boshaft, niederträchtig’ – subst.: in dn minschen is nischt arjes inne Wb-Nharz 17. – 1b. ‘ärgerlich, zornig’,  1fuchtigvle sünt rch up äm JE2-Scho; As d’ Pohlsch dat hür’n dä’, was s’ hell’sch arg, ... Pohlmann 1905,16. – 2. ‘übel, schlimm’, auch ‘unangenehm’ – arjes wder Wb-Nharz 17; Rda.: mak et nich de arch Drohung, Id-Eilsa 49; Sprw.: Je ärger Stück, je mihr Glück. ‘Moralisch leichtfertige Frauen haben dennoch oft Glück, indem sie sich z.B. gut verheiraten.’ Bewohner-Altm 1,361.
Lautf., Gram.: arg, arch vereinz. Altm. w elbostf., Wb-Ak 25; Arges, arjes subst. Wb-Nharz 17, BLA-Brau, Vk-Anhaltc 106; arger Kompar. Sprw-Börde; ärger Kompar. Bewohner-Altm 1,361; [ar] Mda-War 23; [ari] Wb-Be; [r] JE2-Scho; rch Mda-Sti 13; rech a.a.O. 53.
Arger m. ‘Unwille, Verdrossenheit’, auch ‘ärgerliche(s) Erlebnis(se), Unannehmlichkeit(en)’ 1: Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die), 2: Pohlmann 1905,68, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – ... an’n jroßen Arjer ... Wäschke 31919,81; arjer inschlukken Wb-Nharz 87; hei hat en Arjer up mek BLA-Brau; mache mich man kn’n Arjer Wb-Be; Reim: Arrejer, Arrejer tull, tull, tull, arrejert sich de Nse vull! rufen Kinder jmdm. zu, der sich ärgert, Wb-Ak 25. – Volksgl.: Hänne bekikken jift Arjer Sprw-Börde.
Lautf.: Arger, Arjer, a-, [arj()r] verstr. elbostf. ZE, vereinz. omd.; Arrejer Wb-Ak 25; [rjr] ZE-Roß; Ärger, Ärjer Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die), Pohlmann 1905,68, Klaus 1936,50, Id-Eilsa 49; Erjer Wb-Holzl 56 (HA-Eil); Erreger OSCH-Di.
Aust m., slt. auch f. 1. ‘Ernte(zeit)’, vgl. Erne, bezogen vor allem auf die Getreide-, bes. die Roggenernte, slt. auch nur der (Ernte-)Monat August, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm. (außer CALV n WO), WO-Ucht, verbr. JE2, verstr. n JE1, JE1-Gö Lei, ZE-Bur – anna Woch gait Aöst ls SA-Dä; w rbai’n in Aust schw JE2-Scho; Enns was’t ook w’r Aust west, un’t Koarn was all rin, ... Pohlmann 1905,7; Immer wurr in’n Aust ne Schöddel vull met noat Feld noahmen ... JE2-Fi; Rda.: “Krischan, verloat mi nich to’n Aust.” sagt eine Garbenbinderin zum Knecht, der zu schnell mäht, ADVK Nr. 88 (GA-So); Toerst int Jahr kümmt de fröhliche Ostern, drup de lustige Pfingsten, un denn de sackermentsche Aust. Spr-Altm 76; Bauernregel: ’n fruchtbar’n April möckt dänn Aust nich still. Bewohner-Altm 1,319; Sovöäl Daa de Swattdorn vorn Maidag blöht, sovöäl Daa wätt vöä Jakobi (25. Juli) Aust STE-Scho. – Brauch, Volksgl.:  Erne. – 2. ‘das nichtkirchliche Erntefest’,  Ernekranz, 2: ADVk Kt. 76 (vereinz. nbrdb.) – zum Brauchtum vgl. bes. Ernebrde(n), Ernekranz, Vrgdendl.
Lautf.: Aust, [aust], [aost]; außerdem: Aus Ehlies 1960a 78; [oust] SA-Rist; [aöst] verstr. nwaltm.; Nbf.: Austen GA-Sta, JE1-Gö. – Gram.: f. belegt SA-HDo, OST-GrBeu, STE-Do, JE2-Mö, JE1-Lei. – Etym.: ndl. Siedlerwort, ndl. oogst zu vulgärlat./mlat. augustus, das seit dem 12. Jh. ‘Ernte’ bedeutet; die urspr. Lautform auf - wandelt sich unter dem Einfluss des Monatsnamens August vielfach zu Aust, vgl. Wb-BrdbBerl 1,385, Teuchert 21972,234 f.
austen Vb. ‘(Getreide) ernten’ 2: vereinz. Altm., JE2-Fe Scho, JE1-Grä – w willn majen Roggng aust’n JE2-Scho; subst.: Dat Austent ging nu düchtig los; ... Pohlmann 1905,20.
Lautf.: austen, aust’n, [aust]; außerdem: [ast] Mda-Ar 39; Austent subst. Pohlmann 1905,20.
br Adj. 2: Pohlmann 1905,15, Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.), 3: vereinz. elbostf. (außer sö), 4: Mda-Sti 16, Wäschke 41910,59. 1. ‘unbekleidet, unbedeckt, nackt’ – ... ewwer seine barn Knie’en ... a.a.O. 59; Rda.: sek br mken ‘alles Geld ausgeben’ Wb-Nharz 21. – 2. ‘in/mit Geldscheinen oder Münzen’ – In’n Geldschapp legen ... Schuldschiens un baar Geld. Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.); hei hat glks br betlt HA-Oh; Rda.: Baar Jelt lacht. Wb-Holzl 32.
Lautf., Gram.: br HA-Oh, Wb-Nharz 21; baar attr. n. Nom. Sg. Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.), Wb-Holzl 32; barn attr. f. Dat./Akk. Pl. Wäschke41910,59; baor, boar, br Pohlmann 1905,15, Spr-Mab 387 (JE1-Gü), QUE-Di; pr Mda-Sti 16.
beide Indefinitpron., bezeichnet zwei als bekannt vorausgesetzte Größen, verstr. 1a. das Gemeinsame von zwei Personen oder gleichartigen Dingen hervorhebend, im Satz vorw. in unbetonter Stellung und mit Art. oder als Apposition zu einem Pron. – subst.: ..., wi willn dät bei’ gans genau unnersöken ... Firmenich 1854,124 (OST-Hav); d hemm sick bäide jrne JE2-Scho; ..., wei beiden kennt unsch all länger! Klaus 1936,1; Wie se beide noch lüttge Krabben waren, ... Lindaua o.J. 10; d beiden nmen sek nischt in der grte Wb-Nharz 133; dat blifft daob, dat hemm wai bai emmao afmoakt SA-Dä; Rätsel:Klimpermann un Klappermann
leipn beide ’n Barg heran,
Klappermann leip noch sau sehr,
Klimpermann kamm doch noch ehr? –
Pferd und Wagen, Chr-
Em 438;
attr.: ... damit junkse naus un jochte de beeden Mächens heem. Wäschke 61915,109; Wat hüte de baien Riddergter ... sünd, ... Tiedge 1954,39 (HA-Ost); ... de Bure spanne siene beiden Päre an ... Rauch 1929,8. – 1b. für zwei als zusammengehörig betrachtete Personen oder Dinge hervorhebend, dass etw. für sie gleichermaßen gilt, im Satz in betonter Stellung und ohne Art. – subst.: alle bde Kommando, je einen  Schrick zu beiden Seiten des Kahns zu setzen, Schifferspr., Elbschifferspr. 389 (STE-Bit); Hüte sünd se alle beide wech! Hbl-Ohre 1935 Nr. 6/ Becker (HA-Bee); attr.: An leewsten mücht’ ick bei’ Deel. Pohlmann 1905,50; Mit alle bd Hen’ne hat’e ninjejriffen Wb-Ak 33; ..., daß da schtarke Narvn dorzu jeheern. Uff beede Seitn! Krause 1964,30; Un weil nu beede Nappersch (Nachbarn) miede woarn ... Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa); Rda.: n’ Balken op beide Schuldern drn ‘es jedem recht machen wollen’ HA-Oh; ls tich apmln uff Leschpapr, tenn sste tich fon pt Saitn Wb-Be; Sprw.: injestahnes Unrecht ehrt beie Deile Sprw-Börde. – 2. n. Sg., zwei verschiedene Dinge, Eigenschaften oder Tätigkeiten zusammenfassend – “Jung, du snackst as’n Affkaten, öwer et giwt ook Deerns, wo man beides find’t.” Heimatkalender-Ma 1931,86 (Altm.).
Lautf., Gram.: st. und sw. (-(n)) Dekl. sind nach Möglichkeit zusammengefasst, weitere gram. Kategorien innerhalb dieser Gruppen bleiben unberücksichtigt: beide(n), baide(n), [baid(n)], [baed] SA-Im, vereinz. s Altm., Elbschifferspr. 389 (JE2-Mi), JE2-Scho, Dialekt-Ma 12/Mda-nwJe1a 40 und 48 (verstr. JE1, ZE-Dor), verstr. elbostf.; beid vereinz. w Altm.; paide Mda-Sti 30; beides n. Sg. Heimatkalender-Ma 1931,86 (Altm.), Wb-Nharz 24; beie(n), bai(’)e(n), [bai(n)], [bay], [bae] CALV-Zo, vereinz. JE2, Mda-nwJe1a 40 und 48 (JE1-Rie), vereinz. n elbostf., Sprw-Börde, WA-Schw; bai(n), bei(n), bei’(n), [bai(n)], [baen] verstr. nwaltm. n/w Altm., Wb-Holzl 59 (Allertal, HA-Ost); [be] OST-Krum, vereinz. STE; [bäid] JE2-Scho; [bäi], [bi], [bi] verstr. sö SA s OST STE, GA-Wen; [b] Mda-nwJe1a 40 und 48 (JE1-Pa); [be] vereinz. nwaltm., OST-Kru, GA-Le; [bi(n)] SA-Ah, vereinz. w Altm.; [...bnt] Mda-nwJe1a 48 (JE1-Ih); beede(n), bde(n), [bd(n)] Elbschifferspr. 389 (STE-Bit), WO-Zi, Dialekt-Ma 12 (vereinz. JE1), vereinz. ZE, JE1-Pre, vereinz. anhalt.; [pde] Wb-Be; bd Wb-Ak 33; [bl] ZE-Roß, Mda-Fuhne 119 (DE-Ca); bse Wb-Ak 33; [b] vereinz. ö SA; bade, bde, [bd] Spr-Asch 35, Vk-Ask 374, QUE-Di; [bj] Elbschifferspr. 389 (WO-Ro), WO-Zie.
bestellen Vb. 1. ‘in Auftrag geben, veranlassen, dass etw. geliefert wird’ 1: SA-Dä, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – hai hat sik bn Schlachta an Ingeschnitt (Eingeweide) beschtet SA-Dä. – 2. ‘ausrichten’, auch ‘jmdn. an einen bestimmten Ort beordern’ 2: GA-Bo, Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – ik soll’n gen dach bestell’n Spr-Mab 398 (WO-Ol); de schitten (Schützen) nr schenke beschtellen Wb-Nharz 25. – 3. ‘das Feld für die Aussaat vorbereiten’ 2: Pohlmann 1905,21, 3: vereinz. elbostf. – dat Feld bestellen HA-Oh.
Lautf., Gram.: bestell(e)n vereinz. n elbostf.; -stellt Part. Prät. GA-Bo, Pohlmann 1905,21, Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie), Wb-Ak 59; -stelle 1. Sg. Präs. Richter o.J. 38; -schteln Wb-Nharz 25; [btet] Part. Prät. SA-Dä; bistellen Klaus 1936,27, Wedde 1938,22; buschtelln Wäschke61915,57; buschtellte 3. Sg. Prät. a.a.O. 124; [puteln] Wb-Be.
bstig Adj. 1. ‘viehisch’, dann auch ‘wild, unbändig’, bes. von betrunkenen Menschen, 2: Wb-Altm 16, Bewohner-Altm 2,129. –2. ‘sehr, überaus, stark’,  bannig, 2: vereinz. Altm. – Dat een oll Perd was beestig klok ... Pohlmann 1905,4.
b verbr. I. Präp. – 1. räumlich – a. zur Bezeichnung der Nähe von etw., jmdm. – bn hse Wb-Nharz 26; sai stait b ’n Fer WA-Un. – b. zur Bezeichnung der direkten Berührung, Verbindung – Lock bä Lock STE-Schi; d Schtrke (weibl. Rind) wa no nich bain Bulln JE2-Scho; b’n Koppe krn HA-Oh; Rda.: dat geit mi bit an’n Kraog’n ‘das wird für mich gefährlich’ Wb-Altm 115; ’n beis Schlafittchen n’m ‘jmdn. fassen’, auch ‘jmdn. zur Rechenschaft ziehen’ Wb-Ak 118; Sprw.: wn de kau hrt, d ft’se bn schwanze ‘wen eine Sache etw. angeht, der kümmere sich darum’ Wb-Nharz 27. – c. zur Bezeichnung des Lebens- und Arbeitsbereichs von jmdm. – bäi uns to Hs Nd-KlWu 16; bi fremmen Lüen WE-Dee; Ich bleiwe bei mei’n Vter w’n. Wb-Ak 33; Bi’n Dokter dao mütt ‘r noch beestig lang lu’rn. Pohlmann 1905,23; Jerade en Jahr spehter, wie der Junge hier bei’n Koofmann ... in de Lehre jekommen war ... Heese 21919,9. – d. zur Bezeichnung des eigenen Bereichs – Rda.: bi sick sin ‘bei Verstand sein’ Wb-Altm* 50. – e. ‘zu’, vorw. in Verbdg. mit Verben der Bewegung zur Kennzeichnung des Ziels der Bewegung – bmek ‘zu mir’, Zuruf an Hunde, Mda-Weg 87; ... mor jehn nu erscht ehma alle bei uns ... Alt-Cöthen 15; ... jehnse mantema num bei’n Harr Pfarrn ... Wäschke 61915,12; ’n Daach secht’n, wenn’n bi Lü’ kümmt Wb-Holzl 63. – 2. zeitlich – a. zur Bezeichnung eines Zeitpunktes oder einer Zeitspanne – b Daoch SA-Dä; b mnder tt ‘zu meiner Zeit’ Wb-Nharz 27; b Winterstt HA-Oh; bi Schuren ‘zeitweise’ Wb-Holzl 63. – b. zur Bezeichnung der Gleichzeitigkeit mit einem weiteren Geschehen – Ich wr jerse beis Abwaschen, we km. Wb-Ak 33. – 3. modal, zur Angabe der Begleitumstände, auch mit kausalem oder konditionalem Nebensinn – Ik wodd bäi de Hitt hällisch möh. Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Rda.: b Nacht un Nbel ‘heimlich’ HA-Oh; bi Weje sien ‘rüstig sein’ Wb-Holzl 63; b kasse sn ‘genügend Geld besitzen’ Wb-Nharz 27; noch nich ganz bi Welt sien ‘noch benommen sein’ Wb-Holzl 63. – 4. in Bezug zu jmdm., etw.: ‘betreffs’ – Sprw.: bi Kälwer un lüttje Kinder mott’n de Maate wetten ‘Erwachsene dürfen in Bezug auf Kinder und Jungtiere nichts erwarten, was über deren Verständnis und Leistungsfähigkeit hinausgeht.’ HA-No. – 5. zur Bezeichnung einer bestimmten Beziehung zu jmdm., etw. – hei wr der haupter (Anführer) b de sache Mda-Weg 96; Rda.: et Kind bi’n rechten Namen nennen ‘etw. ohne Beschönigung aussprechen’ Sprw-Börde. – 6. zur Bezeichnung eines Geschehens, Vorgangs bzw. der Beteiligung an etw. – wei sint bn dreschen Wb-Nharz 27; beis Schlachten un Backen ward de Molle vurjeholt Serimunt 1929 Nr. 46; Sprw.: weck’rn bit Brotbacken Deeg an’n Finger hack’n bliwt, is giezig Spr-Altm 52. – II. Adv. Kurzform von  drb, vereinz. – dichte bi Wb-Holzl 63; d is nischt b te mken Wb-Nharz 122; dao nusselt h all tw Daog bi un wt nich farig. Wb-Altm 148; da willt wie lustig un fröhlich bie sien HA-Bee.
Lautf. (auch in Verbdg. mit Zuss.): bie, b verbr. nwaltm. w/mittleres SA, vereinz. n SA nw OST w GA, verstr. s Altm. (außer s STE), verbr. elbostf.; p Mda-Sti 17; bei, bai verbr. ö SA w OST n/mittleres GA, vereinz. STE, verstr. JE2 mbrdb., vereinz. sö elbostf., verbr. anhalt.; [pai] Wb-Be; be-i GA-Wo, ZE-Kö; bäi, [bi], [bäi] Bewohner-Altm 1,331, verstr. mittlere Altm., vereinz. mittleres/s JE2, Mda-Ze (ZE-Gro); bäj OST-Möl; STE-GrMö Schi; ba BA-Ha, Spr-Asch 34.