Beddewgen m. ‘Wagen, mit dem die Aussteuer der Braut in das Haus des Bräutigams gefahren wird’ 2: vereinz. Altm. – Brauch: Die Fahrt mit dem B. erfolgte am Tag vor der Hochzeit. Hochzeitsbrauch-Altm 350. Unter dem Schutz der Frauen steht der Transport des Brautbettes ( Brtbedde), da die Männer versuchen, etw. daraus zu entwenden. Wb-Altm** 41. Bevor der B. das Gehöft des Bräutigams erreicht, wird er einige Male im Dorf herumgefahren. Hochzeit-Altm 32.
Lautf.: Bettwaogen.
behexen Vb. ‘jmdm. etw. anhexen, anzaubern’ 2: Hochzeit-Altm 34, Vk-Anhalta 23 (ZE-Na Rie), 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, Wäschke 61915,15 – “..., wenn ich an Weiweßen ufn Wan hawwe, da isses wie buhext.” a.a.O. 15; Beschwörungsformel gegen böse Geister: bihexe mek nich, bikawe ( bekpen) mek nich, likke mek in Arsche und denn schadet et nischt BLA-Tr. – Brauch, Volksgl.: Wenn Braut und Bräutigam zum Kirchgang ihre Hemden links anziehen, können sie nicht behext werden. Hochzeit-Altm 34. Einer behexten Kuh soll man schweigend und ohne dass es jmd. sieht, den Schwanz einritzen und Gerstenkörner hinein tun. Vk-Anhalta 23 (ZE-Na).
Lautf., Gram.: behexen Hochzeit-Altm 34, HA-Oh; -hext Part. Prät. WO-Dru; bihexe Imp. Sg. BLA-Tr; -hexet Part. Prät. Wedde 1938,79; buhext Part. Prät. Wäschke61915,15; [puheksn] Wb-Be.
Brgeld n. ‘Trinkgeld’ 2: Hochzeit-Altm 24, 3: Wb-Holzl 60 (WA-KlWa) – Brauch: Der durch ein quer über den Weg gespanntes Seil aufgehaltene Brautzug kann weitergehen, wenn der Bräutigam sich durch die Zahlung eines B. löst. Hochzeit-Altm 24.
Lautf.: Baierjeld Wb-Holzl 60 (WA-KlWa).
besnacken Vb. 1. ‘bereden, besprechen’, z.T. auch ohne befugt zu sein, auch ‘etw. durch Besprechen abwä- gen, überlegen’ 2: Wb-Altm 198. – 2. ‘abfällig, schlecht über jmdn. reden’ 2: a.a.O. 199, Hochzeit-Altm 15. – 3. ‘jmdn. überreden’ 2: Wb-Altm 199.
Bibberkendrt m. ‘feiner Gold- oder Silberdraht, an dem bunte Glas- oder Bernsteinperlen befestigt sind’, war Bestandteil der Brautkrone, vgl. Bwerkendrt, 1: Hochzeit-Altm 39 (nwaltm.), 2: Vk-Altm 254.
Lautf.: Bebberkendra(o)t.
Bl n. ‘Blei’, das Metall, verstr. – Rda.: swr w Bl HA-Oh; ... denn is et doch grade, wie wenn’n en Korf vull Blie vor’n Buke hat. Wedde 1938,6. – Brauch: In der Fastenzeit war in den Spinnkoppeln das Bleigießen als Orakelspiel üblich. Wie auch in der Silvesternacht gaben die Gebilde, die beim Erstarren des in Wasser gegossenen Bleis entstanden, Auskunft über die nähere Zukunft. Hochzeit-Altm 9, Brauch-wAltm 22.
Lautf.: Blie, bl Wb-Altm 20, verstr. elbostf.; Blei, [blai] verstr. mbrdb., Richter o.J. 79; [plai] Wb-Be; [bla] Mda-Ar 33; [bli] Mda-Ze (ZE-Gro).
Blt n. 1. ‘Blut’ verbr. – ... un sahen, dasse Blut anne Backe hadde ... Wäschke 61915,34; ek hebbe mn Blaud von der Menstruation der Frau, BLA-Brau; Rda.: einen bis op et blaut arjern ‘jmdn. sehr ärgern’ Wb-Nharz 29; in Blaue sticken ‘sich sehr ärgern’ Id-Eilsb 146; De löppt de Gall to licht in ’t Blot ... ‘jmd. ist leicht reizbar’ Matthies 1903,28; et is doch sn eigen Blaut von der Blutsverwandtschaft, HA-Oh; Sprw.: Gd mkt Blt ‘eine angenehme Erscheinung und die Herkunft aus einer angesehenen Familie verhelfen leichter zu einem Ehepartner’ Hochzeit-Altm 62. – Volksgl.: Durch Besprechen mit (vorw. hd.) Segensformeln sollten Blutungen gestillt werden:Blut, steh stille mit deiner Flut,
Ich beschwöre dich durch Christi Blut.
Zauber-Ma 80 (HA-
Sü).
– 2. ‘aus beschädigten Weinreben austretender Pflanzensaft’ 4: Wb-Ak 38, Brauch-Anhalt 14.
Lautf.: Blo(o)t, Blood, blt verbr. nbrdb. w JE1; plut Mda-Sti 40; Blaut, Blaud verstr. nwaltm., verbr. elbostf.; Bluet, [blut] verstr. mbrdb., DE-Ho; Blut QUE-GrSchie, verbr. anhalt.; [plt] Wb-Be.
bottern Vb. 1. verstr. – a. ‘Butter herstellen’ – Wenn de Melk uten Stall kom, wurre se dörch’n Seiduek in Satten e’ joten un up 8 Dah int Melkschapp estellt, denn wurre se met’n Lepel affesohnt, de Sohne kam in Botterfatt un denn jing det Pumpeln (Stampfen) los. Wenn’t nu Botter wor, wurre se rutekrigt un düchtig met kolt Woter dorcheknät bes se schön stif wor. JE2-Gü. Anschließend wurde die Masse in Formen gepresst. – b. ‘zu Butter werden’ – et bottert nich WA-Schw; Sprw.: wennt nich boddern will, dänn bodderts nich ‘manchmal kann man nichts gegen das Misslingen von etw. tun’ STE-Do. – Volksgl.: Um erfolgreich zu b., werden zu Beginn des Vorgangs 3 Kreuze auf das Butterfass gemacht. Abergl-Ma 233 (WO-HWa). Wenn es nicht b., konnte eine Behexung die Ursache davon sein. Um diese zu lösen, holte man den Dorfhirten herbei, damit er die Reifen des Butterfasses von oben nach unten zählt (BE-Gn). Daneben wurde u.a. ein Kupferstück in die Sahne geworfen (ZE-Na), die Sahne an einen Kreuzweg getragen, wo die Hexen tanzen (BA-Fro) oder das Butterfass mit neunerlei Holz, das nachts zu sammeln war, geräuchert (ZE-Ke). Vk-Anhalta 211. – 2. ‘sich durch Geldzahlung lösen’, durch den Bräutigam, wenn der Hochzeitszug durch eine gespannte Leine aufgehalten wird, 2: Hochzeit-Altm 24. – 3. dass. wie  Botterstulle 2., 2: ZE-Ned, 4: BA-Schie. – 4. ‘sumpfig, morastig sein’, vom Acker, vgl. aber 1buttern 2., 4: Wb-Ak 43.
Lautf., Gram.: bottern Inf., bottert 3. Sg. Präs.; außerdem: [botan] JE2-Scho; boddern Inf., boddert 3. Sg. Präs. SA-Die, STE-Do, JE1-Ziep, WE-Schie, BA-GrAls; [bodn] SA-Rist; pettern Mda-Sti 104; buttern ZE-Ned, verstr. anhalt.; [putrn] Wb-Be.
Brdegamsknechte Pl. ‘Einlader zur Hochzeit’ 2: Hochzeit-Altm 15.
Lautf.: Bröddegamsknechte.
Brtbettstörmen n. ‘das Durchsuchen des Brautbettes nach Wein durch die Hochzeitsgäste’, veralt. – Brauch: Der Bräutigam versteckt einige Flaschen Wein im Bett. Nachdem sich das Brautpaar in die Schlafkammer zurückgezogen hat, drängen die Gäste hinein und durchwühlen das Brautbett, um die Flaschen zu finden. 2: Hochzeit-Altm 45 (vereinz. n GA).